Medien für die sprachliche Bildung und Literacy

Bücher und Bilder, Spiele und Töne motivieren Sprache, Gefühle und Gedanken.​

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.

Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

Das Osterküken

Die Henne Hilda brütet seit 21 Tagen, doch ihr Küken will nicht schlüpfen. Es hat sich nämlich vorgenommen genau am Ostermorgen auf die Welt zu kommen. Durch die Schale fragt es seine Mutter: „Mama, wann ist Ostern?“ Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Denn Ostern ist manchmal im März und manchmal im April. Die Tiere des Bauernhofs können der Henne Hilda auch nicht helfen. Glücklicherweise kennt Max, der Steinkauz, das Geheimnis. Um ein echtes Osterküken zu werden, muss sich das Küken noch etwas gedulden und zwar bis zum ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Damit das Küken erkennen kann, wann Vollmond ist baut ihm Henne Hilda sogar eine Art Fernrohr und nach dem ersehnten Vollmond, beginnt es die Tage zu zählen. So schlüpft es genau am Ostersonntag aus dem Ei und wir erfahren auf liebenswerte Weise, warum sich das Osterdatum jedes Jahr ändert.

Buchcover Huhn mit Ei

Die Geschichte wird mit einfacher Satzstruktur und klaren Dialogen erzählt. Sie befasst sich mit dem Thema Zeit, indem sie eine kindgerechte Erklärung auf die Frage bietet, warum Ostern jedes Jahr an einem anderen Termin stattfindet. Obwohl das Küken und die Folgen seines ungewöhnlichen Wunsches im Mittelpunkt stehen, werden Zitate aus dem christlichen Motivbereich benutzt. Text und Bilder deuten eine religiöse Dimension an, indem sie auf das Osterfest bezogene Metaphern bieten, wie beispielsweise die drei Kreuze auf dem Berg oder das neue Leben.

Alexandra Junge zeichnet ihre Bilder in Acryltechnik. Sie pflegt einen farbintensiven Stil voller witziger Einfälle. Ihre Hühner, Hasen und anderen Tiere bestechen, teils karikaturhaft verfremdet mit beredter Mimik und Körpersprache. Mit ungewöhnlichen Perspektiven, wie beispielweise die Gestaltung der Bäume, versteht sie es Spannung in ihren Bildaufbau zu bringen.

Anregungen für die Praxis

  • Dialogorientierte Bilderbuch-Betrachtung Bilder zeigen und erzählen etwas, sie weisen auf etwas hin. Der Aufforderungscharakter dieser Bildsprachlichkeit regt Kinder zum Fragen, Erzählen und Kommentieren an.
    Lassen Sie Bedeutung entstehen, indem sie gemeinsam mit den Kindern konstruieren,  Abgebildetem nachspüren, oder einfach phantasieren.
    Wenn bei einer gemeinsamen Betrachtung eines Bilderbuchs der Dialog zwischen Vermittlerin und Kindern die zentrale Rolle spielt, sind die Kinder aktiv in die Bildbetrachtung mit einbezogen, also zugleich Zuhörer und Erzähler. 
    Eine dialogorientierte Bilderbuch-Betrachtung motiviert Kinder, eigene Erfahrungen einfließen zu lassen und sich mit der Ästhetik der Bilder auseinanderzusetzen. Fragen helfen, diese kommunikative Interaktion zu entwickeln.
    - Wie viele Eier hat Hilda Huhn wohl in ihrem Leben gelegt?
    - Warum geht das Ei nicht kaputt, wenn sich die Henne Hilda zum Brüten auf das Ei setzt?
    - Hilda hat für jeden Tag, den sie brütet einen Strich gezeichnet. Wie viele Striche sind es?
    - Was hatten die Hühner im Stall über das Osterfest erzählt?
    - Was würdet ihr tun, wenn ihr eine Stimme aus einem Ei hört?
    - Weshalb sind die zwei Hasen, die Hilda im Stall trifft keine Osterhasen?
    - Warum gehen Hühner so früh schlafen?
    - Woher weiß Max der Steinkauz so genau, wann das Osterfest ist?
    - Was meint ihr, braucht ein Tag, um ein Frühlingstag zu sein?
    - Was ist anders als sonst, wenn Vollmond ist?
    - Erzählt, wie das wohl gewesen ist, als das Küken im Ei saß und sich so schrecklich gelangweilt hat.
    - Könnt ihr euch erklären, woher die Hilda den Strohhalm hat?
    - Wie viele Glocken hat eure Kirche?
    - Wann läuten die Kirchenglocken und wann läuten sie besonders schön?
    - Welchen Namen haben die Kinder des Bauern dem Osterküken gegeben?
    - Was glaubt ihr, hat das Osterküken am liebsten gemacht: gespielt, Körner gepickt, geschlafen, oder gar etwas ganz anderes?

    Für die in jedem Bild versteckten Hasen, bietet sich eine zusätzliche Bildbetrachtung an, in der die Kinder schwerpunktmäßig ihre Wahrnehmung auf das Suchen der Hasen konzentrieren.
  • Auf ein Osterei zu schreibenDies Haus hat keine Ecken.Ist was Gutes drin,lass es dir schmecken.Steigt heraus ein Kikeriki,hast du Musik um vier in der Früh.                                                                                                                           Josef Guggenmos... aber auch jedes andere Kurzgedicht passt auf ein Ei. Ein längeres kann auf mehrere Eier aufgeteilt und in Eierbechern zum Lesen aufgestellt werden.
  • Küken aus dem Ei
    Material: Bierdeckel, Moos oder grünes Papier, Klebstoff, 2 halbe Eierschalen (beim Aufschlagen darauf achten, dass die Hälften nicht gleich groß sind), gelbe Schafwolle oder Watte, etwas schwarzes und rotes Tonpapier, Schere
    Einen Bierdeckel auf einer Seite mit Moos oder grünem Papier bekleben. Die beiden Eierschalen  so draufkleben, dass die Öffnung nach oben zeigt. In die größere Schale  Watte oder Schafwolle
    einkleben, sodass die obere Hälfte des Bauschs heraus schaut. Darauf kleine schwarze Augen und einen roten Schnabel aus Tonpapier kleben. Die andere Schale ist leer, sodass man meinen könnte, das Küken sei eben geschlüpft...
  • Eier- Experimente Roh oder gekocht?
    Wer nicht weiß, ob ein Ei gekocht oder noch roh ist, kann das leicht herausfinden: wenn sich das Ei leicht drehen lässt ist es gekocht. Ein rohes Ei dagegen kommt nicht so gut in Fahrt.
    Das Innere des gekochten Eies ist kompakter und dreht bei der Bewegung besser mit als das Innere eines rohen Eies, das noch flüssig ist und bei der Bewegung hin- und her schwabbelt.

    Starke Schalen
    Eierschalen bestehen aus Kalk und Wasser. Wenn eine brütende Henne auf dem Ei sitzt, muss dieses etwas aushalten können. Dass Eier viel robuster sind, als man allgemein glaubt, kann man selbst erleben: Man umklebt den Rand von drei halben Eierschalen mit Klebeband und schneidet die überstehenden Zacken mit einer Nagelschere ab. Die drei Eierschalenhälften sollen ungefähr gleich hoch sein und einen glatten Abschluss haben. Sie werden mit der Öffnung nach unten gestellt und so angeordnet dass ein Dreieck entsteht. Auf dieses wird eine volle Konservendose gestellt. Nun kann man vorsichtig einen bis zu vier Konservendosen hohen Turm stapeln.
    Die ovale Form der Eierschalen verleiht ihnen Stabilität. Durch sie wird die das Gewicht der Dosen gleichmäßig nach unten geleitet. Die Menschen haben sich die ovale Bauweise für verschiedene Bögen vom Ei abgeguckt, Beispielsweise: runde Brücken, Kuppeln von Kirchen und Moscheen, Bogenfenster in Kirchen und Iglus.

Wissenswertes zum Bilderbuch

  • Warum Ostern kein fixes Datum hatGrob gesagt, hängt es mit dem ersten Frühlingsvollmond zusammen, der seit Urzeiten kommt, wann er will. Da Ostern aber im 1. Kirchenkonzil, genau an diesen Mond gekoppelt wurde, avancierte es zum beweglichen Fest und ist stets am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond des Frühlings. Stichtag ist der 21. März, die "Frühlings-Tagundnachtgleiche". Der Mondkalender ist für das tatsächliche Datum des Osterfestes ausschlaggebend. Der früheste mögliche Ostertermin ist der 22. März. Der späteste mögliche Ostertermin ist der 25. April.
  • Weltliche Traditionen eines christlichen Festes: Hasen, Eier und HühnerIm christlichen Sinn und auch in der Kunstgeschichte ist das Osterei das Symbol der Auferstehung. Nach altem Volksbrauch ist das Ei das Symbol von Fruchtbarkeit und ewiger Wiederkehr des Lebens. 
    Osterei und Osterhase haben sich als symbolische Speisen des heidnischen Frühlingsfestes, in der sie meist Symbole der Fruchtbarkeit darstellten, bis heute erhalten.
    Wie der Hase aber zum Osterhasen wurde, dafür gibt es unzählige Theorien, die mehr spekulativ als bewiesen sind. Man mag vieles deuten können, aber alles scheint dafür zu sprechen, dass die Fruchtbarkeit des Hasen - er bringt über 20 Jungen im Jahr zur Welt - sowie die damit verbundenen Assoziationen dafür gesorgt haben, dass der Hase bei uns zum Lieferanten der Ostereier gemacht wurde.
  • Vom Ei zum Küken
    Wenn eine Henne ein Ei legt und das Ei drei Wochen bebrütet, dann schlüpft nach 21 Tagen ein Küken. Das geht natürlich nur wenn ein Hahn das Ei befruchtet hat, bevor das Huhn das Ei legt. Die Henne wendet das Ei immer wieder und sorgt für eine gleichbleibende Temperatur von 25°C. Nach drei Bruttagen entwickeln sich auf dem Dotter Blutgefäße, die den Embryo mit Nährstoffen versorgen. Die luftdurchlässige Kalkschale ermöglicht die Aufnahme von Sauerstoff. Nach drei Wochen durchstößt das voll entwickelte Küken mit seinem Eizahn die Schale von innen und schlüpft.
  • Vom Küken zur Henne
    Kaum ist das Küken geschlüpft, lernt es Körner zu picken und Wasser zu trinken. Weil sich die Augen seitlich befinden, nimmt das Küken den Kopf beim Fressen weit zurück: Erst wenn es das Korn mit beiden Augen sieht, zielt es - und pickt. Wenn Küken im Brutkasten schlüpfen, muss man ihnen zeigen wie man pickt: man verteilt die Körner, und wenn man immer wieder mit einem Finger auf den Boden klopft, beginnt das Küken die Körner aufzupicken.
    Küken wachsen rasch heran. Nach fünf Monaten sind aus den Hühnerküken Hennen geworden, die selber Eier legen.
    Ob eine Henne weiße oder braune Eier legt, hängt von der Rasse ab. Die Farbe der Federn spielt keine Rolle. 
  • Wer heißt wie?
    Der Familienname ist Huhn. Manchmal nennt man die Weibchen Hühner. Eigentlich heißen sie aber Hennen. Die männlichen Hühner sind Hähne und die Jungtiere sind die Küken. Wenn ein Huhn Küken hat, bezeichnet man es als Glucke. Ein Kapaun ist ein kastrierter Hahn.

Géraldine Elschner und Alexandra Junge: Das Osterküken. Zürich: NordSüd, 2012, 32 Seiten | € 15,00 | Für Kinder ab 4

Als Bildkartenset für das Kamishibai: München: Don Bosco, 2019, 16 Bildkarten| € 16,00 |

Sylvia Näger, Freiburg;
Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur, Lyrik und Medienpädagogik.

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Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Förderung von Kindertageseinrichtungen
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8409
daniela.bischler@stadt.freiburg.de

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