Medien für die sprachliche Bildung und Literacy

Bücher und Bilder, Spiele und Töne motivieren Sprache, Gefühle und Gedanken.​

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.

Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

Der Reiz der Lyrik: „Jetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht!“

 
 
„Gedichte können ernst sein,
manchmal sind sie toll,
einige klar und einfach,
andere geheimnisvoll.
Manche machen sich
gerne einen Reim auf die Welt,
andere erzählen Geschichten,
weil´s ihnen besser gefällt.
Gedichte erzeugen Bilder,
die lassen dich nicht mehr los,
und alle sind überraschend –
wie machen sie das bloß?“
Kenn NesbittÜbersetzung: Michael Krüger

Kinder lieben Sprache, weil sie klingt. Dieser Lust an sprachlichen Klangerfahrungen kommt Lyrik auf wunderbare Weise entgegen und vermittelt dabei wunderbar und kinderleicht phonologische und phonetische Aspekte von Sprache. In der Lyrik erleben Kinder Sprache gleichermaßen als Bedeutungsträger, als Bildanreger und als Klangvergnügen.
Wie Gedichte Vorstellungskräfte mächtig ankurbeln und Laute und Silben zum Tanzen bringen, lässt sich mit der ästhetisch ausgestatteten Anthologie „Jetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht!“ überzeugend erleben.
All das, was jeder Tag im Kinderleben braucht: Zuwendung und Sprache, Wortspielerei in der es klingt und rappelt, die die Lust an Unfug und Humor zufriedenstellt, findet sich in diesem Sammelband.
Der auf die Schlafenszeit bezogene TitelJetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht!“ sollte nicht zur Meinung führen, es handele sich hier ausschließlich um Gedichte zur guten Nacht. Vielmehr lassen sich Gedichte für morgens, mittags und abends entdecken, solche, die über den ersten Tag im Kindergarten oder die Badestunde der Elefantenbabys erzählen, andere die für den Herbst, die Schlafenszeit und für unterwegs passen oder welche, die zum Tanzen oder zum Trampolinspringen und Möwenfestfeiern einladen.
Ursprünglich ist die von über 130 amerikanischen AutorInnen geschriebene Sammlung in den USA erschienen. 115 deutsche Schriftsteller haben die Lyrikschätze ins Deutsche übersetzt. Humor und Gedankentiefe, Reim und Rhythmus lassen erleben, warum kein Kind ohne Gedichte groß werden möchte. Beruhigend, dass jede Kultur Lyrik beheimatet und weltweit Kindern poetische Erlebnisse sichert.

„Jetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht!“ versammelt Reime, Gedichte und Wortspielereien, die Lust auf Sprache und Klang machen, die dazu einladen, erobert und auswendig gesprochen zu werden. Und immer geht es um eines: Um die kleinen und großen Dinge, die einen Kinderalltag so besonders machen. Wie ein Besuch im „Hinterhof Zirkus“:
 
Äpfel, Äpfel
jongliert, geworfen
einerlei.
Fällt einer runter,
Apfelbrei!“
Wer spielerisch mit Sprache umgehen kann, der hat es im Leben oft leichter. Kenn Nesbitt, dem Herausgeber dieses Gedichtbandes, ist dieses Spielerische in seiner Auswahl ebenso gelungen wie dem Illustrator Christoph Niemann mit seinen kongenialen Illustrationen.
 

Buchcover „Jetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht!“

Anregungen für die Praxis

  • ▪ Praxistipp 1: Kenn Nesbitts „Gedichte können ernst sein“ in einer schönen Schrifttype in 20 Punkt abschreiben, im DINA4-Querformat mittelzentriert layouten und auf Pergament- oder Architekten-Papier ausdrucken. An der kürzeren Seite verkleben, sodass ein Zylinder entsteht. Den Zylinder mit einem ein Teelicht beleuchten – zum Aufstellen, Verschenken etc. Eine lyrische Aufmerksamkeit, die Licht in die Winterzeit bringt.
  • Praxistipp 2: Lieblingsgedichte aussuchen, die Texte auf unterschiedliche Personen aufteilen, klangvoll sprechen und digital oder analog aufnehmen. In der Gestaltung der Produktion gilt es zu beachten, dass zwischen den Reimen eine Pause sein soll, also kann man beispielsweise eine leise Tonleiter auf dem Xylophon spielen. Die auditive Distribution ermöglicht Kindern und Erwachsenen, den Text, zusätzlich zum Vorlesen, wiederholt zu hören und zu memorieren.
  • Praxistipp 3: Zusammen mit den Kindern Lieblings-Reime aussuchen, auf einen Pappteller schreiben und ein Bild malen. Auf einen Tisch eine weiße Papiertischdecke auflegen, mit den beschrifteten Tellern und Besteck eindecken und zu einem lyrischen Festmahl mit essbaren Buchstaben (z.B. Russisch-Brot) einladen. Guten Appetit auf Lyrik-art.

Kenn Nesbitt (Hrsg.)und Christoph Niemann (Illu.): Jetzt noch ein Gedicht, und dann aus das Licht! München: Hanser, 2019, 184 Seiten | € 22,00 | Für Kinder ab 5

Sylvia Näger, Freiburg;
Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

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Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Förderung von Kindertageseinrichtungen
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8409
daniela.bischler@stadt.freiburg.de

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