Medien für die sprachliche Bildung und Literacy

Bücher und Bilder, Spiele und Töne motivieren Sprache, Gefühle und Gedanken.​

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.

Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

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Reimen |Raten |Sprechen

Der ausgeprägt lautorientierte Zugang zur Sprache ist der Grund, warum jede Kultur sprachliche Gebilde schafft, die Kindern hilft in die Sprache hineinzuwachsen.
Bevor sie ihren Sinn verstehen wollen, geht es Kindern um Klang, und um Freude an der Sprache. Deshalb lieben sie Reim und Rhythmus, möchten mit Versen unterhalten, getröstet und angeregt werden. Wiederkehrende Reime und Rhythmen empfindet ein Kind als Zuwendung und Bestätigung. Sein intensives Bedürfnis nachzuahmen ist der Motor, die Sprache zu erlernen und auch seinen Körper zu beherrschen, Gefühle zu äußern und zu kommunizieren. Somit bieten sich Bilderbücher mit rhythmischen Reimen im Kontext der Literacy- und Sprachförderung besonders an, da sie Kinder zur Wahrnehmung und Artikulation von Lauten anregen und ihnen zu einer authentischen Aussprache verhelfen.
Phonologie und Prosodie lassen sich mit geeigneten Bilderbüchern  ausgezeichnet alltagsintegriert fördern. In Zeiten der Rückkehr zum Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen eignen sich sicherlich Bücher, die, einmal eingeführt, von Kindern auch gerne selbstbestimmt genutzt werden: „Ich packe meinen Beutel… ein Boot, ein Buch, ein Butterbrot…“ und „Hase, Fuchs und Reh fahren LKW!“ sind dementsprechende Bücher. Zwei quadratische  Pappbilderbücher, die interessant sind für alle, die sich im pädagogischen Alltag sprachförderlich engagieren. Auch ältere Kinder genießen sie gerne, da sie zum pfiffigen Reimen, Raten und Erinnern auffordern.

Känguruh und Schwein mit Badesachen
Katja Reider/Henrike Wilson: Ich packe meinen Beutel… ein Boot, ein Buch, ein Butterbrot…
  • Ein badefreudiges Känguru möchte zu einem großen Ausflug aufbrechen und beginnt, seine Siebensachen zu packen. Getreu dem Ratespiel „Ich packe meinen Koffer“, „stopft es in seinen Beutel rein, was man so braucht bei Sonnenschein. Luftmatratze, Gummiboot, ein Schirm, falls schlechtes Wetter droht. Ein Buch, ein Tuch, ein Kartenspiel, das ist aber ganz schön viel!“ Einmal unterwegs, begegnet das Beuteltier einem verfressenen Bären, dem verspielten Schweinchen und einem hutliebenden Kuschelhasen. Klar, dass jeder mit zum Baden möchte und das, was er für dafür unverzichtbar notwendig hält, in die Kängurutasche stopft. Schwer beladen nähert sich die tierische Bagage dem nassen Ziel, das ganz zufällig das Planschbecken zu Hause ist. Wer konzentriert zuhört, kann bald alles memorieren und die Wörterkette wiedergeben, die das Sammelsurium der Bildergeschichte benennt. Wunderbar diese Idee, das bekannte und beliebte Kofferpackspiel als Bilderbuchgeschichte zu realisieren. Henrike Wilson zeichnet die Geschichte bildwitzig mit kräftigem Pinselstrich in harmonischen Farben, und arbeitet plakativ mit Farbflächen und Konturierung. So zeigen sich das Känguru und die Handlung ums Einsammeln und Einpacken als unterhaltsames und humorvolles Sprachspiel mit starkem Impuls zum Selbersprechen.
  • Als perfektes Vorlesevergnügen, das zur Reimergänzung motiviert, erweist sich die Sammlung von tierischen Reimen, die sich mit unterschiedlichen Fahrzeugbezeichnungen ergänzen lassen. Gefühlt die halbe Tierwelt steht bereit und kurvt, flitzt, fährt oder schwebt mit diversen Fortbewegungsmitteln durch die Landschaft. Drei Tiere geben die erste Zeile des Zweizeilers, der durch Umblättern seine Reimergänzung erlebt: „Luchs und Wal und Krokodil reisen mit dem…“ – bitte umblättern – „Wohnmobil.“ Im schicken Monteuroutfit vor einer roten Lagerhalle stehen „Igel, Känguru und Adler und kurven mit dem Gabelstapler“ hochmotiviert eine Ladung Kübelpflanzen woanders hin. Auf dem letzten Bild sehen wir auch das Ziel, zu dem sich alle Tiere aufgemacht haben: gemeinsam fahren sie begeistert Achterbahn. In diesem witzigen Buch kann man sich also einen Reim auf Fahrzeuge machen. Damit hebt es sich nicht nur von vielen Fahrzeugbüchern ab, sondern ist für jede Kita-Bibliothek ein unverzichtbarer Titel für die Kategorie „Bücher, die Sprachstrukturen thematisieren“.

Anregungen für die Praxis

Hase, Fuchs und Reh in einem gelben LKW
Dunja Schnabel: Hase, Fuchs und Reh fahren LKW!
  • Hintergrundwissen
    Unser Wahrnehmungssystem erlaubt uns, akustische Reize bestens zu unterscheiden. Für das Erlernen von Sprache ist es bedeutsam, sprachliche Laute unterscheiden zu können, da sie die Funktion haben, zwischen Wörtern zu unterscheiden. Haus und Maus unterscheiden sich durch einen Laut; demzufolge macht der Unterschied zwischen H und M auch den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Wörtern aus. Wie auch der Unterschied zwischen einem langen und einem kurzen e bei der Bedeutung der Worte Beet und Bett. Babys lernen zunehmend Laut- und Betonungsmuster zu beachten, die innerhalb der Muttersprache eine Funktion haben. Diese Leistungen ermöglichen ihnen, bis zum Ende des ersten Lebensjahres einzelne Wörter aus fortlaufender Rede zu erkennen.
    Reime wecken bei Kindern die Lust, selber zu sprechen. Der Rhythmus und der klare Aufbau geben Kindern sichere und wohlempfundene Gefühle beim Erobern der Strukturen, die die deutsche Sprache ausmachen.
  • Spielerische Anschlusskommunikation
    Ich packe meinen Beutel… ein Boot, ein Buch, ein Butterbrot…
    Lesen Sie den Text engagiert und gut betont ein, d.h. Sie machen eine Tonaufnahme - digital oder analog. Fügen Sie dabei nach jedem Vers einen Klang ein, der den Kindern anzeigt, dass Sie jetzt zur nächsten Seite des Buchs umblättern. Stellen Sie die Aufnahme den Kindern zur Verfügung. Das ermöglicht ihnen auch, auf den Text zuzugreifen wenn kein Vorleser zur Verfügung steht.
    Spielen sie das „Beutelpackspiel“: Jedes Kind sucht sich ein kleines dreidimensionales Objekt. Wie im bekannten Kofferpackspiel beginnt ein Mitspieler mit dem Satz “Ich packe meinen Beutel und nehme mit einen kleinen Löffel ”. Den packt er in den Kängurubeutel und reicht ihn weiter. Der nächste Spieler spricht: “Ich packe meinen Beutel und nehme mit einen kleinen Löffel, eine Playmobil-Figur.“ Dann packt er die Figur in den Beutel. Der darauf folgende erwidert “Ich packe… und nehme mit einen kleinen Löffel, eine Playmobil-Figur, eine Pfeife.“, usw.
    Am Ende wird der Beutel ausgepackt und gemeinsam eine Geschichte erfunden, in der einige Objekte aus dem Beutel vorkommen.
    In einem Video liest  die Autorin, Katja Reider, ihr Buch vom Beutelpacken vor.
  • Hase, Fuchs und Reh fahren LKW!
    Die Illustrationen im Buch sind so gezeichnet, dass es möglich ist, es als Bildlegespiel zu gestalten.
    Dazu werden zunächst sämtliche Seiten kopiert. Dann schneiden Sie jeweils die drei Tiere und das dazugehörige Fahrzeug als kleine Kärtchen aus. Wenn die Kinder das Buch gut kennen, haben sie nun die Möglichkeit, die passenden Tiertrios und das dazugehörige Fahrzeug zu suchen und die Reime in passenden Bildabfolgen zu legen.

Katja Reider/Henrike Wilson: Ich packe meinen Beutel… ein Boot, ein Buch, ein Butterbrot… Hamburg: Carlsen, 2020, 22 Seiten | € 10,00 | Für Kinder ab 2
Dunja Schnabel: Hase, Fuchs und Reh fahren LKW! Hamburg: Carlsen, 2017, 36 Seiten | € 9,99 | Für Kinder ab 3

Sylvia Näger, Freiburg;
Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur, Lyrik und Medienpädagogik.

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Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Förderung von Kindertageseinrichtungen
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8409
daniela.bischler@stadt.freiburg.de

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