Medien für die sprachliche Bildung und Literacy

Bücher und Bilder, Spiele und Töne motivieren Sprache, Gefühle und Gedanken.​

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.

Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

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Die Wette

Ein kleines Mädchen und ein Mann geben sich die Hand

Es grünt so grün…

Manche Menschen haben einen grünen Daumen. Wer diese Gabe hat, hört nicht nur das Gras wachsen, sondern betrachtet Wachsen und Gedeihen in der Natur aus einem besonderen Blickwinkel. Lilo gehört zu diesen Pflanzenbeseelten und weiß, dass Zuwendung und Kümmern auch bei Grüngewächsen für kleine Wunder sorgen kann. Der alte Hein aus der Gärtnerei dagegen ist Pragmatiker und meint, Licht, Wasser und Nährstoffe, das reicht, damit seine Gewächse groß und kräftig werden.

Einmal in der Woche bekommt er Besuch von Lilo mit dem grünen Daumen, die als leidenschaftliche Gärtnerin davon überzeugt ist, dass Grünes geliebt und gut behandelt besser wächst. „Wetten wir?“ fragt Lilo den alten Hein. „Jeder kümmert sich vier Wochen um ein Pflänzchen. Dann treffen wir uns wieder und gucken, welches besser gewachsen ist. Wer gewinnt, bekommt vom andern einen Preis.“ So beschließen die beiden ihre Wette und Lilo schiebt ihren kleinen Setzling  im Puppenwagen aus der Gärtnerei nach Hause in ihr Kinderzimmer.

Ein Mädchen in ihrem Zimmer mit einer Pflanze

Jeden Abend erzählt sie ihrem Pflänzchen eine wunderbare Gutenachtgeschichte und zeigt ihm andere Pflanzen, damit es sieht, wie groß es einmal werden kann. Das Pflänzchen gedeiht. Mit Wasser, Licht und Liebe versorgt geht es ihm blendend, es schiebt ein Blatt nach dem andern aus seinem Stängel und wächst und wächst. Manchmal spielen Lilo und ihre beste Freundin Lotte Gewächshaus mit dem Pflänzchen. Lilo ist dann Hein, Lotte ist Lilo und das Pflänzchen darf die Palme sein. Und weil Lilo weiß, dass Pflanzen Musik lieben und hören können, obwohl sie keine Ohren haben, spielt sie für ihren grünen Liebling: ganz nahe am Topf zaubert sie die allerschönste Musik aus ihrer Blockflöte. Und Hein? Der grummelt rum, denn seine Pflanze will einfach nicht richtig gedeihen.

Der Mann hält eine kleine Pflanze in der Hand das Mädchen eine große

Nach vier Wochen traut er seinen Augen nicht, als er Lilos Prachtpflanze sieht. Klar, wer hier gewinnt! Lilo bekommt von Hein den allertollsten Preis der Welt und freut sich wie eine Schneekönigin über die Palme, die ihre Blätter bis an die Decke des Kinderzimmers streckt. Und wer an der Gärtnerei vorbeikommt, der hört  neuerdings wie Hein immer wieder seine Arien ins Gewächshaus schmettert …

Antje Damm erzählt ihre Geschichte, indem sie Szenen und Figuren aus Karton erschafft und wie ein kleines Schauspiel in einer Kammer präsentiert. Durch die räumliche Gestaltung muten die fotografierten Bilder leicht geheimnisvoll an und bezaubern mit ihrer Tiefenwirkung. Diese charmante Technik macht „Die Wette“ zu einem besonderen Bilderbuch, das zeigt, was Kinder und Natur brauchen, und das Buch vermittelt, dass Achtsamkeit und Innigkeit die Grundlage für Wachstum und Entfaltung sind.
 

Theoretischer Hintergrund

Sucht man im Internet nach  „Pflanzen Musik Studie”, stößt man auf etliche Artikel von Musikliebhabern, aber auch von Pflanzenliebhabern, die davon überzeugt sind, dass virtuose Klassikmusik nicht nur beim Menschen für Wohlgefühl sorgen kann. Schall kann sich beim Menschen unmittelbar auf Körperfunktionen auswirken. Es ist also gar nicht so verwunderlich, dass Musik auch Pflanzen beeinflusst. Wie das menschliche Ohr können auch Pflanzen  „hören” und auf angenehme Klänge reagieren. Genauer gesagt, nehmen Gewächse bei der Bioakustik Schallwellen wahr, die durch Töne von Musikinstrumenten erzeugt werden.

Schon Charles Darwin erforschte die Wirkung von Musik auf Pflanzen und soll vor mehr als hundertfünfzig Jahren seine Pflanzen mit Trompetenmusik beschallt haben.
Inwiefern es jetzt aber auch etwas bringt, wenn wir mit unserer Pflanze reden oder ihr Musik vorspielen – das ist noch nicht ganz klar: "Man kann nur sagen, dass die Pflanze so empfindlich ist, dass sie irgendwie auf unsere menschliche Stimme reagiert. Aber ob sie etwas versteht, das kann man nicht sagen", äußert sich der Biologe Frantisek Baluska von der Universität Bonn zu diesem Thema.

Meiner bescheidenen Gärtnerinnen-Meinung nach geht es Pflanzen, die angesprochen, angesungen oder mit Musik beschallt werden (unter anderem auch die von Prinz Charles), deshalb besser, weil sie en passant einfach mehr Zuwendung und Pflege erfahren…

Für die Praxis

Spielerische Anschlusskommunikation zur Arbeit mit dem Bilderbuch „Die Wette“ von Antje Damm.

  • Lilos Flötenmusik
    Musikalisch anregend ist es, mit Kindern darüber nachzusinnen, was Lilo wohl ihrer Pflanze auf der Flöte vorgespielt. Ein inspirierender Beitrag dazu, kann das
    Vivaldi-Flötenkonzert mit Lucie Horsch sein:
    https://www.youtube.com/watch?v=pcaJyzvlrik&list=RDpcaJyzvlrik&start_radio=1&t=73s
  • Wie Ernie und Bert versuchen, Pflanzen zum Wachsen zu bringen.
    Bert gießt seine Pflanze. Aber Ernie meint, dass sie Musik zum Wachsen braucht und spielt ihr Schlagzeug und Waldhorn vor. Ein kurzer KIKA-Film, der Meinungen und Sichtweisen übers Wachsen von Pflanzen anregt:
    https://www.youtube.com/watch?v=25K7Vs65Xhs
  • Literacy-Center: Projekt „Kindergarten-Gärtnerei Feuerbohne“
    Vom Samenkern zur Pflanze
    Sprache, Schrift und Rollenspiel zu verknüpfen ist die Zielsetzung der sogenannten „Literacy-Center“. Diese Methode macht dann Sinn, wenn Kinder sie immer wieder mit solchen Themen verknüpft erleben, die Sprach- und Schriftstrukturen herausfordern und zwar in der Weise, wie Kinder sie lieben. Unmittelbar, spielbetont und in einer gewissen Ernst- und Sinnhaftigkeit. Das Thema Gärtnerei lässt sich gemeinsam mit den Kindern entwickeln und erforschen, bietet motivierende Begegnungen  mit Schrift sowie sprachliche Bildung durch themenbezogene Skripts im Rollenspiel.
     
    Kinder mögen schnelle Erfolge: Zügig keimende Samen, schöne Blüten oder Früchte, die man essen kann. Säen Sie mit den Kindern Feuerbohnenkerne oder Sonnenblumensamen an, die beide den Vorteil haben, schon bald sichtbar zu werden! Ein eigenes Anzuchtgefäß kann mit Samen bestückt werden und wächst zu einer veritablen Pflanze heran. Deren Gedeihen wird dokumentiert, und die Feuerbohnen werden auch zum Kernstück des Literacy-Projekts „Kindergarten-Gärtnerei Feuerbohne“, in dem sie schließlich verkauft werden.
    Im Folgenden beziehe ich mich auf die Bohnenpflanze, da sie eine unkomplizierte kinderfreundliche Zier-und auch Nutzpflanze ist.
    Wissenswertes und Tipps zum Anbau und der Pflege der Bohne, die auch Prunkbohne oder Käferbohne genannt wird, finden Sie unter https://www.gartentipps.com/feuerbohne.htm

    Idealerweise beginnen Sie das Projekt mit einem Besuch in einer Gärtnerei. Hier recherchieren Sie mit den Kindern die vielfältige Funktion der Schrift und Zeichen:
    Name/Logo der Gärtnerei, Öffnungszeiten, Aufsteller/Werbetafel/Plakate , Fahnen mit Namen und Logo, Bezeichnungen und Symbole auf Pflanzenschildern, Samentüten, Lieferlisten, Inventurlisten, Preislisten, Auftragsbücher, Tischrechner/Kasse, Quittungsblock, Stempel, Pinnwand mit Bestellungen und Notizen, Bücher und Kundeninformationen über Pflanzen, Grußkarten, Schilder mit Gartensprüche etc. Idealerweise werden die Ergebnisse der Recherche mit dem Fotoapparat dokumentiert.

    Finden Sie zunächst mit den Kindern ihren Kita-Gärtnerei-Namen und gestalten ein Schild.

    Dann beginnt die Produktion der Pflanzen, die, wenn sie groß genug sind, nicht nur als Topfpflanzen an ein interessiertes Publikum verkauft werden, sondern auch im Spätsommer der kitaeigenen Bohnenernte dienen: Jedes Kind pflanzt Feuerbohnen in ein mit Anzuchterde gefülltes Pflanzgefäß. Dafür eignen sich nicht nur Töpfe, sondern beispielsweise Tetrapacks, deren oberes Ende abgeschnitten und in denen unten ein Loch angebracht wird.
    Jedes Kind schreibt einen Pflanzenstecker mit seinem Namen.

    Nun gilt es, das Wachstum der Bohnen anhand von Tabellen zu dokumentieren. Dazu wird regelmäßig die Länge der Triebe mit einem Lineal gemessen und in eine Tabelle mit Datum und cm eingetragen. Pflanzenschilder werden gezeichnet und für den Verkaufstag vorbereitet. Vielleicht gibt es auch Vorbestellungen?

    Der Verkaufstag der Gärtnerei wird festgelegt, die Gärtnerei wird eingerichtet. Fach- und Sachbücher zum Thema Garten werden ausgesucht und ausgestellt.
    Im Vorfeld informieren Plakate darüber und dann kommt der Tag, an dem die Kundschaft in die Gärtnerei strömt, Verkaufsgespräche geführt, Pflanzen verkauft und Quittungen geschrieben werden.
     
  • Keim-Experimente mit der Feuerbohne
    Die aufregende Verwandlung vom scheinbar leblosen Kern zum Keimling können die Kinder mitverfolgen, wenn sie einige Kerne auf feuchte Watte legen und ab und zu besprühen. Nach ca. drei Tagen bricht der Kern auf, als erstes schaut die Keimwurzel und dann die Sprossknospe heraus. Wenn Sie den Bohnenkern aufbrechen, sehen die Kinder im Innern den Keimling der späteren Pflanze. Welche Kraft ein keimendes Samenkorn hat, erkennen Kinder,  wenn sie in einen Plastikbecher mit angerührtem Gips einige Bohnenkerne füllen und nach ein paar Tagen erleben, dass die keimenden Bohnen den Gips aufbrechen.
    Achten Sie darauf, dass die Kerne nicht zu tief liegen, da dies den Effekt verhindern kann.
  • Bohnen-Kreisel-Spiel | Kochbuchprojekt
    - Wenn ab August eine erfolgreiche Ernte ansteht, können die getrockneten Bohnenkerne nicht nur als schmackhafte Mahlzeiten zubereitet, sondern auch für das Selbermachen eines unterhaltsamen Bohnen-Kreisel-Spiels verwendet werden. 
    Anleitung siehe Medientipp Februar 2021: Katharina Grossmann-Hensel: Verlieren ist was für Gewinner. Berlin: Anette Betz, 2020.
    - Die Zubereitung der Bohnengerichte wird dokumentiert, daraus entsteht ein Kochbuch.
     

Antje Damm: Die Wette
Frankfurt: Moritz, 2021, 36 Seiten| € 12,95 | Für Kinder ab 5

Sylvia Näger, Freiburg;
Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

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Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Förderung von Kindertageseinrichtungen
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8409
daniela.bischler@stadt.freiburg.de

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