Medientipp

Drei Kinder zeigen "Daumen hoch" in die Kamera

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen. Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

Zur Autorin Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Februar 2026

Steine, Steine, Steine

Buchcover "Steine" von Lisa Gastager und Monika Suska

Lotta, das Ottermädchen, taucht und schwimmt nicht nur wie eine Weltmeisterin, sondern liebt Steine und ist absolut glücklich, wenn sie am Bach wieder einmal ein schönes Exemplar findet. Sie sammelt glitzernde, bunte, runde, flache, große und genauso gerne kleine Steine. Die schleppt sie eifrig in ihr prächtiges Haus. Das hat sie mit viel Phantasie aus Steinen errichtet und den Garten schön angelegt. In dem gibt es Steinskulpturen, kunstvoll gebaute Türme und auch ein Depot mit dem geliebten Bau- und Spielmaterial.

Lottas Freund Konstantin ist ebenfalls ein begeisterter Sammler und spielt und baut leidenschaftlich gerne mit. Die beiden haben ein umfängliches Repertoire an Spielen und Ideen. Gerne werden die Steine durch die Gegend gerollt, in Gruben geschubst oder kunstvoll aufeinander getürmt. Steht der Mond voll und rund am Himmel, setzen sich Konstantin und Lotta, warm eingehüllt in Decken, an den Bach und bestaunen ihre funkelnden und schimmernden Glitzerexemplare. Überhaupt verstehen es die beiden, begeistert in die Sammlung einzutauchen und ihre Schätze hingebungsvoll zu bewundern und zu hegen.

Auch die Tiere im Wald sind ganz begeistert, wenn sie wieder irgendwo im Wald einen der hohen Steintürme entdecken, die von den beiden Ottern kunstvoll aufgeschichtet wurden.

Buchauszug: Ottermädchen Lotta taucht

Mit viel Vergnügen spielen die zwei ihre Spiele am Wasser. Auf der Wasserrutsche lässt Lotta gerne ihren Herzensstein runtersausen und taucht ihm hinterher. Das Ziel dieses Spiels ist es, ihn zu schnappen – nur leider geht das heute schief. Der Stein sinkt auf den Grund und ist nicht mehr zu finden. Wie gut, dass die Fische Lotta den Stein zurückbringen. Hell begeistert hüpft sie im Wasser herum, umarmt ihren Herzensstein und schenkt ihn vor lauter Freude Valerie, dem Fisch, der ihn gefunden hat. Valerie kann es kaum fassen, sie hat jetzt einen echten Glücksstein. Lotta aber ist sich sicher, dass sie bald wieder ein neues, schönes Herzensstück findet, das ihr auch weiterhin Glück bringen wird.

Sympathisch und liebenswert illustriert erzählt die Geschichte von der Freude des Sammelns und der Lust der Kinder am Spiel. Wie einfach es doch sein kann, mit jemandem sein Glück zu teilen, dafür ist der Herzensstein und sein kleines Drama ein Symbol, das Kinder intuitiv verstehen und mitempfinden. In den idyllischen Bildern stecken viele kleine unterhaltsame Bilddetails, die die Lebensfreude und den Alltag der Waldbewohner am Wasser zeigen.

Flott gereimt, liest sich das Ganze mit Rhythmus und Freude an der Betonung vor und sorgt für ein entspanntes Lese- und Schauvergnügen. Dass das Buch einlädt, Naturmaterial zu erleben und aktiv zu bespielen, liegt nahe und versteht sich wie von selbst.

Thematische Reflektion

Über die Liebe zum Sammeln

Buchauszug: Otterjunge Konstantin schaut hinter einer Hauswand hervor auf einen angesammelten Steinturm.

Seit jeher sind Menschen Sammler, sie haben Freude am Ordnen, Vergleichen – ihre Sammlungen werden entwickelt und gepflegt. Dabei sind besonders die Gegenstände wertvoll, die Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche spiegeln und ausdrücken. Manche Fundstücke haben eine hohe emotionale Bedeutung, weil sie schöne Erinnerungen oder Situationen lebendig halten, andere weil sie sich ganz einfach gut anfühlen. So kann auch eine kleine Feder, die ein Kind gefunden hat oder ein verschmutzter Kronkorken, eine rostige Schraube oder ein scheinbar unspektakulärer Kieselstein von Bedeutung sein. Hosentaschen können sich mit allerlei Kleinigkeiten füllen, in den Regalen kann sich Merkwürdiges anhäufen und Kisten werden als streng geheim deklariert und enthalten unentbehrliche Schätze, auf die unter keinen Umständen verzichtet werden kann.

Wenn ein Kind damit beginnt, seine Fundstücke aufzubewahren, so zeugt dies vom Interesse des Kindes, das Wesen der Dinge zu ergründen. Kinder ordnen dabei anders als Erwachsene. Sie haben ihre ganz persönlichen Systeme, die rational nicht immer auf den ersten Blick nachvollziehbar sind. Natürlich kann man eine Knopfsammlung nach den Kriterien Material, Farbe, Form oder Anzahl der Löcher ordnen. Kinder suchen jedoch spielerischer nach Möglichkeiten, wie Dinge zusammengehören könnten: Knöpfe, mit denen man ein Männchen legen kann, Knöpfe, die als Spielgeld taugen, Knöpfe mit denen man eine Prinzessinnenkette fädeln kann... Dinge werden den kindlichen Vorstellungen entsprechend geordnet. Ein Sammelsurium gleich welcher Art ist eine der ersten Möglichkeiten, die sich dem Kind bietet, selbstorganisiert einen Grundstock für die eigene Dokumentation anzulegen.

Deshalb ist es sinnvoll, Kinder zu unterstützen und ihnen ganz bewusst Orte für ihre persönlichen Sachen und Fundstücke anzubieten: eine Kiste, eine Schachtel, ein Fach oder ein Korb geben Kindern die Möglichkeit, selbst einen Ort für ihre Erfahrung zu gestalten. Sie dienen gewissermaßen der Konservierung und Sicherung persönlicher Schätze.

Weil jede Sammlung eine Dokumentation einer persönlichen Auseinandersetzung darstellt, haben Kinder auch das Bedürfnis, ihre Sammelobjekte zu zeigen: Eine „Schatzausstellung”, ein „Kindermuseum” oder das „Hosentaschenmuseum” ermöglichen ihnen, ihre gesammelten Welten zu präsentieren.

Über die Liebe zu Steinen

Buchauszug: Lotta betrachtet ihre Steinsammlung.

"Die Abendsonne schien über die glänzenden Steine, sie schimmerten und leuch­te­ten so prächtig in allen Farben, daß die Kinder stehen blieben und sie betrach­te­ten..."

"...da schien der Mond hell, und die weißen Kieselsteine glänzten wie lauter Batzen. Er bückte sich und steckte so viele in sein Rocktäschlein als nur hinein­woll­ten, dann ging er zurück ins Haus."

Diese Kinder lebten "in den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat". In Grimms Märchen aber kann man ihnen noch heute begeg­nen: sie heißen Hänsel, Schneeweißchen und Rosenrot. Die beiden Mäd­chen über­rasch­ten auf der Heide den Zwerg, als der hingerissen in einem gestohlenen Edel­stein­-Schatz schwel­gte. Und dank der im Mond schim­mernden Kiesel konnten Hänsel und Gretel wenigstens einmal den Weg nach Hause wieder finden.

Nicht nur in alten Sagen und Märchen stoßen wir immer wieder auf dieses faszi­nierende Spielmaterial, das sozusagen auf dem Weg liegt. In vielen Kultu­ren sind Steine ein seit jeher beliebtes Mittel zum Spielen. Kinder verwenden sie für Hüpf­spiele, Geschick­lichkeits­übungen oder ganz einfach, um sie ins Wasser zu werfen. Steine sind seit Jahrtausenden eng mit der Menschheits­geschichte ver­floch­ten, und bis heute übt diese steinalte Materie ihren Reiz auf Kinder- und Erwachse­nenhän­de aus - oder wer lässt nicht gern einen Stein übers Wasser tanzen und hüpfen, wenn am Flussbett oder Seeufer diese runden kieseligen Hand­schmeichler liegen?

Anregungen zur Anschlusskommunikation

Jeder Stein hat seine Geschichte

Zum Spielen nehmen wir meistens Kieselsteine. Die sind von vielen Wellen und Wasserströ­mungen hin und her gerollt und davon glatt und rund gewor­den.
Wir sammeln sie in verschiedenen Größen: von fingernagel- bis hühne­rei­groß kann man sie zum Spielen gebrauchen. Unterschiedliche Farbtöne sind prak­tisch, findet man die nicht, hilft man mit Farbe nach.

Eine Schatztruhe ist ein guter Hort für eine Steinesammlung, die immer wieder zum Spielen animiert. Ist erst einmal ein Grundstock vorhanden, kann der von den Kin­dern erwei­tert werden: durch neue Steine, gefun­den auf Aus­flügen und Erkundungs­gängen, in den Ferien oder bei Besu­chen bei Oma. So hat jeder Stein eine andere Herkunft und Geschichte - und die kann durch Zeichnungen festge­halten oder immer wieder erzählt werden.

Halbedelsteine sollten auch ein Plätzchen in dieser Truhe finden: Lapislazuli, kleinere Bergkristalle, Rosen­quarz oder Malachit gibt es zu er­schwinglichen Preisen, sie sind für manche Spiele und Geschichtenerzählen besonders reizvoll.

Stein-Pyramide

Buchauszug: Lotta und Konstantin bauen einen Steinturm.

Material: Für jedes mitspielende Kind 21 Steinchen, einen Augen-Würfel. Die Mitspielenden sitzen im Kreis. In der Mitte befindet sich der Steinbruch, d.h. alle Steine liegen auf einem Haufen. Wir würfeln reihum. Sobald ein Spieler eine Sechs hat, nimmt er sich sechs Steine weg und legt sie, mit kleinen Abstän­den, in einer waag­recht verlaufenden Reihe, vor sich hin. Als nächstes versucht er, die Fünf, dann die Vier, die Drei, die Zwei zu würfeln, und die jeweili­ge Anzahl von Stein­chen abzulegen. Werden die Steine versetzt, d.h. immer über den Zwischenräumen, abgelegt, baut sich eine Pyramide auf. Ge­wonnen hat, wer als erster für seine Pyrami­de die krönende Eins wür­felt.

Steine im Schuh

4-6 Kinder können mitspielen, jedes braucht fünf etwa gleichgroße Steine. Außerdem wird noch ein Schuh benötigt.

Hier geht's darum, möglichst geschickt beim Werfen zu sein. Zuerst zeichnen wir mit Kreide einen Kreis, der Durchmesser hängt davon ab, wie geschickt Kinder werfen können. In die Mitte wird der Schuh eines der mitspielenden Kinder gestellt. Jedes Kind hat fünf Steine. Reihum versuchen die Kinder, einen Stein in den Schuh zu werfen. Die getroffenen Steine bleiben drin. Alle, die im Kreis gelan­det sind, werden unter die Kinder aufgeteilt.

Reihum wird jetzt ver­sucht, diese mit einem Blitz­schlag im Schuh zu versenken. Und das geht so: Ein Auge wird zugekniffen, unter das offene wird ein Stein gehalten und in den Schuh fallen gelassen. Steine, die getroffen haben, bleiben drin, die anderen lässt man liegen. Der Schuhbesitzer schnappt nun seinen Schuh und schaut nach, wieviel Steine drin gelandet sind. Die Kinder versuchen, ihr Wurfgeschick von Spiel zu Spiel zu stei­gern.

"Wir machen Musik mit Steinen"

Lisa Gastager / Monika SuskaSteine, Steine, SteineBamberg 2025, 32 Seiten | 16 Euro | ab 3

Januar 2026

Anna und die Wut

Buchcover "Anna und die Wut" von Christine Nöstlinger und Anke Kuhl.

Anna ist eigentlich ein ganz normales Kind, wär da nicht ihr Problem mit der Wut. Immer wieder, und viel schneller als bei anderen Kindern, bricht ihre Wut aus und ist riesengroß.

Wenn Anna so schrecklich wütend wird, bekommt sie einen knallroten Kopf, ihre Haare sträuben sich und werden zu Igelstacheln, die knistern und Funken sprühen, und ihre Augen glitzern rabenschwarz. Diese aufgebrachte kleine Anna kreischt und heult, stampft mit den Füßen und trommelt mit den Fäusten auf den Boden. Alle um sie herum bekommen was ab von ihrer Wut, auch wenn sie ihr gar nix tun. Klar, dass keiner mit ihr spielen mag und ihre Eltern hilflos werden.

Am allerwütendsten aber wird Anna, wenn die anderen Kinder über sie lachen. Wehe, sie verliert beim Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielen oder darf nicht mehr auf dem Smartphone rumwischen, dann fährt sie so aus der Haut, dass sie sich manchmal selber wehtut. Einmal hat sie sich dermaßen in den Daumen gebissen, dass dieser zwei Wochen dick verbunden war. „So kann das nicht weitergehen“, beschließt die Mama eines Tages.

Aber weder die Ratschläge der Mama noch die vom Papa helfen dem Kind weiter. Anna bleibt in ihrem Korbstuhl sitzen und hofft, dass sie so allem, was sie wütend macht, entkommen kann.

Buchauszug: Anna und ihr Opa mit der Trommel.

Doch dann kommt Annas geliebter Opa zu Besuch und bringt für Anna eine Trommel mit zwei Schlägeln mit und verspricht: „Anna, mit der Trommel kannst du die Wut verjagen!“ Und Anna nimmt ihn beim Wort. Sie experimentiert mit ihren Wutanfällen, trommelt los und trommelt laut, bis sie schließlich ihre Wut wegetrommelt hat.

Der Bilderbuchklassiker über die Wut ist von Anke Kuhlmann neu illustriert worden. Ihre Zeichnungen sind im Comicstil und überwiegend monochrom gehalten. Die Blau- und Grautöne werden in den Bildern, die Annas Wut inszenieren, von knalligem Rot ergänzt. Je mehr Anna die Wut in den Kopf steigt, desto intensiver wird das Rot – eine Bilddramaturgie, die der Geschichte überzeugend gut bekommt. Die Wut wird beim Betrachten mitgefühlt, die Empathie für Annas Situation damit gestärkt.

Christine Nöstlingers Geschichte gibt Anlass, mit Kindern in Dialog zu treten und zu thematisieren, warum Große und Kleine so wütend werden und welche Strategien bei Wutanfällen weiterhelfen können. Kinder kennen das Gefühl Wut ziemlich gut und wollen sich auch in Wutsituationen als Person angenommen und aufgehoben fühlen, Halt und Orientierung spüren, um letztendlich innere und äußere Konflikte konstruktiv lösen zu können.

Thematische Reflektion

Buchauszug: Anna trommelt

Das Selbst- und Weltverständnis von Kindern in Annas Alter ist noch verhältnismäßig unsicher. Sie reagieren auf Möglichkeiten und Risiken mit stark wechselnden Emotionen. So ist es im Alltag notwendig, Kindern die Möglichkeit zu geben, sich der eigenen Gefühle bewusst zu werden und sie sowohl verbal als auch nonverbal zu artikulieren. Dadurch erfahren Kinder, dass sie ihre Gefühle nicht als Ursache zusätzlicher Gefährdung zu fürchten und zu verdrängen haben, sondern dass diese als Orientierungshilfe zu verstehen sind.

Kindliche Reaktionen sind oft heftig und Emotionen pur. Solche Gefühlsäußerungen sollten aber auch als eine Gelegenheit begriffen werden, dem Kind nahe zu sein und ihm etwas zu vermitteln. Mitfühlend zuzuhören und kindliche Gefühle zu bestätigen sind hilfreiche Strategien in emotionalen Situationen. Emotional kompetente Bezugspersonen „nehmen Kinder bei der Reise in die Welt der Emotionen an die Hand, setzen Grenzen und helfen dem Kind aber gleichzeitig, das akute Problem zu lösen“, formuliert der amerikanische Verhaltenstherapeut und Psychologe John Gottman (2007, S. 83).

Buchauszug: Anna trommelt

Christine Nöstlinger und der Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis

Wie keine andere verstand Christine Nöstlinger die Gefühlswelt von Kindern. Ihre einfühlsamen Geschichten voller Weisheit sind zeitlose Klassiker, die Familien stärken. Für ihr Lebenswerk wurde sie mit den höchsten Preisen der Kinderliteratur geehrt, unter anderem dem Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis.*

Christine Nöstlinger sagte von sich, dass sie immer vorbehaltlos auf der Seite der Kinder und Außenseiter stehe: „Weil ich kapiert habe – und dazu haben Astrids Bücher sehr viel beigetragen –, dass es gar nicht so sehr die Story ist, wegen der sich Kinder beim Lesen geborgen und getröstet und frei fühlen. Es ist die Sprache! Sprache kann zum Lachen und zum Weinen bringen, Sprache kann trösten, kann streicheln, kann das Gefühl von Geborgenheit geben, kann bewirken, dass man sich luftballonfrei fühlt“, sagte sie in Ihrer Rede anlässlich der Preisverleihung.

* Der ALMA (englisch: Astrid Lindgren Memorial Award) ist die weltweit höchstdotierte Auszeichnung für Kinder- und Jugendliteratur. Der Preis wurde nach dem Tode Astrid Lindgrens im Jahr 2002 von der schwedischen Regierung gestiftet. Die Auszeichnung, die mit knapp einer halben Million Euro dotiert ist, wird seit 2003 jährlich an einen oder mehrere Preisträger verliehen. Ausgezeichnet werden Autoren, Illustratoren, mündliche Erzähler sowie Einzelpersonen oder Organisationen, die in der Leseförderung im Geist Lindgrens aktiv sind. www.alma.se

Anregungen zur Anschlusskommunikation

Was uns wütend macht

Auf der Folie der Geschichte „Anna und die Wut“ sprechen wir aus oder sprechen darüber, was uns wütend macht. Sich seiner Gefühle auch außerhalb von Wut-Momenten bewusst zu werden und sie zum Thema zu machen, ist ziemlich entlastend und gesund. Bitten Sie die Kinder, sich zu überlegen, was sie wütend macht, und fordern Sie sie auf, sich ein Geräusch dazu zu überlegen: mit dem Fuß stampfen, fauchen oder Laute von sich zu geben, so wie Anna das getan hat.

  • „Ich werde wütend, wenn ich …“ Sammeln Sie die Ich-Aussagen der Kinder zu einer Toncollage, indem Sie diese reihum mit dem Smartphone oder Digital-Recorder aufnehmen.
  • Schreiben Sie auf, was die Kinder wütend macht, und lassen Sie diese dazu ein Bild malen. Hängen Sie die Bilder und die notierten Aussagen der Kinder mit Klammern an einer Leine auf.
Buchauszug: Anna auf der Wippe, die anderen Kinder wollen nicht mit ihr spielen.

Wut-Kisten mit Kindern gestalten

Wut kann Kinder überwältigen und einen wahren Gefühlssturm auslösen. Eine Wut-Kiste kann Kindern dabei helfen, sich während oder nach einem Wutausbruch wieder zu beruhigen. Langfristig lernen Kinder dadurch, sich besser zu regulieren.

Wenn Kinder wütend werden, kann dieses Gefühl überwältigend sein. Je nach Situation brauchen sie Unterstützung von Erwachsenen, um die Wut reguliert rauszulassen und sich wieder zu beruhigen.

Hanna Heine, Psychotherapeutin für Verhaltenstherapie, schreibt hierzu: „Hilfreich kann dabei sein, gemeinsam eine Wut-Kiste zu gestalten, in die das Kind Dinge hineinlegen kann, die ihm helfen, die Wut zu bewältigen. Der Job von den Erwachsenen ist dann, das Kind in der Wut-Situation an seine Wut-Kiste zu erinnern und die Auswahl eines Gegenstandes daraus zu begleiten. Dabei kann der Erwachsene zuerst die Gefühle des Kindes spiegeln: "Ich merke, du bist gerade richtig wütend" und dann die Wut-Kiste anbieten: "Was brauchst du, um dich zu beruhigen? Du kannst dir etwas aus deiner Wut-Kiste aussuchen".

Wenn Kinder sehr starke Wutanfälle zeigen, sind sie im Wut-Moment nicht mit Worten erreichbar. In diesem Fall ist ein Einsatz der Wut-Kiste erst nach dem Wutanfall sinnvoll, um zu überlegen, was jetzt noch beruhigen kann oder vielleicht nächstes Mal helfen könnte.
Das Ziel der Wut-Kiste ist alternative Verhaltensweisen anzubieten.“ (www.therapieschatzkiste.de)

Buchauszug: Anna läuft mit der Trommel an einem Fenster mit einer Katze vorbei.

"Wo ist die Wut, wenn ich wütend bin?" - Lied von Fredrik Vahle

Ein Lied, das anregt, der Wut mit spielerischen Bewegungen zu begegnen.
https://www.youtube.com/watch?v=-3BLUilzKdU

Christine Nöstlinger / Anke KuhlAnna und die WutFrankfurt 2025, 40 Seiten | 16 Euro | ab 4

Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung 4
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