Medientipp

Drei Kinder zeigen "Daumen hoch" in die Kamera

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.
Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

Zur Autorin Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Neu: Newsletterfunktion

Jetzt Newsletter abonnieren und immer den aktuellen Medientipp erhalten. Einfach anmelden über die Anmeldefunktion am Ende der Seite.

Ukrainische Flagge am Freiburger Rathaus

Medientipp Mai 2022

Bücher und Medien zum Brücken bauen und Mut machen 

Geschichten können Trost spenden und Mut machen in schwierigen Zeiten. 
In dieser Zusammenstellung finden Sie Bücher und Geschichten, die Kinder mit deutscher oder ukrainischer Erstsprache erleben können.



Sie bieten sich an als Brücke für Gespräche, trostreiche Lesesituationen, für ein verständnisvolles Zusammensein. 
Und sicher sind Bücher und Geschichten ein Weg, um ein Stück Sprachlosigkeit aufzubrechen. Auch wenn es darum geht, Gewalt und Flucht, Krieg und Frieden im Zusammenleben mit Kindern zu thematisieren.
Wir können helfen, indem wir vorlesen und uns für ein friedvolles Zusammenleben engagieren.

Floris & Maja

Buchcover "Floris und Maja"

Elzbieta : Floris & Maja Frankfurt: Moritz 2022, 40 Seiten |12, 95 € | ab 5

Jeden Tag spielen Floris und Maja zusammen am Bach. Mal auf Majas, mal auf Floris´ Seite. Wenn sie groß sind, wollen sie heiraten. Doch da kommt der Krieg. Floris´ Vater muss fort. Am Bach, zwischen Floris und Maja, liegt auf einmal hoher Stacheldraht. Die beiden dürfen sich nicht mehr sehen, ja nicht einmal mehr voneinander sprechen. Der Krieg hat es verboten. Er beherrscht alle und nimmt keine Rücksicht. Eines Tages kommt der Vater zurück, der Krieg ist zu Ende. Aber Floris begreift, dass das „Ungeheuer” nur eingeschlafen ist und dass man sehr leise sein muss, um es nicht wieder aufzuwecken. Er läuft zum Bach hinunter und hört plötzlich, wie jemand seinen Namen ruft. Maja hat ein kleines Loch im Stacheldraht gefunden und ist zu ihm über den Bach gekommen. Ein anrührend poetisch erzählendes Bilderbuch, das Kindern das Unvorstellbare nicht erklärt, sondern Gefühle, Gedanken und Gespräche ermöglicht.  

Zwei Hasen pflücken Blumen.

Elzbieta erzählt ihre Kindergeschichte aus Floris‘ Perspektive. Sie hält nichts zurück, sondern führt uns in ganzseitigen Fensterbildern sowie in wenigen Worten seine Erlebnisse und Fragen vor Augen. „Den Krieg kann man nicht töten, kleiner Floris. Denn er wird niemals sterben. Er schläft nur hin und wieder ein.“ Geboren in Polen wuchs Elzbieta im von Deutschen besetzen Elsass auf, lebte in England und zuletzt in Paris. 2018 ist sie im Alter von 82 Jahren gestorben. Über Floris & Maja sagte sie einmal: »Aufgrund meiner eigenen Erfahrung als Kriegskind soll der Stacheldraht zwischen Floris und Maja nicht nur als psychische und physische Trennung verstanden werden, sondern darüber hinaus jede Art von Willkür und Volksverhetzung symbolisieren.«

Ein Hase steht allein in der Landschaft.

Deutsch-Ukrainische Kinderbücher 

Ich bin anders als du | Ich bin wie du

Buchcover "Ich bin anders als du"

Constanze von Kitzing: Ich bin anders als du - Ich bin wie du Deutsch-ukrainische Ausgabe |mit MP3-Hörbuch zum HerunterladenMünchen: bi:libri 2022, 80 Seiten | 17,50€ | ab 4

Was verbindet oder unterscheidet ist in diesem Wendebuch über Vielfalt nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erfassen. Christiane von Kitzings Bilder spielen zunächst mit den Gedanken der Betrachtenden und überraschen diese dann, indem sie das Offensichtliche unterlaufen. Der Text unter den Bildern vermittelt viel über die Vorlieben, Interessen und Wünsche der porträtierten Kinder  und ihrer Familien. Wir erleben, wie bunt Vielfalt ist, und dass es gut tut diese gemeinsam zu leben. Die Verbindung von Individualität und Diversität ist spannend gestaltet und  überzeugt durch die Leichtigkeit der Bilder. 
Methodische-didaktische Anregungen finden Sie in der Besprechung 2021

Im Verlag bi:libri sind |in der Reihe bilibrini | die Titel „Im Wald“, „Beim Kinderarzt“, „Im Supermarkt“  in einer deutsch-ukrainischer Ausgabe erhältlich.  Die kleinen zweisprachigen Hefte haben 16 Seiten mit Wort-Bild-Leiste auf jeder Seite. 
https://www.edition-bilibri.com/books/im-wald

Deutsch- Ukrainische Kinderbücher zum kostenlosen Download

4 Bilderbücher aus den Verlagen cbj und penguin junior

  • Ingo Siegner: Der kleine Drache Kokosnuss - Mein Bildwörterbuch ab 4
    Wie heißen die Gegenstände in der Drachenhöhle auf Englisch oder Ukrainisch? Und wie die Dinge in der Drachenschule? Wie lauten die Begriffe für Tasse, Tafel oder Tasche? Da der kleine Drache Kokosnuss und seine Freunde Oskar und Matilda viel durch die Welt reisen, wollen sie jetzt Englisch und Ukrainisch lernen! 
  • Ute Krause: Minus Drei wünscht sich ein Haustier
  • Stephanie Schneider: Platz da, ihr Hirsche!
  • Annette Herzog: Kleiner Dachs & großer Dachs - Der riesengroße Streit

Die drei Verlage Edition bi:libri, Hueber und NordSüd veröffentlichen im Juni 2022 eine zweisprachige Ausgabe des Bilderbuchs »Kleiner Eisbär – Wohin fährst du, Lars?« auf Deutsch und Ukrainisch. 

Die digitale Version finden Sie unter:
https://www.hueber.de/shared/livebook/kleine-eisbaer-ukr/

30.000 kostenlose Pixi-Bücher für ukrainische Kinder in Deutschland 

Der Carlsen Verlag gibt ein Pixi-Buch für Kinder heraus, die vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland flüchten mussten. Pixi bekommt Besuch wurde ins Ukrainische übersetzt und wird über den lokalen Buchhandel an Hilfsprojekte verteilt, die sich für die Versorgung geflüchteter Kinder und ihrer Mütter engagieren. Insgesamt werden 30.000 Exemplare kostenlos zur Verfügung gestellt.  Wer Pixi Bücher an geflüchtete ukrainische Kinder weitergeben möchte, kann sich mit einer Buchhandlung vor Ort in Verbindung setzen, die dann die Bestellung der Bücher beim Verlag übernimmt.
Zum Inhalt: „Pixi und seine Freunde helfen einer Katze, deren Windmobil zu Bruch gegangen ist. Bei heißem Kakao wird aus der Begegnung Freundschaft, schließlich ziehen alle zum Übernachten in Pixis gemütliche Höhle, wo die Katze von ihren Reiseabenteuern erzählt.“ Auf der Rückseite des Buches stellt Pixi statt des üblichen Basteltipps einen „kleinen Grundwortschatz der Begegnung“ vor.

Geschichten in vielen Sprachen

Auf www.bilingual-picturebooks.org sind Geschichten in vielen Sprachen kostenlos 
herunterzuladen.
Fünf der Geschichten stehen auch in ukrainischer Übersetzung zur Verfügung: 

  • Der gläserne Ring
  • Wie entsteht eigentlich die Zukunft?
  • Oskar und Lumufo - der Fuchs und die Außerirdische 
  •  Der flammende Fuchs
  • Schokokuchen auf Hawaii

Diese fünf Bücher haben Kinder und Jugendliche für andere Kinder und Familien geschrieben. Sie haben sich zusammen die Geschichte ausgedacht, die Bilder gemalt und zu zwei der Bücher auch Musik komponiert. Die Idee der Kinder ist es, anderen Kindern Geschichten zu schenken.

Ganz alleine meine Mama

Buchcover "Ganz allein meine Mama"

Das ukrainische Bilderbuch "Ganz allein meine Mama" erscheint im Mai. Der Moritz-Verlag übernimmt die Schirmherrschaft über das Buch des ukrainischen Krocusverlages, das trotz der Papierknappheit Ende Mai in Deutschland erscheinen soll: "Najmoisha Mama" ("Ganz allein meine Mama") mit einem Text von Halyna Kyrpa und Bildern von Hrasia Oliyko wird in Deutschland auf ukrainisch gedruckt. Die Druckorganisation und den Vertrieb übernimmt der Moritz Verlag, die Druckerei spendet den Druck. Somit können die Einnahmen aus dem Verkauf nahezu gänzlich dem Krokusverlag und seinen Künstler_innen zugutekommen.

Medientipp von Sylvia Näger

Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekar_innen. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Buchcover "Das große Buch der Tiergedichte und Lieder"

Medientipp April 2022

Für jeden Tag im Jahr ein Gedicht: Das große Buch der Tiergedichte und Lieder

Gedichte, sind kleine sprachliche Kunstwerke, die mit wenigen Worten viel auf den Punkt bringen und reichlich Inhalt transportieren. 365  lyrische stimmungsvolle Gedichte und Lieder zu Tieren aus aller Welt, für jeden Tag eines, sind in dieser Anthologie versammelt.

Ein Hase sitzt zwischen Blumen.

 
Der Frühling ist die schönste Zeit
Der Frühling ist die schönste Zeit!Was kann wohl schöner sein?Da grünt und blüht es weit und breitIm goldnen Sonnenschein.
Am Berghang schmilzt der letzte Schnee,Das Bächlein rauscht zu Tal,Es grünt die Saat, es blinkt der SeeIm Frühlingssonnenstrahl.Die Lerchen singen überall,Die Amsel schlägt im Wald!Nun kommt die liebe NachtigallUnd auch der Kuckuck bald.
Nun jauchzet alles weit und breit,Da stimmen froh wir ein:Der Frühling ist die schönste Zeit!Was kann wohl schöner sein?Annette von Droste-Hülshoff 

Dass die Vielfalt im Tierleben nicht nur zoologisch interessant ist, sondern sich eindrucksvoll in Poesie und Melodie umsetzen lässt, beweist dieser einmalig wunderschön ausgestattete Prachtband. Bekannte Reime und Kinderlieder, volkstümlich oder klassisch, von Morgenstern über Ringelnatz bis zu Johann Wolfgang von Goethe, sind genauso zu entdecken wie zeitgenössische Verse. Auch vom „Meister der kleinen Form“, Josef Guggenmos, sind viele Tiergedichte zu finden. Sein kinderlyrisches Werk versorgt Kinder mit hunderten Gedichten zum Tierreich.

Ein Specht sitzt auf einem Ast.



„Jetzt singt im Wald, wer singen kann, vor Frühlingsglück nach langer Not.Und einer trommelt, dass es schallt:Der Buntspecht schwarzweiß-feuerrot.“ 
Josef Guggenmos 

Ob kurz oder lang, ob ernst oder heiter, ob laut oder leise, Tierpoesie kennt viele Formen, und deshalb finden hier alle, ob groß oder klein, ihr tierisch schönes Lieblingsgedicht oder Lied.Die künstlerische Gestaltung dieser Anthologie ist ein umfassender zoologischer Bilderbogen. Sie lässt die Leserinnen und Leser in das geheimnisvolle Tierreich eintauchen und lädt ein, in den faszinierenden Bildern von Britta Teckentrup auf Abenteuer und Entdeckungsreise zu gehen.

Vögel sitzen in einem Baum.

Einen Leguan und die Schlange  zwischen den Blättern zu entdecken, die Krebse und Meeresschildkröten im tiefen Blau des Meeres zu betrachten oder mit einem Braunbär durch die Bergwelt zu stapfen - alles ist möglich in diesem Bücherschatz.Die ausdrucksstarken Bilder von Britta Teckentrup geben der Lyrikanthologie einen atmosphärischen Zauber. Alleine schon deswegen sollten Kinder diese Gedichte über Tiere in ihren unterschiedlichen Lebensräumen wie Arktis, Dschungel, Savanne, Wiese und Wald erleben können.

Ein großer und ein kleiner Elefant stehen an einer Wasserstelle.

Das umfangreiche, ästhetisch gestaltete Hausbuch, weckt viel Freude an der Lyrik und bezaubert mit seinen kunstreichen und genussvollen Bildern aus der Tierwelt. Eine rundum wundervolle Sammlung, ein Lyrik- und Kunstschatz, der jede Kitabibliothek bereichert.

Theoretischer Hintergrund

▪ Tierfiguren in Geschichten, Liedern und Gedichten für KinderTiere in all ihrer Vielfalt sind Begleiter durch die Kindheit.  In Texten und Bildern für Kinder nimmt das Tier eine zentrale Rolle ein. Kinder  haben eine besonders nahe Gefühlsbindung zu Tieren, sie fühlen sich ihnen ähnlich. Und trotzdem muss das Kind nie werden wie das Tier, der Vorbildcharakter fällt weg. Tierfiguren bieten Kindern die Möglichkeit, einen Lebensentwurf, eine Entwicklung zu spielen und auszuprobieren.  Das hilft ihnen, ihre eigene Welt und sich selbst besser zu verstehen.Eine Tierfigur kann ein Stück Entwicklung und Entfaltung der Persönlichkeit der Kinder wiederspiegeln. Vielen Kindern fällt es leichter, sich mit einer Situation auseinanderzusetzen, wenn sie auf ein Tier projiziert ist. Das ermöglicht eine Begegnung mit fremden Erfahrungen, eine Gelegenheit, etwas zu erleben und zu testen, und zwar ohne Konsequenzen.  Tierfiguren erlauben es Kindern, auf sehr unterschiedliche Art und auf verschiedenen Gebieten Erfahrungen zu sammeln.Die Kinderbuchautorin Hanna Johansen beschreibt die Beziehung zwischen Kindern und Tierfiguren so: „Das Kind weiß genau: Das Tier, das lebt nun mal anders als ich. So entsteht eine wunderbare Gleichzeitigkeit, indem sich die Kinder identifizieren und dennoch ‚ich‘ bleiben.“
▪  Kinder und Lyrik Kinder brauchen Gedichte, weil sie gebundene Sprache, Rhythmus und Reim lieben und nie genug davon bekommen können. Zur komplexen Wirklichkeit des Spracherwerbs gehören auch Sprachlust und Kreativität, und Lyrik vermittelt beides.Kinder leben in der Mündlichkeit, und so versteht es sich von selbst, dass Gedichte gesprochen, gelesen, rezitiert werden. Und weil Kinder Wiederholungen lieben und Reim und Rhythmus die besten Speichermedien für Sprache sind, machen sie sich Gedichte zu eigen, indem sie die Texte memorieren und auswendig sprechen. So kann man ein Gedicht ein Leben lang besitzen, was sich von wenigen materiellen Dingen sagen lässt, und kann sich auch ein Leben lang an diesem verinnerlichten Schatz erfreuen.

Lyrik erleben

Kinder lieben das Jonglieren mit Wörtern, Klangfarben, Rhythmen und Pausen, sie brauchen Gedichte, um ihre Vorstellungen und Phantasien zu beflügeln, ihre Erlebnis- und Verstehensfähigkeit zu intensivieren. In der Praxis sind Gedichte methodisch-didaktisch vielfältig umsetzbar. Über diese Vielfalt erhalten Sie im Folgenden einen Überblick unter der Fragestellung: Wie kommt das Gedicht zum Kind?
Mit akustischen Mitteln- Das Gedicht vortragen, vorlesen, immer wieder vorlesen oder akustisch  gespeichert vorlesen lassen (CD, mp3, etc.)- Das Gedicht bewegungsbetont – mit Gesten/Mimik, Pantomime - vortragen.- Das Gedicht vortragen und Textteile singen         - Das Gedicht auf ein großformatiges Papier abschreiben, aufhängen und „vom Blatt lesen“- Das Gedicht wiederholt und  mit einem anderen Gestus vortragen- Zusammen mit den Kindern im Kreis sitzen und das Gedicht seiner  Stimmung entsprechend - leise, geheimnisvoll - noch einmal sprechen- Die Kinder einladen und ermuntern, beim Vortrag mitzusprechen- Teile des  Gedichts gemeinsam chorisch sprechen- Das Gedicht mit verteilten Rollen sprechen- Das Gedicht vortragen und akustisch ergänzen durch: Instrumente, Percussion  und Geräusche, die mit dem Körper oder mit Material produziert werden.-  Im Gesprächs- und Gedankenaustausch, im Dialog wird es möglich, dem Gedicht und   Dem, was es mit den Nutzern macht, auf die Spur zu kommen, der Lyrik nachzufühlen   und nachzusinnen. Mit visuellen Mitteln- Das Gedicht szenisch lesen- Das Gedicht wird von einem Sprecher vorgetragen und eine oder mehrere  Personen  spielen parallel dazu die Szenen.- Es spricht die: Handpuppe, Stabpuppe, Marionette,  Klappmaulpuppe,   Schattenfigur- Material spricht- Bilder ergänzen den akustischen Vortrag- Das  Gedicht wird in Schriftform präsentiert ( z. B. als laminiertes Tischset für zu Hause)

Medientipp von Sylvia Näger

Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekar_innen. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Britta Teckentrup:Das große Buch der Tiergedichte und Lieder. München: Ars Edition 2022, 320 Seiten | € 28,00 | ab 4

Buchcover "Hörnchen & Bär"

Medientipp März 2022

Hörnchen und Bär - Zwei ziemlich beste Freunde, unterwegs auf waldigen Abenteuern

Hörnchen ist ziemlich quirlig und aufgeweckt und mit dem geduldigsten Bär des womöglich allerbesten Waldes eng befreundet. Deswegen leistet es ihm auch sehr gerne Gesellschaft beim Alleinsein.

Hörnchen wohnt in einem Baum, nutzt einen Ast als Leseort, andere zum Frühstücken, Häkeln oder Warten auf Bär, seinen gemütlichen und etwas kauzigen besten Mitabenteurer. Der seufzt zwar manchmal über Hörnchen und seine verrückten Einfälle, ist aber grundsätzlich durch fast nichts zu erschüttern und ist unweit entfernt in einer Höhle zu Hause.

Das Eichhörnchen und der Bär sprechen miteinander.

Fast jeden Tag gehen die Zwei zum Nicht-Angeln und alltäglich sind sie unterwegs auf Abenteuer. Dabei lüften sie das Geheimnis des Waldgeistes, experimentieren mit Toastern, erforschen Erdbeben oder überleben einen wilden Sturm. Schlechte Laune wird einfach wegerlebt, gesungen wird im Kaninchenchor, und fühlt Hörnchen sich herausgefordert, hilft Bär und umgekehrt natürlich auch, was allerdings selten vorkommt. In den in kindlicher Leichtigkeit und mit Humor erzählten Abenteuern stecken auch immer wieder sinnfällige  Weisheiten. Wenn etwa Hörnchen hyperaktiv durch den Tag turnt und dann meint: "Manchmal ist es bisschen anstrengend, ich zu sein.“
Die zwanzig  abgeschlossenen Geschichten leben von den herrlich markanten Charakteren und docken eng an den Interessen von Kindern an, was konzentriertes Zuhören fördert und viel spielerische Anschlusskommunikation ermöglicht. Erzählt wird in traditionellem bis heimeligem Ton, mit viel „hui“, was stimmungsvolle  Vorlesefreude garantiert. 
Dieses rundum gelungene, humorvoll illustrierte Vorlesebuch, mit Leinenrücken und Lesebändchen ausgestattet, sollte  jedes Kind erlebt haben wenn es die Kita verlässt. 

Theoretischer Hintergrund

Der primäre Weg, Kindern Literatur zu vermitteln, ist das Vorlesen. Beim Vorlesen und Betrachten von Büchern wirken Situation, Personen und Text zusammen und konstruieren eine Art Zwischenwelt. Das Vorlesen oder Erzählen hat dabei die Funktion einer Brücke zwischen einer schriftsprachlich festgehaltenen Vorgabe und den zuhörenden Kindern, denen vor allem die mündliche Sprache vertraut ist. Insofern bewegt sich das Vorlesen von Bilderbüchern und Texten zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit und macht Kinder im Kindergartenalter mit dem Lernprozess vertraut, der sie mit dem Eintritt in die Grundschule erwarten wird, dem Übergang von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit.

Neben dem Elternhaus ist die Kita der zweite zentrale Vorleseort für Kinder. Für die Vorlesestudie 2021 hat die Stiftung Lesen in Kitas bundesweit befragt und  wollte wissen wie das Vorlesen in Kitas verankert ist. Die erfreuliche Nachricht: In 91 % der Kitas erhalten Kinder mindestens einmal am Tag Impulse durch Geschichten. In neun von zehn Kitas ist Vorlesen auch Thema der Elternarbeit. 62% der pädagogischen Fachkräfte sind der Meinung, dass Kindern zu Hause zu wenig vorgelesen wird. 41% der Fachkräfte glauben, dass mehr als einem Drittel der von ihnen betreuten Kinder zu Hause gar nicht vorgelesen wird.

Für die Praxis

Die Stimme: das Kostüm der Vorleserin
Wer eine Geschichte spannend vorlesen will, muss sie kennen. Deshalb: Lesen Sie die Geschichten, die sie vermitteln wollen, erst einmal selbst. Arbeiten Sie immer wieder an der Ausdrucksfähigkeit Ihrer Stimme. Zeigen Sie in Ihrer stimmlichen Gestaltung Engagement und lesen Sie wörtliche Rede mit veränderter Stimme. Damit werden das Wesen und die Emotionen von Hörnchen und Bär oder anderen Handlungsträgern und unterschiedliche Textstimmungen lebendig.  Lautstärke, Tempo und Pausen sind dramaturgische Elemente in der sprachlichen Gestaltung eines Textes. Zum einen erhöht das bei Kindern die Bereitschaft aufmerksam zuzuhören, zum anderen erleben sie ein Lesevorbild, das Sprache prosodisch gestaltet. Auch das ist ein Ziel in der Sprachlichen Bildung und Förderung von Kindern.

Schaukästen mit den Abenteuern von „Hörnchen und Bär“
Die waldigen Freundschafts-Geschichtchen von „Hörnchen und Bär“ bieten Vorleseabenteuer, in denen Kinder ihre alltäglichen Situationen und Wünsche erkennen. Hörnchens teilweise naives und verrücktes Verhalten verschafft Kindern ein gewisses Überlegenheitsgefühl und ist immer wieder Anlass zu Kommentaren, Feststellungen und Gesprächen. Bär, der ausgleichende Ruhepol, sorgt mit seinem vernünftigen Verhalten dafür, dass die Abenteuer nicht im Chaos enden. 
Die Erzählungen bringen immer wieder auch andere Tiere ins Spiel,  wie beispielsweise Hettie, eine winzige Zaunkönigin, Hopp, der Laubfrosch, singende Hasen und kellnernde Pinguine, oder den schweigsamen Daniel, ein weiteres Hörnchen. Der Wald mit seinem See, den Bächen, Felsen und Bäumen aller Größen und Arten sorgt für eine sehr atmosphärische Geschichtenkulisse. Mit „Hörnchen und Bär“ erleben Kinder ausgearbeitete Charakterdarsteller, Themen, die sie interessieren, und deshalb arbeiten beim Vorlesen kindliche Fantasie, Empathie und Imagination besonders intensiv. Somit sind das beste Voraussetzungen Leseerfahrungen handlungsorientiert zu gestalten und diese im Gestaltungsprozess zu vertiefen.
Unter den zwanzig abgeschlossenen Geschichten wird jedes Kind unschwer seine Lieblingsgeschichte finden, die es in einem Schuhkarton selbst in Szene setzen kann. Dafür taugen sowohl bereits vorhandenes Figurenmaterial und auch Naturmaterialen wie Moos, Steine oder Tannenzweige. Aus Karton lassen sich Figuren selber herstellen und in die Szenerie einfügen. Mit den „Waldbühnen-Schachteln“  wird eine „Hörnchen und Bär Geschichten-Ausstellung“ gezeigt und die Gestalter erzählen dazu Szenen aus ihrer ausgewählten und selbst gestalteten Geschichte. 

Wie „Hörnchen und Bär“ entstand
zeigt  Andreas H. Schmachtl in  zwei Filmclips: 
https://www.facebook.com/arenaverlagfans/videos/h%C3%B6rnchen-b%C3%A4r/3959963630790043/

https://www.facebook.com/arenaverlagfans/videos/so-entsteht-eine-h%C3%B6rnchen-b%C3%A4r-illustration/572749707445112/

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Andreas H. Schmachtl:Hörnchen & Bär. Haufenweise echt waldige Abenteuer.Würzburg: Arena 2021,  216 Seiten | € 16,00 | ab 4

Buchcover "Was macht Püüüp"

Medientipp Februar 2022

Was macht Püüüp? Ein Geräusch auf Identitätssuche  

Püüüp ist klein, gelb und ein Geräusch mit Problem:  Er weiß nicht zu wem er gehört und hat keine Ahnung was püüüp macht. „Finde es raus, jeder gehört irgendwohin. Finde den Ort, an den du gehörst. Und dann kannst du weiter geräuscheln. So wie ich“ rät ihm Plopp, das Wassertropfengeräusch, das faul in einem Schwimmring im Waschbecken hängt.

Gesagt, getan - der zauselige Püüüp macht sich auf die Suche nach seinem Zuhause. 
Auf der Straße landet er im wilden Stadtverkehr, trifft Brumm Brumm, der total auf die Ampel fixiert ist und staunt über die Vielfalt der Geräuschkulisse. Verblüfft hört er die TATÜÜTATAAS, die auf dem Feuerwehrauto heranbrausen und als Quartett ihr ohrenbetäubendes TA TÜÜ TA TAA jaulen. 

Das Quartett jault TA TÜÜ TA TAA.

Auf der Baustelle trifft er Ratata, der wie besessen auf einem Presslufthammer herumhüpft. Auch er hat keine Ahnung, wer wohl ein püüüp von sich geben könnte. Im Konzertsaal erkennt Püüüp, dass er wohl auch keiner der Orchestertöne ist. Die schweben elegant durch den goldfunkelnden Saal und lassen verlauten, dass Geräusche dort gänzlich unerwünscht sind. Das Roahh im Museum, lässt ihn leider nicht mitmachen. Es gehört zu dem ausgestorbenen Dinosaurierskelett und brüllt nur noch nachts und aus Verbundenheit mit dem alten Urzeittier. Ratter, das taffe lila Geräusch aus dem Supermarkt, hängt über den Rollen des Einkaufswagens und bezeichnet ihn als Knallbirne. Und auch an das hastige Plipp, das auf dem Warenband an der Kasse joggt und jedes Mal mit einem Plipp in die Luft springt  wenn der Kassierer Waren über den Scanner zieht, weiß nicht wo Püüüp hingehört. Im Wald trifft er auf den freundlichen Tschilp und lernt eine Menge Geräusche aus der Natur kennen: Knarz und Knack, Klack, Pock und Raschel, aber auch das besondere Superman-ähnliche Echo, das ewig zwischen Felswänden hin und her fliegt. 
Verlassen und entmutigt hockt Püüüp am Meeresstrand, wo wilde Wellen schäumen, landet dann unverhofft auf einer Wiese, wo ein Schlürf an den Trinkbechern der Kinder steht und  das Quietsch an der Schaukel hängt. Er staunt nicht schlecht als er etwas Kleines sieht, nichts hört und plötzlich weiß, zu wem er gehört und wo er zu Hause ist…
Der Reiz der Geschichte ist ein doppelter: zum einen die lautmalerische Ebene der Geräusche, zum anderen ihre Umsetzung ins Bild. Die Klanggestalten, die der geräuschsensible Püüüp auf seiner Reise trifft, sind reichlich schräg und skurril. Das visuelle Auslesen der Bilder macht auch deshalb so viel Spaß, weil kaum jemand figürliche Bilder zu Geräuschen im Kopf hat. So lebt das Bilderlesen von der Überraschung, wie beispielsweise der, dass das lila Schlürf lässig am Becherrand lehnt und cool einen Rüssel, ähnlich dem eines Ameisenbärs, in die Luft reckt. Genau so könnte  es aussehen! Wem nach diesem Bilderbuch-Erlebnis geräuschvolles Geschlürfe zu Ohren kommt,  bei dem wird wahrscheinlich ein lila Wesen als Bild im Kopf auftauchen… 
Sprechen beginnt mit Hören, deshalb ist die auditive Wahrnehmung ein Bereich, den es zu sensibilisieren gilt. Die Suche von Püüüp nach seiner Herkunft und Zugehörigkeit ist ein wunderbar unterhaltendes und absolut inspirierendes Hör-und Bilderlebnis. Dabei werden Kinder in ihrer auditiven Wahrnehmung angeregt, sich mit Klängen, Geräuschen und Sounds in vielfältiger Art und Weise auseinanderzusetzen, genauer hinzuhören und zu unterscheiden.

Theoretischer Hintergrund

Hören verbindet uns mit der Umwelt. Hören ist nicht nur unerlässlich, um sprechen zu lernen, sondern auch, um in die Welt der Phantasie einzutauchen.
Geräusche, Klänge, Worte und Musik erregen sinnliche Aufmerksamkeit. Vom Aufhorchen bis zum Zuhören aber ist ein Stück Weg  zu bewältigen. Zuhören, Horchen und Lauschen wollen gekonnt sein. Das Zuhören ist Zeit-geben und ein Grundelement unserer Kommunikation. Im Gespräch mit anderen Menschen ist es erforderlich, sich selbst zurückzunehmen. Zuhören können ermöglicht, an unserer Kultur teilzuhaben, so wie Schreiben und Lesen dies ebenfalls tun. Gründe genug also, den Hörsinn anzuregen, die Kulturtechnik Zuhören zu lehren und zu lernen. Am besten glückt das mit Handlungen und Erlebnissen. Dafür sind kreative und künstlerische Fähigkeiten ins Spiel zu bringen, um Hörangebote, Geräusch- und Klangwelten zu schaffen, die Kinder ganz Ohr werden lassen.

Für die Praxis

▪ Püüüp im szenischen Hör-Spiel
Die Handlung der Erzählung entwickelt sich linear, die Geräuschprotagonisten und Schauplätze werden nacheinander eingeführt: Wiese, Straße, Baustelle, Konzertsaal, Museum, Supermarkt, Kasse, Wald, Felsen, Meer. So kann die textlich doch etwas umfangreiche Geschichte einfach auf mehrere Tage aufgeteilt werden. Beim wiederholten Vorlesen können Kinder miteinbezogen werden und sich selbst als Geräuschemacher erleben.
Genauso gut lässt sich die Geschichte ins szenische Spiel umsetzen: die Vorleserin gibt den Text zu Gehör, einige Kinder übernehmen die Rollen der personifizierten Geräusche und produzieren diese.

Geräuschejagd in der Kita
Jede Einrichtung hat ihre Geräusche und Töne, also auf zur Geräuschejagd: Gemeinsam wird überlegt, wo im Haus was zu hören ist: die quietschende Gruppentür, das Hämmern an der Werkbank, die singende Nachbargruppe, das Geschirrklappern beim Tischdecken, der einstürzende Turm aus Bauklötzen, die rauschende Toilettenspülung oder der Computersound im Leiterinnenbüro - alles wird hörend wahrgenommen und mit einem Aufnahmegerät festgehalten.
Geräusche einzufangen ist eine relativ unspektakuläre, aber erlebenswerte Teilstrecke auf dem Weg, das Zuhören zu lernen. Eine derartige Höraktivierung bringt die Ohren und vieles dazu in Bewegung.
 
- Wenn die Kinder in zwei Gruppen auf Geräuschejagd gehen, kann jede Gruppe, die Geräusche der anderen erraten.
- Die entdeckten Geräusche werden Wesen bildlich in personifizierte umgesetzt. So entsteht ein selbstgemachtes Kitageräusche-Bilderbuch .

Akustisches Kita-Album
Klänge, Geräusche, Worte können auch den Jahresablauf in der Einrichtung   dokumentieren: wenn die Stimme des Nikolaus zu hören ist, die Originalgeräusche der großen sommerlichen Wasserplanscherei, dazwischen die Osterlieder oder Gesprächsfetzen vom Ausflug in den Wald, dann sind das  Klänge, die Erinnerungen aktivieren. Das akustische Album ist ein hochkarätiger Garant für Kommunikation unter Kindern. Solche Aufnahmen werden immer wieder angehört und geben Anlass zu Kommentaren, Feststellungen und Gesprächen.

Geräuscheraten
Hinter einem großen Tuch verborgen stehen eine Geräuschehexe und ein Klangzauberer. Sie haben etwa 20 Gegenstände, die Geräusche und Klänge von sich geben: Glockenspiel, Würfel, Pfeife, Glöckchen, ein brummender Teddybär, Wecker und ähnliches.
Nacheinander - mit genügend langen Pausen - werden die Gegenstände hörbar gemacht. Die anderen Kinder, die vor dem Tuch sitzen, erraten das Gehörte. Danach schauen sich alle gemeinsam die Geräuschequellen an und besprechen, was tief oder hoch klingt, was leise, was laut zu hören ist: ein einfaches - und mit der Zeit für die Kinder auch selber inszenierbares -  Hör-Spiel, bei dem sie eine momentweise völlige Aufmerksamkeit und Konzentration auf Geräusch- und Klangmaterial entwickeln können.

Der Trailer zum Bilderbuch 
https://www.youtube.com/watch?v=1AOx0qonO48

Auf der Straße fahren verschiedene Fahrzeuge.

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Bernhard Hoëcker / Eva von Mühlenfels / Nicolai Renger:Was macht Püüüp? Stuttgart: Thienemann-Esslinger 2021,  32 Seiten | € 14,00 | ab 4

Buchcover "Eine Geburtstagstorte für den kleinen Bären "

Medientipp Januar 2022

Eine Geburtstagstorte für den kleinen Bären    

Das alljährlich wiederkehrende Ritual des Geburtstagsfeierns ist für Kinder außerordentlich bedeutend und für den kleinen Bären ist das nicht anders. Sein Freund Schweinchen fühlt und weiß das und beschließt, für die Feier einen Kuchen zu backen. 

Es sucht erst einmal alle Zutaten. Mit viel Hingabe und Backlust rührt er alles zusammen, was da so in einen Kuchen gehört. Die gefüllte Kuchenform wird in den heißen Backofen geschoben und Schweinchen setzt sich hochzufrieden daneben. Mit Gemütsruhe und sichtlichem Behagen wartet es, bis der Kuchen fertig ist. Erdbeeren kommen noch drauf, und gerade wie Schweinchen die Sahne auf den Kuchen spritzt schaut der Hase vorbei. Begeistert bietet der sich als Sahnetester an, weil man ja schließlich insbesondere bei einem Geschenk wissen muss, ob es auch schmeckt... 
Zu den emsig immer weiter kostenden Kuchenessern stößt dann auch noch Freundin Ente. Zum Probieren lässt sie sich nicht zweimal auffordern und schnabelt sich, sehr angetan, durch die Sahnetupfer. So wird eifrig gekostet, geprüft und getestet, als plötzlich das Geburtstagskind kleiner Bär da steht. Fasziniert hört er zu, wie die drei ihm den Originalzustand der Torte beschreiben - denn schließlich war sie einmal ein großes Ganzes. 
Es schmälert seine Freude keinen Deut, als er erfährt, dass das seine Geburtstagstorte ist, die da bereits deutlich dezimiert vor ihm steht. Begeistert lässt er sich beschreiben, wie wunderbar der Kuchen schmeckt. Strahlend beißt der Bär in ein großes Stück Geburtstagskuchen und ist sich sehr sicher, dass er so etwas köstliches noch nie gegessen hat. 
Gemeinsam wollen sie nun feiern und schmausen und ziehen mit der Torte in den Garten um. Dort hocken sie, genießen ihr Festmahl und spielen, schwatzen und singen den ganzen Nachmittag.
Erst als die Sonne untergeht, umarmt der Bär zutiefst erfüllt seine Freunde und verabschiedet sie. Auf dem Heimweg hält er überglücklich sein Fähnchen in den Wind und sinniert über die herrliche Torte samt Erdbeeren und Schlagsahne. 
Dass er heute den allerschönsten Geburtstag seines Bärenlebens gefeiert hat, das fühlt er, als er in seinem Bett liegt und der Mond auf seine Decke scheint...
Eine zutiefst liebevoller Klassiker übers Freunde Sein, Feiern und die Daseinsfreude mit einem traditionsverdächtigen Geburtstagstorten-Rezept.

Theoretischer Hintergrund

Zur Gestaltung von Text und Bild
Die Handlung der Erzählung entwickelt sich linear, die Protagonisten werden nacheinander eingeführt. So können bereits Dreijährige und Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, diese Geschichte leicht nachvollziehen. Der übersichtliche Bildaufbau und die klar konturierten Abbildungen tragen dazu ebenfalls bei. Die Tiere sind leicht naiv gezeichnet, ohne ins Betuliche abzugleiten. Vielmehr unterstreicht dieser Stil das kindliche Verhalten des liebenswürdigen tierischen Quartetts, das so gelassen und harmonisch agiert. Max Felthuijs erzählt diese Geschichte nicht ohne Augenzwinkern und beschreibt trefflich, wie riesengroß die kindliche Lust ist, Leckereien sofort probieren zu möchten. Wie mühsam es werden kann, auf den Zeitpunkt zu warten, an dem lukullische Köstlichkeiten freigegeben werden, erleben Betrachtende und Zuhörende hautnah mit. 

Zur Bedeutung des Geburtstags
In Kindergruppen sind jährlich etliche Geburtstage zu feiern. Einerseits ist die Dichte des Feierns eine immer wiederkehrende Herausforderung für die Begeisterungsfähigkeit der pädagogischen Fachkräfte, andererseits aber auch eine Chance für Rituale. Und gelebte und erlebte Gepflogenheiten sind besonders geeignet, um bei Kindern später immer wieder schöne Erinnerungen an die Zeit in der Kita wachzurufen.
Der eigene Geburtstag ist ein wichtiger Höhepunkt im Jahreslauf und wird von jedem Kind meist sehnsüchtig erwartet.
Die in unserer Kultur weit verbreitete Festgestaltung mit Kerzen, Blumen, Kuchen und Geburtstagslied zeigt dem Geburtstagskind, dass es heute besonders wichtig ist und dass man sich über sein Dasein freut. Das oft gesungenes Geburtstagslied: "Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst..." bekräftigt das explizit.
Für kleinere Kinder ist es wohltuend, wenn die Feier jedes Jahr ähnlich abläuft. So wie der kleine Bär sich riesig über die Aufmerksamkeit seiner Freunde freut und beim Zubettgehen ganz erfüllt von seinem Ehrentag ist: solche Gefühle wünscht sich jedes Kind auch für den eigenen Geburtstag. 

Für die Praxis

Die Bären-Geburtstagstorte selber backen
In Gesprächen mit den erwachsenen Bezugspersonen der Kinder kann die Geschichte ein trefflicher Aufhänger sein, über Rituale für einen lebendigen Jahresablauf ins Gespräch zu kommen. Und wer beim Lesen selbst Lust auf Süßes bekommen hat, findet im Buch das Rezept für die original-Bären-Geburtstagstorte. 
Wird diese Geburtstagstorte mit den Kindern gebacken, können sich die Eltern überzeugen, dass dieser Kuchen genauso gut schmeckt, wie er problemlos zu machen ist. 
Und das Rezept ist so simpel, dass vielleicht selbst Erwachsene, die am Geburtstag ihrer Kinder normalerweise mit Fertig-Kuchen in der Einrichtung eintrudeln, die Schürze umbinden und selber mal zum Rührlöffel greifen...

Torten produzieren, ohne zu backen
- Runde Keksdosen können in eine Geburtstagstorte verwandelt werden. Für eine mehrstöckige Torte ist nur wichtig, dass die Größen der Dosen unterschiedlich sind, da diese aufeinander gestellt werden.
- Mit Pappe, Papier, Schleifen und vielen anderen Deko-Materialien werden "dauerhafte Kuchen" für mögliche Feste geschaffen: für ein Ritterfest, ein Hochzeitsfest, eine Gespenster-Party etc. Vielleicht gibt es eine Torten-Ausstellung? 
- Auf einem rund ausgeschnittenen Papier werden unterschiedliche Kuchendekorationen mit unterschiedlichen Materialien, wie beispielsweise Muggelsteinen, erprobt.
Für den nächsten Geburtstag werden "Bärenfahnen" kreiert.

Die Umsetzung in ein Laufbilderbuch
Satte Farben leuchten aus den nahezu gleichgroßen Bildszenen. Diese Voraussetzung und auch die günstige Größe  bieten an, aus den fotokopierten Bildern ein Laufbilderbuch zu gestalten. Dafür werden die Fotokopien so aufgehängt, dass die Kinder die Geschichte ablaufen und dabei sprachlich rekonstruieren können. 

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Max Velthuijs:Eine Geburtstagstorte für den kleinen BärenZürich: NordSüd 2021,  32 Seiten | € 15,00 | ab 4

Buchcover "Kleine Schneeflocke"

Medientipp Dezember 2021

Kleine Schneeflocke    

Am Winterhimmel, in einer Winternacht kam sie zur Welt, die kleine Schneeflocke. Jubelnd und jauchzend tanzt sie hin und her und beginnt hinab zu sinken. Nur, genau das will sie im Grunde ihres Herzens nicht, und so dreht sie sich weiter kreiselnd und schwebend am Himmel.

Wie sie über Berge und Flüsse treibt, entdeckt sie unten im Tal eine kleine Stadt, die ihr gefällt und in der sie ihr Glück versuchen möchte. Aber die Landung will nicht recht glücken, da der Wind sie immer weiter treibt. So gleitet sie an vielen erleuchteten Fenstern vorbei, als sie plötzlich einen wunderschön verzierten im Lichterglanz erstrahlenden Tannenbaum erblickt. Wie gerne wäre sie der Stern auf seiner Spitze. Auch Noëlle, die mit ihrem Opa unterwegs ist, bewundert diesen Baum. Sehnlichst wünscht sie sich ein Weihnachtsfest mit einem lichterglänzenden geschmückten Weihnachtsbaum.  Ihr aber muss ein kleiner Tannenzweig genügen, den sie auf dem Nachhauseweg findet. Zusammen mit ihrem Opa bastelt sie den Schmuck für ihre kleine Ersatztanne und stellt diese nach draußen. Wie sie es so durchs Fenster betrachtet, hat sie das untrügliche Gefühl, dass ihrem Tännchen etwas Wichtiges fehlt. Nur was? Am nächsten Morgen ist die Welt ganz ruhig und leise – es hat geschneit. Noëlle blickt staunend ins Winterweiß und entdeckt, oben auf der Tannenspitze,  die kleine Schneeflocke. Stolz und glücklich sitzt diese auf Noëlles Tanne, dem schönsten Landeplatz, den sich ein kleiner flockiger Schneestern wohl wünschen kann…

Ein Mädchen schaut zum verschneiten Fenster hinaus.

Benji Davies erzählt seine atmosphärisch dichte Geschichte in stimmungsvollen Bildern. Schattierungen von Blau- und Grautönen dominieren in der Reise und den Tänzen der Schneeflocke und schaffen spannungsreiche Kontraste von Licht und Dunkelheit. Sobald Noëlle und ihre Familie ins Bild kommen, dominieren kräftige satte Farben. Das Seitenlayout besticht durch seine Vielfalt und die großformatigen doppelseitigen Abbildungen von Landschaft, Stadtansichten und der langen Reise der kleinen Schneeflocke.
Die Rahmenhandlung der Geschichte erzählt von der Herausforderung der kleinen Schneeflocke, ihren Platz in der Welt zu finden.  Die Binnengeschichte beleuchtet die Lebenssituation des Mädchens Noëlle,  ihre Gefühle und ihre Wünsche, die durch eine offensichtlich bescheiden ausgestattete familiäre Lebenssituation, nicht immer erfüllbar sind. Die geglückte Verbindung der beiden Stränge bindet die Leserinnen und Leser emotional mit ein und regt auch zu eigenen Sichtweisen und Betrachtungen der Weihnachtszeit an.
Die wunderschöne und poetische Geschichte rückt die Weihnachtsbotschaft unverbraucht und magisch ins Bild. Sie lässt wissen und erspüren, dass das Weihnachtsfest weder  Konsum noch Prunk braucht, sondern ein freudiges Miteinander und Geben, das von Herzen kommt.
 
Schneeflocken als Glücksgefühl
„Wir haben nur diesen einen Augenblick, strahlend wie ein Stern in unserer Hand und dahinschmelzend wie eine Schneeflocke“. Dieses Zitat von Sir Francis Bacon stellt Benji Davies seiner Wintergeschichte voran, die er seinem Vater widmet. Schnee ist der Inbegriff des Winters und zeigt sich in gegensätzlicher Weise: Er richtet Chaos an und er bringt Schönheit: Schnee erhellt graue triste Wintertage, dämpft und verlangsamt die Welt. Psychologisch ist belegt, dass nicht nur verschneite Landschaften, sondern selbst die symmetrische Struktur der Schneekristalle den Menschen in seiner Vorliebe für Ebenmaß beruhigen. Das kalte Element Schnee schürt Emotionen und in der Beurteilung aktueller winterlicher Wetterlagen stellt sich oft die Frage, ob wir es mit den Folgen der Klimaveränderung oder verklärter und verschleierter Erinnerung zu tun haben. Nahezu jeder Erwachsene glaubt sich zu erinnern, dass es früher häufiger und intensiver geschneit hat. Psychologisch ist das erklärbar: diese Legende lebt vor allem von glücklichen und unvergesslichen Kindheitserlebnissen.

Theoretischer Hintergrund

Schnee-Physik
Wenn aus einer Wolke Wassertröpfchen als Kristalle zur Erde sinken, verzahnen sie sich und bilden so eine Schneeflocke. Schneeflocken bestehen aus feinen Kristallen, die wie Plättchen, Nadeln, Säulen oder Sterne aussehen und zeigen häufig eine sechsfache Symmetrie. Die Form des Kristalls hängt hauptsächlich von der Temperatur sowie von der Luftfeuchtigkeit in der Wolke ab. Und wie im Bilderbuch gleicht auch in der Natur keine Schneeflocke, der anderen: Jede hat ihre individuelle Form.
Schneeflocken enthalten 95% Luft und schweben deswegen langsam, mit nur 0,5 Metern in der Sekunde. In der verästelten Struktur des Neuschnees bricht das Sonnenlicht wie in unzähligen kleinen Spiegeln.
Auf der folgenden Bildtafel befinden sich Variationen sternförmiger Schneekristalle, fotografiert von Wilson Bentley.

Foto: Wilson Bentley 1902

“Es schien mir eine Schande, dass diese Schönheit nicht von anderen bewundert werden sollte”, schrieb er 1925. Und so ging der amerikanische Farmer jahrzehntelang mit einem Tablett auf Flockenjagd, sortierte die “Meisterstücke” aus und fotografierte sie unter dem Mikroobjektiv. Mehr als 2000 Aufnahmen sind in seinem Buch “Snow Crystals” veröffentlicht.

Für die Praxis

Gespiegelte Schneeflocken
Eine wunderbare kaleidoskopartige Sichtweise kann mit Abbildungen von Schneeflocken erlebt werden, die sich in einem selbsthergestellten Klappspiegel mehrfach spiegeln, sodass faszinierende Muster sichtbar werden.
 
Zwei Spiegelkacheln werden mit einem Klebstreifen zu einem beweglichen, („buchartigen“) Doppelspiegel zusammengeklebt, so dass die Spiegelflächen die inneren Seiten ausmachen.  - Eine quadratische Abbildung eines Schneekristalls wird ausgeschnitten und zwischen den aufgeklappten Doppelspiegel gelegt. So entstehen mehrere Spiegelbilder.
Im Netz sind viele Abbildungen von Schneekristallen zu finden, die Kinder auch anregen können, ihren eigenen „Schneestern“ zu zeichnen.
Steht der Klappspiegel im 90°-Winkel, entstehen 3 perfekte Spiegelbilder, im 60°-Winkel sind es 5 perfekte Spiegelbilder.
 
Schneeflöckchen, Weißröckchen
Das schönste aller Winterlieder, geschrieben 1869 von der Breslauer Kindergärtnerin und späteren Lehrerin Hedwig Haberkern (1837–1902), bringt in seinem Text den Kern der im Buch erzählten Geschichte mit wenig Worten auf den Punkt:
 
Schneeflöckchen, Weißröckchen,wann kommst du geschneit?Du wohnst in den Wolken,dein Weg ist so weit. Komm setz dich ans Fenster,du lieblicher Stern,malst Blumen und Blätter,wir haben dich gern.Zum Anhören: https://www.youtube.com/watch?v=Ca7xgHexwSA 
Schneeflocken-Lyrik
Schneeflocken
Wende ich den Kopf nach oben:
Wie die weißen Flocken fliegen,
Fühle ich mich selbst gehoben
Und im Wirbeltanze wiegen.
 
Dicht und dichter das Gewimmel
Eine Flocke bin auch ich.
Wie viele Flocken braucht der Himmel,
Eh die Erde langsam sich
Weiß umhüllt?
Alfred Hensche (1890-1926)

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Benji Davies:Kleine SchneeflockeStuttgart: Aladin 2021, 32 Seiten | € 15,00 | ab 4

Buchcover "Den Mond vom Himmel pflücken"

Medientipp November 2021

Reim und Rhythmus sind Speichermedien für Sprache      

In der Entwicklungsphase, in der Kinder gerne Reimen zuhören, Verse nach- und mitsprechen, wird ihr Gehör sensibilisiert für die Klanggestalt der Sprache. Diese Klanggestalt wird später beim eigenen Lesen zur inneren Sprache. Und diese erzeugt in uns die Vorstellungskraft, die Texte beim Hören oder Lesen lebendig werden lässt.

Insbesondere Kinder, die noch keine Schriftzeichen dechiffrieren können, leben in einer stark mündlich geprägten Kultur – und Reime, Gedichte und Fingerspiele sind zum Sprechen da. Wiederkehrende Reime und Rhythmen empfindet ein Kind als Zuwendung und Bestätigung. Sein intensives Bedürfnis nachzuahmen ist der Motor, die Sprache zu erlernen und auch seinen Körper zu beherrschen, Gefühle zu äußern und zu kommunizieren. Somit bieten sich rhythmische Spiel- und Sprechverse im Kontext der Sprachförderung besonders an, da eine Einheit von Handeln und Sprechen gefordert ist, die dem Kind zu einer authentischen Aussprache verhilft.

Die große Rhythmikerin Wilma Ellersiek, 1921 – 2007, war viele Jahre Professorin für Rhythmik, Schauspiel und gesprochenes Wort an der Hochschule für Musik in Stuttgart. In ihrer Arbeit widmete sie sich insbesondere der Wirkung von Rhythmus auf das Kind im Vorschulalter. Mit großer Sorgfalt und Intuition erarbeitete sie zahlreiche Finger- und Handgestenspiele in gereimter Sprache, durchwoben von Rhythmus und Musik.

Eine Auswahl ihrer künstlerisch geprägten Sprachgebilde  bietet der Band  „Die tanzende, spielende Hand“. Dessen Finger- und Handgestenspiele vermitteln, wie die Bewegungen der Hände, Fäuste, Daumen und Zeigefinger das aktiven und rhythmisch klangvollen Sprechen anregen und herausfordern. Die Spiele, deren Schwerpunkt in der reinen Bewegungsfreude liegen, machen die Urgebärden der Sprache als reines Klangerlebnis erfahrbar. Bei „Flap und Flop“ handelt es sich um die zwei tanzenden Daumen, „Molle-Mulle“ spielt klangvoll mit Silben und Fäusten, während mit „Pöm und Pam“ ein kleines Abenteuer  intensiv bewegt erlebt wird. Damit das gelingt, finden sich zu jedem Text bestens verständliche Bewegungsanleitungen, die mit detaillierten Zeichnungen unterstützend visualisiert sind.

Da jedes Handgesten- und Fingerspiel von Wilma Ellersiek ein kleines Kunstwerk ist, das Bewegung, Sprache und Musik vereint, regen Zunge und Hände das kindliche Sprachzentrum im Gehirn mächtig an. Weil Kinder es ungemein lieben, Sprache und Rhythmus so bewegt zu erleben, sind die Sprachgebilde von Wilma Ellersiek eine betont humane und sehr freudvolle  Form, die Sprachentwicklung  zu begleiten und zu fördern.

Dass Wilma Ellersieks Sprachschätze denen, die sie vermitteln und mit Kindern erleben dürfen, einiges Lernen abverlangen, das ist gut so. Wer sprachliche Bildung ernst nimmt und engagiert angeht, erlebt sich sicherlich auch gerne selbst als lernendes Individuum. Und ansonsten gilt das alte Sprichwort. „Übung macht den Meister“.

Dabei hilft die gleichnamige DVD weiter. Für das learning bei doing sind die Hand- und Fingerspiele detailgenau filmisch dokumentiert: sowohl frontal als auch von der Seite. Diese aufwendige Verfilmung erleichtert und unterstützt dabei, sich in diese Sprachkunst einzuleben.
Ein wunderbares Werk, das dafür Sorge trägt, dass Kinder Sprache ungemein klanglustig und ausdrucksvoll erleben  - und das ist eine bedeutende Motivation für ihre Sprachentwicklung.

Für die Praxis

Für Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen, sind Reime und Verse eine besondere Stimulanz. Mit ihren ausgeprägt klanglichen Strukturen wecken sie die Lust der Kinder, ihren deutschen Wortschatz auszubauen. Sprachen unterscheiden sich in ihrer Sprachmelodie. Kinder, die Deutsch als Zweitsprache erwerben, brauchen Verse und Gedichte, um die rhythmischen und prosodischen Muster der deutschen Sprache zu erkennen. Mit der Sprache zu spielen macht Spaß; die Rhythmen und Laute werden lustvoll und positiv erfahren und ermöglichen Kindern spontane Erlebnisse mit grundlegenden Strukturen ihrer Zweitsprache.

Folgende Anregungen geben einen Eindruck in die Arbeit mit den Texten von Wilma Ellersiek:
Die kleinen Abenteuer von „Pöm und Pam“ sind ein Fingerspiel mit umfangreichem Text. Es lohnt sich, dieses rhythmisierte, vom Einsatz der Fäuste geprägte Gestenspiel zu erarbeiten. Wer es frei sprechen kann und sich den Ablauf der Bewegungen eingeprägt hat, ist im Besitz eines rhythmisch und klangvollen Spiels mit der Sprache – eines das Kinder fasziniert, herausfordert und gleichzeitig viel Spaß erleben lässt.
 
Pöm und Pam, die beiden,
mögen sich gern leiden!
Pöm und Pam,
die wandern, wandern
einer mit dem andern,
in die Welt hinaus.
Kehren um
und wandern, wandern,
einer mit dem andern,
zurück, zurück nach Haus
und ruh‘n ein Weilchen aus.
Jetzt springen sie. Seht nur, wie:
Pöm über Pam, Pam über Pöm.
Pöm über Pam, Pam über Pöm.
Pöm – Pam – Pöm – Pam
und hopp und hopp und hopp und stopp!
Noch einmal hin und her, ….

Das komplette Handgestenspiel können Sie hier auf Youtube sehen und hören

Pöm und Pam in acht Sprachen

In der Ende 2020 erschienen englischsprachigen Sonderausgabe der Zeitschrift „erziehungskunst frühe kindheit“ finden Sie den Text zum Handgestenspiel „Pöm und Pam“ in acht verschiedenen Sprachen: englisch, deutsch, russisch, kroatisch, französisch, koreanisch, polnisch und spanisch.

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Wilma Ellersiek, Herausgegeben von Jacqueline Walter, Ingrid Weidenfeld:Die tanzende, spielende Hand. Rhythmisch-musikalische Hand- und Fingerspiele. Stuttgart 2021, 103 Seiten | € 23,00 | DVD | € 20,00

Buchcover "Den Mond vom Himmel pflücken"

Medientipp Oktober 2021

Geschichten von Panda und Eichhörnchen: innig, emotional und herzensgut    

Ziemlich beste Freunde sind sie,  Eichhörnchen und Panda. Zwei, deren Freundschaft darauf beruht, dass man sich gern hat und dass Gefühle in der Beziehung eine große Rolle spielen.

Ihre tiefe gegenseitige Zuneigung lässt ihnen Raum für unterschiedliche Sichtweisen und ist die sichere Basis, auf der sie auch Konflikte und Widersprüche leben können.

So heißt es einmal: »Du darfst mich immer stören, Eichhörnchen«, sagt Panda. – »Auch wenn du so brüllst, Panda?« – »Wenn ich brülle, wenn ich schweige, wenn ich schimpfe, wenn ich schnarche. Immer!«  Freundschaft beruht eben zumindest zu einem bestimmten Maß auf Gegenseitigkeit…

Die Erlebnisse und auch die Fragen, die sich die Protagonisten stellen, enthalten grandiose Perspektiven und regen zum gemeinsamen Nachdenken und Nachfühlen an.

Als gute Freunde sind sich Panda und Eichhörnchen meist einig, was allerdings nicht ausschließt, dass sie immer wieder mit dem gemeinsamen Aushandeln dessen, was richtig oder gerecht ist, beschäftigt sind:  Panda will Eichhorn nicht suchen, weil der kleiner ist und sich viel besser verstecken kann. Eichhorn will nicht spielen, wer am lautesten brüllen kann, weil Panda groß und dick ist und lauter brüllen kann.  Derlei Situationen aber lösen die Freunde dank ihrer felsenfesten Zuneigung. Und diese in den Worten spürbare Zuneigung ist es wohl auch, die die Zuhörenden tief in die Geschichten hineinzieht, die mit charmanter kindlicher Weltsicht vom Spielen und vom Streiten, vom Mond und der Langeweile, von einer Reise, die nur zwei Schritte dauert, oder von Tweetie, dem frisch geschlüpften Entchen erzählen.

Auf dem Arbeitsplatz von Illustrator Christopher Corr liegen viele Zeichnungen

Kinder brauchen Magie und Phantasie und ganz eigene Symbole, um auf einer verlässlichen Basis Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu entwickeln. In den Geschichten von Eichhörnchen und Panda pflegt der flämische Erzähler Ed Franck eine ebenso einfache wie magische und kindgerechte Art des Erzählens. Diese konnte er finden, weil er es versteht, sich auf kindliche Phantasien einzulassen. Wie großartig, dass Thé Tjong-Khing die Welt von Panda und Eichhörnchen in seinen Bildern so ausdrucksstark in Szene gesetzt hat, dass sie die Imaginationskraft von Kindern lustbetont anregen und uns Erwachsene an der Welt kindlicher Wünsche und Vorstellungen teilhaben lassen.
Ein rundum literarischer Glücksfall, der dafür sorgt, dass Kinder das Suchen und Finden der eigenen Person in den handelnden Figuren der Geschichten leicht fällt und sie in ihrer Selbstfindung weiterbringt.

Theoretischer Hintergrund

Zum Leser wird man nicht von allein: Sprache und der erste Zugang zur Literatur entfalten sich durch die Nähe zu Erwachsenen. Die Begleitung von kompetenten Anderen, die das Le-sen anregen – indem sie als Lesevorbilder, als Gesprächspartner und -partnerinnen und damit als Türöffner in die Welt der Schriftsprache auftreten –, entscheidet über diese Entwicklung.
Dass Kinder ins Lesen hineinwachsen bildet die Basis dafür, dass sie später selbst lesen, Lese-freude und Lesemotivation entwickeln. Die Forschung zur Lesesozialisation geht davon aus, dass der Aufbau der schriftsprachlichen Kompetenzen zu einem großen Teil darauf beruht, wie routiniert und verlässlich Kinder und Erwachsene Buchkultur gemeinsam gelebt und erlebt haben. Wesentlich geprägt wird die zukünftige Lesekompetenz davon, wie oft und wie intensiv das Kind mit nahestehenden Bezugspersonen Zeit mit Büchern und Vorlesen verbracht hat.
Vorlesen als Akt der Nähe, in dem sich Sprache, gemeinsam gestaltete Zeit und Lesefreude spiegeln, ist beste Erziehungs- und Bildungszeit.
Die Lust zu Lesen entsteht also Schritt für Schritt: Wer früh vorgelesen bekommt, entwickelt eine höhere Motivation, bald auch selbständig zum Buch zu greifen.

Für die Praxis

„Vorlesen ist die Mutter des Lesens.“ Johann Wolfgang Goethe bringt es mit seiner Aussage auf den Punkt. Die Geschichten von Panda und Eichhörnchen sind wunderbarer Vorlesestoff,  der die kindliche Sicht der Dinge und spannende Dialoge anregt: „Was könnten Panda und Eichhorn noch versuchen, um den Mond zu pflücken? Welche Formen kann der Mond denn haben? Wer ist dein Freund? Warum wollen wir Menschen einen Freund/eine Freundin haben? Sollen wir dem Mond eine Rutschbahn bauen, dann kann er uns besuchen kommen…?“

Zudem gibt es zu jeder Geschichte reichlich handlungsorientierte Anschlusskommunikation, wie die folgenden Beispiele zur titelgebenden Geschichte zeigen:

  • Panda will gerne den Mond vom Himmel pflücken, um mit ihm zu spielen. Seinem Freund Eichhörnchen erklärt er: „Die Kinder im Dorf spielen oft mit Bällen … sie lachen und singen, während sie sich die Bälle zuwerfen.“
    So ermöglicht die Geschichte, in der es zwar nicht gelingt den Mond vom Himmel zu pflücken, dafür aber eine wunderbare Freundschaft geschlossen wird, dieses erwähnte Ballspiel der Kinder aufzugreifen. Hierzu zwei Spielanregungen:
    • Ballspiel: Ab ins Körbchen
      Ein Papierkorb wird auf einen Stuhl gestellt. Von einer Ab­wurf­linie aus versucht der erste Spieler/die erste Spielerin, den Ball in den Korb zu werfen. Nacheinander haben alle fünf Würfe frei. Die Treffer werden in einer Strichliste aufgeschrieben, und dann wird die nächste Station gebaut: der Papierkorb steht auf den Tisch, dem Schrank, usw.
      Spielt man draußen, kann der Korb auf dem Liege­stuhl, auf der Spitze einer Sandburg oder auf der Schaukel stehen, oder aber er wird mit einer Schnur an einen As­t im Baum ge­hängt.
    • Ballspiel: Ball auf den Teller
      Auf die Erde wird ein Kreis gemalt, so groß wie ein Suppentel­ler. In 1 bis 2 Meter Entfernung stellen sich zwei Kinder einander gegenüber auf - sie haben den Kreis also zwi­schen sich. Gegenseitig werfen sie sich nun den Ball so zu, dass der jedes Mal im Kreis aufspringt, bevor er vom gegenüberstehenden Spieler aufgefangen wird. Wird der Kreis durch einen Reifen ersetzt, kann das Spiel auch von jüngeren Kindern  gespielt werden.
  • „Dann fangen sie beide leise an zu singen. Ein Lied über den Mond.“ So endet die erste Geschichte im Buch, und da wollen wir ja gerne mitsingen… Vielleicht: „Der Mond ist aufgegangen, / die goldnen Sternlein prangen / am Himmel hell und klar; / der Wald steht schwarz und schweiget, / und aus den Wiesen steiget / der weiße Nebel wunderbar.“
    https://www.singkinderlieder.de/video/der-mond-ist-aufgegangen/

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Ed Franck / Thé Tjong-Khing: Den Mond vom Himmel pflücken.Geschichten von Panda und Eichhorn.Frankfurt: Moritz 2021, 56 Seiten | € 14,00 | ab 5

Buchcover "Wir feiern! Ein Jahr, viele bunte Feste" - Grafiken von feiernden Menschen unterschiedlicher Kulturen

Medientipp September 2021

Weltweit:  Feierlaune  

Jedes Fest entspringt aus einer Sehnsucht und ruft Sehnsüchte wach. Wenn es gelingt, schießt es so zu sagen über den Alltag hinaus. Im Jahreslauf reihen sich die Feste auf wie die Perlen einer Silberkette. Und dazu kommen noch - von der Wiege bis zur Bahre  -  die Meilensteine und Wendepunkte im Lebenslauf jedes Menschen, die von Festen, Sitten und Gebräuchen geformt werden.

Feste haben Aufgaben und Hintersinn: sie gliedern das Jahr und deshalb findet „vom Frühling bis zum Winter in jeder erdenklichen Ecke der Welt ein Fest statt.“
„Wir feiern“ ist ein international ausgerichtetes Buch, das 100 witzige und wichtige Feste aus der ganzen Welt versammelt und ihre Hintergründe und Traditionen beleuchtet.  Dabei geht es weit über religiös veranlasste Feste wie Ostern, Weihnachten oder Ramadan hinaus. Denn es werden sowohl kulturelle Feiertage wie der „Weltfrauentag“ vorgestellt als auch solche mit politischen Wurzeln wie der „Martin Luther King Jr. Day“ an dem weltweit seinem Wunsch nach einer gleichberechtigten und freiheitlichen Gesellschaft erinnert und gedacht wird.

Die jahreszeitliche Gliederung des Buchs macht Sinn, denn Frühling, Sommer, Herbst und Winter geben weltweit Anlass, Menschen zusammen zu bringen, zu feiern und damit das immer Wiederkehrende im Alltag zu unterbrechen. Nicht nur zeitlich, sondern beispielsweise auch in der Ernährung. Feier- und Festtage bieten oft intensive Gaumenfreuden und speziell dafür Zubereitetes; von bunten Ostereiern über leckere Zwiebel-Snacks, bis hin zu Safranbrot und Ingwerkeksen -  je nach Region und Gepflogenheit.

Der Baumfesttag in den Niederlanden, das chinesische Eis- und Schneefestival in Harbin oder das Kirschblütenfest in Japan – weltweit stehen viele Feste auch in direkter Beziehung zur Natur. Selbst wenn diese heute nicht überall so intensiv wie früher erlebt werden kann, brauchen wir die Freude und die Form der Selbstbestärkung, die in Bräuchen und Ritualen steckt. Auch wer keine Kirschen erntet, sondern diese auf dem Markt kauft, möchte das Kirschblütenfest  feiern. Das Bedürfnis, den Alltag außen vor zu lassen, Höhepunkte zu markieren, und in der Familie, im Freundes- oder weiteren Kreis Anlässe zum Fest werden zu lassen, wird nicht dadurch beeinträchtigt oder vergessen, dass man mit dem eigentlichen Festursprung nicht mehr unmittelbar verbunden ist.

Claire Crace vermittelt uns auch außergewöhnliche Rituale wie der schweizerischen Almabtrieb oder skurrile Traditionen wie ein festliches Menü, das in der thailändischen Stadt Lopburri für die dort lebenden und angeblich glücksbringenden Affen ausgerichtet wird.

Auf dem Arbeitsplatz von Illustrator Christopher Corr liegen viele Zeichnungen
Arbeitsplatz von Christopher Corr (Foto: Corr)

Der Illustrator Christopher Corr beschreibt seinen Zeichenstil als bunt, fröhlich. Er möchte „unsere Welt, ihre Menschen und Tiere feiern und unsere Geschichten teilen.“ Dass ihm dies mit seinen kreativen Illustrationen gelungen ist, lässt sich auf jeder Seite eindrücklich erleben.
„Wir feiern“ ist ein Buch, das weltoffen vermittelt wie Feste rund um den Globus gelebt und gefeiert werden. Es zeigt Kindern und Erwachsenen kulturelle Vielfalt aus aller Welt und vermittelt eindrücklich, dass die Lust am Feste feiern die Menschheit verbindet.

Theoretischer Hintergrund

Feste, die öffentlich gefeiert werden, gehören seit jeher zur Kultur des Menschen. Dorffeste, Kirchweih und Kirmes, aber auch jahreszeitliche Angelpunkte wie Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen waren immer schon Treffpunkt und Tummelplatz für viel Volk.
Seit altersher haben auch Spiele eine Rolle in der Gestaltung von Feierlichkeiten gehabt. Nicht selten, um böse Geister zu irritieren oder abzuhalten. Überreste solcher Vorstellungen sind in manchen Reigen- und Kreisspielen zu erspüren.
Vieles, mit dem wir festliche Tage gestalten, hat einen alten magischen Ursprung. Geburtstagsfeste und Einladungen entstanden als Schutzgesten und aus dem Sicherheitsbedürfnis für das neue Lebensjahr. Man gratuliert sich, weil man in alten Zeiten glaubte, dass sich die bösen Geister besonders leicht über einen Menschen hermachen, wenn der ungeschützt zwischen den Lebensjahren steht. Dass dagegen hilft, viele Menschen um sich zu scharen, mit denen zusammen zu sein, die einem behüten, liegt doch nahe.
Solche Auffassungen und Blickwinkel wieder zu bedenken und zu betrachten hat seinen Reiz. Manches Ritual, das mitunter etwas leblos und eintönig erscheinen mag, sieht man so in  neuem Licht. Auch die Motivation, eigenes zur Fest- und Feiergestaltung zu ersinnen und zu pflegen, kann dadurch beflügelt werden.

Für die Praxis

Die menschliche Psyche liebt das Ritual und lebt nur ungern ohne es. Rituale, Symbole und Gebräuche prägen Feste, das heißt nun aber wiederum nicht, dass diese immer nach dem gleichen Muster ablaufen müssen. Nicht bei jedem Fastnachtfest müssen die Kinder geschminkt werden. Nicht jedes Sommerfest braucht Väter am Grill, die Kuchentheke der Mütter oder die Bewegungsbaustelle für die Kinder. Zuviel Routine kann Fest- und Feierlust töten wie zu viel Festangebote. Wer nach Ostern bereits in Gedanken über das Abschiedsfest für die Schulanfänger stöhnt, kann wahrscheinlich nicht mit Vorfreude kreativ und organisatorisch tätig werden.

  • Solide Planung und Muße beim Vorbereiten tragen aber einen gewichtigen Teil dazu bei, Genuss und Lust am Feiern zu erhalten. Wie gesagt: Ein Fest wird zum Fest, wenn man gemeinsam feiert, und nicht, wenn man gemeinsam konsumiert. Dass Gäste sich wohl befinden, Selbstbestärkung  und Glücksmomente erleben, hängt erstaunlich wenig von pompös-aufwändiger Festgestaltung ab.
    Mut zur Einfachheit dient meist dem Wesentlichen eines Festes. Kinder, Eltern und andere Gäste wissen das oft zu schätzen. Wer sich auf eine solche Art von Gestaltung einlassen kann, spürt dass sich was in Kopf und Herz tut. Den Festen und Feiern bekommt das gut. Sie werden  freier, bunter und vielfältiger...
  • Die Lust und das Bedürfnis, Feste zu feiern, liegt wie gesagt auch darin, mit anderen zusammen zu sein, sich wohlfühlen zu möchten und sich selbst in einer Gemeinschaft zu erleben.
    Gemeinschaftserlebnisse, sind aber auch solche Begebenheiten, die nicht alle punktgenau miteinander erleben müssen. Vielmehr zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie einen gemeinsamen Nenner schaffen,  von ihrem Wesen also möglichst vielen Teilnehmern der Festgesellschaft entgegenkommen. So bietet die Tatsache, dass in jeder Kita verschiedene Sprachkulturen zu Hause sind, ein Fest mit dem Thema „Unsere Sprachen, Bücher und Geschichten“ ein solches Gemeinschaftserlebnis, das sich in erstaunlicher Vielfalt gestalten lässt.
  • Übrigens soll es auch Pädagoginnen-Feste geben. Warum soll sich ein Team für ein gelungenes Kita-Jahr oder Kita-Fest nicht selbst belohnen? Oder was liegt näher, als wenn sich nach tiefen Tälern in der Arbeit wieder Lichtblicke und Höhen zeigen, diese auch gebührend wahrzunehmen und wohltuende und festlich zu gestalten?
    In diesem Sinne: Feste soll man feiern, wenn sie fallen und wohltun.

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Claire Grace / Christopher Corr: Wir feiern! Ein Jahr, viele bunte FesteLeipzig: EA Seemanns Bilderbande, 2021, 128 Seiten| € 22,00 | Für Alle und Kinder ab 5

Buchcover "Ich bin anders als du"

Ich bin anders als du – Ich bin wie du

In der aktuellen Auseinandersetzung um Inklusion und Diversität geht es darum, allen Menschen eine uneingeschränkte Teilhabe in allen Bereichen der Gesellschaft zu ermöglichen und jegliche Form von Diskriminierung oder des „an den Rand Drängens“ von Menschen aufgrund von zugeschriebenen Merkmalen zu verhindern. 

Dafür braucht es Impulse, die Kinder und Erwachsene zum Wahrnehmen und Nachdenken, zum Mitfühlen und sich darüber austauschen anregen. Bilderbücher haben diese Kraft, und geben Impulse, wenn sie Inklusion und Diversität vielfältig und ohne Klischees und stereotype Illustrationen sichtbar werden lassen.  Ein solches Buch hat Constanze von Kitzing mit Ihrem „Ich bin anders als du - Ich bin wie du“ geschaffen. Bereits vor zwei Jahren ist es als Pappbilderbuch im quadratischen Format erschienen.
In der neuen, großformatig gebundenen Ausgabe zeigt es sich nicht nur als Wendebuch, sondern erzählt in ausführlichen Texten über die Vorlieben, Eigenheiten und das Dasein der Kinder und Menschen die wir kennen lernen: Mila beispielsweise trägt ein Hörgerät, denn sie ist schwerhörig.

Sie lernt die Gebärdensprache und ihre Lieblingstiere sind Pferde, Meerschweinchen und Delphine. Ihr Zuhause teilt sie mit sechs Geschwistern und gern hätte sie ein Haustier. Leider gibt es dafür keinen Platz, aber vielleicht wird sie mal Tierärztin werden. Ihre Schulfreundin Nura mag Elefanten und zeichnet sie auch gerne. Zusammen mit  Oskar, der in der Kita Kunterbunt ist, malen sie rechts- und linkshändig riesige Elefanten an eine Wand. Oskars Papa arbeitet übrigens als Erzieher in der Kita Zwergenmütze und kommt mit Kindern aus seiner Kita für ein Fußball-Turnier zu Besuch in Oskars Kita…
Was verbindet oder unterscheidet ist in diesem Buch nicht unbedingt auf den ersten Blick zu erfassen. Die Bilder von Constanze von Kitzing spielen mit den Gedanken der Betrachtenden und überraschen diese dann, indem sie das Offensichtliche unterlaufen.

Sergej und Lilli verbindet nicht ihre augenscheinlich lockigen Haare oder ihr Pausenbrot, sondern, wie wir nach dem Umblättern feststellen können, etwas ganz anderes.
So erfahren wir seitenweise reichlich über die Hobbies und Vorlieben, über die Interessen und Wünsche der porträtierten Kinder und ihrer Familien. Wir nehmen Anteil an ihrer Lebensweise, an dem was sie verbindet und unterscheidet. Im Erleben dieser verknüpften Welten wird  eine „Normalität“ beschrieben, die zeigt wie bunt Vielfalt ist und, dass eine Gesellschaft gut tut, diese gemeinsam zu leben. Constanze von Kitzing gelingt diese Verbindung  von Individualität und Diversität absolut überzeugend und spannend, was auch daran liegt, dass sie ihrem Bilderbuch eine ungemeine Leichtigkeit und Menschlichkeit mitgibt.
„Ich bin anders als du – Ich bin wie du“ ist ein Buch, das vielfältig zu genießen ist: im Selberlesen der Bilder genauso wie als bildstarke Lektüre für Erstleser. Beim gemeinsamen Lesen zeigt sich auch der Gewinn der Neuausgabe: die im ausführlichen Textteil eingefügten Bildwörter ermöglichen es, das Buch gemeinsam mit jüngeren Kindern zu lesen.
Die eingefügten Bild-Icons sind in einer Wörterliste benannt. In dieser kann man nachschauen, falls die bildliche Darstellung des Wortes unterschiedlich gelesen oder nicht unmittelbar deutbar erscheint. Im Vorsatz und Nachsatz des Buches sind die Namen und Abbildungen von Tieren zu finden, die auf der Weltkarte abgebildet sind, die in Lucas Zimmer hängt.
Auf der entscheidenden Doppelseite des Buches liegen Alva und Wahab auf einer grünen Wiese, sie erzählen über die Länder, aus denen sie kommen, dass sie Deutsch als Zweitsprache lernen und zeigen mit ihren Aussagen „Ich bin ich“ das Wenden in der Buchmitte an.
So ist dieses Buch ein Kunstwerk mit vielen positiven Rollenvorbildern, das schon beim Anschauen viel Freude bringt und Gedanken und Gespräche zu Individualität und Inklusion anregt. Ein Buch, dem man wünscht, dass es nicht nur in der Kita-Bibliothek sondern in jeder  Kita-Gruppe sein zu Hause findet und somit zum Lebensbegleiter vieler Kinder wird. Beide hätten es verdient!

Theoretischer Hintergrund

Bilderbücher sind ideal wenn es darum geht, Kindern vielfältige Zugänge zum  Themenkomplex Inklusion und Diversität zu ermöglichen. Denn ein Pers­pektivenwechsel beim Kennenlernen vielfältiger Lebensformen und -erfahrungen kann ein erster Schritt zur Empathie sein und trägt so zu einer ersten Bewusstseinsbildung für ethische Werte und Menschenrechte bei. Davon profitieren Kinder und Erwachsene: zum Beispiel durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander.

Für die Praxis

Spielerische Anschlusskommunikation zur Arbeit mit dem Bilderbuch „Ich bin anders als du – Ich bin wie du“

  • Literacy: erzählen, lesen und schreiben  mit der Bild-Wörterliste aus dem Buch
    Bilder unterstützen Kinder beim Lesenlernen. Die Bilder, die in diesem Buch in den Text eingefügt sind, funktionieren durch Repräsentation und ermöglichen ein gemeinsames Lesevergnügen, an dem alle Beteiligten Spaß haben. Die Bilder geben den Kindern die Gelegenheit, etwas zum Lesen beizutragen.
    Die Wörterliste, in der alle kleinen Bilder aus dem Text benannt sind, eignet sich für vielerlei Literacy-Erfahrungen:
    - Die kopierten Seiten in kleine Bilder und in kleine Kärtchen zerschneiden.
    - Die Bildkärtchen den jeweiligen vier Textseiten im Buch zuordnen auf denen jedes Kind in seiner Lebensumwelt dargestellt wird.
    - Aus den Bildkärtchen eine Anzahl aussuchen und damit eine neue eigene Geschichte erfinden und erzählen. Die Geschichte aufschreiben und die Bildwörter einkleben.
    - Die Bildkärtchen nach Kategorien sortieren: Obst, Menschen, Tiere etc.
    - Da die Bildkärtchen in Großbuchstaben beschriftet sind, schreiben Kinder die Worte auch gerne selbst ab.
    - Die Phonologische Bewusstheit fördern: Die Bildkärtchen verwenden, um die Worte in Silben aufzuteilen. Die Silben klatschen und hüpfen.
  • Selbstreflexion: die Gelenkpuppe „Ich bin ich“ gestalten
    Auf der homepage von Constanze von Kitzing können Sie ein Ausmalbild zum Buch und eine Vorlage ausdrucken, mit der Kinder und Erwachsene eine individuelle Gelenkpuppe nach dem Motto „Ich bin ich“  gestalten können.
    https://www.constanzevonkitzing.de/ich-bin-anders-als-du
  • Wohnzimmer-Lesung mit Constanze von Kitzing
    Constanze von Kitzung spricht über ihr Buch und liest es in ihrem zu Hause vor. In einer Filmsequenz kommentieren Kinder das Buch:
    https://www.youtube.com/watch?v=Yv8MCVMG5c8
  • Lied : „Anders als du“ von Robert MetcalfRobert Metcalf  ist erfolgreicher Liedermacher und Songwriter und gibt Konzerte für Kinder und Erwachsene. Sein Markenzeichen ist eine schwarze Melone. Robert Metcalf hat zahlreiche CDs veröffentlicht, im Kinderfernsehen ist er regelmäßig in der Sendung mit dem Elefanten zu sehen.In seinem Lied „Anders als du“ geht es darum, die Vielfalt des Lebens in verschiedenen Formen zum Ausdruck zu bringen.
    Die erste Strophe und der Reim stehen fest, alle weiteren Strophen können gemeinsam mit den Kindern weiter entwickelt werden.
                „Ich bin anders als du bist anders als er ist anders als sie! (klatsch)
                Sie ist anders als er ist anders als du bist anders als ich! (klatsch)

              Wir, wir, wir sind anders als ihr, ihr, ihr seid anders als wir. Na und?
              Das macht das Leben eben bunt!“
              REFRAIN:
              „Wir, wir, wir sind anders als
              ihr, ihr, ihr seid anders als wir. (klatsch)
              Na und?
              Das macht das Leben eben bunt!“
    Quelle: CD „Ich und Du – Schubidu“CD und Begleitheft mit Noten, Texten sowie Spiel- undBewegungsideen sind erhältlich im Liederladen www.der-Liederladen.com  
    Hier ist das Lied zu hören

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Constanze von Kitzing: Ich bin anders als du – Ich bin wie du. Das große Bilderbuch zum Vor- und Mitlesen.Hamburg: Carlsen, 96 Seiten| € 16,00 | Für Kinder ab 4

Medientipp Juni 2021

Trudi traut sich

Trudi, die Kuh: groß und mächtig und ziemlich prächtig… Schön dunkelbraun-weiß kuhgefleckt, mit einer kleinen Glocke um den Hals, lebt sie auf der grünen Wiese. 
So weit wäre alles gut, aber Trudi leidet unter Ängsten, ohne dass es jemand weiß.

Gewittert es, flüchten sich Hase und Schwein verängstigt unter ihrem großen Bauch, und schwärmen von ihrer Größe: „Ach es muss gut sein, wenn man so groß und stark ist!“. Und auch das ängstliche Schäfchen findet das beneidenswert. Beim gemeinsamen Spiel zeigt sich Trudi von ihrer sozialen Seite und schlägt den angsthasigen Freunden vor, sich zu zweit zu verstecken, sodass gleich gar keines der jüngeren Tiere Angst bekommen kann. Klar, dass alle sich mit der großen starken Trudi hinter mannshohen dunklen Heuhaufen verstecken möchten. Auf dem Weg zum Bach mahnt Trudi alle, eng bei Ihr zu bleiben, zumal der Weg durch den wirklich dunklen Finsterwald führt und dort eben die wilden Tiere rumlungern, die jedem auflauern. Aber auch im Dunkeln glänzt Trudi mit ihren Strategien gegen Ängste. Einfach ein Lied singen, schlägt sie vor, dann ist der Wald gleich weniger unheimlich.
So langsam kommt ein leiser Verdacht auf! Aber am Bach wartet gleich die nächste Herausforderung: ein Igelkind kommt nicht über den Bach, der sich durch Regenfälle in einen reißenden Fluss verwandelt hat. Kaninchen weiß die Lösung: Trudi soll sich, mit Vorder- und Hinterfüßen am linken und rechten Ufer stehend, ganz laaang strecken, dann wird ihr Kuhrücken zur Brücke für das Igelkind. Gesagt, getan! Und mutig trippelt das kleine Stacheltier über die Kuhrücken-Brücke zu seiner Familie.
Plötzlich aber fehlt die Kuh. Ihre Freunde finden sie zitternd im Gras liegen. Japsend gesteht sie, dass das nun wirklich zu viel war für sie: das Gewitter, das dunkle Versteck, der Finsterwald und jetzt noch dieser Spagat über den Bach. Wo sie doch vor allem und jedem Angst hat, sogar vor den Fliegen auf ihrer Nase. Alle sind erstaunt und überrascht, dass jemand, der sich immer dafür sorgt, dass sich keiner fürchtet,  in Wirklichkeit ein absoluter Angsthase ist! Die Ziege will wissen, warum Trudi das nie gesagt hat. Das Schäfchen verspricht, dass sich bei der nächsten Angst alle für Trudi stark machen werden und das Kaninchen weiß eine allerbeste Übung gegen Angst und für Selbstvertrauen…
In Geschichten dem Thema Angst zu begegnen, macht Kindern Spaß, weil dies die Gewissheit bietet, geprüft und gestärkt in den Alltag zurückzukehren. Die große Angst der mächtigen Kuh hat Henrike Wilson trefflich und sehr sympathisch ins Bild gesetzt. Mögliche Ängste in einer so unterhaltsamen und bildstarken Geschichte herauszufordern bleibt überschaubar, da die Herausforderung an eine bestimmte Situation gebunden ist, die es zu durchleben und  zu durchstehen gilt. Das Prickeln, es könnte schief gehen,  ist verbunden mit der unverbrüchlichen Gewissheit, dass es schon nicht schief gehen wird. Und die Geschichte von Trudi hält dieses Prinzip ein, in dem Trudis Freunde durch ihre Strategie zum Selbstvertrauen und ihr Versprechen, für Trudis Ängste da zu sein, für ein glückliches Ende sorgen.

Theoretischer Hintergrund

Bilderbücher sind ideal wenn es darum geht, Kindern vielfältige Zugänge zum  Themenkomplex Inklusion und Diversität zu ermöglichen. Denn ein Pers­pektivenwechsel beim Kennenlernen vielfältiger Lebensformen und -erfahrungen kann ein erster Schritt zur Empathie sein und trägt so zu einer ersten Bewusstseinsbildung für ethische Werte und Menschenrechte bei. Davon profitieren Kinder und Erwachsene: zum Beispiel durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander.

Für die Praxis

Spielerische Anschlusskommunikation zur Arbeit mit dem Bilderbuch „Trudi traut sich“

  • Ich und das wilde Tier - Respektperson
    Um wilden Tieren, wie denen im Finsterwald, oder anderen angstmachenden Wesen Respekt einzuflößen, ist es wichtig, etwas zu finden, das man selbst besonders gut kann, was man besonders gerne tut oder das besonders an einem selbst ist.
    Fragen, die Mädchen und Jungen helfen, das herauszufinden:
    - Was tust du gerne? Steine sammeln, Seil hüpfen, Rad fahren, Bobbycar fahren, flöten, mit den Ohren wackeln, pfeifen...
    - Wie bist du gerne? Faul, laut, leise, lustig, zappelig, müde...
    - Was hast du besonderes? Sommersprossen, lange Haare, eine Zahnlücke, grüne Augen…
    - Wenn du etwas Besonderes gefunden hast, kannst du dir einen Heldennamen geben, der darüber erzählt: - Die pfeifende Hanna - Leo, der Steinesammler - Lukas, der Bobbycar-Fahrer...
  • Angst und Mut: ein Spruch tut gut
    Mittels magischer Symbole können Kinder sich als aktives und handlungsorientiertes Subjekt begreifen und versuchen, sich von dunklen, bedrohlichen Dingen zu befreien.
    Vertreibesprüche und Zaubersprüche sind für Kinder nicht irgendein Hokuspokus sondern der Ausdruck einer eigenständigen Produktivität. Werden solche gebundenen Texte ritualisiert, sie sind ein Mittel, das die Abwehrkräfte gegen archaische Ängste stärken kann. Mit ihrer Hilfe können sich Kinder auf den Weg durch die Welt machen und neue, fremde Wirklichkeiten erobern. Sprüche, die gemeinsam von den Kindern gesprochen werden können, um beispielsweise die wilden Tiere in der Geschichte zu verjagen:
     
    Hokus Pokus Fidibus
    Klauen greifen
    Krallen seifen
    Pfoten quetschen
    und die Zähne fletschen
    Angst zu Ende
    Spuk vorbei
    Klatsch in die Hände.
     
    Hokus Pokus Fidibus
    Angst, Angst,
    doch zur Angst gehört auch Mut.
    Schick die wilden Tiere fort
    Jag sie an nen andren Ort.
    Schreie löwenlaut:
    Furcht weg, Fliegendreck,
    Angst weg, Fliegendreck,
    GRROOAAAHHUU!
    Und dann hast du wieder Ruh.

    Danach können die Kinder eigene Zauber- oder Angst-Vertreibe-Sprüche erfinden, mit denen Angstungeheuer zu besänftigen oder zu verjagen sind.

Medientipp von Sylvia Näger

Freiburg. Diplom-Medienpädagogin. Dozentin in der Aus-und Fortbildung von Grundschullehrenden, Pädagogischen Fachkräften und Bibliothekaren. Lehrtätigkeit in den Bereichen sprachliche Bildung, Literacy, Kinder- und Jugendliteratur,  Lyrik und Medienpädagogik.

Katja Reider/ Henrike Wilson: Trudi traut sich!
Münster: Coppenrath, 2022,  Seiten| € 25,00 | Für Kinder ab 3

Medientipps Archiv

  Hier finden Sie Medientipps der vergangenen Monate 

Seite abonnieren

Sie möchten informiert werden, wenn es einen neuen Medientipp gibt? Dann abonnieren Sie diese Seite und Sie werden künftig per Mail benachrichtigt.

Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung 4
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8309
daniela.bischler@stadt.freiburg.de

Internetauftritt

Initiiert wurde dieser Internetauftritt von den Mitgliedern der UAG Sprache der AG nach § 78 SGB VIII Kitas.