22. Oktober 2020, 16.30 Uhr

80. Jahrestag der Deportation der Freiburger Jüdinnen und Juden nach Gurs

Gedenkfeier auf dem Platz der Alten Synagoge

Der 22. Oktober 1940 war der letzte Tag des jüdischen Laubhüttenfestes (hebräisch: Sukkot). Noch vor den reichsweiten Deportationen in die Vernichtungslager im Osten wurden in einer konzertierten Aktion der nationalsozialistischen Gauleiter Robert Wagner („Gau Baden“) und Josef Bürckel („Gau Saarpfalz“) an diesem Tag über 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Vom Freiburger Bahnhof aus wurden mindestens 379 Freiburger Jüdinnen und Juden deportiert.

Viele der in Gurs Internierten starben aufgrund völlig unzureichender Nahrung, katastrophaler hygienischer Zustände und fehlender medizinischer Versorgung an Entkräftung, Hunger und Krankheit. Ab August 1942 wurden die noch Lebenden über das Sammellager Drancy bei Paris in die Vernichtungslager im Osten, vor allem nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

Gedenkfeier

Bitte beachten: Alle Teilnehmenden müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und den Abstand von 1,5 Metern zu anderen einhalten! Weitere Infos unter www.freiburg.de/coronavirus

Die diesjährige Gedenkfeier beginnt um 16.30 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge mit Redebeiträgen von Oberbürgermeister Martin Horn und Irina Katz, der Vorsitzenden der Israelitischen Gemeinde Freiburg sowie Cornelia Haberlandt-Krüger, Vorsitzende der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher.

Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust werden El Male Rachamim und Kaddisch gebetet von Moshe Hayoun, Israelitische Gemeinde Freiburg, und Dr. Annette M. Böckler, Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher.

Anschließend lesen die Schauspielerin Natalia Herrera und der Sprecher Achim Barrenstein behördliche Anordnungen und Anweisungen sowie Berichte und Briefe von nach Gurs Deportierten.

Veranstalter sind das Kulturamt der Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit Israelitische Gemeinde Freiburg, Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher, Aktion Sühnezeichen  Friedensdienste, Deutsch-Israelische Gesellschaft, DGB Stadtverband Freiburg, Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv-Yafo, Gegen Vergessen – Für Demokratie, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Rosa Hilfe Freiburg, Stolperstein-Projekt Freiburg, SWR Studio Freiburg, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Der Eintritt ist frei. Bitte beachten Sie bei allen Veranstaltungen die geltenden Hygiene- und Abstandsregeln und die Maskenpflicht.

Bitte beachten: Für alle Teilnehmenden gelten Maskenpflicht und die Abstandsregel 1,50 m. Weitere Informationen unter freiburg.de/coronavirus

Weitere Veranstaltungen:

21. Oktober 2020, 19Uhr, Bürgerhaus Seepark

Die Geschichte des Platzes der Alten Synagoge aus eigentumsrechtlicher Perspektive

Vortrag
Julia Wolrab M.A., Leiterin des Dokumentationszentrums Nationalsozialismus Freiburg

Der Platz der Alten Synagoge in Freiburg bietet ein Fenster in eines der dunkelsten und gleichzeitig am wenigsten erforschten Kapitel der 900-jährigen Stadtgeschichte. Er vereint Aspekte aus Politik, Religion, Kultur, Begegnung, Repräsentanz, Abschottung, Öffnung und Zerstörung wie kaum ein anderer öffentlicher Platz in der Stadt. Das Areal, auf dem die 1938 von den Nationalsozialisten zerstörte Synagoge stand, wurde 1939 schließlich unter Zwang verkauft. Der Vortrag zeichnet die Geschichte der Alten Synagoge Freiburg nach und geht besonders auf die eigentumsrechtlichen Aspekte ein. Auch die Maßnahmen, die im Zuge von Restitution und „Wiedergutmachung“ nach 1945 stattgefunden haben, werden thematisiert. Dabei werden Fragen aufgeworfen, die auch die Gegenwart und den Umgang mit dem Areal aus erinnerungskultureller Perspektive betreffen.

Begrüßung
Dr. Andreas Jobst, Stadtarchiv Freiburg

Grußwort
Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke, Freundeskreis Geschichte der Universität Freiburg
Eintritt frei. Begrenzte Teilnehmerzahl.
Voranmeldung im Stadtarchiv Freiburg wird empfohlen (0761 - 201 2701, stadtarchiv@stadt.freiburg.de).

Veranstalter
Kulturamt der Stadt Freiburg, Abt. Stadtarchiv in Kooperation mit Alemannisches Institut Freiburg e.V., Breisgau-Geschichtsverein Schauinsland e.V. und Freundeskreis Geschichte der Universität Freiburg

Youtube

Berlin – Tel Aviv Videoprojekt

Im Videoprojekt „Berlin – Tel Aviv“ erzählt das Laut & Lyrik Ensemble gemeinsam mit dem Twäng! Popchor die bewegende Geschichte eines 13-jährigen jüdischen Mädchens im Jahre 1938, das von ihrem Vater aus Berlin nach Palästina fortgeschickt wird, kurz bevor er von den Nationalsozialisten nach Sachsenhausen deportiert wird. Der Originalsong des Videos stammt von Max Herre und Sophie Hunger. Diese Geschichte ist beispielhaft für die Schicksale vieler Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa während der NS-Zeit und wird deshalb in diesem Videoprojekt ungeschönt und unmittelbar wiedergegeben.

Ein Videoprojekt von
Gottfried Haufe, gemeinsam mit dem Laut & Lyrik Ensemble,
dem Twäng! Popchor und Silberhorn Film.

Mit freundlicher Unterstützung
der Landeszentrale für politische Bildung, der Anna-Hugo-Bloch-Stiftung, des Kulturamtes Freiburg, der Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, der Haufe Group und der Strandkorbstiftung

20. Oktober, 19 Uhr, Bürgerhaus Seepark

Die öffentliche Deportation nach Gurs vor 80 Jahren. Bild- und Filmdokumente

Vortrag
Dr. Christoph Kreutzmüller, Historiker, Haus der Wannsee-Konferenz, Berlin

Dr. Christoph Kreutzmüller ist Projektleiter einer Ausstellung zu Gurs, die das Haus der Wannsee-Konferenz im Auftrag des baden-württembergischen Kultusministeriums derzeit vorbereitet und die 2021 vorgestellt wird. Sein Vortrag beschäftigt sich mit dem mittlerweile zahlreich vorliegendem Foto- und Filmmaterial zur Deportation der badischen Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940.

Wer sind die Menschen, die die Deportation vor aller Augen im öffentlichen Raum organisieren, durchführen, bewachen und überwachen? Wer sind die Fotografen? Was dokumentieren sie? Die verschiedenen Blickwinkel der Opfer, der Täter, der Mittäter und der Zuschauer stellt er in den historischen Kontext und in Bezug zum gegenwärtigen Wissensstand zur Deportation der badischen Jüdinnen und Juden.

Eintritt frei. Spenden erbeten. Begrenzte Teilnehmerzahl. Voranmeldung erbeten unter info@gedenkstaetten-suedlicher-oberrhein.de.

Veranstalter
Gedenkstätten Südlicher Oberrhein, Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Außenstelle Freiburg, Colloquium politicum Universität Freiburg

22. Oktober 2020, 11 Uhr

Stolperstein-Führung

mit Marlis Meckel

Treffpunkt: Innenstadt „Basler Hof“ ehemals GESTAPO-Zentrale (zwischen Karstadt und Breuninger), Kaiser-Joseph-Straße 167
Dauer 60 min. Teilnahme kostenlos (Spenden erfreuen). Maskenpflicht.

Veranstalter
Stolperstein-Projekt Freiburg

22. Oktober 2020, 14 Uhr

Jüdische Geschäftsleute, die mit ihren Familien nach Gurs deportiert wurden

Stadtführung von Bernd Serger

Beginn am Synagogenbrunnen, Platz der Alten Synagoge. Am Ende der Führung Blumenniederlegung beim „Vergessenen Mantel“ auf der Wiwili-Brücke.

22. Oktober 2020, 19 Uhr

Musik jüdischer Komponisten und Komponistinnen in Berlin vor 1933 und heute

Konzert mit Itay Dvori und Detlef Bensmann

Gertrud-Luckner-Gemeindesaal in der Neuen Synagoge

Mit freundlicher Unterstützung durch den Zentralrat der Juden in Deutschland.

Teilnahme kostenlos; Spenden erwünscht. Begrenzte Teilnehmerzahl. Voranmeldung für beide Veranstaltungen unter info@jg-fr.de bis zum 18.10.2020 erbeten. Es werden Fotos und Videos gemacht, die evtl. auf der Homepage gezeigt werden.

Veranstalter
Israelitische Gemeinde Freiburg

22. Oktober 2020, 19 Uhr

Die Gurs Haggadah. Ein Beispiel für Jüdisch-Sein in schweren Zeiten

Lehrhaus
Dr. Annette M. Böckler, Dozentin, Kantorin und Rabbinerin i.A.

23. Oktober 2020, 18 Uhr

Kabbalat Schabbat Gedenkgottesdienst

Teilnahme kostenlos. Für beide Veranstaltungen ist eine Voranmeldung unter vorstand@gescher-freiburg.de erforderlich. Der jeweilige Veranstaltungsort wird bei
der Voranmeldung bekanntgegeben.

Veranstalter
Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher

Das Lager Gurs​

In den Jahren 1939 bis 1945 wurden im südfranzösischen Gurs an die 60.000 Menschen interniert: zunächst Soldaten der im Spanischen Bürgerkrieg geschlagenen republikanischen Armee, dann in Frankreich "unerwünschte" Frauen und Kinder sowie "Politische" und schließlich jüdische Männer, Frauen und Kinder. Zuletzt waren es Sinti und Roma, die als Unerwünschte inhaftiert waren, bevor das Lager Gurs nach Kriegsende geschlossen wurde.

Deportation nach Gurs

Am 22. Oktober 1940 wurden mindestens 375 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Freiburg auf Befehl der nationalsozialistischen Gauleitung von der damaligen Güterhalle des Freiburger Bahnhofes aus nach Gurs deportiert.

Deportation nach Auschwitz​

Ab August 1942 wurden die 3.907 jüdischen Internierten, die bis dahin Hunger und Krankheit überlebt hatten, in französischer Kollaboration mit den deutschen Nationalsozialisten aus Gurs nach Auschwitz deportiert – in den gewaltsamen Tod.

Veranstalter​

Kulturamt der Stadt Freiburg
in Zusammenarbeit

  • Israelitische Gemeinde Freiburg
  • Deutsch-Israelische Gesellschaft
  • DGB Stadtverband Freiburg
  • Egalitäre Jüdische Gemeinde Gescher​
  • Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv-Yafo
  • Gegen Vergessen – Für Demokratie
  • Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
  • Rosa Hilfe Freiburg
  • Stolperstein-Projekt Freiburg
  • SWR Studio Freiburg
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.