Was dem Stadtwald zu schaffen macht

Waldschäden

Im Lebenszyklus der Wälder treten immer wieder natürliche Störungen auf. Stürme, Frost, Schnee oder die massenhafte Vermehrung von Insekten können intakten Ökosystemen jedoch nur vorübergehend etwas anhaben.
Die moderne Industriegesellschaft des 20. und 21. Jahrhunderts bringt jedoch Schadfaktoren mit sich, gegen die unsere Wälder nur bedingt gewappnet sind.

Infolge der Luftverschmutzung abgestorbene Tannen auf 1000 Meter Höhe

Luftverschmutzung

Es ist stiller geworden um das so genannte "Waldsterben". Und tatsächlich: Der Anteil der Bäume, die erheblich geschwächt, vorzeitig gefällt werden mussten, ist in den letzten Jahren zurückgegangen.

Leider ist dies keine Entwarnung: Vielmehr verläuft die Krankheit des Waldes schleichend, die Krankheitsbilder der Bäume sind komplexer und viele Waldböden chemisch bereits unwiderruflich gestört. Diese so genannten "Neuartigen Waldschäden" betreffen heute das gesamte Ökosystem Wald.

Ursachen

Die Ursachen der Walderkrankung sind vielfältig. Schadstoffe aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft sind für den zerstörerischen "sauren Regen" verantwortlich. Trotz reduzierter Schwefeldioxideinträge bewirken die Stickstoffe aus Verkehr und industrieller Landwirtschaft Säureeinträge von 8 bis 40 Kilo je Jahr und Hektar. Dies ist nach wie vor viel zu hoch.

Stickstoff regt einerseits das Wachstum an, andererseits werden lebenswichtige Nährelemente aus den Waldböden gelöst. Die Folge sind Ernährungsstörungen und ein Vitalitätsverlust der Waldbäume.

Bodenschutzkalkung am Schauinsland

Gegenmaßnahmen

Kurzfristig und auf vergleichsweise kleinem Raum können die Säureeinträge durch Bodenkalkungen per Helikoptereinsatz neutralisiert werden. Ende der 80er bis Anfang der 90erJahre haben wir z.B. kranke Wälder am Schauinsland kalken lassen.

Langfristig widerstehen stabile Mischwälder den Umweltbelastungen besser. Deshalb bauen wir im Stadtwald alle gleichaltrigen Nadelbaumreinbestände in naturnahe Bergmischwälder aus Tanne, Buche, Bergahorn und Fichte um. Beim Wesentlichsten sind wir allerdings auf die Mithilfe aller angewiesen: Dauerhaft kann dem Wald nur durch eine erhebliche Verringerung der Luftverschmutzung geholfen werden.

Weitere Informationen

Näheres zum Thema "Neuartige Waldschäden" finden Sie unter www.fva-bw.de

Der aktuelle Waldzustandsbericht für Baden-Württemberg zum Download.

Vom Sturm gebrochene Fichte

Stürme

In immer kürzeren Abständen verwüsten Stürme von bislang kaum gekannter Stärke die Wälder. Wissenschaftler vermuten Zusammenhänge mit der Erwärmung der Erdatmosphäre.

Die Schäden von "Vivian und Wiebke" 1990 waren noch deutlich sichtbar, als am 26.12.1999 das Sturmtief "Lothar" den Stadtwald traf. Schätzungsweise 100.000 Bäume wurden abgerissen, abgedreht oder entwurzelt. Der Stadtwald startet mit einem schweren Erbe in das dritte Jahrtausend: 120 Hektar sturmbedingte Kahlflächen, 150 Hektar verlückte Wälder und 70.000 Kubikmeter Sturmholz!

Die Wiederbewaldung der "Lothar-Flächen" erfolgte überwiegend durch natürliche Ansamung von Nachbarbäumen. Ein Drittel der Flächen wurde mit standortheimischen Baumarten bepflanzt.

Stürme solch gewaltiger Dimension haben weitreichende Folgen für den Forstbetrieb:

  • Im "Mikado" der Bäume ist die Waldarbeit lebensgefährlich, weil die Bäume unter unvorstellbarer Spannung stehen;
  • Der Holzmarkt bricht unter der Last der großen Mengen zusammen; Sturmholz bleibt für Jahre fast unverkäuflich und muss in "Nasslagern" pestizidfrei konserviert werden (z.B. in Günterstal, Hochdorf und im Kappler Tal);
  • Borkenkäfer vermehren sich im Bruchholz explosionsartig und befallen dann auch bislang gesunde Bäume.
Stadtentwicklung im Freiburger Westen

Waldrodungen

Das Wachstum der Stadt fordert immer wieder die Aufgabe von Wald zugunsten von Wohn-, Gewerbe- und Verkehrsflächen. Allein zwischen 1950 und 1990 sind so 455 Hektar des Mooswaldes verschwunden. Zwar schufen Aufforstungen an anderer Stelle 64 Hektar neuen Wald, der Nettoverlust im Mooswald beläuft sich jedoch auf 390 Hektar. Dies entspricht in etwa der Fläche von 540 Fußballfeldern!

Was aus Freiburger Waldflächen so alles wurde...

... der Stadtteil Landwasser
... die Gewerbegebiete Nord, Hochdorf und Eselswinkel
... der Opfinger Baggersee
... das Thermalbad
... die Mülldeponien Wolfsbuck und Eichelbuck
... die Mooswaldallee und die Markwaldstraße
... der Ausbau der A5 und die Zubringer

Lichte Krone einer Mooswald-Eiche mit toten Ästen

Grundwasserabsenkung

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Mooswald ein Sumpf- und Bruchwald. Seither ist das Grundwasser um bis zu 14 Meter gesunken! Vor allem gewerbliche Wasserentnahmen und die Bodenversiegelung durch Straßen und Gebäude sind dafür verantwortlich.

Das Wurzelwerk alter Eichen, zum Teil weit über 200 Jahre alt, vermag dem sinkenden Wasserspiegel nicht "hinterherzuwachsen". Die dürstenden Alteichen verlieren ihre Widerstandskraft gegen Insekten und Witterungsextreme. Lichte Kronen leiten oft einen schleichenden Tod dieser Baumriesen ein.

Eine wilde Mülldeponie im Freiburger Stadtwald

Wilde Müllkippen im Wald

Von der Cola-Dose über Bauschutt bis zum Motorblock - manche Bürgerinnen und Bürger entsorgen Abfälle aller Art im Wald. Dabei ist die ordnungsgemäße Abgabe bei einem der drei Recyclinghöfe der Stadt so einfach - und in vielen Fällen sogar kostenlos ...

Die Müllbeseitigung verursacht dem Forstamt einen enormen Arbeitsaufwand und Kosten in Höhe von bis zu 40.000 Euro jährlich.

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der Freiburger Abfallwirtschaft

"Waldputzete" sind eine saubere Sache. Viele Freiburger Bürgerinnen und Bürger packen bereits kräftig mit an, wenn sie bei gemeinsamen Sammelaktionen "ihren" Wald vom Unrat befreien. Hier erfahren Sie mehr über "Waldputzete".

Kontakt

Forstamt
Günterstalstraße 71
79100 Freiburg
Telefon 0761/ 201-6201 oder -6202, Wochenendnotfalldienst: 0175 / 9322476
Mobiltelefon 0175 / 9322476
Fax 0761 / 77982

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