Historischer Kontext soll deutlich werden

Siegesdenkmal bekommt Hinweistafeln

Gleichzeitig mit dem Beschluss, das Siegesdenkmal wieder am historischen Standort vor der Karlskaserne aufzustellen, hatte der Gemeinderat die Stadtverwaltung beauftragt, am Denkmal auf den historischen Kontext hinzuweisen. Jetzt lag dem Gremium ein Textvorschlag für Erläuterungstafeln vor, den er bei nur einer Gegenstimme mit großer Mehrheit beschlossen hat.

Die Siegesgöttin Victoria und die Spitze des Münsterturms im Gegenlicht.
Erklärungsbedürftig: Will Victoria ihren Lorbeerkranz auf der Münsterspitze ablegen? Weit gefehlt. Genau wie dieses Bild ist auch die Geschichte des Siegesdenkmals erklärungsbedürftig. Dafürsorgen künftig dreisprachige Hinweistafeln (Foto: A.J. Schmidt).

Die Informationstafeln sollen als Bodenplatten im direkten Umfeld des Siegesdenkmals angebracht werden. Auf ausdrücklichen Wunsch des Gemeinderats soll sichergestellt werden, dass die Tafeln auf jeden Fall auch für Menschen mit einer Behinderung gut lesbar  ausfallen. Ferner ist die Ausführung in den Sprachen Deutsch, Französisch und Englisch geplant. Die Entscheidung über die Benennung des Platzes fällt erst in der kommenden Sitzung des Gemeinderats am 20. März.

Historische Aufnahme des Siegesdenkmals vor der Karlskaserne aus dem 19. Jahrhundert.
Das Siegesdenkmal an seinem historischen Standort Ende des 19. Jahrhunderts (Foto: Hase/ Stadtarchiv).

Auf der Tafeln wird der folgende Text zu lesen sein:

Siegesdenkmal von 1876

von Friedrich Moest (1838 –1923)

Noch vor Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 initiierten zahlreiche badische Gemeinden und Bürgervereine die Errichtung des Siegesdenkmals in Freiburg. Sie wollten damit dem XIV. Armeecorps danken, das unter General August von Werder den Sieg bei Belfort über die französische Armee errungen hatte. Vier einfache Soldaten symbolisieren die Waffengattungen. Die auf einer Weltkugel stehende Siegesgöttin Victoria ehrt diese mit dem Lorbeerkranz. Am 3. Oktober 1876 wurde das Siegesdenkmal vor der Karlskaserne in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. und Großherzog Friedrich I. von Baden eingeweiht.

Im Zuge der Neugestaltung des Friedrichrings und des Platzes im Jahr 2017 wurde kontrovers darüber diskutiert, ob ein solches Denkmal wieder aufgestellt werden dürfe. Steht es doch beispielhaft für eine Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Nationalstaaten, die mit der Begründung der deutsch-französischen Freundschaft und der Europäischen Union überwunden wurde.

Am Ende hat sich der Freiburger Gemeinderat mit Mehrheit dafür ausgesprochen, dass das Monument als Zeugnis der Geschichte und als Mahnmal gegen Krieg und Nationalismus erneut vor der ehemaligen Karlskaserne seinen Platz finden soll. Bewusst wurde dabei auf die ursprüngliche Erhöhung und Abschirmung durch einen Zaun verzichtet.

Das historische Siegesdenkmal soll uns dazu anhalten, Nationalismus und Krieg dauerhaft zu überwinden und uns aktiv für Frieden und Völkerverständigung einzusetzen. Daher hat der Gemeinderat im Jahr 2018 den ursprünglich nach Kaiser Wilhelm I. benannten Platz in __________ benannt.


Veröffentlicht am 01. März 2018