Ausstellung vom 28. März bis 31. Mai 2015
Platzlegen
Benjamin Appel | Kyra Beck | Katrin Herzner | Carolina Pèrez Pallares
Die Ausstellung „Platzlegen“ versammelt vier künstlerische Positionen, die auf je eigene Weise Platz beanspruchen und mit Raum operieren. Während Benjamin Appel Regale legt, lehnt Carolina Pèrez Pallares eine Gipswand an die Nordwand, Kyra Beck legt und schichtet Holzbretter in eine Vorrichtung und Katrin Herzner kartografiert ihre Bewegungen im Raum.
Die vier Arbeiten greifen sich dabei den gesamten Raum, loten seine Grenzen aus und lassen verschiedene Raumvorstellungen aufeinanderprallen. Jede Arbeit beansprucht ihren Platz, ohne dabei die anderen Arbeiten zu vergessen, und legt damit auch einen alleinigen Platzanspruch nieder.
Ausstellungseröffnung:
Freitag, 27. März 2015, 19 Uhr
Einführung
Samuel Dangel, Kulturamt Freiburg
Öffnungszeiten der Ausstellung
Do / Fr 16 - 19 Uhr
Sa / So 11 -17 Uhr
Eintritt frei
Kunst & Wort
26. April 2015, 17 Uhr
Benjamin Appels
Benjamin Appels Skulpturen bestehen häufig aus dem Alltag entnommener Gegenstände. Diese werden durch Eingriffe neu definiert. Während etwa mit Beton gefüllte Schubladen den Raum im Kleinen ausloten (wie zur Regionale 14 vorletztes Jahr), werden Skulpturen aus Tischen oder Regalen zu raumgreifenden Arbeiten, die sich zusammen mit dem Umraum neu definieren. Und auch bei seinen Malereien ist der rechte Winkel ein wichtiges Ordnungsprinzip für die feinen Farbabstufungen. Benjamin Appel war 2010 Meisterschüler bei Daniel Roth in Karlsruhe und hatte seither zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland. Etwa in der Kunsthalle Mannheim 2009 (Wie der Vogel in seinem Nest), im H2 Museum für Gegenwartskunst in Augsburg 2012 (Auf einem Baum gefallen) sowie mehrere Ausstellung zusammen mit Carolina Pèrez-Pallares.
Hier zeigt er drei Arbeiten einer Serie, die aus liegenden Regalen bestehen. Alle Öffnungen wurden mit Beton verschlossen. Die Regale sind also zweifach dysfunktional, nichts mehr kann in sie hineingestellt werden. Verriegelt der Beton ein Inneres hermetisch oder sind die Regale bis zum Rand gefüllt und tonnenschwer?
Diese Regalarbeit formuliert jedoch auch - wie viele seiner Arbeiten - Fragen an unsere Weltwahrnehmung, die sehr in den Kategorien des Raumes operiert. Die Definition von Räumen setzt Grenzen, Raum liegt an Raum. Das Regal bietet die Möglichkeit, etwas zu organisieren, zu lagern und damit Platz zu sparen, indem es in die Vertikale geht. Hingelegt nimmt es auf einmal so viel Raum ein wie es in seiner eigentlichen Funktion hätte sparen sollen. Ausgießen und hinlegen entzieht dem Regal den Raum und macht ihn damit als etwas Reales wie auch als Kategorie erst sichtbar.
Kyra Becks
Kyra Becks Installationen operieren häufig mit dem Medium der Fotografie. Idyllisch exotische Motive werden auf verschiedene Materialien kaschiert und anschließend verbogen, unter Spannung gesetzt oder zu Paketen geschnürt. Die Bilder werden damit fragmentiert und zum Teil sogar dem Betrachter fast gänzlich entzogen; etwa wenn die Fotografien nach innen gerollt als Röhre transformiert werden.
Kyra Beck war bis 2013 Meisterschülerin bei Toon Verhoef in Karlsruhe und schon bei der Top13 Ausstellung im Kunstverein und E-Werk in Freiburg zu sehen. Im L6 zeigt die 1983 geborene Künstlerin eine neue Arbeit, die mit Schichten operiert.
„O.T. (großer Tümmler)“ zeigt einen Delfin, der auf geschichtete MDF-Latten gedruckt wurde. Diese Latten hat die Künstlerin so durchmischt, dass der Tümmler zum Teil noch zu erahnen ist, sich jedoch eher in eine Art Bewegungsunschärfe auflöst. Die durch die Schwerkraft verursachte Biegung löst gewissermaßen die zuvor durch die Durchmischung stattgefundene Unkenntlichkeit wieder ein wenig auf, da damit der prototypische Sprung des Delfin aus dem Wasser nachempfunden wird.
Und dies mit dem direkten Gegenteil eines Sprungs, also nicht das außer Kraft Setzen der Schwerkraft für einen kurzen Moment, sondern die dauerhafte Darstellung der Schwerkraft. Wenngleich die Arbeit eine feste Verankerung an der Decke hat, ist das Gefühl des Fragilen ständig präsent. Jeder Zeit könnten die einzelnen Latten herausrutschen und sich auf dem Boden verteilen, mehr Platz beanspruchen.
Katrin Herzner
Spätestens seit 2010 besteht ein Großteil der Arbeitsweise von Katrin Herzner im Gehen. Mit ihrer mehrteiligen Arbeit „Ost“ ist sie in Freiburg auf einer gedachten geraden Linie Richtung Osten losgelaufen. Derzeit liegt diese Prozessarbeit brach, sie ist in der Ukraine angekommen und ist damit erst einmal gezwungen diese Arbeit zu unterbrechen.
Herzner hat hier in Freiburg bei Günter Umberg studiert und 2006 auch ein Staatsexamen in Geographie abgelegt. 2007 war sie die erste Preisträgerin des Kunstpreises Alexander Bürkle und hatte seither viele Einzel- und Gruppenausstellungen. Eine wichtige Form ihrer nicht miterlebbaren Reisekunst ist der Vortrag. Auch bei ihrem derzeitigen Stipendienaufenthalt in Fremantle, Australien (Atelier Mondial, ehemals iaab) ist die Künstlerin viel unterwegs und hat für diese Ausstellung eine neue Visualisierungsform der Bewegungen ihrer selbst entwickelt. Während ihrer „Ost“-Wanderungen konnte man sie über Handy anrufen und teilhaben an der sie umgebenden Geräuschkulisse. Nun speichert sie über GPS ihre Bewegungen auf und transformiert sie über eine Software in eine abstrakte Zeichnung. Über den gesamten Ausstellungszeitraum wird Herzner ständig neue Bewegungsmuster von sich und anderen Personen über Internet an die Wand projizieren.
Erkennt man, ob die dargestellte Zeichnung durch einen Einkauf entstanden ist oder ein müßiges Flanieren abbildet, eine Autofahrt, die Route eines Busfahrers oder die Ausflugsstrecke eines Freundes repäsentiert? Kann man auf den ersten Blick Stadt von Land unterscheiden? Man kann bei dieser Arbeit aber auch reflektieren, welche Repräsentationen auf unseren mobilen Telefonen von uns selbst gespeichert sind und welche Informationen daraus abzulesen sind. Und eine letzte Frage: Wie sehr lässt sich Herzner von dem Wissen um die entstehende Zeichnung lenken? Schaut man die zweite Darstellung an, so fällt es mir schwer darin nicht eine humoreske Brillenschlange zu erkennen.