Das Ende des Sommers hat auch sein Gutes – es gibt kaum noch nervige Stechmücken. Auch die Tigermückensaison geht zu Ende. Im Frühjahr hatte die Stadt gemeinsam mit der Firma Icybac den Kampf gegen die invasive Mücke begonnen – und dabei vor allem auch auf Mitwirkung der Bürger*innen gesetzt. Die ist auch im Herbst gefragt, um die erste Mückengeneration des nächsten Jahres in Schach zu halten.
Über den Sommer sind etwa 700 Fundmeldungen bei Icybac eingegangen. Aktuell sind zwar schon weniger Mücken unterwegs – die verbliebenen Weibchen legen im Herbst aber spezielle Eier ab, die gegen Kälte und Trockenheit resistent sind. So können sie den Winter unbeschadet überstehen. Und wenn es ab Mitte April wieder wärmer wird, schlüpfen die Larven.
Im Herbst beachten
Wer sich den nächsten Sommer nicht durch die Tigermücke verderben lassen will, sollte jetzt Folgendes tun:
Regentonnen sowie ungenutzte Gefäße, Behälter und Untersetzer
leeren,
Innenfläche gründlich ausschrubben,
mit Wasser nachspülen,
über den Herbst und Winter trocken lagern.
Zur Reinigung am besten eine harte Bürste oder einen Hochdruckreiniger nutzen. Im Anschluss mit heißem Wasser nachspülen – bei 80 Grad werden verbliebene Eier sicher abgetötet. Das Wasser auf keinen Fall im Gully entsorgen, sondern besser im Garten versickern lassen.
Bitte helfen Sie mit!
Mit diesen Maßnahmen können Bürger*innen selbst dazu beitragen, die weitere Ausbreitung der Mücke in Freiburg zu verhindern.
Hintergrund
Bei der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) handelt es sich um eine invasive Stechmückenart aus Südostasien, die sich aufgrund des warmen Klimas über verschiedene Einschleppungswege seit dem Jahr 2015 auch in Freiburg etabliert hat und weiter ausbreitet. Anders als einheimische Stechmückenarten ist die Tigermücke tagaktiv und fällt vor allem auf, weil sie ein sehr aggressives Stechverhalten hat.
Erkennen
Die Asiatische Tigermücke ist meist nur um die 6 Millimeter groß. Auffällig ist ihre schwarz-weiße Färbung. An den hinteren Beinen hat sie fünf weiße Streifen, das Ende der Hinterbeine ist weiß. Eine weiße Linie zieht sich vom Hinterkopf bis zum Flügelansatz.
Lebensraum
Die Tigermücke lebt im Siedlungsbereich oder in Kleingartenanlagen und brütet in künstlichen Wasseransammlungen wie Regentonnen, Eimern, Gießkannen, Blumentöpfen, Untersetzern, Schirmständern, Gullys, Baumbewässerungssäcken und so weiter. Vogeltränken sind unproblematisch, wenn das Wasser regelmäßig gewechselt wird. Flachdächer, belebte Gartenteiche, Schwimmbäder (Pools) und Fließgewässer sind keine Brutstätten.
Krankheiten
Unter Umständen kann die Tigermücke tropische Krankheitserreger wie Dengue-, Chikungunya- und Zika-Viren übertragen. Das Risiko, in Freiburg durch einen Stich zu erkranken, ist allerdings sehr gering: Nur wenn eine Tigermücke zunächst einen Menschen sticht, der sich im Urlaub mit einem der Viren infiziert hat, und dann einen gesunden Menschen, kann es zu einer Krankheitsübertragung kommen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung steigt jedoch je mehr Tigermücken es gibt und je höher die Temperaturen im Sommer sind.
Bekämpfen
Da die Tigermücke mittlerweile bis auf wenige Ausnahmen in ganz Freiburg verbreitet ist, beschränkt die von der Stadt beauftragte Firma Icybac ihre Besuche auf Hotspots. In besonders betroffenen Gebieten unterstützt Icybac die Bekämpfung der Mücken unter anderem durch das Aussetzen von Ruderfußkrebsen, einem natürlichen Fressfeind der Mücken. Außerdem sind die Bürger*innen angehalten, stehende Gewässer zu vermeiden und Regentonnen mit Bti-Tabletten zu behandeln.
Fragen und Antworten
Ab wann schlüpfen die ersten Tigermücken?
Meist schlüpfen die ersten Tigermücken ab Mitte April, wenn es zuvor geregnet hat. Denn die Eier müssen zunächst mit Wasser überschwemmt werden. Zudem darf das Wasser auch nachts nicht mehr zu sehr abkühlen. Auch die Entwicklungszeit der Eier hängt eng mit der Wassertemperatur zusammen und ist länger je kühler das Wasser ist. Grundsätzlich reichen der Tigermücke wenige wärmere Monate zwischen Mai bis November aus, um sechs bis acht Generationen auszubilden und sich rasch auszubreiten und zu vermehren.
Was kann ich machen, falls jemand in der Nachbarschaft „beratungsresistent“ ist?
Eine Plage lässt sich nur vermeiden, wenn alle Anwohner*innen aktiv Brutstätten vermeiden. Um das zu erreichen, verzichten Sie möglichst auf Kritik und verteilen stattdessen Flyer oder Bti-Tabletten in der Nachbarschaft. Gerade ältere Menschen sind auch oft mit ihrem Garten überfordert. Vielleicht können Sie diese gemeinsam mit anderen Nachbar*innen unterstützen und Brutstätten entfernen. Es kann auch helfen, sich Gleichgesinnte zu suchen und gemeinsam auf eine Person einzuwirken. Zeigen Sie in jedem Fall Geduld und Kooperationsbereitschaft und erwarten Sie keine schnellen Lösungen. Führt all dies nicht zu einer Lösung können Sie sich an die Projektleitung wenden. Diese versucht, das Problem mit der entsprechenden Person zu klären. Grundsätzlich basiert die Vermeidung von Brutstätten jedoch auf Freiwilligkeit. Dies ändert sich erst bei einem akuten Krankheitsfall.
Reicht es, meine Regentonnen mit einem Deckel abzudecken?
Nein. Leider sind die Deckel meist undicht und - wenn sie aus Kunststoff sind - häufig beschädigt und/oder brüchig. Tigermückenweibchen können auch durch schmale Ritzen und Löcher gelangen, um ihre Eier oberhalb der Wasserlinie abzulegen. Zusätzlich wird die Regentonne durch einen Deckel stärker erwärmt und vor Wind geschützt, was sie für die Mücken als Brutstätte attraktiver macht. Deshalb sollte unbedingt ein Regentonnennetz verwendet werden. Zudem sollte die Regentonne vorher mit Bti- Tabletten behandelt werden, um vorhandene oder noch schlüpfende Larven abzutöten.
Sind Gartenteiche Brutstätten für Tigermücken?
Gepflegte Teiche sind keine Brutstätten für die Asiatische Tigermücke, weil die Tigermückenweibchen kleinerer Oberfläche mit steilem Rand und temporäre Gewässer mit frischem Wasser bevorzugen. Zudem ist für den Schlupf ist eine Wasserstandsänderung notwendig. In Teichen gibt es außerdem meist Fressfeinde wie Libellenlarven, Fische und andere räuberische Wasserinsekten.
Muss ich auch große Zisternen mit Bti-Tabletten behandeln?
Eine dauerhafte, regelmäßige Behandlung großer Wasservolumen mit Bti-Tabletten ist nicht sinnvoll. Bürsten Sie stattdessen im Herbst oder Frühjahr die Regentonne aus, setzen Sie einmalig Bti-Tabletten ein und spannen Sie ein engmaschiges Regentonnennetz darüber.
Wie oft muss ich Gefäße wie Blumenuntersetzer, Vogeltränken oder Grabvasen leeren?
Das Wasser sollte ein Mal die Woche ausgetauscht werden. Verzichten Sie möglichst auf Untersetzer oder Grabvasen, da das Ausleeren - beispielsweise während eines Urlaubs - oft vergessen wird. Alternativ hilft es ein kleines Loch zu bohren, damit das Wasser langsam abfließen kann. Vogeltränken sind dagegen in der Regel keine Brutstätten, da sie nur wenig Wasser enthalten, zu warm werden oder weil das Wasser regelmäßig erneuert wird. Problematisch sind Pflanzgefäße mit Wasserreservoir. Hier sollte der Einfüllstutzen immer dicht geschlossen sein oder das Wasser mit Bti-Tabletten behandelt werden.
Reicht es, das Wasser nur auszutauschen oder muss ich bei der Reinigung etwas beachten?
Wenn bereits Larven vorhanden sind, werden diese durch das Ausschütten auf dem Boden zuverlässig abgetötet. Um vorhandene Eier zu entfernen, sollten Regentonnen im Herbst oder Frühjahr mit einer Bürste ausgeschrubbt werden.
Sind Balkone genauso gefährdet?
Da Tigermücken in Bodennähe oder maximal bis zum ersten Stockwerk brüten, weisen Balkone in der Regel nur wenige Brutstätten auf.
Sind Garagendächer, auf denen sich Regenwasser sammelt, auch eine mögliche Brutstätte?
Flachdächer stellen keine geeigneten Brutstätten dar, da sich das Wasser darauf zu stark erhitzt und die Larven abgetötet werden. In der Regel legen Tigermückenweibchen dort keine Eier ab, da die Oberfläche zu groß ist und es keine Gefäßwand gibt, an der sie ihre Eier ablegen können. Regentonnen haben Priorität als Massenbrutstätte.