Kunstkommission

Zur städtischen Lebensqualität tragen immer entscheidender die öffentlichen Räume, ihre Aufenthalts-, Kommunikations- und Aktionsqualitäten ebenso bei, wie ihre baukulturellen und ästhetischen Qualitäten. Kunst kann in diesem Zusammenhang zu einem wichtigen Element des kulturellen Lebens in der Stadtöffentlichkeit werden. Aus diesen Gründen kann die Kunst im öffentlichen Raum neben ihren traditionellen Funktionen gerade im urbanen Umfeld wichtige Beiträge zum geistigen Klima in der Stadt beitragen.

Aus diesem Anspruch heraus beschloss der Freiburger Gemeinderat im Dezember 2014 die Wiedereinrichtung einer städtischen Kunstkommission für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum. Die Kunstkommission (KuKo) wird seitdem bei allen Vorhaben, welche die Kunst im Stadtraum oder Kunst an städtischen Gebäuden direkt betreffen oder indirekt tangieren, aktiv als fachkompetentes Beratungsgremium eingebunden. Die Kunstkommission prüft und berät alle Vorhaben und gibt schriftliche Voten und Empfehlungen ab, etwa über vorgesehene Standorte für Kunstwerke oder durchzuführende Wettbewerbe, über die Künstlerauswahl für Aufträge oder Wettbewerbe oder über Wiederaufstellungen oder auch den Abbau von Kunstwerken.

Aufgabe

Die Arbeit der Kunstkommission dient der Sicherung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Bildender Kunst in den öffentlichen Räumen der Stadt. Ein zentraler Gewinn für die Stadt Freiburg liegt in der Steigerung der künstlerischen Fachkompetenz bei der Entwicklung und Steuerung von Kunst im öffentlichen Raum und an städtischen Bauten und somit der Steigerung von Qualität und Attraktivität der Stadt insgesamt.

Neben Prüfaufträgen, die von Seiten der Stadt über die Geschäftsstelle in die Kunstkommission eingebracht werden, kann die Freiburger Kunstkommission auch von sich aus Themen setzen und der Stadt Vorschläge und Empfehlungen zur Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum unterbreiten. Die aktuelle Kunstkommission ist darüber hinaus auch bestrebt, die öffentliche Diskussion über Kunst in der Stadt zu beleben. Eine erste Veranstaltung „Perspektiven der Kunst im öffentlichen Raum“ fand im Juni 2016 im überfüllten Architekturforum Freiburg statt. Weitere Veranstaltungen sind in Planung.

Die Freiburger Kunstkommission ist in ihrer Arbeit und ihren Empfehlungen unabhängig. Ihr gehören weder Beschäftigte der Stadtverwaltung noch Bürgermeister oder Mitglieder des Gemeinderats an. Diese dürfen den nicht-öffentlichen Sitzung jedoch beiwohnen. Die Mitglieder der Kunstkommission sind fünf unabhängige Expertinnen und Experten unterschiedlicher Profession, die der Gemeinderat für fünf Jahre in ihre ehrenamtlich auszuübende Funktion berufen hat. Die Kunstkommission wählt den Vorsitz und die Stellvertretung aus dem Kreis ihrer Mitglieder.

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Mitglieder

Angeli Janhsen

geb. 1957, studierte in Bochum Kunstgeschichte und Germanistik. Nach Studienaufenthalten in Pisa, Florenz und Venedig war sie Assistentin und dann Hochschuldozentin in Bochum. Seit 1997 ist sie Professorin für Kunstgeschichte (Schwerpunkt moderne und zeitgenössische Kunst) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Veröffentlichungen: „Dies. Hier. Jetzt. Wirklichkeitserfahrungen mit zeitgenössischer Kunst“ (2000), „Kunst sehen ist sich selbst sehen. Christian Boltanski. Bill Viola“ (2005), „Neue Kunst als Katalysator“ (2012), „Kunst selbst sehen. Ein Fragenbuch“ (2013), „Was tun? Künstler machen Vorschläge“ (2018), „Gut schreiben über neue Kunst“ (2019). Außerdem Artikel zu Kunst im öffentlichen Raum: „Dekoration als Vandalismus“ (2008) und „Gegen Vandalismus. Über Ignoranz, Missbrauch und Zerstörung von Kunst im öffentlichen Raum“ (2009).

Katrin Bauer

geb. 1992, arbeitet an der Schnittstelle von Kunstvermittlung und Fotografie in Zürich. Im Jahre 2017 absolvierte sie einen Bachelor of Arts im Fachbereich Integrierte Gestaltung (Schwerpunkt Fotografie und Bewegtbild) an der Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik (hKDM) in Freiburg. Nach Arbeits- und Studienaufenthalten in Oxford und am Fotomuseum Winterthur war sie von 2017-2018 als Lehrbeauftragte für Theorie der künstlerischen Fotografie an der hKDM Freiburg und von 2017-2019 als Direktionsassistenz für die zeitgenössische Kunstplattform Regionale in Basel tätig. Seit 2018 studiert sie im Fachbereich MA Art Education Curatorial Studies an der Zürcher Hochschule der Künste. Auswahl kuratierter Ausstellungen: „A Manual to Move - Regionale 18“ im Kunsthaus L6 Freiburg (2017), „UNLABEL – Mode jenseits von Kategorien“ im Museum für Gestaltung Zürich (2019).

Klaus Merkel

geb. 1953, studierte Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe und in Freiburg bei Peter Dreher. 1980 schloss sich ein DAAD- Stipendium in Wien an. Weitere Stipendien der Kunststiftung Baden-Württemberg, des Kunstfonds Bonn und der Alfried Krupp v. Bohlen u. Halbach Stiftung folgten. 2001 war er auf Einladung des Apexart Residency-Programs in New York, im Rahmen des iaab mit der Christoph-Merian-Stiftung Basel 2004 in Montréal. Seine Werke waren bei Internationalen Ausstellungen in New York, London, Montréal, Madrid, Wien, Basel, Boston, Hangzhou, Leeds, Amsterdam, St. Gallen und Winterthur zu sehen. Ausstellungen in Deutschland wurden in Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt a.M., Münster, Kassel, Stuttgart, Freiburg, Leipzig, Karlsruhe, Nürnberg, Bielefeld und Baden-Baden gezeigt. Er war als Gastprofessor an Kunstakademien in Karlsruhe, Bukarest und Lyon und ist seit 2009 Professor für Malerei an der Kunstakademie Münster. Als ehemaliges Mitglied der Kunstkommission Baden-Württemberg kann er auf eine reichhaltige Erfahrung mit Kunst an Bauvorhaben des Landes zurückblicken.

Ane Nieschling

geb. 1981, Stippvisite des Studiums der Innenarchitektur in Trier und anschließend Studium der Landschaftsarchitektur mit Diplom an der FH Nürtingen. Nach Studienaufenthalten in Irland und der Schweiz ab 2008 Mitarbeiterin bei Westpol Landschaftsarchitekten in Basel. Ab 2012 Mitarbeit in Freiburger Planungsbüros, 2016 Gründung von freisign Landschaftsarchitekten.

Dietrich Roeschmann

geb. 1965 in Hannover, lebt und arbeitet als freischaffender Kunstkritiker und Grafiker in Freiburg. Er hat Germanstik, Philosophie und Geschichte in Freiburg studiert, war Soul- und HipHop-DJ, Musikredakteur bei der Stadtzeitung, Kulturredakteur bei der Zeitung zum Sonntag und gründete nach deren Insolvenz 2001 zusammen mit einem Freund das Redaktionsbüro text+partner für Corporate Publishing im Bereich Kultur und Wissenschaft. Im gleichen Jahr übernahm er die Konzeption und Redaktion des von ihm mitbegründeten Artline Kunstmagazins, das als grenzüberschreitendes Projekt zur Vernetzung der zeitgenössischen Kunstszenen in Süddeutschland, im Elsass und der deutschsprachigen Schweiz für vier Jahre von der EU gefördert wurde und seit 2005 sowohl online als auch in einer monatlichen Printausgabe erscheint. Über zeitgenössische Kunst schreibt er daneben regelmäßig u.a. für die Badische Zeitung und verschiedene Schweizer Medien.

Themen

Wandbild am Martinstor

Siegesdenkmal

Am 1. Juli 2017 rief die Kunstkommission der Stadt Freiburg zur Einreichung von "Ideenskizzen für die Neuaufstellung des Siegesdenkmals" auf. Anlass der Ausschreibung und der Veranstaltung waren die zu diesem Zeitpunkt noch offenen Fragen über Ausrichtung, Sockelgestaltung und mögliche Ergänzungen oder Interventionen am bislang noch unbenannten Platz. Alle Wettbewerbsbeiträge wurden vom 29. bis 31. Oktober 2017 in den Räumen des Architekturforums, Guntramstr. 15, 79106 Freiburg, öffentlich ausgestellt.

Rotteck-Denkmal

Kunstwettbewerb Rathaus im Stühlinger

Siegerentwurf  von Schirin Kretschman (Fotomontage)

Das Kunstwerk als integraler Bestandteil der Architektur in leuchtendem Gelb überzeugte die Jury vor allem wegen seiner „guten Balance zwischen kraftvoller Geste und der Interpretation in den Raum.“ Die Jury beeindruckte auch die Idee einer händisch hergestellten Arbeit, die die Wand als Ganzes mit einer dynamischen Wellenbewegung überzieht. Schirin Kretschmann schafft kein Abbild, lässt aber beim Betrachter Analogien zu Naturformen, Landschaften und kosmischen Phänomenen zu. Ohne selbst eine bestimmte Deutung vorzugeben, verwandelt das Kunstwerk den Empfangsbereich des Bürgerservicezentrums „in einen einzigartigen Verweilraum, den der Besucher individuell visuell erkunden“ kann.

Veranstaltungen

Kunst und Sanierung am Bau am EKZ in Weingarten (26. Juni 2020)

Bernhard Härtters „Glücksrampe“ und Ideen für die künftige Gestaltung des Innenhofs im Einkaufszentrum Weingarten 

Als wir Ende 2019 unsere Reihe „Neuralgische Punkte“ mit Ortsbegehungen zu bestimmten Aspekten der Kunst im öffentlichen Raum in Freiburg starteten, konnten wir nicht ahnen, dass sich die Bedeutung und die Realität von Öffentlichkeit binnen weniger Wochen so radikal verändern würde. Die Maßnahmen zur Verhinderung der Ausbreitung des Corona-Virus, die Mitte März 2020 in Kraft traten, zielten auf die Minimierung von Begegnungen zwischen Menschen in der materiellen Welt. Der Lockdown und der Appell #stay@home verschoben den öffentlichen Raum einerseits in die Digitalität des Internets und ließen ihn andererseits vom analogen Erfahrungs- zum virtuellen Sehnsuchtsraum mutieren – der sich wiederum schlecht für Ortsbegehungen eignete. Deshalb mussten bereits geplante Veranstaltungen unserer Reihe bis auf Weiteres verschoben werden, wie etwa die Präsentation einiger Platten des Wandbildes von Horst Antes, das bis zu seiner Demontage 1996 die Rückwand des Freiburger Theaters bespielte und seither in einem von der Stadt angemieteten Depot lagert.
 
Andere Veranstaltungen fielen ganz aus. So auch der Ortstermin mit dem Künstler Bernhard Härtter im Innenhof des Einkaufszentrums Weingarten zum Thema „Kunst und Sanierung am Bau“. Anlass sollte der gerade erfolgte Abriss der „Glücksrampe“ sein, einer künstlerischen Intervention, die Härtter 1987 im Rahmen eines Wettbewerbs unter den Studierenden der Freiburger Außenstelle der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Klasse Peter Dreher, realisiert hatte. Im Zentrum der Arbeit standen zwei Betonsäulen am Aufgang zur Parkgarage, die Härtter fragmentarisch mit pastellfarbenen Fliesen verkleidet und anschließend mit Hammer und Graffiti gezielt attackiert hatte. „Die Devise lautete: Nicht gegen sondern mit den Dingen arbeiten“, sagt Härtter. Seine Arbeit thematisierte den Vandalismus im Stadtteil und befragte die Praxis, die Funktion und Wirksamkeit von Kunst im öffentlichen Raum des Stadtteils Weingarten.
 
Der Abriss der „Glücksrampe“ im Rahmen der umfangreichen Sanierung des Zentrums Weingarten geschah mit Zustimmung Bernhard Härtters. Zugleich bat die Eigentümerin des Areals, die EGK Projektentwicklungs- und Beteiligungs GmbH, den Künstler um einen Entwurf für eine mögliche Aufwertung der künftigen Situation unter dem Leitmotiv der „Metamorphose“ – etwa durch einen gestalteten Brunnen. Dieser Entwurf ohne Anspruch auf Umsetzung liegt der Eigentümerin mittlerweile zur Diskussion vor.
 Dieser aktuelle Prozess der Verwandlung von öffentlichem Raum in Weingarten wirft viele interessante Fragen zum Umgang mit Kunst am Bau auf, die wir mit Bernhard Härtter gerne live bei einer Ortsbegehung diskutiert hätten. Da die Corona-Bestimmungen eine derartige Veranstaltung gegenwärtig nicht oder nur unter sehr eigeschränkten Voraussetzungen erlauben, haben wir den Künstler gebeten, uns einige dieser Frage schriftlich zu beantworten. Wir freuen uns sehr, dass sich Bernhard Härtter auf diese Form des Dialogs mit der Kunstkommission eingelassen hat.  Muss Kunst am Bau bzw. Kunst im öffentlichen Raum erhalten bleiben?Bernhard Härtter: Ich meine: nein. Aus meiner Sicht wäre es zu wünschen, dass mit einer Auftragsvergabe auch eine Abrissgenehmigung erteilt wird. Es gibt Situationen, in denen die Erhaltung einer Sache weder im Interesse des Künstlers, noch in dem der Öffentlichkeit stehen. Künstlerische Arbeit ist eine Infragestellung, eine Suche, und aus meiner Sicht, für mich persönlich, bleibt wenig, was verdient, erhalten zu werden. Die Frage der Kunst und ihrer Praxis wird zugespitzt, gerade, wenn die Dinge nicht von vornherein entschieden sind. Wie gestalterisch frei waren Sie bei ihrem Entwurf des Brunnens?Bernhard Härtter: Nicht dass wir uns missverstehen: über eine Willensbezeugung seitens der EGK und einen Entwurf ist die Sache noch nicht hinausgekommen. Den Entwurf verstehe ich vorderhand als ein Prinzip, wie die Sache anzugehen ist: kontextuell und integrativ. Meine Freiheit besteht darin, mich in die Dinge einzudenken, und mein Ideal ist ein Schuh, der passt, der die Dinge, die da sind, lebendig macht und vielleicht auch Menschen eine Identifizierung bietet, bei denen Kunst keine Bedeutung hat. Wenn die Dinge in der Welt sind, sind sie ohne Worte überzeugend, deshalb habe ich ein Modell gebaut. Selbstverständlich war ich völlig frei, ich wüsste nicht, was mich unfrei gemacht hätte. Ich habe einmal einen musikalischen Abend im Gemeindehaus in Weingarten erlebt – das war wunderbar, und ich würde gerne etwas zu dieser lebendigen Kultur vor Ort beitragen. Verstehen Sie Ihren „Brunnen-Entwurf“ als künstlerische Arbeit oder „angewandte Skulptur“?Bernhard Härtter: Meinen „Brunnen-Entwurf“ verstehe ich sowohl als „künstlerische Arbeit“ als auch als „angewandte Skulptur“, die in die konkreten Gegebenheiten eingewoben ist: TEXTUR. Diese Arbeit steht in einem öffentlichen Funktionszusammenhang. Diese „angewandte Skulptur“ ist im besten Fall Ausdruck einer Kultur, die ihre sozialen und moralischen Werte darin verkörpert sieht. Sie ereignet sich in Raum und Zeit, im Bewusstsein der Menschen. Anders gesagt, diese Skulptur steht in einem Wahrnehmungs-, Bewertungs- und Kommunikationszusammenhang, der sich vom konkreten Ort unmittelbarer Erfahrung bis in den virtuellen Raum erstreckt: Kinder haben Spass, indem sie Wasser spritzen, Kunsthistoriker und Marketingakrobaten finden ihren, indem sie digitale Litzen fitzen. Letztlich ist das alles nur Erregung, und der aufgeklärte Mensch sagt, eine wie auch immer geartete Sache unterm Schädeldach, und ich würde gerne mit Paul Bowles erklären: under the sheltering sky. Wasser wird Luft, wird Wolke, wird Regen, wird Quelle, wird gefasst – und getrunken: Hauptsache klar, lauter und rein, so sollen die Worte und Werke der Zukunft sein. Amen. Und der Unterzeichner würde es beklagen, wenn durch ein Marketing seine künstlerische Angelegenheit auf der Strecke bliebe. Inwieweit wäre es wichtig die Kunstkommission bei der Gestaltung des Platzes empfehlend einzubinden?Bernhard Härtter: Mit der EGK war ich, wie gesagt, so verblieben, dass seitens der EGK keine formale Verpflichtung besteht: es ist der EGK überlassen, ob und was entsteht. (Wobei ich mich auf die Zugkraft des besseren Arguments verlasse, das ein Werk der Kunst immer auch ist.) Da es sich bei der EGK um eine Investorengesellschaft handelt, deren Investition in den öffentlichen Raum sich in irgendeiner Weise rechnen müssen, sind Investitionen in die  Platzgestaltung mit pragmatischen Kalkülen unterlegt: der Platz soll ruhiger, schöner, attraktiver werden. Wieweit diese Kalküle tatsächlich Spielraum geben (Budget), kann ich nicht ermessen, dies sollte bei einem nächsten Termin sondiert und geklärt werden. Da die Platzgestaltung und dessen eventuelle Bestückung mit „Kunst“ aber nicht nur die privaten Besitzverhältnisse, sondern eben doch den öffentlichen und zentralen Raum im Stadtteil Weingarten betrifft, der das Carré nun mal ist, sind, prinzipiell gesehen, auch die Interessen der Stadt Freiburg und der Bevölkerung tangiert. Sollte eine öffentliche Ausschreibung zu einer künstlerischen Gestaltung stattfinden?Bernhard Härtter: Diese Frage wäre wohl erst nach diesem Termin zu beantworten. Wäre eine neue künstlerische Arbeit eine Bereicherung?Bernhard Härtter: Nicht nur eine Bereicherung, eine Notwendigkeit! Aus meiner Sicht steht die EGK zwar nicht formell, doch wohl moralisch in der Pflicht, in irgendeiner Form ein Werk der Kunst in dem Carré zu realisieren, – abgesehen, dass sie dies ohnehin will (Brunnen). (Ich habe auf Rechte verzichtet, indem die EGK erklärte, sie wolle einen Brunnen errichten.) Aus meiner Sicht geht es dabei um einen praktikablen Weg, um eine kulturelle Inkorporation: das Carré Weingarten ist ein exemplarischer Ort, ein Beispiel, eine Chance zu einer Kunst im öffentlichen Raum, die den speziellen Anforderungen der Lokalität und Zeit gerecht wird. Sehen Sie einen Konflikt in der Bespielung eines privaten Raumes mit öffentlicher Kunst?Bernhard Härtter: Ich sehe keinen Konflikt, eher eine Durchdringung. Konflikte entstehen, wenn sich die Interessen widersprechen, aus meiner Sicht geht es in Weingarten aber nur darum, die Interessen abzustimmen und zu verbinden (win-win). Das Zepter hält die EGK in der Hand, das Carré ist jedoch auch öffentlicher Raum und liegt insofern auch im Interessens- und Hoheitsgebiet der Kultur der Stadt Freiburg, sprich Kulturamt und Kunstkommission.  — Bernhard Härtter, 1962 in Calw geboren, studierte von 1981 bis 1988 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe als Meisterschüler bei Peter Dreher. Er lebt und arbeitet unter anderem in Freiburg i.Br.
Interview der Kunstkommission mit Bernard Härtter (mit Fotos) (11,514 MB)

Bei/Mit Horst Antes (27. März 2020) (verschoben)

Von 1974 bis 1996 schmückte das monumentale «Freiburger Bild» (1971) des Künstlers Horst Antes (*1936) die Rückseite des Freiburger Stadttheaters. Danach musste dass 306 Quadratmeter große Wandbild dem Bau des Kinokomplexes weichen. Die emaillierten Bildplatten werden seither in einem Kunstdepot gelagert. Für immer? Und zu welchem Zweck? Wie lässt sich die Gestaltung der Rückwand heute - 24 Jahre nach dem Abbau des Werkes - einordnen? Und was könnte das Schicksal ortsbezogener Kunst sein, wenn der Ort fehlt, für den sie entstand?
Als Gastredner wird Volker Bauermeister in die Arbeit von Horst Antes einführen.
 
Die Kunstkommission lädt alle Interessierten zu einem Gespräch vor Ort ein: Freitag, 27. März 2020 um 19 Uhr, Kammerbühne des Theater Freiburgs. Der Eingang erfolgt über die Theaterpassage. Eine Veranstaltung der Diskussionsreihe „Neuralgische Punkte“.

Kunst auf der Brücke? (31. Januar 2020)

Der „Balkon“ an der Nordwestseite der Kronenbrücke war im Zuge der Umgestaltung des Rotteckrings als möglicher Standort für Kunst in den Fokus gerückt, und tatsächlich gibt es eine lange Tradition, Brücken mit Kunstwerken aufzuwerten.Die auffallende Gestaltung der sanierten Kronenbrücke mit blauen Lichtern und Straßenmarkierungen ist nicht Kunst. Sind ephemere Kunstaktionen hier denkbar? Wie geht Freiburg mit solchen Fragen um?
 
Die Kunstkommission lädt alle Interessierten zu einem Gespräch vor Ort mit den Künstler_innen Hannah Kindler, Laurie Mlodzik, Kriz Olbricht und Jürgen Oschwald ein: Freitag, 31. Januar 2020 um 19 Uhr auf der Kronenbrücke. Eine Veranstaltung der Diskussionsreihe „Neuralgische Punkte“.

"Unvergessene Heimat" von Claus Pfeiffer (8. November 2019)

Der Rotteckring ist fertiggestellt, die Kunstwerke dort sind größtenteils neu platziert. Ein städtisches Bauprojekt mit einem Budget für Kunst am Bau ist nicht in Sicht. Freiburg hat keinen Etat, mit dem neue Kunst im öffentlichen Raum angekauft werden könnte. Bedeutet das, dass in Sachen Kunst nun nichts Neues mehr zu erwarten ist? Keineswegs. Die Kunstkommission interessiert sich für alte und neue Diskussionen über den Umgang mit Kunst, für Wünsche in Bezug auf Kunst. Es gibt Kunst in Freiburg, die in der ein oder anderen Weise problematisch ist – vielleicht vergessen, vielleicht gewünscht aber nicht realisiert, vielleicht unzeitgemäß, vernachlässigt, kaum gesehen, versteckt oder im Stand-by-Modus, der Öffentlichkeit entzogen. Neuralgische Punkte sind da. Wie gehen wir mit ihnen um?Die Auftaktveranstaltung zur Diskussionsreihe „Neuralgische Punkte“ findet am Freitag, 8. November 2019 um 18:30 Uhr an der Plastik „Unvergessene Heimat“ (1969) von Claus Pfeiffer am Fahnenbergplatz statt. Die Kunstkommission wird zusammen mit Fachleuten, u.a. dem Herausgeber der drei Bände „Skulptur in Freiburg“ Prof. Michael Klant, Fragen nach dem Werk, der Geschichte, der Verortung und der Aktualität der Plastik stellen. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Die Zukunft der Kunst im öffentlichen Raum (16. Januar 2019)

Nachdem im Sommer 2017 der Patz der Alten Synagoge der Öffentlichkeit übergeben wurde und kurz darauf der Platz am Siegesdenkmal, sind seit Mitte Dezember nun auch die Umbauarbeiten des Rotteckrings und der Kronenbrücke abgeschlossen, die Absperrungen weggeräumt. Das Ergebnis ist eine neue Weitläufigkeit in der Innenstadt, großzügig organisiert in offenen, sich gegenseitig überschneidenden Zonen der Ruhe und der Bewegung.
Höchste Zeit, sich angesichts dieser städtebaulichen Neuordnung im Herzen der Stadt Gedanken über die Zukunft der Kunst im öffentlichen Raum zu machen. Welche Rolle soll sie künftig in Freiburg spielen? Wie kann sie zur Schärfung der Erfahrung des Stadtraumes, zur Identifikation seiner Bewohner*innen, Tourist*innen, Geschäftstreibenden und sonstigen Nutzer*innen beitragen? Brauchen wir neue Landmarks? Mehr temporäre Interventionen?
 
Um Fragen wie diese zu diskutieren, lädt die städtische Kunstkommission am Mittwoch, 16. Januar 2019 um 19 Uhr zum Gespräch über den Neustart nach der Umbaupause: die Zukunft der Kunst im öffentlichen Raum in Freiburg ins Literaturhaus Freiburg. Auf dem Programm stehen prekäre Orte wie das Vertriebenendenkmal am Fahnenbergplatz, mögliche Verschlimmbesserungen wie die Neuaufstellung von Henry Moores Plastik der „Liegenden“ vor dem KG II, unbedingte Kunsterwartungsorte wie der Karlsplatz und die neue Kronenbrücke sowie stille Stars, die mehr Aufmerksamkeit verdienen, wie das Wandmosaik von Julius Bissier an der Innenhofmauer der Alten Universität. Der Eintritt ist frei.

Kunst und Stadtbild, Kapitel 23 (9. Dezember 2016)

Kunst und Stadtbild ändern sich ständig. Die Umsetzung des Siegesdenkmals, die Umgestaltung des Rotteckrings und die Positionierung der dortigen Kunstwerke, das neue SC-Stadion, der geplante Stadtteil Dietenbach: Mit jedem Großbauprojekt verändert sich das Gesicht der Stadt.

Was heißt das für die Kunst im öffentlichen Raum? Was kann sie leisten? Wieviel Farbe verträgt die Stadt? Und ist alles, was bunt und kreativ ist, immer schon Kunst?
Um Fragen wie diese zu diskutieren, lädt die Freiburger Kunstkommission am 9. Dezember 2016 unter dem Titel „Kunst und Stadtbild. Kapitel 23“ alle Interessierten zum Austausch über die derzeitige Situation von Kunst im öffentlichen Raum in Freiburg in das Architekturforum in die Guntramstraße 15 ein.

Die Kunstkommission stellt sich vor (14. Juni 2016)

Kunst im öffentlichen Raum und Kunst am Bau haben in Freiburg eine lange Tradition. Bis Mitte der 1980er Jahre wurden bei fast allen städtischen Bauaufträgen Kunstwerke integriert. Seitdem wurden städtische Kunstaufträge nur noch bei ausgewählten Bauprojekten vergeben. Seit Anfang 2015 existiert bei der Stadt Freiburg wieder eine vom Gemeinderat berufene Kunstkommission.
Nach den ersten drei Sitzungen lud die Kommission alle Kunstinteressierten zu einem offenen Erfahrungs- und Gedankenaustausch über die Perspektiven der Kunst im öffentlichen Raum in Freiburg ein und stellte sich und ihre bisherige Arbeit vor.

Kontakt

Frau Ann-Kathrin Harr
Telefon 0761 201-2104
Aufgaben:

Kunstkommission, Kunst im öffentlichen Raum

Sprechzeiten:

Mo und Di ganztags, Mi vormittags

Öffentliche Veranstaltungen

Nächste Veranstaltungen im Rahmen der Reihe "Neuralgische Punkte":

  • Bissier am Literaturhaus
    6. November 2020 | 19 Uhr | Literaturhaus
    Die Veranstaltung wird verschoben.