Freitag, 21. Oktober 2022, 16 Uhr

82. Jahrestag der Deportation der Freiburger Jüdinnen und Juden nach Gurs

Gedenkfeier auf dem Platz der Alten Synagoge

Der 22. Oktober 1940 war der letzte Tag des jüdischen Laubhüttenfestes (hebräisch: Sukkot). In einer konzertierten Aktion der nationalsozialistischen Gauleiter Robert Wagner ("Gau Baden") und Josef Bürckel ("Gau Saarpfalz") wurden an diesem Tag über 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Vom Freiburger Bahnhof aus wurden mindestens 379 Freiburger Jüdinnen und Juden deportiert.

Viele der in Gurs Internierten starben aufgrund völlig unzureichender Nahrung, katastrophaler hygienischer Zustände und fehlender medizinischer Versorgung an Entkräftung, Hunger und Krankheit. Ab August 1942 wurden die noch Lebenden über das Sammellager Drancy bei Paris in die Vernichtungslager im Osten, vor allem nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort ermordet.

Gedenkfeier

Anlässlich des 82. Jahrestags lädt die Stadt Freiburg zusammen mit den Mitveranstaltern zu einer Gedenkfeier ein. Da der Jahrestag in diesem Jahr auf den Samstag/Sabbat fällt, findet diese bereits am Freitag 21. Oktober, 16 Uhr auf den Platz der Alten Synagoge statt.

Reden

Zunächst spricht für die Stadt Christine Buchheit, Bürgermeisterin für Umwelt, Jugend, Schule und Bildung. Es folgen Beiträge von Irina Katz, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Freiburg, von Cornelia Haberlandt-Krüger, Vorsitzende der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher sowie von François Blum, Vorsitzender des Vereins Nachkommen, Verwandte und Freunde der Mitglieder der ehemaligen israelitischen Gemeinde Freiburg.

Lesung

Nach den kurzen Ansprachen wird die Schauspielerin Natalia Herrera Auszüge eines Zeitzeugenberichts von Eva Laügt (geboren 25.6.1915, gestorben 23.12.2017) vorlesen, den diese 2002 in Pau (Frankreich) öffentlich vorgetragen hat. Die französische Krankenschwester hat von Frühjahr 1941 bis Mai 1943 im Krankenhaus des Lager Gurs gearbeitet.

Gebete

Zum Gedenken an die Opfer des Holocaust werden dann El Male Rachamim und Kaddisch von Vertreter_innen der Israelitischen Gemeinde Freiburg und der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher gebetet.

Schweigemarsch

Im Anschluss findet wie zuletzt 2019 ein Schweigemarsch zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwili-Brücke statt. Dort werden Kränze niedergelegt. Gabriela Schlesiger von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft wird den Brief einer Zeitzeugin, die die Deportation gesehen hat – von der Sammelstelle in der Hebel-Schule im Stadtteil Stühlinger bis zur Abfahrt der Güterzüge – vorlesen.

Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen, an dieser Gedenkfeier teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Veranstalter ist das Kulturamt der Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit:Israelitische Gemeinde Freiburg, Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Deutsch-Israelische Gesellschaft, DGB Stadtverband Freiburg, Freiburger Hilfsgemeinschaft/Arbeitskreis NS-Euthanasie und Ausgrenzung heute, Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv-Yafo, Gegen Vergessen – Für Demokratie, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Nachkommen, Verwandte und Freunde der Mitglieder der ehemaligen israelitischen Gemeinde Freiburg, Roma-Büro Freiburg, Rosa Hilfe Freiburg, Sinti-Verein Freiburg, Stolperstein-Projekt Freiburg, SWR Studio Freiburg und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Weitere Informationen gibt das Kulturamt Freiburg, 0761-201 2101, kulturamt@stadt.freiburg.de und www.freiburg.de/gurs.

Weitere Veranstaltungen

Freitag 21. Oktober 2022, 18.30 Uhr, Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher

Gedenk-Kabbalat Schabbat-Gottesdienst

Die Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher, die liberale jüdische Gemeinde in Freiburg, veranstaltet einen Gedenk-Kabbalat Schabbat -Gottesdienst zum Jahrestag der Deportation nach Gurs.
Vorherige Anmeldung unter vorstand@gescher-freiburg.de. Der Ort in Freiburg-Herdern wird dann bekannt gegeben.

Im Rahmen der "Jüdischen Kulturtage 5783" der Israelitischen Gemeinde Freiburg finden zwei Veranstaltungen statt:

Montag 24. Oktober 2022, 17 Uhr, Treffpunkt: Annakirchplatz, Kirchstraße

Stolperstein-Führung in der Wiehre

Marlis Meckel vom Stolperstein-Projekt Freiburg bietet eine öffentliche Führung zu verschiedenen Stolpersteinen in der Wiehre an. Dauer ca. 90 min.Die Führung ist kostenfrei. Für Rollstuhlfahrende geeignet.

Mittwoch 26. Oktober 2022, 19 Uhr, Neue Synagoge, Gemeindesaal

Botschafter_innen für Gurs. Abschlusspräsentation einer Projektreise der Nah-ost-AG des Walter-Eucken-Gymnasium

Mit ihrer Lehrerin Sandra Butsch und Rosita Dienst-Demuth, Leiterin der Geschichtswerkstatt der Lessing Realschule, unternahm die Nahost-AG des Walter-Eucken-Gymnasiums eine Reise nach Gurs. Die Reise war Teil des Projekts »Die Reise Mickeys von Gurs ins Hier und Jetzt – ein Comic wird fortgezeichnet« und führte u.a. nach Paris, wo die Schüler:innen – die sich als Botschafter:innen für Gurs verstehen – Sylvie Séror trafen.
Im Rahmen dieser Abschlusspräsentation der Gurs-Reise wird Sylvie Séror, ehemals Lehrerin und Mitarbeiterin des Mémorial de la Shoah, über ihre tragischeFamiliengeschichte zwischen 1938 und 1945 sprechen. Zu »Wort und Ton« kommt auch die deutsch-französische Musikerin Mélina Burlaud, die in Gurs von der Gruppe zum Thema Erinnern und Erinnerungskultur aus französischer Sicht befragt worden war. Frau Burland wird den Abend mit Melodien und Liedern aus dem Lager Gurs begleiten – eine Hommage an die Menschen, die dorthin deportiert worden waren.Die entstandenen Filme und Roadcasts der AG sind zu finden auf der Homepage der Schule: www.weg-freiburg.de/schulleben/projekt-botschafter-innen-fuer-gurs.Vorherige Anmeldung unter info@jg-fr.de. Eintritt frei.

Das Lager Gurs​

In den Jahren 1939 bis 1945 wurden im südfranzösischen Gurs an die 60.000 Menschen interniert: zunächst Soldaten der im Spanischen Bürgerkrieg geschlagenen republikanischen Armee, dann in Frankreich "unerwünschte" Frauen und Kinder sowie "Politische" und schließlich jüdische Männer, Frauen und Kinder. Zuletzt waren es Sinti und Roma, die als Unerwünschte inhaftiert waren, bevor das Lager Gurs nach Kriegsende geschlossen wurde.

Deportation nach Gurs

Am 22. Oktober 1940 wurden mindestens 379 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Freiburg auf Befehl der nationalsozialistischen Gauleitung von der damaligen Güterhalle des Freiburger Bahnhofes aus nach Gurs deportiert.

Deportation nach Auschwitz​

Ab August 1942 wurden die 3.907 jüdischen Internierten, die bis dahin Hunger und Krankheit überlebt hatten, in französischer Kollaboration mit den deutschen Nationalsozialisten aus Gurs nach Auschwitz deportiert – in den gewaltsamen Tod.

Veranstalter​

Kulturamt der Stadt Freiburg
in Zusammenarbeit

  • Israelitische Gemeinde Freiburg
  • Egalitäre Jüdische Gemeinde Gescher​
  • Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
  • Deutsch-Israelische Gesellschaft
  • DGB Stadtverband Freiburg
  • Freiburger Hilfsgemeinschaft/Arbeitskreis NS-Euthanasie und Ausgrenzung heute
  • Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv-Yafo
  • Gegen Vergessen – Für Demokratie
  • Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit
  • Nachkommen, Verwandte und Freunde der Mitglieder der ehemaligen israelitischen Gemeinde Freiburg
  • Roma-Büro Freiburg
  • Rosa Hilfe Freiburg
  • Sinti-Verein Freiburg
  • Stolperstein-Projekt Freiburg
  • SWR Studio Freiburg
  • Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.