Über 200 Bürgerinnen und Bürger beim OB-Besuch in der Opfinger Tuniberghalle

Das Thema Schule brennt Opfingen unter den Nägeln

Die dritte Runde seiner Stadtteilgespräche führte Oberbürgermeister Martin Horn am 28. November nach Opfingen. Das Interesse der Bürgerschaft war enorm: Über 200 bunt gemischte Bürgerinnen und Bürger waren in die Tuniberghalle gekommen, darunter gerade mal eine Handvoll, die nicht in Opfingen wohnen, wie eine spontane Abfrage des OB ergab.

Tunibergschule in Opfingen
Heißes Eisen: Wie es an der Tunibergschule nach dem Ende der Werkrealschule weitergehen soll, beschäftigt die Bürgerinnen und Bürger in Opfingen sehr. Nicht nur die Art der weiterführenden Schule ist noch offen, sondern vor allem der Zeitpunkt, wann sie kommt. (Foto: A. J. Schmidt)

Das Einholen eines Fingerzeigvotums war an diesem Abend ohnehin ein gern genutztes Instrument, dessen sich auch Ortsvorsteherin Silvia Schumacher zur Begrüßung bediente. Geschätzt ein Viertel der Anwesenden gaben an, aus dem Ortsteil St. Nikolaus zu kommen – sehr zur Freude der Ortschefin.

Für das Hauptthema hätte es aber keines Abfragespiels bedurft: Gleich die ersten drei Wortmeldungen nach der kurzen Begrüßung durch den Oberbürgermeister drehten sich um die Zukunft der Tunibergschule. Nach Auslaufen der Werkrealschule wird es in den vier Freiburger Tuniberggemeinden keine weiterführende Schule mehr geben. Stadtweit ist der Bedarf an Gymnasialplätzen am größten. Um den zu decken, gibt es Überlegungen, ein zusätzliches Gymnasium in Opfingen einzurichten. Seitens des Bürgermeisteramts gab OB Horn ein klares Bekenntnis für eine weiterführende Schule in Opfingen ab. „Das ‚Ob‘ wird nicht mehr infrage gestellt, sondern lediglich die Schulart“, so Martin Horn.

Das könnte zum Beispiel auch eine Gemeinschaftsschule sein, wie Rainer Schoenfeld, ehemaliger Lehrer an der Staudingerschule, vorschlug. „Wenn es nur ein Gymnasium gibt, müssen alle anderen fahren.“ Auch hier gab es eine spontane Abfrage: Die Anhänger beider Schularten waren etwa gleich stark vertreten. Für eine Entscheidung ist es aber noch zu früh, wie OB Horn erklärte. Zunächst solle ein bestehendes Freiburger Gymnasium erweitert werden. Für die Opfinger Jugendlichen bedeutet das, das sie sicherlich noch einige Jahre zur Schule pendeln müssen.

Am anderen Ende der Altersskala angesiedelt ist das Projekt „St.Nikolaus“, das der Vorsitzende des Bürgernetzwerks Opfingen, Reinhard Pfeiffer, vorstellte. Die Planungen mit Demenzwohngruppe, Tagespflege, Seniorenwohnungen und einem Pflegestützpunkt der Evangelischen Sozialstation rund um die Kirche St. Nikolaus sind weit gediehen, waren zuletzt aber durch ein Votum des Gestaltungsbeirats ins Stocken geraten. Der behandelte das Thema tags drauf nochmals – und hat mit der Einbindung in ein Masterkonzept rund um Schule und Sporthalle seine Zustimmung erteilt. Auch seitens der Stadtverwaltung sicherte OB Horn volle Unterstützung zu: „Das Projekt ist durchweg überzeugend.“

Als weitere Themen kamen der optisch wenig ansprechende provisorische Kreisverkehr am Ortseingang, die von den Vereinen stark genutzte, aber deutlich in die Jahre gekommene Tuniberghalle, die Verkehrssicherheit mit Tempo 30 und der Winterdienst, die Ansiedlung von Gewerbe sowie der Verlust der Poststelle zur Sprache. Zu letzterer konnte Martin Horn mitteilen, dass die Verwaltung derzeit einerseits mit der Post im Gespräch sei, eine Zwischenlösung anzubieten. Andererseits gebe es schon eine konkrete Interessentin, deren Laden allerdings im Gewerbegebiet liege – wofür es eine Ausnahme des Märkte- und Einzelhandelskonzepts brauche. „Wir sind mit Nachdruck dran“, versprach der OB. Bei den anderen Fragen sagte der OB zu, sich näher zu informieren und diese im Nachgang der Veranstaltung zu beantworten.

Plädoyer für Dietenbach

Schließlich wurde noch der neue Stadtteil Dietenbach thematisiert. Den Ausführungen von Ortschaftsrat Erwin Wagner, dass es für Landwirte wie ihn durch die zunehmende Bebauung immer schwieriger würde, brachte der OB viel Verständnis, aber auch ein klares Bekenntnis zum neuen Stadtteil entgegen. Die Wohnungssituation sei schon heute nicht mehr sozial verträglich und bringe viele Probleme mit sich. Beispielsweise sei es für Unternehmen sehr schwierig, geeignetes Personal zu finden, weil der Wohnungsmarkt viele abschrecke. „Die Alternative zum Dietenbach ist eine totale soziale Ungerechtigkeit.“ Und auch aus ökologischer Sicht sei die Bebauung durchaus sinnvoll. „Wenn im Umland gebaut wird, ist der Flächenverbrauch ein Vielfaches höher.“ OB Horn forderte die Opfinger auf, sich im jetzt beginnenden Beteiligungsprozess zum Rahmenplan Tuniberg einzubringen. Das rege Interesse an „OB vor Ort“ lässt keinen Zweifel, dass diese Aufforderung auf fruchtbaren Boden fallen wird.

Opfingen

Das 1006 erstmals urkundlich erwähnte Opfingen ist seit 1971 ein Teil Freiburgs. Mit rund 4500 Einwohnern ist Opfingen die größte der vier Tuniberggemeinden. Das seit 1499 markgräflich-badische Dorf ist bis heute weithin für seine landwirtschaftlichen Produkte bekannt, vor allem für den Spargel.

Der eher dörfliche Charakter spiegelt sich auch in ausgewählten statistischen Indikatoren wider. Im Vergleich zur Gesamtstadt sind der Ausländeranteil oder die durchschnittliche Anzahl von Wohnungen um die 50 Prozent geringer, dafür ist der Pkw-Bestand mehr als doppelt so hoch. Politisch war Opfingen stets eine Hochburg der CDU, wurde zumindest bei den Landtagswahlen zuletzt aber deutlich von den Grünen überflügelt.

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