Stadtteilrundgang und Bürgergespräch mit OB Horn in der Kapellenblick-Strauße

Auch in Munzingen geht es um Wohnungsbau

Rund 60 Munzingerinnen und Munzinger waren am Donnerstag, 20. September, in die Kapellenblick-Strauße gekommen, um Oberbürgermeister Martin Horn bei seinem ersten Stadtteilbesuch kennenzulernen und Fragen zu stellen.

Bürgerinnen und Bürger in einer Straußenwirtschaft in Munzingen beim Gespräch mit dem OB.
Frage und Antwort: Bürgergespräch mit OB Horn in Munzingen.(Foto: A. J. Schmidt)

Vor dem Bürgergespräch war der OB gemeinsam mit Ortsvorsteher Rolf Hasenfratz und etwa 20 Interessierten durch die Ortschaft spaziert und hatte dort zahlreiche Einrichtungen wie die Mehrzweckhalle, den Gigili-Turm oder die Lindenbergschule in Augenschein genommen. Bei der anschließenden anderthalbstündigen Fragerunde wurde deutlich, dass es sich in Munzingen offenbar sehr gut leben lässt. Eine Bürgerin hatte jedoch ein konkretes Anliegen, nämlich den Aufbau einer besseren sozialen Infrastruktur für Senioren, beispielsweise durch die Einrichtung gemeinsamer Mittagstische.

Fast alle anderen Fragen bezogen sich auf das große Thema, das Freiburg stadtweit bewegt: den Mangel an Wohnraum. In diesem Zusammenhang berichtete OB Horn von einer Informationsfahrt des Gemeinderats und der Stadtverwaltung nach München. Eine Lehre aus der bayrischen Landeshauptstadt, in der die Immobilien- und Mietpreise nochmals deutlich höher sind als in Freiburg, brachte Martin Horn kompakt auf den Punkt: „Wir wollen das Thema Wohnbau noch mutiger angehen.“

Alle konkreten Fragen, auf die vor Ort keine detaillierte Antwort möglich war, wird der neue Stadtteilbeauftragte Joachim Fritz aufbereiten und den Fragestellern direkt mitteilen.

Munzingen

Erstmals erwähnt im Jahr 845, seit 1973 ein Teil Freiburgs

Seit 1973 ist das landwirtschaftlich geprägte Dorf Munzingen Teil der „großen“ Stadt Freiburg – doch seine Geschichte weist viel weiter zurück: Erstmals urkundlich erwähnt wurde die Siedlung „munzinga“ bereits im Jahr 845.

Seit seiner Eingemeindung nach Freiburg hat sich die Ortschaft am Tuniberg gut entwickelt: Die Einwohnerzahl hat sich mehr als verdreifacht, ist von 931 auf 2983 gestiegen (alle Angaben Stand 31.12.2017). Heute ist die südlichste der Freiburger Tunibergortschaften ein beliebter Wohnort für junge Familien, die hier finden, was sonst Mangelware ist: Einfamilienhäuser mit Privatgärten. In den Neubaugebieten gibt es auch Doppel-, Reihen- und Mehrfamilienhäuser, vereinzelt auch sozialen Wohnungsbau.

Entsprechend weicht die Bevölkerungs- und Wohnungsstruktur von der Reststadt ab. Das Durchschnittsalter liegt ein Jahr unter dem Schnitt (39,4 statt 40,4 Jahre), die Haushaltsgröße liegt mit 2,4 Personen mehr als 30 Prozent höher und auch die Wohnungen sind ein gutes Stück größer als im übrigen Freiburg (100 statt 75 Quadratmeter). Die Kehrseite der dörflichen Randlage zeigt sich in der Pkw-Dichte: Auf 1000 Einwohner kommen 513 Fahrzeuge – 174 mehr als in der Gesamtstadt. Man sieht: Ein Leben ohne Auto ist zwar auch in Munzingen möglich, aber doch erheblich aufwendiger.

Politisch war Munzingen lange Zeit eine sichere CDU-Hochburg; bei Bundestags- und Kommunalwahlen lagen die Christdemokraten immer deutlich vorn – ein übliches Bild in Gemeinden, in denen Katholiken die Bevölkerungsmehrheit stellen (42 Prozent). Doch diese Prägung lässt nach, wie die Ergebnisse der letzten Landtagswahl zeigen, bei der auch in Munzingen die Grünen vor der konservativen Volkspartei lagen.

Geografisch ist die Ortschaft von der Lage am südlichen Tuniberg einerseits und in der Rheinebene andererseits geprägt. Spargel- und Weinanbau sind wichtige Standbeine der Landwirtschaft, die für überregionale Bekanntheit sorgen. Bekannt ist Munzingen aber auch für seinen gepflegten Rasen, den man hier entweder rollenweise kaufen kann oder der als Spielfläche für Freiburgs einzigen Golfplatz dient. Und nicht zuletzt ist Munzingen Standort gleich zweier Schlösser: Im einen lässt sich fein speisen und nächtigen, das andere ist der Familiensitz derer von Kageneck, die bis 1806 in Munzingen im wahrsten Sinne eine entscheidende Rolle spielten.


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