Umgestaltung der Rempartstraße
Auftaktveranstaltung am 9. Juli 2026

Am 9. Juli 2026 fand der öffentliche Auftakt zur geplanten Umgestaltung der Rempartstraße statt. Rund 120 Bürger*innen haben sich dort über das Vorhaben informiert und eingebracht. Ziel der Veranstaltung war es, erste Anregungen, Perspektiven und Wünsche für die Neugestaltung des Straßenraums zu sammeln und die Bürger*innen frühzeitig in den Planungsprozess einzubinden.
Einführung in das Projekt
Durch den Abend führte das auf Beteiligung spezialisierte Büro translake. Nach einer Begrüßung durch Prof. Dr. Martin Haag, erster Bürgermeister der Stadt Freiburg erläuterte Georg Herffs, Abteilungsleiter Verkehrsplanung der Stadt Freiburg, die Hintergründe des Projekts und zeigte die allgemeinen Ziele der Umgestaltung auf. In der Rempartstraße gibt es viel Potenzial für Aufenthaltsangebote und gestalterische Aufwertung. Zusammengefasst sind die Ziele der Umgestaltung:
- Schmalere Fahrbahn, breitere Seitenbereiche, weniger Autos, entspanntes Radfahren, leichteres und sicheres Überqueren zu Fuß.
- Platz zum Verweilen – mit und ohne Gastronomie.
- Mehr Grün, Bäume, Schatten.
- Umfassende gestalterische Aufwertung.
Zudem informierte die Stadt Freiburg über den weiteren Planungsprozess und Beteiligungsmöglichkeiten.
Dialog und Perspektivwechsel
Anschließend hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit an Themenwänden ihre Meinungen und Anregungen einzubringen. Dann wurden sie aufgefordert, sich in die Perspektive anderer Nutzer*innen hineinzuversetzen und deren spezifische Anforderungen an die Rempartstraße zu formulieren. Dazu gehörten beispielsweise ein Lieferfahrer, der Parkmöglichkeiten braucht, eine ältere Dame, die sicher die Straße überqueren möchte oder ein Anwohner, der sich mehr Ruhe im Alltag wünscht (sog. Personas).
Die Personas
Die Schülerin
- Leonie (15)
Ich bin Leonie (15) und gehe aufs Goethe-Gymnasium am Holzmarkt. Meistens fahre ich mit dem Rad, aber manchmal nehme ich auch die Stadtbahn zur Schule. Nach der Schule treffe ich mich gerne mit Freundinnen und Freunden in der Innenstadt. An der Rempartstraße wären Orte zum kostenfreien Sitzen, Treffen und Verweilen schön. Oft ist es in der Rempartstraße richtig hektisch. Besonders an Kreuzungen fühle ich mich manchmal unsicher, wenn viele verschiedene Verkehrsteilnehmende gleichzeitig unterwegs sind. Da wünsche ich mir, dass die Wege übersichtlicher und sicher nutzbar sind.
Die Seniorin
- Ingrid (76)
Ich bin Ingrid (76) aus Neuburg und ich bin mehrmals in der Woche in der Innenstadt – bei Arztpraxen, zum Einkaufen oder rund um den Holzmarkt, um Bekannte zu treffen. Kürzere Strecken gehe ich zu Fuß, ansonsten nehme ich Bus und Straßenbahn.
In den vergangenen Jahren achte ich mehr auf Hindernisse im Straßenraum als früher. Unebene Beläge, fehlende Sitzgelegenheiten oder lange Wege zwischen Querungsmöglichkeiten machen das Vorankommen manchmal anstrengender, zumal ich seit 3 Jahren einen Gehstock benötige und nicht mehr so flink bin wie früher.
Ich möchte auch zukünftig hier unterwegs sein und wünsche mir Orte in der Innenstadt, die auch für ältere Menschen angenehm nutzbar sind. Aber natürlich sollte eine attraktive Innenstadt allen Generationen zugutekommen!
Die Anwohnerin
- Aylin (42)
Ich bin Aylin (42) und lebe mit meinem Partner in einer Wohnung nahe der Rempartstraße zwischen Sedan-Quartier und Innenstadt. Wir lieben die zentrale Lage mit den kurzen Wegen – alles erreichen wir zu Fuß oder mit unseren Rädern. Aber: Verkehr, Lieferungen und Besucherströme gehören auch zum Alltag, wenn man in dieser Lage wohnt. Besonders in den Sommermonaten wird deutlich, wie viele unterschiedliche Nutzungen hier aufeinandertreffen.
Ich freue mich über jeden Schritt, der den Aufenthalt in der Straße verbessert und mehr Grün bringt. Trotzdem sollten Freunde, Familien oder Handwerksbetriebe weiterhin unkompliziert ankommen können.
Der Praxisinhaber
- Dr. Michael (53)
Ich bin Michael (53) und habe seit vielen Jahren eine Facharztpraxis direkt in der Rempartstraße. Meine Patientinnen und Patienten kommen aus Freiburg und dem Umland - zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr. Einige sind aufgrund ihres Alters oder gesundheitlicher Einschränkungen auf das Auto angewiesen.
Auch meine Mitarbeitende müssen zur Arbeit gelangen und Lieferungen für die Praxis zuverlässig ankommen. Daher ist mir wichtig, dass meine Praxis weiterhin gut erreichbar bleibt.
Sicherlich kann die Rempartstraße noch viel attraktiver für den Aufenthalt werden – aber muss das ein Widerspruch zu einer guten Erreichbarkeit sein?
Der Lieferfahrer
- Christian (38)
Ich bin Christian (38), arbeite für einen regionalen Lieferdienst und beliefere täglich Gastronomiebetriebe sowie die Mensa in der Rempartstraße, aber auch Kunden am Holzmarkt und in der Kaiser-Joseph-Straße. Meine Touren sind eng getaktet und häufig müssen Waren innerhalb kurzer Zeitfenster ausgeliefert werden.
Für mich sind geeignete Ladezonen, kurze Wege und verlässliche Anfahrtsmöglichkeiten besonders wichtig.
Ich weiß, dass viele Menschen sich weniger Verkehr wünschen. Aber am Ende ist eine gut funktionierende Innenstadt eine Innenstadt, in der Waren, Dienstleistungen und Menschen zuverlässig an ihr Ziel kommen.
Der Quartiersbewohner
- Matteo (47)
Ich bin Matteo (47) und lebe mit meiner Familie im Sedanquartier. Die Innenstadt nutzen wir regelmäßig zum Einkaufen, für Restaurantbesuche oder auch kulturelle Angebote.
Ich begrüße Maßnahmen, die die Rempartstraße attraktiver und lebenswerter machen – das würden wir auf jeden Fall nutzen! Jedoch kenne ich auch Beispiele aus Städten, bei denen Verkehrsberuhigungen zwar an einer Stelle Verbesserungen gebracht
haben, an anderer Stelle jedoch neue Belastungen entstanden sind. Deshalb interessiert mich besonders, wie unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang gebracht werden können und wie sich auch unser Wohnumfeld verändert.
Häufig genannte Themen in der Dialogphase waren:
- Verkehrsberuhigung: Weniger Autoverkehr, sichere Querungen und klare Trennung von Radwegen und Fußwegen.
- Verbesserte Aufenthaltsqualität: Mehr Grünflächen, Sitzmöglichkeiten und konsumfreie Räume.
- Maßnahmen zur Klimaanpassung: Entsiegelung und Begrünung zur Verbesserung des Mikroklimas.
- Barrierefreiheit: Eine inklusive Gestaltung für alle Nutzer*innengruppen.





















