Die Koordinationsstelle Istanbul-Konvention verfolgt folgende Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Freiburger Fachstellen:
Ein wirksames Schutzkonzept darf nicht nur an einzelnen Punkten ansetzen. Es muss die gesamte Organisation oder Sozialräume erfassen – Strukturen, Abläufe, Haltung, Personal, Räume und den Umgang miteinander. Die Umsetzung von Schutzkonzepten ist wichtig, um Gewalt vorzubeugen.
Projekt STOP - Stadtteile ohne Partnergewalt in Freiburg-Weingarten
„StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt“ basiert auf einem deutschlandweit bekannten Konzept, welches 2010 in Hamburg gestartet ist. Ehrenamtliche engagieren sich im Quartier durch öffentlichkeitswirksame Aktionen gegen Gewalt. Alle Menschen im Stadtteil sollen zu häuslicher Gewalt sowie über Handlungsmöglichkeiten und konkrete Hilfen informiert sein. Dadurch können Betroffene in der Nachbarschaft leichter Unterstützung finden. Auch wird gezeigt, dass gewalttätiges Verhalten im Stadtteil abgelehnt wird. Weitere Infos unter
Start der AG Jungen* und Ausbau der Jungen*arbeit mit Schwerpunkt Gewaltprävention
Zur Weiterentwicklung der sozialpädagogischen Arbeit mit Jungen* und männlichen Jugendlichen* fand im Juli 2026 ein Fachtag statt. Dieser diente der Ermittlung der Bedarfe. Geschlechtsspezifische und gewaltpräventive Aspekte standen dabei im Mittelpunkt. Geplant ist in allen pädagogischen Bereichen vorhandene Angebote zur feministischen Jungen*arbeit auszubauen. Auch entwickeln und erproben einzelne Organisationen neue Ansätze für Empowerment und Gleichberechtigung. Nicht nur junge Menschen, auch Eltern und Fachkräfte sollen beteiligt werden. Das Jugendhilfswerk Freiburg e. V. koordiniert die Aktion, vernetzt sich mit Fachkräften der Kinder- und Jugendarbeit und unterstützt bestehende Freiburger Initiativen. Weitere Infos unter
Prävention von häuslicher und sexualisierter Gewalt für Kindertageseinrichtungen
Pugs+ führt Inhalte der beiden bewährten Programme Pugs (lokales Präventionsprogramm seit 2010) und Resi+ zusammen. Das deutschlandweit verbreitete Präventionsprogramm Resi+ beugt sowohl sexualisierter als auch häuslicher Gewalt durch Resilienzförderung vor. Pugs+ geht dagegen von einer geschlechterreflektierenden Sexualpädagogik aus und schult Fachkräfte ebenfalls zu sexualisierter und häuslicher Gewalt. Ziel ist ein wirksamer Kinderschutz. Das Programm beinhaltet eine große Methodenvielfalt, ein Theaterstück für Kinder und einen Elternabend.
Durch Bildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit wird die Stadtbevölkerung über geschlechtsspezifische Gewalt aufgeklärt. In Zusammenarbeit mit Expert*innen bündelt das Netzwerk Informationen und bereitet diese in zielgruppengerechter Sprache auf. Somit werden Gewalthandlungen, Dunkelfeld, patriarchale Strukturen und Stereotypen durch Aufklärung reduziert und bestenfalls beseitigt.
Kompetenz- und Fortbildungsstelle zu geschlechtsspezifischer Gewalt
Das bundesweit einzigartige Modellprojekt (kurz: KomFor) etabliert einen kommunalen Qualitätsstandard im Bereich Gewaltschutz und vernetzt Fachkräfte miteinander. Es gibt Einzelveranstaltungen für Fachkräfte und die Zivilgesellschaft. Zudem soll im Herbst 2026 erstmalig die Weiterbildung „Geschlechtsspezifischer Gewaltschutz in Freiburg“ mit vier zweitägigen praxisnahen Modulen stattfinden. Dabei wird die Expertise der Freiburger Fachberatungsstellen gebündelt. Teilnehmende geben ihr Wissen in ihre jeweiligen Arbeitskontexte weiter, z. B. über
- Häusliche Gewalt: Dynamiken, Unterstützung, Täter*innenarbeit
- Sexualisierte Gewalt: Prävention, rechtliche Maßnahmen, Unterstützung
- Missbrauch: Erkennung, Intervention, Schutzstrategien
- Täter*innenarbeit: Opferschutzorientierte Ansätze, Rückfallprävention
Kampagne
Die Kampagne „Nicht okay. Nicht egal. Nicht deine Schuld.“ ist ein wichtiger und verbindender Teil der Präventionsstrategie. Sie zielt darauf ab, geschlechtsspezifische Gewalt sichtbar zu machen und breite gesellschaftliche Gruppen in Freiburg zu erreichen. Sie wird über digitale Kanäle, Printmedien und Partnerkommunikation ausgespielt. Wer mitmachen möchte, kann sich hier für den Newsletter anmelden.
Bei geschlechtsspezifischer Gewalt gibt es ein hohes Dunkelfeld. Statistische Erhebungen sind daher unverzichtbar, um Ausmaß und politischen Handlungsbedarf sichtbar zu machen. Laut Ergebnissen der Studie "Frauen leben" hat in Baden-Württemberg jede achte Frau Gewalt durch einen Partner erlebt, was als Untergrenze zu verstehen ist. Schutz- und Beratungsangebote müssen deshalb auch die erreichen, die in keiner Statistik auftauchen.
Statement des Cornelia Helfferich Instituts für Geschlechter- und Familienforschung zur Nennung von statistischen Zahlen, die für die Kampagne verwendet wurden.
Durchführung von Fachtagen und Dialogveranstaltungen
Einmal jährlich ist zur Sensibilisierung, Weiterbildung und Vernetzung eine Veranstaltung geplant.
Im September 2025 fand die erste große interdisziplinäre Fachtagung „Gewaltbetroffene Frauen*-Hilfen, Unterstützung & Handlungssicherheit für Gesundheitswesen, Polizei und Rechtsexpert*innen“ in Zusammenarbeit mit Frauenhorizonte e.V. und der Fachstelle Intervention gegen häusliche Gewalt (FRIG) statt. Über 400 Multiplikator*innen konnten erreicht werden. Dabei ging es zum Beispiel um Traumaarbeit, therapeutische Ansätze bei sexualisierter Gewalt, rechtspsychologische Begutachtung, Spurensicherung, Ursachen und Folgen sowie Unterstützungsmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt. Die Präsentationen und weitere Infos zum Schwerpunkt „Sexualisierte Gewalt“ auf www.frauenhorizonte.de und zum Schwerpunkt „Häusliche Gewalt“ unter www.frig-freiburg.de.
Um gemeinsam Erreichtes zu würdigen, werden Fachkräfte der kooperierenden Organisationen zur Dialogveranstaltung „Netzwerktag Istanbul-Konvention“ am 2. Oktober 2026 ins Rathaus eingeladen. Dabei können Maßnahmen weiterentwickelt, und neue Schwerpunkte zur Fortschreibung des Aktionsplanes vorgeschlagen werden.
Schulaktionstag gegen Gewalt
Beim „Schulaktionstag gegen Gewalt - für Schutz und Respekt“ am 21. Juli 2026 im Europaparkstadion setzten sich zahlreiche Schüler*innen der Klassenstufen 8 bis 11 mit Grenzverletzungen, Gewaltprävention, Gleichstellung und Respekt in Bezug auf ihre Lebenswelten auseinander. Auch pädagogische Fachkräfte und Schulleitungen wurden sensibilisiert und zu einer geschlechterreflektierten Perspektive angeregt. Der Bildungsträger in.be.we. organisierte den Tag in Zusammenarbeit mit dem SC Freiburg und vielen Freiburger Fachstellen. Erfahrungen von Schüler*innen, Referent*innen und Lehrkräften fließen in die Planung des nächsten Aktionstages ein.
Einstellungen, Verhaltensweisen, Machtvorstellungen und patriarchale Muster werden bei der Arbeit mit gewaltausübenden Personen hinterfragt und gegebenenfalls verändert. Damit wird ein Teil der strukturellen Ursachen von Gewalt abgeschwächt. Mit dieser Zielrichtung werden bestehende Angebote für Erwachsene in Freiburg ausgebaut und auch neue entwickelt.
Strafen ändern meist nichts am Verhalten von Menschen, die Gewalt ausüben. Doch eine persönliche Auseinandersetzung mit eigenen Kommunikations- und Beziehungsmustern in der Gruppe oder im Einzelsetting kann zu nachhaltigen Veränderungen führen. Insbesondere, wenn die Folgen für alle Beteiligten reflektiert und eigene Opfererfahrungen bearbeitet werden. Weitere Themen: Männer- und Frauenbilder, die elterliche Verantwortung und das Einüben gewaltfreier Konfliktlösungswege.
Anti-Gewalt-Training, proaktiver Ansatz und Ausbau der Arbeit bei Stalking und sexualisierter Gewalt
Ergänzend zum Anti-Gewalt-Training bei häuslicher und öffentlicher Gewalt des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege mit den Modulen „Gewalt“, „Opferperspektive“ , „(Männliche) Identität und Partnerschaft“ sowie „Rückfallverhinderung“ - startete 2026 das Projekt „Spurwechsel“. Dieses neue Beratungs- und Trainingsangebot für erwachsene Täter*innen aus dem Bereich Stalking oder bei niederschwelliger sexualisierter Gewalt, soll dazu beitragen, die Gewaltspirale zu durchbrechen. Die Fachkräfte von Spurwechsel arbeiten im Team und kooperieren eng mit Opferschutzeinrichtungen, Polizei und Justiz.
Darüber hinaus verfolgt der Bezirksverein den proaktiven Ansatz, der durch eine Gesetzesänderung des Polizeigesetzes nun auch seit dem 1. Juli 2026 in Baden Württemberg umgesetzt wird. Ziel ist eine standardisierte zeitnahe Fallvermittlung zwischen Polizei und Täterarbeitseinrichtungen. Das Dunkelfeld wird aufgehellt und spezialisierte Fachkräfte aus der Täter*innenarbeit können zeitnah eine Erstberatung anbieten.