Archivgeschichte

Alte Aktenbündel

Die Anfänge des Freiburger Stadtarchivs reichen bis ins Hochmittelalter zurück. Vermutlich wurden die städtischen Urkunden ursprünglich als „wanderndes Archiv“ in einer Truhe in der Wohnung des Schultheißen bzw. Bürgermeisters aufbewahrt. Erst nach dem Übergang unter die Herrschaft der Habsburger (1368) entwickelte sich ein organisiertes Kanzleiwesen mit Aufbewahrungsort für Urkunden und Akten an drei Standorten: Dem Gerichtsarchiv in der Gerichtslaube am Münsterplatz, dem Archiv der städtischen Finanzverwaltung im Kaufhaus und dem Ratsarchiv im Ratshof.

"Rotes Büchlein" aus dem 13. Jahrhundert

Seit 1414 ist die Unterbringung des Ratsarchivs in den Hahnentürmen des Freiburger Münsters belegt. Hier wurden unter anderem die kaiserlichen und herzoglichen Gnadenbriefe, Verfassungsurkunden, Bündnisbriefe, Sühneverträge mit den Grafen, die Übergabeverträge mit dem Haus Österreich, Urfehdebriefe des Adels, Bullen und bischöfliche Erlasse sowie Sendschreiben fremder Fürsten verwahrt. Abschriften davon wurden zur Nutzung in der Ratskanzlei in Diplomatarien zusammengefasst. Der älteste dieser Bände ist das sogenannte „Rote Büchlein“ (heute Sign. B 2, Nr. 1) vom Ende des 13. Jahrhunderts.

Die räumliche Trennung von der Kanzlei gilt als Beginn der archivischen Tätigkeit im modernen Sinn. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde am Westende des Ratshofs ein Neubau mit dem Großen Ratssaal errichtet. Die bislang am Münsterplatz untergebrachte Gerichtslaube wurde ins Untergeschoss des Gebäudes verlegt und westlich daran ein Anbau aus zwei übereinanderliegenden Kreuzgewölben als Ratshofarchiv errichtet. Der obere dieser Räume bildete noch 1885 den Kern des Stadtarchivs.

Neurodnung der Bestände ab 1747

Für die Bestände wurden mehrfach neue Repertorien angelegt, so 1560, 1602, 1606, 1627 und nach dem Dreißigjährigen Krieg durch den Stadtschreiber Johann Schmidt. Bis 1660 gelang die Wiederherstellung einer notdürftigen Ordnung. Dennoch beklagte sich der Stadtrat anlässlich eines Besuchs im Jahr 1743 über „des Archives und der Registratur gänzliche Unordnung und Konfusion“. 1747/49 führte der Registrator Leonhard Leopold Maldoner eine völlige Neuordnung mit neuen Signaturen durch. Er veröffentlichte außerdem bis 1748 eine ausführliche Regesten-Sammlung in vier Folianten.

Der katholische Geistliche Ferdinand Weiß erhielt 1798 für seine Arbeit über die ständische Verfassung des Breisgaus den Rang eines Archivars und kurz darauf Rang und Gehalt eines lebenslangen Magistratsrats. Er war damit der erste tatsächliche Archivar der Stadt Freiburg. In seine Amtszeit fällt der Übergang der Stadt Freiburg an das Großherzogtum Baden (1806). Die Neuordnung der Verwaltung brachte einen größeren Zuwachs an Archivgut, denn im Zuge der Aufhebung der städtischen Vogteiämter wurden die Urkunden aus dem Schloss Kirchzarten und aus Betzenhausen in das Kaufhausarchiv überführt, wo sie neu geordnet und verzeichnet wurden.

Im Rathaus hatte die badische Regierung das Großherzogliche Stadtvogtei-Amt eingerichtet und dem Magistrat nur einige Räume im Seitenflügel überlassen. Die beiden Archivgewölbe des Ratshofs wurden zum Depot für Ratsprotokolle, Missivenbücher und weiteres Urkunden- und Aktenmaterial, das bisher im großen Ecksaal über der Toreinfahrt aufbewahrt worden war. In einem Visitationsbericht von 1824 kam er erneut zu Klagen über dem schlechten Zustand des Archivs. In beiden Gewölben waren die Fenster eingeschlagen und die Fensterrahmen verfault. Schubladen in den Archivschränken fehlten teilweise, die Archivalien lagen in Haufen auf dem Boden verstreut.

Stadtarchiv erhält eine Volksbibliothek

Nach dem Tod des nebenamtlichen Archivars Weiß (1822) bewarb sich der Historiker und Theologe Heinrich Schreiber (* 1793, † 1872) um die Stelle, erhielt wegen seiner Stellung als Rektor des Freiburger Gymnasiums jedoch nicht die Erlaubnis des badischen Innenministeriums. Schreiber bearbeitete ein zweibändiges Urkundenbuch, das 1828 in der Herder’schen Kunst- und Buchhandlung erschien, und nahm in dieser Zeit faktisch die Funktion des Archivars wahr. Er sorgte für die Instandsetzung der Archivgebäude und die Rückgabe von Urkunden, die zwischenzeitlich in Privathand und in den Besitz des Provinzialarchivs übergegangen waren. Zu einer Neuordnung der Bestände kam es in seiner Zeit jedoch nicht. 1835, er war inzwischen Ordinarius für Moraltheologie an der Universität geworden, zog sich Schreiber von der Leitung des Archivs zurück. Der frühere Registrator Friedrich Elgg verzeichnete die Akten der Talvogtei, die für die Zehntablösung benötigt wurden. Als Elgg 1840 den Dienst quittierte, wurde die Aufsicht über das Archiv dem Leiter der städtischen Bauverwaltung, Joseph Rösch, übertragen, der einige Arbeiten zur Stadtgeschichte publizierte und weitere Repertorien anlegte.

Mit der Räumung des Ratshofs durch das Großherzogliche Stadtamt 1865 konnte ein eigenes Büro für den Archivar eingerichtet werden. Neuer Archivleiter wurde der pensionierte Hofgerichtssekretär Cajetan Jäger (* 1798, † 1887), der sich auch um die Übernahme älterer Akten aus der laufenden Registratur in das Archiv kümmerte. Anfang der 1860er Jahre erhielt der Archivar zusätzlich die Aufsicht über die städtische Altertümersammlung und eine Volksbibliothek im Ratshof. Das Hintergebäude des Ratshofs mit dem Ratssaal und den Archivgewölben wurde 1864/65 aufgestockt. Im neu errichteten dritten Stockwerk wurde ein heller Saal und ein angeschlossenes Arbeitszimmer für Archiv und Bibliothek eingerichtet. Die Altertümersammlung wurde in das frühere Kloster der Augustinereremiten (das heutige Augustinermuseum) überführt.

Professionalisierung im 19. Jahrhundert

Mit Peter Paul Albert (* 1862, † 1956) trat 1894 der erste fachlich ausgebildete Archivar seinen Dienst an. Albert hatte Geschichte und Germanistik in Würzburg und München studiert und war 1889 als Volontär beim Generallandesarchiv in Karlsruhe eingetreten. In seiner Amtszeit wurde 1896 das alte Stadtgefängnis in der Turmstraße als Archivgebäude bestimmt. 1906 folgte der Bau eines Magazins. Durch die Anstellung von drei wissenschaftlichen Archivaren wurde die Erschließung und fachliche Betreuung der Bestände sichergestellt. So konnte innerhalb kurzer Zeit die Ordnung und Regestierung des gesamten Urkundenbestands abgeschlossen werden.

1925 übernahm Dr. Friedrich Hefele (zuvor schon Assistent bei Peter Paul Albert) die Leitung. Seiner umsichtigen Auslagerung während des Zweiten Weltkriegs (zunächst ins Kloster Günterstal, 1940 nach St. Blasien) verdanken wir die Rettung der Urkunden und Akten trotz der Zerstörung der Stadt. Obwohl auch das Archivgebäude in der Turmstraße vollständig ausbrannte, hatte das Freiburger Stadtarchiv bis auf Teile der Kriegschronik aus dem Ersten Weltkrieg und einige Zeitungsbände keine nennenswerten Kriegsverluste zu beklagen.

Neue Heimat im Haus zum Herzog

Nach Kriegsende bezog die Archivverwaltung zunächst ein Übergangsdomizil im unzerstörten Colombischlössle. Die Archivalien wurden auf fünf Standorte in der Stadt verteilt. 1957 erfolgte noch unter der Leitung von Archivdirektor Theodor Zwölfer (amt. 1948-1961) der Umzug in das Haus zum Herzog in der Salzstraße. Der Neubau eines Magazintrakts auf dem angrenzenden Grundstück an der Salzstraße fiel bereits in die Amtszeit seines Nachfolgers Berent Schwineköper (Archivleiter 1961-1977). Schwineköpers Nachfolger Hans Schadek (Archivleiter 1982-2001) war der letzte, der als selbständiger Amtsleiter wirkte. Mit seiner Pensionierung wurde das Stadtarchiv als Abteilung in das Kulturamt eingegliedert und von 2002 bis 2016 durch Ulrich P. Ecker, ab 2016 durch Andreas Jobst geleitet.

Umzug in den Neubau an der Messe

Trotz des Magazinbaus aus der ersten Hälfte der 1960er Jahre hatte sich schnell Platzmangel, bemerkbar gemacht. Teile des Bestands mussten auf Außenmagazine verteilt werden. Die Stadt Freiburg entschied sich schließlich für eine Verlegung des Standorts in den Neubau der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co KG an der Neuen Messe. Die neuen Räumlichkeiten konnten Ende 2023 bezogen werden.

Weiterlesen...

  • Adolf Poisignon: Rückblicke auf die Vergangenheit des Stadtarchivs zu Breisgau. In: Archivalische Zeitschrift 10 (1885), S. 122-140
  • Berent Schwineköper: Das Freiburger Stadtarchiv. Aufgabe und Bestände in Vergangenheit und Gegenwart (Freiburger Stadthefte 12). Freiburg i. Br. 1966
  • Hans Schadek: Das Stadtarchiv Freiburg im Breisgau. Geschichte, Aufgaben, Bestände (Stadt und Geschichte 1). Freiburg i. Br. 1981, 2. Aufl. 1984

Kontakt

Stadtarchiv
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Wir bitten um vorherige Terminvereinbarung per Mail an stadtarchiv@freiburg.de oder telefonisch unter 0761 201-2701.