Pressemitteilung vom 11. Mai 2026

டாக்டர், எனக்கு வயிற்று வலி – Tākțar, enakku vayirru vali*

  • Das Gesundheitswesen zugänglicher machen: Stadt Freiburg und DRK haben 50 Dolmetschende für Einsatz im medizinischen Bereich qualifiziert
  • Erstes Projekt dieser Art. Weitere Schulungen folgen

Wer zum Arzt oder zur Ärztin geht, will zuallererst eines: verstanden werden. Dafür ist eine gemeinsame Sprache unabdingbar. Um die sprachliche Zugänglichkeit des Gesundheitswesens zu erhöhen, haben nun das Amt für Migration und Integration der Stadt Freiburg und der Kreisverband Freiburg des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) einen außergewöhnlichen, neuen Weg beschritten. Mit einer elfmonatigen Schulung wurden insgesamt 50 Dolmetscher*innen für den Einsatz in Krankenhaus oder Arztpraxis qualifiziert.

Gefördert vom Land Baden-Württemberg, zielt das Projekt „Dolmetschen im medizinischen Bereich“ – das erste seiner Art in Stadt und Land – darauf ab, Sprachbarrieren abzubauen. Es soll Menschen mit geringen Deutschkenntnissen den Zugang zum Gesundheitssystem erleichtern. Die Schulung begann im April 2025 und wurde jüngst abgeschlossen, mit der Übergabe der Zertifikate und einem digitalen Grußwort von Sozialminister Manne Lucha.

Insgesamt gab es drei Durchläufe mit je elf Terminen. Dabei kamen alle Teilnehmenden auf 40 Stunden pro Durchgang. Geschult wurde in Räumen der Stadt (Konferenzzentrum im Rathaus im Stühlinger) bzw. des DRK (Flurstraße), einzelne Termine fanden online statt. Dabei wurden die 50 Teilnehmenden intensiv auf fachlich herausfordernde Dolmetsch-Situationen vorbereitet – und zwar in unterschiedlichsten medizinischen Kontexten.

In enger Zusammenarbeit zwischen der Universitätsklinik, dem Zentralen Dolmetschendenpool der Stadt Freiburg und der Fachkoordination des Dolmetschendenpools im DRK besteht nunmehr ein spezialisiertes Netzwerk qualifizierter Dolmetscher*innen. Sie sollen eine Lücke im Hilfesystem schließen – niedrigschwellig, nachhaltig und strukturiert. Medizinische Einrichtungen können bei Bedarf zentral auf ihre Dienste zugreifen.

Die geschulten Dolmetscher*innen bilden eine wichtige Brücke zwischen Patient*innen und medizinischem Personal. Sie stehen in insgesamt 30 Sprachen zur Verfügung. Im Teilnehmerkreis der ersten Schulung waren Russisch (16 Personen), Ukrainisch (12), Türkisch, Französisch und Arabisch (je 5) am häufigsten vertreten. Zur Sprache kommen aber auch Bulgarisch, Portugiesisch, Montenegrinisch, Kroatisch, Bosnisch, Spanisch, Serbisch, Polnisch, Mazedonisch, Litauisch, Ungarisch und Georgisch. Aus Asien sind u.a. Farsi und Dari, Tamil, Indonesisch und Chinesisch vertreten, aus Afrika u.a. Tigrinya und Amharisch. Kurdisch gibt es in den Dialektgruppen Kurmandschi, Sorani und Badani.

Zwischen Stadt und DRK herrscht Einigkeit: Die Erkenntnisse aus dieser ersten Schulung und die neu aufgebauten Strukturen sollen die Basis für weitere Maßnahmen sein. Die Bewerbung für eine Anschlussförderung durch das Land war bereits erfolgreich. Für die 50 Absolvent*innen sind demnächst vertiefende Schulungen geplant, unter anderem in Aidshilfe, Gynäkologie und Hospizbereich; 16 neue Interessierte haben sich für einen neuen Durchlauf mit insgesamt 40 Stunden gemeldet. Über allem stehen weiterhin zwei große Ziele: ein barrierefreier Zugang zur medizinischen Versorgung – und die interkulturelle Öffnung des Gesundheitssystems.

 Kontakte zum Dolmetschendenpool: für die Stadt Freiburg Katrin Werkle (Tel. 0761 201 6344, dolmetschendenpool@freiburg.de), für das DRK Asuman Unseld (Tel. 0151 50924338, asuman.unseld@drk-freiburg.de).

*) PS. Der Satz in der Überschrift ist Tamilisch und heißt übersetzt: "Doktor, ich habe Bauchschmerzen".

Veröffentlicht am 11. Mai 2026