Grundsteinlegung für neues Traumahilfezentrum in Freiburgs ukrainischer Partnerstadt Lviv
- Das neue Zentrum trägt den Namen Maisternia - Kunsttherapie als Schwerpunkt
- Eine Million Euro Spendengelder aus Freiburg ermöglichen das dringend benötigte Projekt
- OB Martin Horn reist zu dem Festakt an: "Der Krieg kennt nur Opfer, Menschen leiden körperlich doch auch seelisch tragen sie tiefe Wunden davon. Leider gibt es einen riesigen Bedarf für eine bessere Versorgung von Kriegstraumata. Unsere Unterstützung bedeutet ganz konkrete Hilfe für die Menschen in Lviv und der Ukraine und ist gleichzeitig ein Zeichen der Solidarität."
- Hinweis an die Redaktionen: Möglichkeit, Bilder und O-Töne aus Lviv zu bekommen
Die Freiburger Unterstützung für die ukrainische Partnerstadt Lviv nimmt weiter konkrete Form an. Am kommenden Montag wird der Grundstein für ein Trauma- und Rehabilitationszentrum für Kriegsverwundete gelegt. Es ist ein großer Schritt für die dringend benötigte Einrichtung, die mit Spendengeldern aus Freiburg ermöglicht wird. Es ist geplant, dass rund eine Million Euro aus Freiburg in das Projekt fließen. Oberbürgermeister Martin Horn wird an der Grundsteinlegung in Lviv teilnehmen, gemeinsam mit Lvivs Oberbürgermeister Andrij Sadovyj, Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft sowie Kriegsverwundete, Veteranen und ihre Familien.
"Krieg kennt nur Opfer, Menschen leiden körperlich doch auch seelisch tragen sie tiefe Wunden davon. Das betrifft Soldatinnen und Soldaten, aber auch Zivilisten, Familien und ihre Kinder. Leider gibt es einen riesigen Bedarf für eine bessere Versorgung von Kriegstraumata. Wir dürfen und werden uns niemals an diesen fürchterlichen Angriffskrieg gewöhnen. Freiburg wird seiner Partnerstadt weiter eng und freundschaftlich an der Seite stehen. Unsere Unterstützung bedeutet ganz konkrete Hilfe für die Menschen in Lviv und der Ukraine und ist gleichzeitig ein Zeichen der Solidarität in schwierigen Zeiten. Ich bin allen Menschen von Herzen dankbar, die diese Hilfe möglich machen", so Oberbürgermeister Martin Horn.
Freiburg unterstützt das Projekt nicht nur finanziell, sondern auch durch enge fachliche Zusammenarbeit. Das neue Traumahilfezentrum ergänzt "Unbroken", ein großes Krankenhaus und Rehazentrum für physisch und psychisch Verletzte. "Unbroken" hat eine große Bedeutung für die gesamte Ukraine, hier wurden seit 2022 rund 20.000 Kriegsverletzte versorgt. Freiburg stellte bereits 2022 Spenden in Höhe von 500.000 Euro bereit. Zum Dank wurde ein Stockwerk der Klinik nach Freiburg benannt.
Maisternia setzt auf Kunsttherapie
Das neue Traumahilfezentrum in Lviv trägt den Namen Maisternia – ein besonderer Ort, an dem Kunst zur Verarbeitung von Kriegsfolgen und zur psychischen Genesung beitragen wird. Ziel ist es, Zivilistinnen und Zivilisten, Soldaten, Veteranen und allen vom Krieg betroffenen Menschen einen sicheren Raum zur Verfügung zu stellen, in dem sie durch Kunsttherapie und kreative Arbeit ihre Traumata aufarbeiten und neue innere Stärke finden können.
Maisternia wird in einem ehemaligen, lange ungenutzten Heizwerk untergebracht, das umfassend renoviert wird. Es wird nicht nur ein Zentrum für psychosoziale Unterstützung, sondern auch ein Ort der Begegnung und der internationalen Vernetzung. Angeboten werden etwa Kunsttherapie, Workshops, Vorträge, eine Fachbibliothek sowie voll ausgestattete Ateliers für Bildhauerei und Keramik. Das Zentrum verbindet künstlerische Praxis mit psychosozialer Hilfe – als Teil des Unbroken-Ansatzes, der die Würde und Resilienz der vom Krieg gezeichneten Menschen stärkt.
Lviv ist Jugendhauptstadt Europas 2025
Neben Unbroken und dem Freiburger Engagement für ein weiteres Traumzentrum gibt es noch einen weiteren Grund nach Lviv zu reisen: Bereits am Samstag wird Martin Horn in Lviv am „Youth Day“ teilnehmen – einer zentralen Veranstaltung im Rahmen des Programms zur Europäischen Jugendhauptstadt 2025. Die Stadt Lviv wurde für dieses Jahr mit diesem Titel ausgezeichnet, der innovative Beteiligungsformate fördert und die Stärkung junger Stimmen in Europa stärkt. Beim Youth Day wird Martin Horn unter anderem bei der Eröffnung des Jugendforums dabei sein, an der neben Lvivs Bürgermeister Sadovyj auch Mitglieder der ukrainischen Regierung teilnehmen. Hier wird der Freiburger OB auch ein kurzes offizielles Grußwort der Stadt Freiburg sprechen. Im Mittelpunkt steht dabei der Austausch mit jungen Menschen aus Lviv und der gesamten Ukraine. Besonders in diesen für Lviv und die gesamte Ukraine schwierigen Zeiten ist der Besuch aus Freiburg ein wichtiges Zeichen der Solidarität.
Hintergrund: Langfristige Freundschaft und nachhaltige Hilfe
Freiburg und Lviv sind seit 1989 Partnerstädte, seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat sich die Freundschaft und Zusammenarbeit noch weiter gefestigt. Freiburg unterstützt Lviv seit dem Angriff stark, wobei sich der Charakter der Hilfe gewandelt hat. Zunächst stand akute Nothilfe im Vordergrund – mit Medikamenten, Klinikmaterial oder Generatoren, zum Teil finanziert über hohe Drittmittel, die Freiburg eingeworben hat. Mittlerweile liegt der Fokus auf nachhaltigem Wiederaufbau und struktureller Unterstützung, insbesondere im medizinischen und psychosozialen Bereich. Die große Spendenbereitschaft aus der Freiburger Stadtgesellschaft bildet die Grundlage dieser Hilfe. Durch die Verdopplung aller privaten Spenden durch die Stadtverwaltung kamen bislang rund 2,5 Millionen Euro für Lviv zusammen.
Freiburger Initiative sammelt hohe Spendensumme
Die Hilfe für die Partnerstadt ist weiter stark in der Freiburger Zivilgesellschaft verankert. So wurde erst vor wenigen Tagen ein Scheck mit der bemerkenswerten Spendensumme von 59.404 Euro im Freiburger Rathaus überreicht. Gesammelt wurde das Geld durch eine Initiative engagierter Freiburger Bürgerinnen und Bürger, die Stadt verdoppelt den Betrag – auf knapp 120.000 Euro. Die Initiative geht zurück auf den Oberstaatsanwalt Klaus Hoffmann, der gemeinsam mit Matthias Akermann, Michael Bernhard und Rudi Raschke zu Spenden für Freiburgs Partnerstadt Lviv aufgerufen hatte. Mit großem Einsatz gelang es dem Team, Unterstützer aus Kultur, Politik und Sport zu gewinnen – darunter Trainer Christian Streich und Sportfreunde Stiller-Bassist Rüdiger Linhof. Höhepunkt der Spendenkampagne war ein Abend im St. Ursula-Gymnasium, der nicht nur informative und bewegende Einblicke in die Situation vor Ort bot, sondern auch durch Live-Schalten nach Lviv und Charkiw die menschliche Verbindung in den Mittelpunkt stellte. Martin Horn war Schirmherr der Aktion.
Kurz zuvor gab es eine weitere hohe Spende. Erlöse der Ausstellung "Die stillen Helden" des Künstlers Guido Heisig in der QUEENS Kunstgalerie in Emmendingen in Höhe von 6000 Euro wurden für das Traumahilfezentrum in Lviv gespendet.
Spendenkonto
Lviv ist weiterhin auf Unterstützung angewiesen. Spenden sind auf folgendes Konto der Stadt möglich:
Spendenkonto Nothilfe Lviv:
IBAN: DE75 6805 0101 0000 1919 19
Stichwort: "Nothilfe Lviv"