Autark mit grünem Wasserstoff

ASF eröffnet eigene Wasserstofftankstelle

Mehrere Menschen stehen vor einem Wasserstoff-Fahrzeug
Mit vereinten Kräften: OB Martin Horn, ASF-Chef Michael Broglin, Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit, Badenova-Vorstand Dirk Sattur und ITG-Geschäftsführer Dieter Sommerhalter (v. l.) bei der Eröffnung der Wasserstofftankstelle am Eichelbuck.

Bald fahren die Müllwagen der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF) autark mit grünem Wasserstoff. Möglich wird das unter anderem durch eine neue Tankstelle an der ehemaligen Deponie Eichelbuck.

Einen Meilenstein für den eigenen Wasserstoffkreislauf nannte Oberbürgermeister Martin Horn die Neueröffnung: „Mit vereinten Kräften und Unterstützung aus Berlin gibt es jetzt eine Tankstelle vor Ort, die alle Müllsammelfahrzeuge bedienen kann.“

Deutschlandweit vorne

Deutschlandweit ist Freiburg die erste Stadt, die ihren gesamten Abfallfuhrpark auf Wasserstoff umgestellt hat. 22 Brennstoffzellenfahrzeuge sammeln Papier-, Plastik-, ­Bio-, Rest- und Sperrmüll ein. Vor drei Jahren rollten die ersten mit Wasserstoff angetriebenen Müllpressen durch Freiburg. „Damals sind wir ‚all in‘ gegangen“, sagte ASF-Chef Michael Broglin. „Heute sind wir der größte kommunale Fuhrpark mit Wasserstofffahrzeugen.“ 

Mit dem Wasserstoffausbau wollen Badenova, ASF und Stadt ihrem Ziel, bis 2035 klimaneutral zu werden, näherkommen. Das kann nur mit grünem Wasserstoff gelingen. Er entsteht wie grauer oder blauer Wasserstoff in Elektrolyseanlagen: Dort wird mit Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Klimafreundlich ist das nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt – dann spricht man von grünem Wasserstoff. Grauen und blauen Wasserstoff erzeugt man dagegen aus Erdgas oder Kohle, wobei klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden.

Gut fürs Klima

„Auch unsere Müllfahrzeuge sollen mit Sonnenstrom klimaneutral fahren. Ohne grünen Wasserstoff schaffen wir das nicht“, erklärte Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit den Wasserstoffausbau. Deshalb entsteht am Eichelbuck jetzt die Infrastruktur für den hauseigenen Ökokraftstoff. Neben der Tankstelle bauen Stadt, ASF und Badenova eine Elektrolyseanlage mit eigener Photovoltaik. Das Großprojekt kostet insgesamt 8 Millionen Euro, 4,25 Millionen davon aus Fördertöpfen.

Henne-Ei-Problem

Beim Ausbau des erneuerbaren Wasserstoffantriebs sei man gerne Partner der Stadt, sagte Badenova-Vorstand Dirk Sattur: „Das Projekt hat Pilotcharakter: Es ist unser erstes konkretes Beispiel für grüne Wasserstofferzeugung in Freiburg.“ Bisher läuft der Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur bundesweit eher schleppend. Das liege unter anderem an einem Henne-Ei-Problem, erklärt Dieter Sommerhalter, Geschäftsführer der Infrastruktur-Trägergesellschaft (ITG), die das Projekt fördert: „Es gibt bisher kaum Wasserstoff-Infrastruktur, weil es keine Verbraucher gibt. Umgekehrt gibt es keine Verbraucher, weil es noch keine Infrastruktur gibt.“ Das Wasserstoffprojekt am Eichelbuck könnte helfen, dieses Dilemma zu durchbrechen.

Wenn die Bauarbeiten fertig sind, voraussichtlich im Frühjahr 2026, kann die ASF-Flotte CO₂-neutral fahren – angetrieben von hauseigenem Öko-Wasserstoff. „Wir haben gezeigt, was möglich ist – im Freiburg-Style“, sagte Martin Horn zum Abschluss. „Wenn die Produktion im nächsten Jahr startet, dann ist die Sache richtig rund.“

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 896 vom 11. Oktober 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 15. Oktober 2025