


Manche bringen uns zur Weißglut, manche ekeln uns, manche sind faszinierend, manche einfach wunderschön – doch wichtig sind sie alle: Insekten. Ihnen hat das Museum Natur und Mensch seine aktuelle Sonderausstellung gewidmet. „Insekten – schillernd schön und tierisch wichtig“ – im Titel stecken laut Direktorin Silke Stoll schon die beiden Hauptaussagen der Ausstellung, die sich durch alle Räume zieht.
Schillernd schön
Vor allem die großformatigen Makrofotografien, die Janosch Waldkircher für die Ausstellung gemacht hat, zeigen die unglaubliche Schönheit und die Vielfalt der Insektenwelt. Nicht sichtbar ist dagegen der Aufwand, der hinter jeder einzelnen Fotografie steckt. Um die Käfer, Schmetterlinge oder Bienen derart vergrößert zu zeigen, besteht jedes Bild aus zahlreichen Segmenten und noch viel mehr Fotos, die einzeln aufgenommen wurden. Für die Video-Projektionen hat Waldkircher sogar fast 30.000 Aufnahmen ein und desselben Objekts gemacht. „Es ist komplizierter als man denkt“, verrät der Fotograf augenzwinkernd. Gedruckt wurden die Fotografien auf Dreischicht-Holzplatten aus der Region. Sie sind damit extrem nachhaltig und können zu 100 Prozent abgebaut werden, wie Stoll verrät.
Tierisch wichtig
Helfen werden bei diesem Abbau wohl auch einige Insekten. Denn auch das zeigt die Ausstellung: die Aufgaben, die die Tiere in unserem Ökosystem übernehmen. Sie bestäuben, ernähren und recyclen und sind so Teil eines komplexen Netzwerks. Stirbt eine Art aus, hat das Auswirkungen auf andere Arten im Tier- und Pflanzenreich und nicht selten auch auf uns Menschen.
Was passiert, wenn die Menschheit die Insekten weiter so reduziert wie bisher?
Deswegen hört die Ausstellung auch nicht bei den atemberaubenden Bildern und der eindrucksvollen Sammlung von schillernden Käfern und farbenfrohen Schmetterlingen auf, sie zeigt auch „den unschönen Teil, auf den wir unbedingt aufmerksam machen wollen“, wie Volontär Jonas Pfister anmerkt. Er hat die Ausstellung zusammen mit Stoll und dem Referenten für Naturvermittlung, Peter Geißler, kuratiert. Gemeinsam haben sie entschieden, auch zu zeigen, was passiert, wenn die Menschheit die Insekten weiter so reduziert wie bisher: Auf einem der großformatigen Drucke ist nichts zu sehen, nur leere Schwärze.
Extrem spezialisiert
Die 2017 veröffentlichte Krefeldstudie hat gezeigt, dass die Zahl der Fluginsekten innerhalb von 30 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen ist. Dass viele Insekten spektakuläre Tarn- und Warnmechanismen nutzen, schützt sie nur bedingt. Stabschrecken machen sich beispielsweise nahezu unsichtbar, während Marienkäfer auf Signalfarben setzen, um Fressfeinde abzuschrecken. Gegen zerstörte Landschaften, Überdüngung, Klimawandel, Lichtverschmutzung sowie invasive Arten und Krankheiten helfen jedoch weder Tarnung noch Mimikry.
Jede*r kann dem Insektensterben entgegenwirken
Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer: den kurzen Lebenszyklus der Insekten. Hat eine Restpopulation überlebt, kann sie sich oft gut erholen. Deshalb zeigen Flyer, etwa von Naturschutzverbänden, und auch fünf Tipps des Museums, was jede*r selbst tun kann, um dem Insektensterben entgegenzuwirken.
Für alle Altersgruppen
Nicht nur Erwachsenen, auch Kindern werden Insekten und ihre Lebenswelten ganz anschaulich nähergebracht. Neugierige können unter dem Digitalmikroskop die wahre Schönheit scheinbar unscheinbarer Exponate entdecken oder mit einer Spezialbrille wie eine Fliege mit Facettenaugen in die Welt blicken. Sie können Fragen beantworten und bei einer Stempelrallye eine Überraschung gewinnen, ein „Netz der Artenvielfalt“ spannen oder anhand eines „Kartenhauses der Natur“ beobachten, was passiert, wenn eine Insektenart wegfällt. Wer will – und sich vorab anmeldet –, kann sein Wissen bei Themenführungen, Exkursionen oder Workshops vertiefen oder bei „Insektendates“ den Tieren auf Augenhöhe begegnen.
Nicht zuletzt gibt es da auch noch die großen, märchenhaft anmutenden Fotowände. „Wir wollen uns dem Thema Insekten nicht nur mit dem Verstand annähern, sondern auch mit dem Herzen, und da gehört Lachen dazu“, erklärt Peter Geißler. Letzteres ist gewiss, wenn sich die Familienmitglieder in die fantasievollen Kostüme werfen und als Grashüpfer, Marienkäfer oder Gespenstschrecke die bunten Blumenwiesen erobern.
Die Ausstellung ist bis 11. Januar 2026 im Museum Natur und Mensch (Di 10 – 19 Uhr, Mi – So, 10 – 17 Uhr) zu sehen. Eintritt: 8 Euro / ermäßigt 6 Euro, unter 27 J. frei. Termine und Infos unter www.museen.freiburg.de/mnm.
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 890 vom 28. Juni 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!