„Alter! Grafik aus fünf Jahrhunderten“
Neue Ausstellung setzt sich mit dem Alter in der Kunst auseinander

Weise und gütig oder gebrechlich und unattraktiv – von alten Menschen existieren sehr unterschiedliche Vorstellungen, auch in der Kunst. Diesem Thema widmet sich die neue Ausstellung „Alter! Grafik aus fünf Jahrhunderten“ im Haus der Graphischen Sammlung.
Werke von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert
Bis 17. August zeigt sie rund 80 Werke von der Frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert und fragt: Welche Entwicklungen, Stereotype und Deutungen gab es im Laufe der Zeit? „Alter betrifft uns alle“, sagt Jutta Götzmann, Direktorin der Städtischen Museen. „Thema der Ausstellung ist, wie sich unser Umgang damit in der Kunst widerspiegelt.“ Wie problematisch dieser Umgang sei, zeige die Longevity Industrie, die Produkte für ein möglichst langes Leben vermarktet.
Große Bandbreite an Darstellungen
Die Ausstellung nähert sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven, zeigt gängige Vorstellungen ebenso wie die große Bandbreite der Darstellungen. Zu sehen sind Werke von Albrecht Dürer, Hans Baldung Grien, Rembrandt van Rijn, Marie Ellenrieder, Max Liebermann, Käthe Kollwitz und Pablo Picasso – aus dem Augustinermuseum und dem Museum für Neue Kunst.
Die Lebensalter
Der Rundgang beginnt mit „Lebensalterdarstellungen“. Fridolin Leiber schuf um 1900 die „Stufenalter“: Auf- und absteigende Treppen illustrieren die verschiedenen Altersphasen für Männer und Frauen. Das Kapitel „Individuell?“ widmet sich dem Porträt. Ein Werk von Marie Ellenrieder aus dem Jahr 1820 zeigt den 101-jährigen Georg Lerch, der durch sein hohes Alter Aufmerksamkeit erlangte. Personen, die diese „magische“ Grenze erreichten oder überschritten, galten damals als kuriose Naturereignisse.
Positive Sicht auf den Lebensabend
Das Thema „Weise? – Heiligentypus“ zeigt unter anderem zwei Kupferstiche der Apostel von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1514, die eine positive Sicht auf den Lebensabend illustrieren. Heilige, Apostel oder Propheten wurden häufig mit langem Bart, weißem Haar und ausdruckvollem Gesicht dargestellt. „Das Alter steht hier für Gelehrtentum, Erfahrungswissen und Weisheit“, sagt Kuratorin Adana Schulz.
Erfahren oder nur faltig?
Auch Geschlecht und sozialer Status prägen das Bild vom Alter: Männer werden meist als erfahren und gütig dargestellt, während bei Frauen häufig der gealterte Körper im Fokus steht. Das zeigen etwa die um 1670 entstandenen Radierungen von Melchior Küsel. In seinem Werk „Die Zwietracht“ charakterisieren ein abgemagerter Körper, erschlaffte Brüste und ein faltiges Gesicht die dargestellte Frau als alt. Die Radierung „Das Alter“ hingegen betont die im Laufe des Lebens erworbene Weisheit eines Mannes: Zu sehen ist ein Greis mit Rauschebart und Gewand, umgeben von Symbolen der Vergänglichkeit.
Verbindung von Generationen
Diesen Altersbildern gegenüber steht Annegret Soltaus Werk „generativ – Tochter mit Urgroßmutter“ aus dem Jahr 1994. Die Künstlerin collagiert eine Fotografie ihrer nackten Tochter mit der ihrer Urgroßmutter und thematisiert so Weiblichkeit, Identität und die Verbindung von Generationen. Als Leihgaben ergänzen zeitgenössische Fotografien von Darius Ramazani die Präsentation: Porträts aus der Serie „Old People“, entstanden in einem Altenheim in Kapstadt. „Sie zeigen die Schönheit und Ästhetik des Alterns und setzen das dem problematischen Umgang damit entgegen“, so Götzmann.
Zu den Kunstwerken gesellen sich Hilfsmittel wie historische Gehstöcke, Brillen und Lupen. Mitmachstationen laden dazu ein, sich mit dem eigenen Alterungsprozess auseinanderzusetzen und gesellschaftliche Vorstellungen zu hinterfragen.
Mehr zu den Museen Freiburg unter www.museen-freiburg.de.
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 887, am 10. Mai 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!