Auszug aus der Ortschronik

~Von der Dorfgemeinde zum Freiburger Stadtteil~

Kappel im Tal oder auch Kapplertal, so hieß die Dorfgemeinde bis zur Angliederung an die Stadt Freiburg im Jahr 1974. Der Zusatz zum Ortsnamen, der sich von einer Kapelle (einem Dorfkirchlein oder einer Hofkapelle) herleitet, ...

diente der Unterscheidung von anderen Orten, die auch Kappel heissen.

Das Freiburger Kappel liegt, wie jeder sogleich wahrnimmt, der hierherkommt, im Tal. Genaugenommen ist das Kapplertal, das sich im heutigen Ortszentrum in zwei Täler - das Große und das Kleine Tal - verzweigt. Während sich diese beiden Täler im oberen Teil über mehrere Kilometer hinziehen und immer enger und steiler werden, weitet sich nach der Vereinigung der beiden Bäche das Kapplertal zu einer bis zu 700 m breiten Talsohle, die in das Zartener Dreisambecken mündet. Die Gemarkung der alten Gemeinde umfasste eine Fläche von 1381 Hektar. Sie erstreckt sich über eine Höhendifferenz von rund 950 m, vom tiefsten Punkt auf 338 m ü.d.M. bis zum höchsten am Schauinsland mit 1284 m ü.d.M.

Der langgestreckten Tallage des Ortes entsprach jahrhundertelang die Siedlungsform von Kappel. Einzelhöfe, die in gebührendem Abstand zueinander standen, bestimmten das Bild bis hinauf zur Herderhütte im Großtal bzw. dem Sohlhof im Kleintal. Der Ortskern bestand ursprünglich aus wenigen Gebäuden - Kirche, Pfarr- und Mesnerhaus, Gasthaus, Sägerei und Mühle - , bis in der Zeit um 1800 Kleinbauern- und Tagelöhnerhäusle hinzukamen und sich die Siedlung mehr und mehr verdichtete. Die enge Bebauung des Ortskernes macht die Straßenführung in diesem Bereich bis heute eng und unübersichtlich. Neben der bäuerlichen Hofsiedlung entstanden Häuser und Wohnungen für Bergleute. Zu bestimmten Zeiten erlebte Kappel durch den Bergbau einen kräftigen Bevölkerungszuwachs, besonders vor der Jashrhundertwende bis zur Einstellung des Bergbaubetriebes im Jahr 1954. So enstand am Talausgang ostwärts mit der Erzwäsche und den Betriebsgebäuden an der Neuhäuserstraße ein neuer Ortsteil.

Ein weiterer Ortsteil wuchs in den 50er Jahren durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen am Talausgang in der "Bahnhofsiedlung". Schließlich stieg seit den 60er Jahren die Nachfrage nach Bauland, neue Straßen wurden angelegt und bebaut, im Moosmatten- und Sommerackergebiet, hangaufwärts bis zur Siegelsbachstraße, im mittleren Großtal, in der Ziegelmattenstraße und im Gebiet "Sieben Jauchert".

Als Kappel laut Vetrag vom 26. Juni 1974 der Stadt eingegliedert wurde, geschah das fast unter Zwang. Man wäre lieber selbstständig geblieben. Inzwischen ist die Integration akzeptiert. Eine relative Eigenständigkeit ließ sich mit der Zugehörigkeit zur Stadt durchaus vereinbaren. Das Rathaus blieb erhalten. Ortschaftsrat und Ortsvorsteher sind nicht ohne Kompetenz und Einfluß in der Stadt. Die Ortsverwaltung blieb intakt und voll funktionsfähig. Bürgerinnen und Bürger finden einen kommunalen Ansprechpartner "vor Ort".

Was Kappel auszeichnet, ist u.a. dies: Von Grün umgeben liegt es in der Natur eingebettet, hat kein Hochhaus und keine heruntergekommenen Viertel, vielmehr alte Höfe und neuzeitliche Wohngebiete in guter Nachbarschaft.

Es kommt der ehemaligen Dorfgemeinde auch als Freiburger Stadtteil darauf an, das Gleichmaß zwischen Siedlung und Naturraum zu wahren. Viel hängt dabei ab von der niemals leichten Balance zwischen Bewahrung und Fortschritt.