Letztes "OB vor Ort" vor der Wahl in Betzenhausen-Bischofslinde

Der Seepark steht im Mittelpunkt

"Grüne Lunge mit hoher Frequenz" nannte OB Horn den Seepark. In den letzten Jahren hat sich hier viel Gutes getan, zum Beispiel durch den Einsatz der Nachtmediator*innen oder den Artenschutz.

Auf den Tag genau sechs Jahre nach seinem ersten Bürgergespräch in Betzenhausen-Bischofslinde war Martin Horn vergangene Woche ein weiteres Mal im Freiburger Westen zu Besuch. Es war das 40. „OB vor Ort“ – und zugleich vorerst das letzte: Im Wahlkampf pausiert die Gesprächsreihe.

Rund 70 Menschen waren Dienstagabend ins Bürgerhaus Seepark gekommen – so viele Fans hatte jüngst auch Red Bull Salzburg zum Europapokalspiel nach Freiburg mitgebracht. Den Hauptunterschied zum OB-Gespräch vor sechs Jahren machte zu Beginn der Bürgervereinsvorsitzende von „Betz-Bisch“, Stefan Schleith, deutlich: „Damals hat der Seepark gebrannt!“, Lärmbelästigungen durch Feiernde raubten Anwohnenden den Schlaf und hielten das Rathaus auf Trab.

"Dreiste Exzesse"

Wie sehr sich die Situation seither verändert hat, skizzierte Ramon Oswald in einem kurzen Vortrag. Der Leiter der Abteilung „Platzmanagement und Konfliktprävention im öffentlichen Raum“ im Amt für öffentliche Ordnung nannte die großen und manchmal auch kleinen Maßnahmen, die seither ergriffen wurden, um „die hohe Anzahl von Nutzungskonflikten“ in den Griff zu bekommen: Spielplatz, Grillplatz, Nachtmediation, Ausweitung des Vollzugsdienstes und nicht zuletzt das 2023 eingeführte und im Gemeinderat heiß umstrittene Boxenverbot. Dessen Ziel sei es nicht gewesen, massenweise Lautsprecher einzusammeln, sondern „dreiste Exzesse“ zu unterbinden. Mit Erfolg: 2023 wurden noch 40 Boxen konfisziert, 2024 nur noch 13 und im laufenden Jahr waren es gerade einmal zehn. Beschwerden gibt es mittlerweile viel weniger, was die Anwesenden im Saal bestätigten.

"Seepark hegen"

Ein Mann bei der Sensenmahd im Seepark.
Durch Schutzmaßnahmen wie die Sensenmahd soll der Seepark an neue Anforderungen angepasst werden.

Neben Ramon Oswald hatte OB Horn noch einen zweiten Verwaltungsfachmann mit zum Gespräch gebracht: Christoph Daub vom Garten- und Tiefbauamt (GuT) stellte die „grünen Themen“ des Stadtteils vor. Sein Amt verfährt zweigleisig: Einerseits soll der 1986 zur Landesgartenschau angelegte Park mit seinen Elementen und Sichtachsen möglichst erhalten werden, andererseits geht es darum, ihn an heutige Anforderungen anzupassen. Das bedeutet: Sensenmahd und Blühstreifen für den Artenschutz, mehr Bäume für Klimaschutz und Schatten, Grillstellen für eine bessere Lenkung der Freizeitnutzung, Freiburgs meistgenutzte Sportbox für den Breitensport, die Ökotoilette für die Hygiene und ein barrierefreier Rundweg, der auch mit Rollator oder im Rollstuhl gut zu bewältigen ist. „Wir hegen und pflegen den Seepark“, sagte Daub, der seit 16 Jahren selbst im Stadtteil wohnt.

Nach diesen Ausführungen überließ Oberbürgermeister Martin Horn den Anwesenden das Wort. Thematisch blieb es aber fast den ganzen Abend im Seepark. Ob zum 40-jährigen Landesgartenschau-Jubiläum etwas geplant sei, wollte der erste Fragesteller wissen. „Ja, im Rahmen des Seefestes wollen wir das würdigen“, lautete die schnelle und offenbar befriedigende Antwort des OB. Ein weiterer wünschte sich die Bergung des damals gesunkenen Floßes, das angeblich in gutem Zustand auf dem Seeboden ruhe – und sorgte mit dem Vorschlag für Erheiterung.

Die nähere Umgebung des Seeparks war Thema verschiedener Nachfragen, bei denen Martin Horn versprach, sie mit ins Rathaus zu nehmen. In der Unterführung bei der Stusi gebe es bei Regen große Pfützen, die Trennung von Fuß- und Radwegen sei teils unübersichtlich, die Zahl der Schattenplätze auf der Liegewiese reiche im Sommer nicht aus.

Zum Teil verwies Martin Horn auf den städtischen Mängelmelder, anderes habe die Verwaltung bereits auf dem Schirm, beispielsweise die gewünschte Fußgängerampel bei der Esso-Tankstelle: „Die ist im Zuge der nächsten Umbauphase geplant“, so Horn. Anderes sei aber schlicht sehr kompliziert. Die Ausweisung eines Anwohnerparkgebiets rund um die Aschenbrennerstraße, die sich ein Anwohner wünschte, „dauert bei Ihnen sicherlich noch“, so Horn.

"Rufen Sie uns an!"

Ein anderer Bürger beklagte die Graffiti am kleinen Tempelchen. Seinen Vorschlag, dieses Mauerrondell einfach abzureißen, wies Stephan Daub vom GuT aber zurück: „Wir wollen möglichst viele Elemente der ursprünglichen Gestaltung erhalten.“ Als „Lärmhotspot“ bezeichnete eine Anwohnerin die Esso-Tankstelle. Dass es dort Beschwerden gibt, bestätigten sowohl Ramon Oswald wie auch Wolfgang Ruf vom Polizeiposten Weststadt. Eine Lösung sei aber nicht so einfach: „Die Tankstelle bekommen wir dort nicht weg“, so Ruf, der die Bürgerin aber zugleich ermunterte, sich zu melden: „Rufen Sie uns an!“

Weitere kurz angerissene Themen waren die Auslastung der Stadtbahnlinie 1 (OB: „VAG beschafft neue Fahrzeuge mit mehr Kapazität.“), Wurzelhebungen vor allem durch Platanen (Daub: „Die würden wir aktuell nicht mehr pflanzen.“), der Wunsch nach einem Marktplatz am Bischofskreuz (OB: „Aktuell gibt es keine Planungen.“) oder der Sachstand für das Baugebiet im Obergrün (OB: „Derzeit ruht das Verfahren.“).

Nach knapp zwei Stunden beendete Oberbürgermeister Horn die Fragerunde mit dem Hinweis, dass die Gesprächsreihe wegen der anstehenden Wahlen pausieren werde. Zum Abschied hatte er einen klaren Appell: „Bitte gehen Sie wählen!"

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 901 vom 20. Dezember 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 19. Dezember 2025