Ein großer Plan für Zähringen

Bei OB vor Ort ging es darum, wie sich der Stadtteil langfristig entwickeln soll

Grüne Wiese in Zähringen
Zähringer Höhe, Zähringer Straße: Das umstrittene Bauprojekt und der Verkehr im Stadtteil prägten die Diskussion bei „OB vor Ort“. Mit einem Rahmenplan, der Bildung und Bewegung zusammen denkt, will die Stadt mehr Grün nach Zähringen bringen.

Viele Themen kamen beim Bürgerdialog mit Oberbürgermeister Martin Horn am 19. November in Zähringen zur Sprache. Hauptsächlich ging es um Verkehr und ums Bauen.

„Wir haben wohl einen Nerv getroffen“, stellte Bernd Beßler, erster Vorsitzender des Bürgervereins Zähringen, angesichts des voll besetzten Raums fest. Rund 120 Bürger*innen kamen zu „OB vor Ort“ in das Gemeindezentrum St. Blasius, um ihre Fragen an die Verwaltungsspitze loszuwerden. 

Rahmenplan Zähringen

Bevor die offene Diskussion startete, präsentierte Hanna Denecke, stellvertretende Leiterin des Stadtplanungsamts, den Rahmenplan Zähringen. Er soll steuern, wie sich der Stadtteil langfristig entwickelt. Die Verwaltung setzt dabei auf die Förderung von Bildung, Bewegung und Zusammenhalt. Ziel sei eine „neue bewegte Mitte“ für Zähringen, sagte die Stadtplanerin. Bis März 2027 muss das Planungsprojekt, das zur Hälfte mit Fördermitteln des Landes finanziert wird, fertig sein.

Ein Schwerpunkt ist die Gegend rund um den Platz der Zähringer. Die Stadt will hier mehr Grün und Platz für Sport und Freizeit schaffen. Die Planer*innen ziehen besonders die Tulla- und die Emil-Gött-Schule mit ein, wo der Bedarf an Betreuungs- und Sportmöglichkeiten durch das Neubaugebiet Nord steigen wird.

Ein weiterer Fokus liegt auf den Sportflächen, denn damit ist der Stadtteil aktuell unterversorgt: „Zähringen wächst, aber die Sportflächen wachsen nicht mit“, sagte Denecke. Die Hallen, die es gebe, sind teilweise in einem schlechten Zustand. Zudem fehlen Orte für Sport abseits von Vereinen.

Als mögliche Standorte für eine neue Sportanlage nannte die Stadtplanerin die Flächen der früheren Gärtnerei Hügin und des ehemaligen Thermalbads. Anfang 2026 untersucht das Stadtplanungsamt beide Gebiete genauer und spricht mit gut vernetzten Akteur*innen. Bei einem Stadtteilspaziergang können sich Bürger*innen auch direkt einbringen. Bis zur Sommerpause soll daraus ein konkreter Rahmenplan entstehen, zu dem drei Architekturbüros Testentwürfe anfertigen. Eine Jury wählt schließlich den besten Entwurf aus.

Sportflächen neu denken

„Es wird an der einen oder anderen Stelle knirschen“, prognostiziert Denecke. „Wir denken schließlich ganz neu, wie wir Flächen nutzen.“ Das mache die Planung auch komplizierter, erläuterte OB Martin Horn: Am einfachsten wäre ein neuer beleuchteter Kunstrasen, um den Flächenmangel zu lösen – wenn man aber auch die Grundschulen miteinbeziehe, könne man größer denken. „Wir bringen heute erstmals die Option ins Gespräch, die Tullaschule in die Mitte des Stadtteils zu verschieben“, so der Rathauschef. 

Zöge die Tullaschule in einen Neubau in der Stadtteilmitte mit größeren Sport- und Grünflächen um, könnten am bisherigen Standort beispielsweise neue Wohnungen entstehen. „Das wäre ein weitaus größerer Wurf, der die Grünflächen- und Sportinfrastruktur echt verbessern würde“, so Horn. Nichts davon sei bisher aber beschlossen oder refinanziert, sondern mit vielen Fragezeichen verbunden.

Roter Faden des Abends: das Thema Verkehr

Person fährt Fahrrad auf der Straße

Dazu gehört auch das Thema Verkehr, das sich wie ein roter Faden durch den Abend zog – etwa, als der RS 6 zur Sprache kam. Der 21 Kilometer lange Schnellradweg, dessen Bau in Herdern bereits begonnen hat, soll Freiburg mit Emmendingen und Waldkirch verbinden. Auch auf dem Abschnitt, der durch Zähringen führt, wird Fläche für den Radverkehr umgewidmet. Ein Anwohner befürchtete, dass der Parkdruck dadurch steigen könnte. Horn versprach, einen Austausch zum Thema mit den zuständigen Fachleuten zu organisieren. Die Stadt werde bald zu einer für alle offenen Verkehrskonferenz einladen – ein Vorschlag, den das Publikum mit Applaus quittierte.

Sorgen über Unfallgefahren äußerte eine Bürgerin im Hinblick auf die geplante Bebauung der Zähringer Höhe. Wie sollen Baufahrzeuge die enge Auffahrt nehmen? Welche Auswirkung hätte der zusätzliche Verkehr aus der Siedlung? „Wir gehen hier nicht mit dem Kopf durch die Wand“, versicherte der Rathauschef. Bedenken über die Verkehrssicherheit berücksichtige die Stadt, der Satzungsbeschluss sei erst für 2027 geplant.

Meinungsbild zur Höhe

Auch aus Gründen des Arten- und Klimaschutzes sehen viele das Bauprojekt kritisch. Eine Bürgerin betonte die Funktionen der Höhe als Kaltluftlieferantin und Lebensraum für Insekten. „Die Zähringer Höhe ist mit Sicherheit das kritischste Bauprojekt, das wir aktuell diskutieren“, sagte Horn. Das bestätigte auch eine spontane Abstimmung im Saal: Etwa 80 Prozent der 120 Anwesenden waren gegen eine Bebauung. Horn zeigte dafür Verständnis, erinnerte aber auch daran, dass die Stadt dringend Wohnraum brauche und Zusagen einhalten müsse. Die Verwaltung wartet nun ab, wie die Stellungnahmen im kommenden Jahr ausfallen. 

Abschließendes Thema war die schwierige finanzielle Lage vieler Gemeinden, die auch die Stadtverwaltung in Freiburg beschäftigt. In den kommenden Jahren gehe es ums Priorisieren und Gestalten, das gelte für den kommunalen Haushalt ebenso wie für die Landtags- und OB-Wahlen im Frühjahr, sagte Horn. Im Hinblick darauf schloss er den Abend mit einem Appell: „Gehen Sie wählen, mischen Sie sich ein, machen Sie mit!“

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 900 vom 6. Dezember 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 09. Dezember 2025