Nachtschicht im Freiburger Osten

Tunnel-Großputz an der B31

Sanierungsfahrzeug im Tunnel, das die Wände reinigt
Bei der Grundreinigung koordiniert Fabian Anhorn die Mitarbeiter*innen, die Wände, Beleuchtung und Sensoren mit schwerem Gerät und Handarbeit sauber machen.

Ende Juli waren die Tunnel an der B 31 nachts wegen der jährlichen Großreinigung gesperrt. Die Wartung ist Routine – und doch jedes Mal ein Kraftakt. Wie bekommt man Tunnel sauber, durch die täglich 35.000 Fahrzeuge düsen?

Mit einem Stirnrunzeln blickt Fabian Anhorn vom Garten- und Tiefbauamt (GuT) auf seine Armbanduhr mit dem Holzgehäuse. Es ist kurz vor halb neun abends, als er mit der Sicherheitseinweisung beginnt. „Alle einmal herhören“, sagt er in Richtung der Gruppe Journalist*innen, die an diesem Dienstag weit nach Redaktionsschluss zum Pressetermin im Freiburger Osten gekommen sind. „Bevor wir gleich reingehen, nimmt sich bitte jeder eine Warnweste. Da unten fährt richtig schweres Gerät rum, das ist nicht ungefährlich.“

Grund für die Sicherheitsvorkehrungen ist ein Besuch der Tunnelanlage B 31 Ost. Dort, im 932 Meter langen Schützenallee-Tunnel, dem 1238 Meter langen Kappler Tunnel und auf der Freifläche, die beide miteinander verbindet, stehen Wartungsarbeiten an. Zusammen mit der Betreiberfirma Spie und dem Reinigungsunternehmen Noller verpasst das städtische Garten- und Tiefbauamt der Tunnelanlage die jährliche Grundreinigung. Um Fahrbahn, Tunnelwände, Beleuchtung und Verkehrsschilder zu putzen, haben die Mitarbeitenden von 20 bis 6.30 Uhr Zeit. So lange dürfen die Tunnel in dieser letzten Juliwoche gesperrt sein – jeweils drei Nächte lang zuerst stadtein- und dann stadtauswärts.

Der Tunnel im Blick

Anhorn, der am linken Ohrläppchen einen Stecker in Form eines Schraubenschlüssels trägt, ist Leiter des Tunnelbetriebs beim GuT. Das heißt: Er ist dafür verantwortlich, dass im Schützenallee- und Kappler Tunnel alles läuft – beziehungsweise fährt. Bevor der Presserundgang in die abgesperrten Tunnel starten kann, bekommen die Autos der Journalist*innen eine Warnleuchte aufs Dach und zwei magnetische Warnstreifen auf die Motorhaube. „Das gibt direkt fünf PS mehr“, scherzt Anhorn.

Bevor die Pressetruppe in knallorangenen Warnwesten mit den aufgerüsteten Autos in den abgesperrten Tunnel einfährt, versammelt sie sich auf der leeren Fahrbahn davor. Die Vorbereitungskolonne hat ganze Arbeit geleistet: Um Punkt acht gab es kein Durchkommen mehr durch die beiden Röhren, die Freiburg mit dem Schwarzwald verbinden. „Wir versuchen, so früh wie möglich für die Nacht fertig zu werden und die Sperrung aufzuheben. Morgens geht’s nämlich schon zwischen vier und fünf Uhr los mit dem Durchgangsverkehr“, so Anhorn.

In diesem Jahr ist alles noch ein bisschen komplizierter. Denn der Verkehr kann nicht wie sonst über die Kappler Straße umgeleitet werden. Dort erneuert die Stadt gerade den Straßenbelag. „Das heißt, dass die Leute im Prinzip die Umfahrung der Umfahrung nehmen müssen“, sagt Fabian Anhorn.

Schrubben für freie Sicht

Warum dennoch nichts an einer Vollsperrung vorbeiführt, wird beim Halt im Kappler Tunnel schnell klar. Dort verwischt ein feiner Dunst die Sicht, es riecht nach Abgasen und nassem Asphalt. Unterhalten kann man sich kaum, weil das Getöse von zwei Reinigungsfahrzeugen jedes Gespräch übertönt. Ausgestattet mit Wasserdüsen und zwei Bürsten wie aus der Autowaschanlage fahren sie hintereinander im Schneckentempo an der Wand entlang. Die Fahrzeuge schrubben den grauen Beton, um die Mischung aus Feinstaub und Gummiabrieb abzubekommen.

„Diese Schmutzschicht bildet sich automatisch mit der Zeit durch den Verkehr“, erklärt Anhorn. Sammelt sich der Dreck, kann es gefährlich werden für die Verkehrsteilnehmenden. Dann reflektierten die Tunnelwände das Licht aus den Scheinwerfern der Fahrzeuge und der Lampen im Tunnel nicht mehr so stark wie eigentlich nötig. Die Folge: Die Sicht ist eingeschränkt, das Risiko für Unfälle steigt.

Straßensperrung vor dem Tunnel, im Hintergrund Autos
Modell-Übersicht des Schützenallee-Tunnels, dort Anzeige der aktiven Tunnelbeleuchtung
Ein Arbeiter reinigt die Tunnel-Decke
Ein Arbeiter auf einer Leiter, er tüftelt am Stromkasten an der Innenwand vom Tunnel

Mehr als nur eine Röhre

Deshalb der Großputz, der zwar Routine ist – technisch und planerisch aber herausfordert. Die Wände sind noch vergleichsweise einfach zu reinigen. Komplizierter ist es, die Beleuchtung, die Verkehrsschilder und die Sensoren sauber zu bekommen. „Das müssen die Kollegen händisch machen, deswegen ist das mit am aufwendigsten“, erläutert Anhorn. Um Verkehrsschilder und Leuchten sauber zu machen, lassen sich die Mitarbeitenden von Spezialfahrzeugen mit einer Hebebühne bis knapp unter die Decke fahren. Besonders vorsichtig müssen sie mit den Sensoren umgehen. Diese sorgen im Regelbetrieb unter anderem dafür, dass die Tunnelaufsicht einen Überblick über die aktuelle Auslastung hat. Die sensiblen Bauteile dürfen auf keinen Fall mit den Hochdruckreinigern oder Bürsten in Kontakt kommen. Deshalb deckt das Reinigungsteam die Geräte jeden Abend mit einer Plastikhülle ab, bevor die Reinigung beginnt – und nimmt sie kurz vor Feierabend in den frühen Morgenstunden wieder runter.

Spezialfahrzeuge und viel Handarbeit: Die Tunnel zu putzen erfordert geschultes Personal und kostet Geld. In dieser Nacht ist das städtische Garten- und Tiefbauamt mit acht Mitarbeitern und fünf Fahrzeugen im Einsatz. Dazu kommen sechs Beschäftigte der Betreiberfirma Spie. Für die Reinigungsfirma Noller sind noch mal eine Handvoll Fachkräfte mit drei Lkw und zwei Pritschenwagen vor Ort. Rund 25.000 Euro kostet die Stadt die jährliche Grundreinigung. Für die kleinere Instandsetzung, die ebenfalls einmal im Jahr ansteht, sind rund 13.000 Euro nötig.

Viel los im Untergrund

Zum Abschluss führt Anhorn die Pressetruppe durch die unterirdischen Räume der Tunnel-Betriebszentrale – direkt neben der Tunnelröhre, die den Verkehr stadteinwärts leitet. Dorthin gelangt man über ein unscheinbares Häuschen in einer ruhigen Wohnstraße bei der alten Stadthalle. Dass nur wenige Meter unter der Oberfläche die B31 verläuft, eine der meistbefahrenen Straßen Baden-Württembergs, ist kaum zu glauben, wenn man auf der verkehrsberuhigten Schützenallee steht.

In der Betriebszentrale läuft die Technik der Tunnel zusammen. Auf einer wandfüllenden Metallplatte in einem Raum mit kleinem Konferenztisch und Aktenschränken ist ein Umriss des Tunnelverlaufs abgebildet. Darauf eingelassen sind gelb und rot leuchtende Lämpchen mit allerlei Symbolen für Notausgänge, Sensoren und Lüftungsanlagen. Hier lässt sich auf einen Blick sehen, ob alles so funktioniert, wie es soll. „Wenn der Tunnel in ein paar Jahren saniert wird, kommt auch das hier raus und wird digital“, erklärt Anhorn mit einem Blick auf das Metallbrett. Bis die Generalsanierung kommt, hält die Stadt den Bestandstunnel so in Schuss, dass jederzeit ein sicheres Durchkommen möglich ist.

Fabian Anhorn begleitet den Presserundgang zurück an die Oberfläche. Fast halb zwölf zeigt seine Armbanduhr – bald hat er Feierabend. Wenige Meter unter seinen Füßen laufen die Arbeiten aber noch ein paar Stunden weiter. Erst am frühen Morgen werden die Tunnelarbeiter die Strecke wieder freigeben – für den anrollenden Berufsverkehr. (jus)

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 893 vom 9. August 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 08. August 2025