Kakao, Zement und Kolonialismus

Ausstellung „Voll unfair!“ im MNM zeigt die Perspektive des globalen Südens auf

Eine Frau steht in traditionellem Gewand in einem Ausstellungsraum, im Hintergrund Exponate
Gehört und gesehen werden: Das ist Dewi Candraningrum wichtig. Der Kalksteinabbau in Kendeng zerstört Lebensräume.

Was ist der Preis von Kakao und Zement? Unter anderem die Zerstörung von Kultur und Wassersystemen. Die Ethnologische Sammlung des Museums Natur und Mensch (MNM) zeigt in der Ausstellung „Voll unfair!“, wie sich der Abbau von Rohstoffen auf die Bevölkerung vor Ort auswirkt. 

Künstler*innen aus Ecuador und Indonesien haben kuratiert

Das Museum hat zwei Räume komplett von den Künstler*innen aus Ecuador und Indonesien kuratieren lassen, damit die Betroffenen ihre Sichtweise schildern können. Es geht um Ausbeutung, Widerstand und Hoffnung. Die Ausstellung rückt Frauen als zentrale Akteurinnen in den Fokus und macht Mut zu Veränderungen.

Das Land des Kakaos

Der aus Ecuador stammende und in Freiburg lebende Künstler Marcello Martinez Vega thematisiert in seiner Installation „el Pais del Cacao“ Kakao-Produktion in Ecuador. Kakao ist dort seit Jahrhunderten nicht nur Genussmittel und Exportschlager, sondern auch spirituelles Gut von großer kultureller Bedeutung. Martinez Vega verknüpft in seiner Präsentation historische und zeitgenössische Perspektiven auf Anbau, Verarbeitung und Vermarktung. Hierfür arbeitet er mit dem Projekt „Mashpi Chocolate“ im Nebelwaldgebiet des Anden-Chocó zusammen. Kakao wird dort in Agroforstsystemen kultiviert, wodurch Biodiversität und Böden geschont werden; zugleich stärken von Frauenkooperativen ausgehende Initiativen wirtschaftliche Unabhängigkeit und eröffnen faire Perspektiven vor Ort.

Die Mütter von Kendeng

Den zweiten Raum hat die Wissenschaftlerin und Künstlerin Dewi Candraningrum aus Java, Indonesien, gestaltet. Sie beschäftigt sich mit dem Kalksteinabbau im Kendeng-Gebirge und den damit verbundenen Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Der Widerstand von Frauen vor Ort, die sich mutig gegen die Zerstörung ihres Lebensraums wehren, steht im Mittelpunkt ihrer Arbeit. Das Kendeng-Gebirge besteht aus einer Karstlandschaft mit unterirdischen Wasserreservoirs und Höhlensystemen. Der Abbau von Kalkstein für die Zementproduktion zerstört diese natürlichen Wassersysteme, von denen viele umliegende Dörfer und landwirtschaftliche Flächen, die nicht an die staatliche Wasserversorgung angebunden sind, abhängig sind. Bekannt wurden die Proteste der sogenannten „Kartinis von Kendeng“, einer Gruppe von Frauen, die für den Schutz ihrer landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen kämpfen.

Scannen und verstehen

Der dritte Raum, entwickelt vom Museums- und Vermittlungsteam, widmet sich ebenfalls der Herkunft und Herstellung von Konsumgütern; es geht um Umweltschutz und den Einsatz für faire Arbeitsbedingungen. Auch in Freiburg tragen wir Verantwortung. Woher kommen unsere Waren, und wie können wir positive Veränderungen anstoßen? Eine Scan-Station informiert zu Ursprung und Herstellungsprozessen typischer Supermarktprodukte wie Schokocreme, Thunfisch oder Obstkonserven. Malvorlagen, eine Leseecke und eine Diskussionswand zum Thema kulturelle Aneignung regen zum Nachfragen und Mitreden an.

Umfangreiches Begleitprogramm

Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung: von Workshops zur Schokoladenherstellung und Kakaozeremonie über eine Exkursion in den Botanischen Garten bis hin zu einem Vortrag über den Protest im Kendeng-Gebirge und einer Diskussionsrunde zur Rolle von Frauen in sozialen Bewegungen. Alle Infos zum Programm gibt es unter www.museen.freiburg.de/mnm.

Öffnungszeiten:
  • Di – So 10 – 17 Uhr,
  • Di bis 19 Uhr.

Eintritt 5, erm. 3 Euro, unter 27 Jahren frei.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 911 vom 23. Mai 2026. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 26. Mai 2026