Ausstellung zur Eiszeitkunst Europas

Eintauchen in längst vergangene Zeiten

Hängende Frauenfigur im Treppenhaus des Colombischlösschens
In 100-facher Vergrößerung hängt diese Frauenfigur aus der Eiszeit im Foyer des Colombischlössle.

Kunst in der Eiszeit? Und ob! Vor rund 45.000 Jahren kamen moderne Menschen nach Europa und fertigten meisterhaft gearbeitete Kunstwerke – darunter kleine Figuren von Menschen und Tieren. Zu sehen sind sie jetzt in der Ausstellung „Urformen. Eiszeitkunst Europas“ im Archäologischen Museum Colombischlössle. 

Die Ausstellung präsentiert die berühmtesten Eiszeitfiguren Europas als detailgetreue Nachbildungen – anfassen ist ausdrücklich erwünscht. „Erst durch das Ertasten der Figuren bekommt man ein Verständnis dafür, wie fein und detailliert die Originale ausgearbeitet waren“, erklärt Kuratorin Angelika Zinsmaier die Idee. Aber auch Originale aus dem Badischen Landesmuseum in Karlsruhe sind zu sehen: Im Mittelpunkt stehen 23 Kunstwerke aus der Altsteinzeit. 

Die kleinen Skulpturen aus Mammutelfenbein, Knochen oder Geweih beeindrucken bis heute durch ihre Ausdruckskraft. Sie erzählen Geschichten einer Epoche, die von Kälte, Mobilität und Überlebenskampf geprägt war. Mammuts, Pferde oder Höhlenlöwen – die mächtigen Tiere der Eiszeit – tauchen ebenso auf wie weiblich gedeutete Figuren oder Mischwesen, die menschliche und tierische Züge vereinen. Viele Originale sind nur fragmentarisch erhalten. Für die Ausstellung wurden sie aufwendig rekonstruiert.

Liebe zum Detail

Ein besonderer Fokus liegt auf Südbaden. Am Petersfels bei Engen im Hegau entstanden vor rund 14.000 Jahren die ältesten Kunstwerke der Region: Schmuck und abstrakte Figuren aus Gagat und anderen Materialien. Feine Gravuren spiegeln genaue Beobachtung der Tierwelt wider und zeugen von einer erstaunlichen Liebe zum Detail.

Auch die Höhlen der Schwäbischen Alb gehören zu den bedeutendsten Fundorten Europas. Hier wurden die vielleicht ältesten Kunstwerke des Kontinents geschaffen, darunter der berühmte „Löwenmensch“ – eine Skulptur, die als Replik präsentiert wird. Musikinstrumente wie Flöten aus Vogelknochen oder Mammutelfenbein weisen zudem auf soziale und rituelle Praktiken hin. Aufgrund ihrer einzigartigen Funde zählen die Höhlen Geißenklösterle, Hohle Fels, Vogelherd und Hohlenstein-Stadel seit 2017 zum Unesco-Welterbe.

Die Ausstellung widmet sich auch Geschlechterdarstellungen in der Eiszeit. Viele Figuren werden traditionell als weiblich interpretiert. Doch manche Objekte vereinen Merkmale, die wir heute unterschiedlichen Geschlechtern zuschreiben würden. „Offenbar dachten die Menschen damals nicht in streng binären Geschlechterkategorien, sondern sahen die Menschen als Menschen“, sagte Ausstellungskuratorin Mailin Bretz. „Ob Mann oder Frau war nicht so wichtig.“ Die Ausstellung lädt Besucher*innen ein, diese Vielfalt mit heutigen Fragen nach Identität und Geschlecht in Beziehung zu setzen.

Spricht alle Sinne an

Hands-On-Stationen mit Originalmaterialien wie Gagat oder Knochen, Nachbildungen von Funden, eine Riechstation oder Flötenmusik sprechen alle Sinne an. Hinzu kommen großformatige Bilder der damaligen Landschaften sowie von Höhlenmalereien. „Wir wollten nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Atmosphäre, sodass ein Eintauchen in die damalige Zeit möglich ist“, betonte Museumsdirektorin Helena Pastor.

Zahlreiche Veranstaltungen begleiten die Schau, darunter ein Poetry Slam, eine interdisziplinäre Podiumsdiskussion, Höhlenführungen mit „Fackel“ oder Workshops für Klein und Groß. Alle Termine gibt es unter www.museen.freiburg.de/ kalender.

An den Adventsfreitagen – von 28. November bis 19. Dezember – sind der Eintritt ins Museum sowie eine Kurzführung um 15 Uhr kostenfrei. Die Wanderausstellung wurde von der Arbeitsgemeinschaft Weltkultursprung konzipiert und ist in Freiburg bis 8. März 2026 zu sehen.

Archäologisches Museum Colombischlössle, Rotteckring 5, Di – So, 10 – 17 Uhr, Mi, 10 – 19 Uhr. Eintritt: 7 Euro, ermäßigt 5 Euro, unter 27 Jahren frei.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 897 vom 25. Oktober 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 24. Oktober 2025