Am 22. Oktober um 16 Uhr

Gedenken am Jahrestag der Deportation nach Gurs

Mantel-Mahnmal auf der Wiwilí-Brück
Ein Schweigemarsch zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwilí-Brücke ist Teil der Gedenkveranstaltung, die an die Verschleppung von über 6500 jüdischen Männern, Frauen und Kindern erinnert.

Der 22. Oktober 1940 war der letzte Tag des jüdischen Laubhüttenfestes (hebräisch: Sukkot). In einer konzertierten Aktion der nationalsozialistischen Gauleiter wurden an diesem Tag über 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Lager Gurs in Südfrankreich verschleppt. Vom Freiburger Bahnhof aus wurden mindestens 379 Freiburger Jüdinnen und Juden deportiert.

Viele der in Gurs Internierten starben aufgrund völlig unzureichender Nahrung, katastrophaler hygienischer Zustände und fehlender medizinischer Versorgung an Entkräftung, Hunger und Krankheit. Ab August 1942 wurden die noch Lebenden über das Sammellager Drancy bei Paris in die Vernichtungslager im Osten, vor allem nach Auschwitz-Birkenau, deportiert und dort ermordet.

Gedenkfeier am 22. Oktober um 16 Uhr

Eine Gedenkfeier erinnert am Donnerstag, 22. Oktober, um 16 Uhr an die Deportationen. Die Veranstaltung findet auf dem Platz der Alten Synagoge statt. Anschließend folgt ein Schweigemarsch zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwili-Brücke, wo zum Gedenken an die Opfer Kränze niedergelegt werden.

Alle Bürger*innen sind herzlich eingeladen, an der Gedenkfeier teilzunehmen. Die Teilnahme ist kostenlos.

Lesung aus Briefen der Deportierten Siegfried und Marie Nelson

Ein besonderer Teil der diesjährigen Gedenkfeier ist die Lesung aus den Briefen von Siegfried und Marie Nelson: Ihr Enkel Joachim S. Nelson liest aus den Briefen seiner Großeltern, die im Oktober 1940 gemeinsam mit mehreren Familienmitgliedern nach Gurs deportiert wurden. Marie Nelson arbeitete dort in der Krankenbaracke und starb am 6. Februar 1942 im Alter von 53 Jahren im Lager. 

Wenige Tage vor seiner Deportation von Gurs nach Auschwitz schrieb Siegfried Nelson am 29. Juli 1942 an seine in Zürich lebende Schwester: 

Wir leben hier in der großen Hoffnung, dass wir die längste Zeit hier waren und hoffe, dass wir uns dann alle mal treffen, wenn es nur schon so weit wäre.

Siegfried Nelson

Am 8. August 1942 wurde Siegfried Nelson nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort am 12. August 1942 ermordet. Er wurde 55 Jahre alt.

Weiteres Programm

Die Gedenkfeier beginnt mit einem Beitrag von Bürgermeisterin Christine Buchheit für die Stadt Freiburg. Anschließend sprechen Nicole Elias, Zweite Vorsitzende der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher, sowie François Blum im Namen des Vereins „Nachkommen, Verwandte und Freunde der Mitglieder der ehemaligen Israelitischen Gemeinde Freiburg“.

Im Anschluss spricht Moshe Haas, Kantor der Israelitischen Gemeinde Freiburg, die Gebete El Male Rachamim und Kaddisch zum Gedenken an die Opfer des Holocaust. Abschließend folgt der Schweigemarsch zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwili-Brücke.

Der Synagogenbrunnen, der zuletzt wegen Störungen trocken lag, wird anlässlich des Gedenkens an Gurs aktiviert und voraussichtlich bis 22. Oktober mit Wasser gefüllt sein. Anschließend wird er wieder trockengelegt, damit Anfang November die Sanierungsarbeiten für den dauerhaften störungsfreien Betrieb beginnen können.

Veranstaltung mit vielen Beteiligten

Veranstalter der Gedenkfeier ist das Kulturamt der Stadt Freiburg in Zusammenarbeit mit: Israelitische Gemeinde Freiburg, Egalitäre Jüdische Chawurah Gescher, Chabad Lubawitsch Freiburg, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Freiburg, Deutsch-Israelische Gesellschaft, DGB Stadtverband Freiburg, Dokumentationszentrum Nationalsozialismus Freiburg, Freiburger Hilfsgemeinschaft/Arbeitskreis NS-Euthanasie und Ausgrenzung heute, Freundeskreis Freiburg – Tel Aviv-Yafo, Gegen Vergessen – Für Demokratie, Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Nachkommen, Verwandte und Freunde der Mitglieder der ehemaligen israelitischen Gemeinde Freiburg, Roma-Büro Freiburg, Rosa Hilfe Freiburg, Sinti-Verein Freiburg, Stolperstein-Projekt Freiburg, SWR Studio Freiburg und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Veröffentlicht am 13. Oktober 2026