Label in Gold

StadtGrün naturnah

Schild mit Label "Freiburg Stadt Grün" in einer Blumenwiese
Grünfläche neben einer Straße
Menschen sammeln Müll im Seepark
Schafe weiden auf einer Wiese an der Messe

Freiburg liegt der Arten- und Naturschutz am Herzen. Deshalb werden ihre kommunalen Grünflächen seit über 25 Jahren nach ökologischen Gesichtspunkten angelegt und gepflegt, Pestizide sind Tabu. Dass die Stadt auf dem richtigen Weg ist und schon sehr viel erreicht hat, zeigt die Auszeichnung „StadtGrün naturnah“ in Gold, welche Freiburg 2025 erneut für drei Jahre erhalten hat.

Label mit Text: "Freiburg StadtGrün naturnah 2025-2028"

Das Label wird von dem Projektbüro „StadtGrün naturnah“ vergeben, das sich aus einem Expert*innengremium des Bündnisses „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ und der Deutschen Umwelthilfe zusammensetzt. Weitere Informationen zum Label unter www.stadtgruen-naturnah.de.

Grünflächen sind nicht nur Parks

Zu den städtischen Grünflächen gehören nicht nur die Parks, sondern auch Straßenbegleitgrün, Baumscheiben, Rebböschungen, Gräben und andere Feuchtbiotope. Auf all diesen Flächen ist das Ziel eine Bewirtschaftung, welche die Artenvielfalt fördert.

Langgraswiesen

Wiesen voller Leben brauchen vor allem eins: Ruhe. Statt wie klassische Rasenflächen vier- bis achtmal im Jahr gemäht zu werden, werden sogenannte Langgraswiesen nur ein- bis zweimal geschnitten. Das nennt man zweischürige Mahd.

Der Vorteil: Pflanzen haben Zeit zu wachsen, zu blühen und Samen zu bilden. Wird zu oft gemäht, können viele Pflanzenarten entweder gar nicht erst wachsen oder zumindest die Samenentwicklung nicht abschließen ‒ sie verschwinden. Weniger Pflege bedeutet also mehr Platz für Wildblumen und mehr Futter und Lebensräume für Insekten. Zudem sorgt das seltenere Mähen und der Verzicht auf Mulchgeräte dafür, dass weniger Tiere bei der Mahd zu Schaden kommen. Noch besser wird es, wenn Schafe die Wiese beweiden: Sie halten die Flächen offen und erhöhen die Strukturvielfalt einer Fläche. Kurzrasige Teilflächen wechseln sich mit Langgrasbereichen und verbrachten Bereichen ab. Hinzu kommen Gehölzverbiss und Dung. In der Summe ein wahres Mosaik an Lebensräumen, welches einen enormen Gewinn für die Artenvielfalt darstellt.

Blumenwiesen

Zum Beispiel sind bei den Magerrasensonden im Seepark, je nach Vegetationswachstum, bis zu drei Mahdgänge pro Jahr vorgesehen, die traditionell per Handsense erfolgen. Das gemähte Gras wird dann von der Freiburger Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft abgeholt. Zuvor bleibt das Schnittgut ein paar Tage in Haufen auf der Fläche liegen. Dies ermöglicht Insekten und Kleintieren die rechtzeitige Flucht. Der Einsatz der Handsense und das abgestimmte Vorgehen ermöglichen eine kleinräumige und differenzierte Mahd. Die Sensenmahd stellt die insektenschonenste Mähtechnik dar, sorgt für die Entstehung vielfältiger Strukturen, die die Artenvielfalt fördern und dem Standort ökologisch gerecht werden.

Außerdem wird zwischen 2025 und 2027 das Rhododendron-Tal im Seepark neu gestaltet. Der Grund: Die bisherigen Rhododendren kommen mit dem Klimawandel nicht mehr klar und können den veränderten Bedingungen nicht mehr standhalten. Stattdessen setzt die Stadt auf heimische Pflanzen, die besser mit Hitze und Trockenheit umgehen können. Das macht die Fläche widerstandsfähiger, ökologisch stabiler – und wertvoller für die Artenvielfalt. Das Ziel: ein naturnaher, robuster Park, der dem Klima von morgen standhält – und trotzdem grün bleibt.

Drahtkörbe mit Totholz

An anderer Stelle hat die Stadt Gabionen, also Drahtkörbe, aufgestellt und sie mit Totholz gefüllt, um wertvolle Lebensräume für Insekten und Kleinlebewesen zu schaffen.

Nachpflanzungen

Auch im Möslepark wird mehr Natur zugelassen. Neben neuen heimischen Bäumen wie Eichen und Buchen darf sich der Wald auf einigen abgezäunten Flächen ganz von selbst erneuern. Hier wachsen junge Bäume (z.B. Eicheln und Bucheckern) nach – ohne dass gemäht oder eingegriffen wird. Das nennt man Naturverjüngung: Der Wald sucht sich selbst aus, welche Bäume stark genug sind, um zu bleiben. So entsteht Schritt für Schritt ein neues, robustes Waldstück, das gut mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen kann.

Landschaftspflegetrupp

Für die Unterhaltung der Böschungen am Tuniberg wird ein eigener Landschaftspflegetrupp eingesetzt.

Naturdenkmale

Auch die Ausweisung von Bäumen als Naturdenkmale oder der Klimawald im Seepark laufen in die Wertung für das Label mit ein.

Interaktion mit Bürger*innen

Auch die Interaktion mit Bürger*innen ist wichtig in diesem Bereich. Hier sind unter anderem „Freiburg packt an“ und die „Bachpaten“ zu nennen.

Vernetzung und Zukunft

Das Label ist nicht nur eine tolle Auszeichnung, es fördert auch die Vernetzung mit verschiedenen Akteur*innen, Expert*innen, Bürger*innen und anderen Kommunen. Zudem spornt es dazu an, vieles in den nächsten Jahren noch besser zu machen: Um das Label auch in Zukunft tragen zu dürfen, sind zahlreiche weitere Maßnahmen geplant, unter anderem die Anlage von Kleinbiotopen an den Gleisen im Industriegebiet Nord, der Schutz der Bachmuschel oder die Verwendung lokaler Pflanzenkohle in Baumsubstraten.

Maschinen für die Biodiversität

Durch das KfW-Förderprogramm „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“ stehen der Stadt 2,8 Millionen Euro zur Verfügung, um in moderne Maschinen und Geräte zu investieren. So können die Pflegearbeiten künftig noch effizienter und biodiversitätsfördernder gestaltet werden.

Hintergrund

Mit dem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats im April 2019 hat Freiburg eine neue Zielsetzung zum Erhalt der biologischen Vielfalt sowie einen Aktionsplan Biodiversität verabschiedet. Eine zentrale Maßnahme war die Bewerbung um das bundesweite Label „StadtGrün naturnah“. Das Label ist ein zentraler Baustein des Biodiversitäts-Aktionsplans und wird in den kommenden Jahren durch weitere Projekte wie extensiv bewirtschaftete Wiesen, zusätzliche Blühstreifen und neue Lebensräume für Tiere ausgebaut.

Kontakt

Garten- und Tiefbauamt
Fehrenbachallee 12
79106 Freiburg
GuT@freiburg.de

Herr FehrGarten- und Tiefbauamt, Grünflächen0761 201 47 14gruenplanung@freiburg.de