EZW‒Erzählen‒Zuhören‒Weitererzählen

Projektleitung: Nikola Hübsch / Christian Schulz
Aufnahmeleitung / Bearbeitung: Christian Schulz

Zuhören und Erzählen sind wichtiger Bestandteil der Sprachbildung von Kindern. Sprachbeherrschung ist eine Schlüsselkompetenz, die die aktive Teilnahme am kulturellen und politischen Leben unserer Gesellschaft ermöglicht. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass sich durch ganzheitliche Sprachbildung bessere Ergebnisse erzielen lassen als mit rein kognitivem Lernen. EZW ‒ Erzählen‒Zuhören‒Weitererzählen ist ein Projekt des Amtes für Schule und Bildung der Stadt Freiburg zur Sprachbildung an Grund-und Förderschulen in Kooperation mit der Freiburger SchulprojektWerkstatt (FSW).

Die Welt der Märchen und Geschichten ist dabei von großer Bedeutung, denn Erzählen setzt nicht am defizitären Niveau der Kinder an, sondern sie erfahren Sprache dadurch auf spielerische Art und Weise.

EZW bietet ein niedrigschwelliges Angebot zur lustvollen Begegnung mit der deutschen Sprache. Literarische Erstbildung wird so in mündlicher Form in den Schulalltag integriert. Die Erzählstunden fokussieren konsequent die Konzentration auf das gesprochene Wort sowie auf eine literarische, vom Alltag deutlich unterschiedene Sprache. Durch das Einbeziehen von Märchen aus den Herkunftsländern der Eltern wird zudem der Blick auf andere Kulturen und die Sprachenvielfalt geweitet. (Prof. Dr. Kristin Wardetzky)

Nachhaltigkeit im Spracherwerb ist allerdings erst dann gewährleistet, wenn Kinder nicht nur Geschichten und Märchen zuhören, sondern auch selbst nacherzählen und lernen, eigene Geschichten zu erfinden und zu präsentieren. Entscheidend für dieses Konzept ist dabei, den Kindern langfristig durch lustvolle Lernsituationen im Unterricht solide sprachliche Kenntnisse sowie Freude am Erfinden und Präsentieren zu vermitteln.

Projektziele von EZW

Ziel des Projektes ist es, das Zuhören und Erzählen langfristig im Sinne einer ganzheitlich erlebnisorientierten Sprachbildung an der Grund- bzw. Förderschule zu verankern. Erzählen wird zum festen Bestandteil des Unterrichts. Projektinhalte werden unter Berücksichtigung des Bildungsplans (vgl. Bildungsplan Deutsch GS S. 42‒49) von den schuleigenen Lehrkräften aufgegriffen und individuell umgesetzt, um so eine alltagsorientierte Erzählkultur an der Schule zu schaffen.

Bundesweit gibt es zahlreiche Sprachbildungsprojekte, die mit dem professionellen Erzählen (nicht: Lesen bzw. Vorlesen!) von Märchen an Schulen große Erfolge erzielt haben. Federführend ist dabei das Projekt von Prof. Dr. Kristin Wardetzky, das unter dem Titel „Sprachlos“ an Grundschulen mit hohem Migrantenanteil begann und an dem mittlerweile über 3.000 Kinder teilnehmen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Zuhören und Nacherzählen in den 1. und 2. Grundschulklassen.

EZW bindet das „Tandemerzählen“ mit ein (d. h. zwei Personen erzählen abwechselnd in einer nicht deutschen und in deutscher Muttersprache, ohne dabei zu übersetzen). Ab der Klassenstufe 2 erzählen die schuleigenen Lehrkräfte den Schüler_innen Geschichten und in Klassenstufe 3 und 4 lernen die Schüler_innen selbst das Erzählen.

Projektverlauf des Freiburger EZW-Projektes

1) Projektablauf an den Schulen

In jeder neuen 1. Klasse werden professionelle Erzähler_innen eingesetzt. Schwerpunkte sind dabei u. a. die Steigerung der Aufmerksamkeitsdauer beim Zuhören; die Entwicklung von inneren „Bildern“ zu den jeweiligen Inhalten, die sich als emotional erfasste Handlungsfolgen einprägen, sowie die Erweiterung der Merkfähigkeit und des sprachlichen Ausdrucks beim Nacherzählen.

Im 2. Projektjahr führen die Lehrer_innen das Erzählen mit den nunmehr 2. Klassen ‒ wenn möglich ‒ in einem festen Turnus (14-tägig bis zu 1-mal im Monat) selbstständig durch. Alternativ erzählen sie nur in ihren eigenen Klassen kleine ‒ in Fortbildungen erarbeitete ‒ Geschichten und / oder lesen regelmäßig vor. Vertiefend und erweiternd dazu erfolgt die Einbeziehung der Inhalte in den täglichen Unterricht, die fakultativ von den Fach- und Klassenlehrkräften pädagogisch weiter umgesetzt werden können.

Für Projektschulen, an denen EZW ins 3. Jahr oder 4. Projektjahr geht, gibt es bei Interesse die Möglichkeit, das Erzählen mit den Schüler_innen zu vertiefen. Im 3. und 4. Schuljahr lernen die Schüler_innen, selbst Geschichten zu erfinden und zu präsentieren. Dafür werden pro Klassenstufe 6 Unterrichtsblöcke angeboten, die die Lehrkräfte nach einer Einführung durch die Projektleitung selbstständig durchführen können.

2) Einsatz der Erzähler_innen im Schuljahr 18/19

Jede 1. Klasse erhält 1 Erzählstunde (à 45 Minuten) wöchentlich. (Bei 39 Klassen an 15 Schulen profitieren ca. 1.000  Kinder von  dem Projekt.)

In 18 weiteren 3. und 4. Klassen lernen die Schüler_innen in 4 bis 6 Doppelstunden selbst, was eine spannende Geschichte braucht und wie man sie erzählen kann. (Ca. 360 Kinder nehmen teil.)

Zusätzlich zu den Erzählstunden, in denen in deutscher Sprache Geschichten aus aller Welt vorgetragen werden, sind derzeit 2 Tandemerzählerpaare eingesetzt. Sie erzählen zusammen – teils in der Muttersprache (z. B. arabisch, romani etc.), teils auf Deutsch – eine Geschichte. Nach Absprache mit der Schule wird für Kinder aus Vorbereitungsklassen und übergreifend auch für Vorschulkinder, die für die Erzählstunde in die zukünftige Schule kommen, bildgestützt erzählt (pro Schule 8 VK-Kinder und 12 Kindergartenkinder). Insgesamt 14 professionelle Erzähler_innen sind an dem Projekt beteiligt. Sie werden an Schulen jeweils in Teams eingesetzt. Die Klassenlehrer_innen / Pädagog_innen sind bei den Erzählstunden immer mit dabei. Die Erzählstunden sind darüber hinaus für interessierte Eltern offen. Sie können ‒ nach Absprache mit der Klassenlehrkraft ‒ gerne zum Zuhören kommen und sollten von Schulseite aus dazu ermutigt und eingeladen werden.

3) Interne Unterstützung

Für die am Projekt beteiligten Lehrkräfte der Klassenstufen 1 und 2 findet jedes Schuljahr ein Fortbildungsnachmittag mit einer zeitnahen Feedbackrunde statt. Diese Fortbildung inkl. Feedback ist verpflichtend für alle Lehrkräfte, die mit den 1. Klassen an dem Projekt beteiligt sind. Die Fortbildung wird zertifiziert.

Im Erzähljahr 2018/19 wird an einer Schule zusammen mit den Pädagog_innen des angrenzenden Kindergartens und der Nachmittagsbetreuung eine Pilotfortbildung angeboten. Sie umfasst in einem Schuljahr 9 Termine à 1,5 Zeitstunden und schließt zeitlich an den Vormittagsunterricht der Schule an.

Jede Schule unterstützt das Projekt von Schulseite aus mit einer Lehrkraft, die Ansprechpartner für die Projektleitung ist. Diese Koordinator_innenstelle sollte möglichst in festen Händen sein und nicht rotieren. Jeweils 2-mal im Jahr treffen sich Koordinator_in und Projektleitung zur Qualitätssicherung des Projektes und zur Absprache der Erzählstunden.

4) Externe Unterstützung

Alle 2 bis 3 Jahre tauschen die beteiligten Schulen ihre Projekterfahrungen auf einem Symposium aus.

Bei Elterncafés, die an einigen Schulen stattfinden, erzählen die Erzähler_innen für die Eltern und ermutigen sie, ihren Kindern selbst Geschichten zu erzählen.

5) Steuergruppentreffen

Ergänzend zum EZW gibt es mit dem Angebotskatalog „Erzählen und Lesen in Schulbibliotheken“ auch für Schulen und / oder Klassenstufen, die nicht direkt in EZW eingebunden sind, die Möglichkeit, 2-mal pro Halbjahr und Schule ein Erzähl- oder Lesungsangebot zu buchen.

Die Steuergruppe – bestehend aus der Amtsleitung des Amtes für Schule und Bildung der Stadt Freiburg, der Projektleitung von EZW (Freiburger SchulprojektWerkstatt und Erzählleitung) und dem/r geschäftsführenden Schulleiter_in der Freiburger Grundschulen ‒ trifft sich 2- bis 3-mal pro Schuljahr mit dem Ziel, EZW langfristig qualitativ zu sichern und zu verbessern.

EZW ‒ Erzählen‒Zuhören‒Weitererzählen – Ein Projekt des Amtes für Schule und Bildung in Freiburg
© Nikola Hübsch, Erzählerin
www.nikolahuebsch.com

in Kooperation mit der Freiburger SchulprojektWerkstatt

Kontakt

Freiburger SchulprojektWerkstatt (FSW)
Schlüsselstraße 5
79104 Freiburg

Tel.: + 49 (0) 761 / 201 77 24
sekretariat.swsvn@freiburger-schulen.bwl.de

Bürozeiten während der Schulzeit:
Mo:    9:00 ‒ 18:00 Uhr
Di/Mi: 8:00 ‒ 13:00 Uhr
Do:    9:30 ‒ 18:00 Uhr

In den Schulferien ist die FSW geschlossen.