Sitzungen des Gestaltungsbeirats

TOP 2: Sanierung und Aufstockung eines Bestandsgebäudes

Offenburger Straße 63 - 69 | Brühl

Bauherr*in: Heimbau Breisgau eG, Freiburg

Planverfasser*in: Heimbau Breisgau eG, Freiburg

Protokoll

Der Gestaltungsbeirat begrüßt die Entscheidung der Heimbau Breisgau eG, im Rahmen der energetischen Sanierung sowie der konstruktiven und gestalterischen Verbesserung des Bestandsgebäudes in der Offenburger Straße zusätzlichen Wohnraum durch Aufstockung zu schaffen. Die Aufstockung ermöglicht die Realisierung von rund zehn zusätzlichen Wohneinheiten. Damit wird dem wichtigen Anspruch einer sozial orientierten Wohnraumversorgung Rechnung getragen.

In mehrfacher Hinsicht ist das Bauvorhaben aus Sicht des Beirats unterstützenswert.

Das Bestandsgebäude weist eine Vielzahl von konstruktiven, bauphysikalischen und gestalterischen Schwachpunkten auf. Es besteht weiterer Optimierungsbedarf in Bezug auf den Freiraum. Um eine nachhaltige Vermietbarkeit sicherzustellen, ist die Entwicklung eines umfassenden Handlungskonzepts erforderlich. Zudem markiert das Gebäude mit seinem Anschluss an die bestehende Bebauung in der Tullastraße eine stadträumlich wichtige Ecke, die sich aufgrund des gebogenen Verlaufs der Tullastraße und der platzartigen Aufweitung am Thomaszentrum allseits in Erscheinung tritt. Die Gestaltung und Nutzung der Erdgeschosszone in dieser exponierten Lage erweist sich als problematisch. Die Zufahrt zum Hinterhof öffnet sich an dieser Stelle über Eck und ist partiell vergittert.

Der Gestaltungsbeirat kann den wesentlichen Verbesserungsmaßnahmen im vorgelegten Konzept zustimmen, zumal der Rahmen für die Maßnahmen finanziell und organisatorisch sehr eng ist, denn die Maßnahmen sollen so durchgeführt werden, dass die Wohnungen durchgehend bewohnt werden können, also im „laufenden Betrieb“. Der Gestaltungsbeirat teilt die geplanten Maßnahmen zur Aufwertung der Hauseingangsbereiche, der Vereinheitlichung und Vergrößerung der Fensterformate und der energetischen Sanierung, insbesondere die Maßnahmen der Erneuerung der Balkone.

Der Gestaltungsbeirat sieht auch den Vorteil der nun vorgelegten Konzeption, die Aufstockung des Gebäudes nicht mehr mit einem Staffelgeschoss mit Flachdach, sondern mit einem Vollgeschoss mit einem Giebeldach realisieren zu wollen. Denn nur so ist eine Einfügung in den städtebaulichen Charakter der Umgebung, insbesondere im Anschluss an das Nachbargebäude in der Tullastraße gewährleistet. Das Gremium begrüßt auch, dass in diesem Zuge die gestalterisch und konstruktiv komplizierten Versprünge des bestehenden Daches entfernt werden.

Nicht einverstanden erklärt sich der Beirat allerdings mit dem geplanten Anschluss der Aufstockung und Dachausbildung an das Nachbargebäude in der Tullastraße, das mit seinem steil aufragenden Dach und der dichten Folge von Dachgauben ein sehr markantes Erscheinungsbild hat. Auch die Ausbildung der stadträumlich bedeutsamen Ecke im Erdgeschoss ist nicht zufriedenstellend.

Der Beirat sieht zwei grundsätzliche gestalterische Möglichkeiten, die Ecke auszubilden und den Anschluss an das Nachbargebäude in der Tullastraße verträglich herzustellen. Gemeinsamkeit beider Lösungen ist, das Erdgeschoss an der Ecke bis zur Zufahrt zu schließen und adäquat zu nutzen.

 


Die erste Lösungsmöglichkeit geht davon aus, das Dach des Gebäudes in der Tullastraße über Eck fortzusetzen, die Traufe und die Dachneigung aufzunehmen und den Dachraum als zusätzlichen Wohnraum zu nutzen. Straßenseitig können Gauben die Belichtung sicherstellen und hofseitig sind größere Öffnungen gut denkbar. Als Orientierung dienen die drei folgenden Abbildungen, die als Prinzip zu verstehen sind.

In der zweiten Lösungsmöglichkeit wird eine städtebauliche Analogie zu dem Abschlussgebäude der Bebauung entlang der Tullastraße hergestellt. Ein annähernd kubischer Gebäudetrakt, der in der Höhe den First des Nachbarhauses in der Tullastraße, minimal überragt, besetzt die stadträumlich wichtige Ecklage. Die anschließenden geneigten Dächer stoßen an den Eckbaukörper an. Das neue Giebeldach kann so, ohne über Eck geführt zu werden, einfach ausgebildet werden.

Der Gestaltungsbeirat dankt der Bauherrschaft und den Architektenkollegen für die gute Projektvorstellung und das entgegengebrachte Vertrauen. Er weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die beiden Prinzipdarstellungen lediglich als Orientierungshilfe verstehen. Neben einer qualitätvollen architektonischen Durcharbeitung bedürfen sie auch der vertieften bau- und planungsrechtlichen Überprüfung.

Dem Engagement der Heimbau Breisgau eG spricht der Beirat seine Anerkennung aus. Angesichts der stadträumlichen Bedeutung des Vorhabens bittet er um eine Wiedervorlage. Um den weiteren Prozess zu beschleunigen, stellt er in Aussicht, den weiterentwickelten Entwurf auch außerhalb der regulären Sitzungsfolge im Umlaufverfahren zu beraten.