69. Sitzung | 5. Februar 2026, 14 Uhr
TOP 3: Neubau eines Mehrfamilienwohnhauses mit Café und Backshop
Elsässer Straße 42 | Mooswald
Bauherr*in: Heitzmann Verwaltungs GmbH, Bad Krozingen
Planverfasser*in: ARCHITEKTURBÜRO RUCH & PARTNER, Bad Krozingen
Protokoll
Das Projekt liegt in einem derzeit etwas heterogenen Umfeld, das in den kommenden Jahren Teil der städtebaulichen Entwicklung sein wird, die durch das Projekt und den Bebauungsplan „Mooswald Mitte“ angestoßen wurde und planungsrechtlich gesichert werden soll. Das heutige Grundstück ist mit einem nur zweigeschossigen Gebäude bebaut und weist insofern eine geringe bauliche Dichte auf. Insbesondere vor dem Hintergrund seiner im Stadtteil prominenten Lage und den bereits errichteten 4-geschossigen Gebäuden im Umfeld sowie der planerisch beabsichtigten Entwicklung für diesen Abschnitt der Elsässer Straße als Nahversorgungszentrum ist die hier angestrebte höhere Dichte städtebaulich richtig.
Die geplante Erweiterung des Caféangebots sowie die Schaffung zusätzlichen Wohnraums werden an dieser Lage ausdrücklich begrüßt. Der Standort an der Elsässer Straße weist aufgrund der künftigen Quartiersentwicklung ein hohes Potenzial auf. Der in Aufstellung befindliche Bebauungsplan im Quartier ist der planerische Rahmen, der das Baufenster des Projekts vorgibt. In der direkten Nachbarschaft befinden sich bereits mehrere Neubauprojekte, welche den laufenden Transformationsprozess des Quartiers unterstreichen.
Der Gestaltungsbeirat begrüßt, dass in dem Bauvorhaben den Nutzungen im Erdgeschoss, Backshop und Café, noch mehr Gewicht eingeräumt wird. Für die Weiterentwicklung des Projektes spricht der Beirat folgende Empfehlungen aus.
Ziel ist ein geometrisch klarer, wohlproportionierter Stadtbaustein, der sowohl als baulich hervorgehobener Auftakt als auch als baulich angepasster Teil der straßenbegleitenden Bebauung an der Elsässer Straße gelesen werden kann. Erdgeschoss und Obergeschosse sollten gestalterisch konsequent zusammen gedacht werden. Eine klare, durchgehende Volumetrie ist anzustreben; das Volumen sollte bis ins Erdgeschoss geführt werden. „Ausbisse“ im Erdgeschoss sind zu vermeiden, um den Baukörper insgesamt zu beruhigen.
Die vorgeschlagene Bandfassade mit abgerundeten Ecken wirkt im vorliegenden Kontext fremd. Auch die Ausbildung der Ecken durch „Ausbisse“ schwächt die Klarheit der Baukörper-geometrie. Runde Ecken finden in der unmittelbaren Nachbarschaft keine Entsprechung; eine Stärkung der klaren Geometrie des Baukörpers wird empfohlen. Die Seitenfassade zum bebauten (nordwestlichen) Nachbargrundstück sollte stärker in die Gesamtkomposition eingebunden werden. Für die Fassadengestaltung ist eine wertige Materialität anzustreben. Eine Ausführung als WDVS sowie eine weiß-graue Erscheinung werden kritisch beurteilt. Angesichts des wichtigen Standorts wird der Einsatz hochwertiger Materialien als wesentlich erachtet.
Das vorgeschlagene Attikageschoss ist in diesem Kontext untypisch und verunklärt die Lesbarkeit des Baukörpers. Für die Neubauten wird eine viergeschossige Ausbildung als Abschluss der Häuserzeile präferiert. Gegenüber einem fünften Obergeschoss bestehen Vorbehalte; dieses wäre allenfalls nur bei einer gestalterisch sehr überzeugenden Lösung vertretbar. Die Frage der Geschossigkeit wird dabei ausdrücklich als qualitative Fragestellung verstanden.
Die Freiraumgestaltung sollte nochmals überarbeitet werden. Derzeit ist der Versiegelungsgrad des Grundstücks sehr hoch und der Außenraum wird stark durch PKW-Stellplätze geprägt. Insbesondere die Kombination aus schräger und senkrechter Aufstellung sowie der Einsatz von Doppelparkern dominieren den Freiraum und mindern dessen Aufenthaltsqualität.
Der Gestaltungsbeirat bedankt sich bei der Bauherrschaft und dem Architekturteam für die Präsentation des Bauvorhabens. Eine Wiedervorlage des überarbeiteten Projekts wird gewünscht.