65. Sitzung | 22. Mai 2025, 14 Uhr
TOP 5: Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses
Paul-Ehrlich-Straße 4 - 8 | Brühl
Bauherr*in: Unmüssig Projektgesellschaft XXXmbH, Freiburg
Planverfasser*in: Sacker Architekten GmbH, Freiburg
BHM Planungsgesellschaft mbH, Freiburg
Art der Beratung: Erstberatung
Beratung in öffentlicher Sitzung, Präsenz
Protokoll
Das Bauvorhaben muss verschiedenen stadträumlichen, gestalterischen und funktionalen Anforderungen gerecht werden, was die Aufgabe erschwert. Das Gebäude ist dem Lärm der Güterbahn ausgesetzt. Deshalb war es ursprünglich als Gewerbebau vorgesehen und muss sich nun als Wohngebäude vor dem Lärm schützen und gleichzeitig zur Paul-Ehrlich-Straße Gesicht zeigen. Zudem hat das Gebäude anspruchsvolle Nachbarn, auf die sensibel reagiert werden muss: Die denkmalgeschützte, alte Lokhalle vis-à-vis, der Neubau von Falk-Pharma mit dem sich aufspannenden Platz im Norden und die Wohnbebauung im Inneren des Baublocks. Überdies sind die Dispositionsmöglichkeiten auf dem Grundstück sehr eingeschränkt und mit den Festsetzungen des Bebauungsplanes ist der Rahmen eng abgesteckt. Und die Geschichte des Bauvorhabens drückt sich auch in einer wirtschaftlichen Last aus.
Unter Berücksichtigung der erschwerten Rahmenbedingungen würdigt der Gestaltungsbeirat das vorgelegte Konzept, vor allem die architektonische Ambition, in der Anmutung des Gebäudes und in der Farbgebung auf den stadträumlichen Kontext einzugehen. Insbesondere die Idee einer Großform, die an die legendären, historischen Gewerbebauten erinnern soll, und nur mit der strengen Anordnung der Laubengänge und einer Andeutung von Lisenen eine Gliederung erfährt, wird vom Beirat grundsätzlich geteilt.
Auch wenn es einige gestalterische Setzungen gibt, die kontrovers beurteilt werden, wie beispielsweise die Farbgebung, so liegt das zentrale Problem des Bauvorhabens in der Überforderung des Grundstücks und des Stadtraums durch eine zu hohe bauliche Dichte, die mit einer GFZ von 3,46 annähernd einen Punkt über dem Maß des Bebauungsplanes liegt und auch die schon erhöhte Dichte der südlich angrenzenden Eckbebauung deutlich überschreitet. Auch in der Höhe wird das zulässige Maß nicht eingehalten. Die hohe Dichte schlägt sich zudem in weiteren Problemen nieder, in der Unterbringung der Auto- wie der Fahrradstellplätze in der Freiraumgestaltung und der Ausstattung des Grundstücks mit großkronigen Bäumen, was in der Summe die Überforderung des Grundstücks deutlich macht.
Der Beirat kommt deshalb zu der vorrangigen Empfehlung, die Dichte deutlich zu reduzieren und die vorgegebene Höhe nicht zu überschreiten, um mit allen Anforderungen, die der Bebauungsplan aufzeigt, zurecht zu kommen.
Darüber hinaus empfiehlt der Beirat, die Stirnseite des Gebäudes, die zum neuen Platz zeigt, prägnanter zu gestalten.
Und es ist angesichts der Nachfragesituation und einer nachhaltigen Konzeption zu überdenken, ob das Erdgeschoss ausschließlich für eine Single-Tenant-Lösung organisiert werden soll. Bei einer größeren Kleinteiligkeit des Erdgeschosses bedarf es auch einer entsprechenden Gestaltung der Vorzone, was der Beirat für mehr Korrespondenz von Erdgeschoss und öffentlichem Raum begrüßen würde.
Und schließlich sollten die Fahrradstellplätze so angelegt werden, eventuell auch im Parkgeschoss, dass eine großzügigere Freiraumgestaltung mit den geforderten Bäumen möglich wird.
Der Gestaltungsbeirat würdigt die intensive Auseinandersetzung mit dem Bauvorhaben und das entgegengebrachte Vertrauen. Die genannten Punkte sollten in der weiteren Planung präzisiert und überarbeitet werden. Eine erneute Beratung im Beirat wird empfohlen.