Im ersten Wahlgang klar durchgesetzt
Martin Horn bleibt weitere acht Jahre OB

Klare Entscheidung: Am Sonntag, 26. April, kommentierte Andreas Kern vom Wahlamt die eingehenden Auszählungsergebnisse der OB-Wahl live auf der Bühne – und konnte schon früh einen Trend feststellen, der sich am Ende bestätigte: Martin Horn lag nicht nur in (fast) allen Wahlbezirken vorn, sondern konnte bereits im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit der Stimmen erreichen.
52,9 Prozent für Martin Horn
„Danke, Freiburg!“, sagte der gerade im Amt bestätigte alte und neue Oberbürgermeister, als er unter dem Jubel seiner Anhänger*innen um 19.23 Uhr die Bühne vor dem Rathaus betrat. Mit fast 53 Prozent der abgegebenen Stimmen knackte er bereits im ersten Wahlgang die 50-Prozent-Marke. Der nicht zuletzt angesichts der großen Bewerber*innenzahl von vielen erwartete zweite Wahlgang ist deswegen nicht erforderlich.
In einer ersten kurzen Ansprache zeigte sich Horn dankbar und erleichtert. Sein Wahlergebnis wertete er als Rückendwind für die „Verlässlichkeit, Glaubwürdigkeit und die Inhalte, die ich biete“. Dass eine Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder seine Konkurrentin Monika Stein unterstützt hat, wollte er nicht überbewerten. Das sei vor acht Jahren auch nicht anders gewesen. Und trotzdem seien mehr als 90 Prozent aller Entscheidungen von breiten Mehrheiten im Gemeinderat getroffen worden. „Dafür werde ich mich weiter einsetzen.“ Es sei die „gemeinsame Aufgabe, diese Stadt in den nächsten acht Jahren zusammen zu gestalten. Ich bin sehr guter Dinge, dass uns das überparteilich im Gemeinderat gelingen wird.“
Verteilung der restlichen Stimmprozente
Auf dem zweiten Platz landete die unter anderem von den Grünen und der Linken unterstützte Monika Stein. Die parteilose Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war genau wie Horn bereits vor acht Jahren angetreten. Mit 29,6 Prozent lag sie rund fünf Prozent über ihrem 2018er-Ergebnis. Damals hatte sie im ersten Wahlgang 26,2 und im zweiten Wahlgang 24,1 Prozent der Stimmen geholt.
Mit 10,5 Prozent der abgegebenen Stimmen landete der von der CDU unterstützte, selbst aber keiner Partei angehörende Unternehmer Achim Wiehle auf Platz drei. Platz vier belegte der als unabhängiger Kandidat angetretene Lehrer Dejan Mihajlović mit 2,5 Prozent der Stimmen, dicht gefolgt vom AfD-Kandidaten Karl Schwarz, der 2,2 Prozent erreichte. Die vier weiteren Kandidaten blieben jeweils deutlich unter zwei Prozent und spielten für das Endergebnis keine Rolle.
Person statt Partei
Wie sehr bei der OB-Wahl die Persönlichkeit im Fokus steht, zeigt der Vergleich mit den Ergebnissen der Landtagswahl: Martin Horn, Monika Stein, Achim Wiehle und Karl Schwarz wurden zwar von Parteien unterstützt, die auch bei der Landtagswahl angetreten waren, verfehlten aber deren Ergebnis sehr weit. Im Positiven gilt das für Martin Horn: Sein Stimmenanteil war fast zehnmal höher als der, den die SPD im März erreichte. Ganz anders die Situation bei Monika Stein: Sie holte weniger als die Hälfte des Stimmanteils, den Grüne und Linke bei der Landtagswahl in Freiburg für sich verbuchen konnten. Auch Achim Wiehle und Karl Schwarz blieben mit jeweils rund fünf Prozentpunkten deutlich unter den Ergebnissen, die CDU und AfD bei der Landtagswahl hatten.
Höchste Wahlbeteiligung seit 1982
Erfreulich ist die Wahlbeteiligung: Mit 56,1 Prozent lag sie fast sechs Prozentpunkte höher als im ersten Wahlgang 2018 und mehr als vier Prozentpunkte höher als beim damals notwendigen zweiten Wahlgang. „Das ist für OB-Wahlen ein sehr guter Wert und sicherlich auch der großen Anzahl von Kandidierenden zu verdanken“, sagt Andreas Kern vom Wahlamt.
Zum Vergleich: Seit 1982 wurde bei keiner Oberbürgermeisterwahl ein höherer Wert erzielt; Tiefpunkt waren 45,2 Prozent im Jahr 2010, als Dieter Salomon im ersten Wahlgang knapp die absolute Mehrheit erreichte. 1982, als Rolf Böhme (SPD) im zweiten Wahlgang hauchdünn seinen CDU-Mitbewerber Sven von Ungern-Sternberg, der nach dem ersten Wahlgang noch in Führung gelegen hatte, überflügelte, lag die Beteiligung aber noch bei knapp 70 Prozent – so wie bei allen Nachkriegs-OB-Wahlen seit den 1960er-Jahren.
Horn fast überalldeutlich vorn

Horn gewinnt auch in Hochburgen von Grünen, CDU und AfD stark
Von den 199 Wahlbezirken konnte die schärfste Konkurrentin Monika Stein nur 16 Urnen- und zwei Briefwahlbezirke für sich entscheiden. In einem Urnenwahlbezirk in der Oberwiehre lagen Martin Horn und Monika Stein mit jeweils 153 Stimmen exakt gleichauf. Alle anderen Wahlbezirke wurden von Martin Horn teils mit sehr deutlichem Abstand zu seinen Konkurrent*innen gewonnen. Besonders auffällig sind die hohen Zustimmungswerte am Tuniberg.
Betrachtet man die Ergebnisse in den Stadtbezirken (hier sind sowohl die Briefwahl- als auch die Lokalwahl-Ergebnisse enthalten), fällt bei Martin Horn die Suche nach Schwachstellen schwer: Selbst in seinem schwächsten Stadtbezirk – Vauban – holte er 41,9 Prozent. Nur hier und im Altstadt-Ring musste er Monika Stein den Vortritt lassen.
Ungefährdeter Sieg
Wie eindeutig und ungefährdet der Wahlsieg von Martin Horn war, zeigt sich auch daran, dass es ihm gelang, in 26 der 35 Stadtbezirke mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen auf sich zu vereinigen und damit dort die absolute Mehrheit zu holen. Interessant ist zudem die Betrachtung seiner Hochburgen: Sowohl am Tuniberg, wo traditionell die CDU ihre stärksten Ergebnisse erzielt, als auch in vielen Stadtbezirken, die sonst deutlich von den Grünen dominiert werden, hatte er weit überdurchschnittliche Zustimmungswerte – zum Beispiel im Waldsee: Dort holten die Grünen bei der Landtagswahl im März 57,2 Prozent der Stimmen – und Martin Horn jetzt 55,9 Prozent. Dieses Muster zieht sich quasi durchs ganze Stadtgebiet.
Horn konnte aber auch dort punkten, wo die Grünen es am ehesten schwer haben. In Landwasser und Weingarten holte die Partei des kommenden Ministerpräsidenten Cem Özdemir beispielsweise bei der Wahl im März nur jeweils knapp unter 32 Prozent; Horn kam in beiden Stadtteilen jetzt auf deutlich über 50 Prozent. Dass die AfD dort bei der Landtagswahl jeweils rund 20 Prozent der Stimmen bekam, konnte ihr OB-Kandidat Karl Schwarz nicht für sich nutzen: Zwar erzielte auch er dort seine besten Ergebnisse, blieb aber weit hinter dem AfD-Ergebnis zurück.
Die von Grünen und Linken unterstützte Monika Stein bekam im Vauban zwar fast 50 Prozent der Stimmen, blieb in fast allen anderen Stadtbezirken aber weit hinter Martin Horn – besonders deutlich am Tuniberg und in Hochdorf, wo sie teils über 50 Prozentpunkte hinter ihm blieb. Der mit Unterstützung der CDU angetretene Achim Wiehle konnte dem Amtsinhaber Horn nirgendwo auch nur ansatzweise gefährlich werden. Sein bestes Ergebnis fuhr er mit 21 Prozent der Stimmen in Hochdorf ein, traditionell am schwächsten war er im Vauban, wo er gerade einmal 97 Stimmen bekam (3,5 %).
300.000 Euro gespart
Da die übrigen sechs Kandidaten zusammen nur auf einen Stimmenanteil von weniger als sieben Prozent kamen, erreichte Martin Horn somit souverän bereits im ersten Wahlgang die erforderliche absolute Mehrheit. 48.543 Stimmen hätten ihm dafür genügt, tatsächlich bekam er 2767 Stimmen mehr. Damit ersparte er nicht nur sich und der Zweitplatzierten Monika Stein weitere drei Wochen Wahlkampf, sondern der Stadtverwaltung auch rund 300.000 Euro, die ein zweiter Wahlgang gekostet hätte.
Keinen Einfluss auf das Endergebnis nahmen die 53 Wähler*innen, die sich für keine der neun zur Wahl stehenden Personen entscheiden konnten, sondern in der freien Zeile einen eigenen Vorschlag machten. 14-mal tauchte dort, wenig überraschend, der Name von Sportclub-Trainerlegende Christian Streich auf. Jeweils zwei Stimmen gingen an Horns Vorgänger Dieter Salomon und den Tübinger OB Boris Palmer.
Ost-West-Gefälle
Bei der Wahlbeteiligung zeigt sich das für Freiburg gewohnte Bild einer Ost-West-Teilung entlang der Güterbahnlinie. Auch bei dieser OB-Wahl lag die Beteiligung im Osten höher, als dies im Westen der Stadt der Fall war. Dabei ragen die Stadtbezirke Vauban (71,3 %), Oberwiehre (69,3 %), Mittelwiehre (68,2 %) und Ebnet (67,2 %) heraus – hier haben jeweils mehr als zwei Drittel der berechtigten Personen von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Weniger als die Hälfte der Wahlberechtigten wählten nur in fünf Stadtbezirken. Hierzu zählen Brühl-Güterbahnhof/ Brühl-Beurbarung (48,7 %), Mooswald-Ost (48,3 %) sowie Haslach-Gartenstadt (46,2 %). Mit deutlichem Abstand die geringste Beteiligung lässt sich in den beiden in den 70er-Jahren entstandenen und von Hochhäusern geprägten Stadtbezirken Landwasser (38,4 %) und Weingarten (35,9 %) feststellen.
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 910 vom 9. Mai 2026. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!