Sommercamp für 30 Kinder aus Lviv
Eine kleine Auszeit vom Krieg

Zwei Wochen lang waren 30 Kinder aus Freiburgs ukrainischer Partnerstadt Lviv zu Gast in Freiburg. Bei einem Feriencamp vom 25. August bis zum 5. September konnten sie sich vom Kriegsalltag in ihrer Heimat erholen und Erlebtes verarbeiten.
Bereits zum vierten Mal hat die Stadt Freiburg ein Sommercamp für Kinder aus Lviv organisiert. „Leider auch in diesem Jahr wieder“, sagte Anke Wiedemann, Teamleiterin Internationales, mit Bezug auf den seit dreieinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg. Die Kinder sind zwischen 9 und 14 Jahre alt und haben ihre Väter im Krieg verloren; manche werden vermisst, einer befindet sich in russischer Gefangenschaft. „Wir möchten ihnen eine kleine Auszeit vom Krieg ermöglichen, ohne Sirenenalarm“, so Wiedemann.
Struktur und Natur
Übernachtet haben sie in der Jugendherberge, tagsüber nahmen sie an der Sportferienfreizeit der Freiburger Turnerschaft (FT) teil, konnten schwimmen, Fußball spielen oder Rollschuh laufen. „Das gibt ihnen Struktur“, sagte die ukrainische Psychologin Nataliia Mraka, die die Kinder zusammen mit zwei Sportpädagoginnen und einer Krankenschwester begleitet hat. Sie alle kamen mit dem Bus nach Freiburg. Am Wochenende ging es dann raus in die Natur: ins Waldhaus und auf den Schauinsland.
Möglich wurde all das mit Unterstützung nicht städtischer Akteure wie der FT und durch eine Spende der Sparkasse. Auch die VAG und die Stadtbau unterstützten, etwa mit Tickets für die Schauinslandbahn oder das Strandbad.
Doch nicht nur Sport und Freizeit standen im Fokus der beiden Wochen: Abends nach dem Essen fanden sich die Kinder zur Gruppentherapie zusammen. Dabei ging es unter anderem darum, über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft zu sprechen, erklärte die Psychologin. Letzteres sei schwierig gewesen: „Die Kinder können gar nicht mehr träumen. Wir sagen ihnen dann: Eure Zukunft ist auch morgen.“ Das mache es leichter.
Lachen und weinen
Viele seien anfangs sehr verschlossen und still gewesen, so Mraka. „Sie trauen sich nicht, sich zu freuen, und fühlen sich schuldig, wenn sie mal lachen, obwohl ihr Vater gestorben ist.“ Andere könnten nicht weinen und trauern. „Wenn sie dann andere Kinder weinen sehen, merken sie: Das darf ich auch, und das tut gut. Wir sagen ihnen, dass Menschen mit großen Herzen ihre Seelen heilen können.“
In den beiden Wochen hätten sich die Kinder immer mehr geöffnet und kommuniziert, erzählt die Psychologin: „Nach ein paar Tagen haben sie die Menschen hier auch mit ‚Hallo‘ begrüßt. Sie sagen, die Menschen in Freiburg sind viel fröhlicher und lachen mehr – das tut ihnen gut.“ Wenn sie wieder in Lviv sind, gebe es ein Nachtreffen, und auch psycholgische Unterstützung werde ihnen weiterhin angeboten.
Zum Ende des Camps hat Nataliia Mraka den Kindern kleine bunte Steine geschenkt und sie gefragt: Was nehmt ihr mit aus Freiburg? Die Antwort: „Meine gute Laune. Meine Freunde, mit denen ich hier war. Und dass ich jetzt über vieles sprechen kann.“
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 894 vom 13. September 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!