Museum für Neue Kunst
Sonderausstellung zu Marta Kuhn-Weber

"Marta! Puppen, Pop & Poesie" ist der Titel der Ausstellung, in der das Museum für Neue Kunst das Werk der lange in Vergessenheit geratenen Künstlerin Marta Kuhn-Weber zeigt. Gelebt hat die Malerin, Bildhauerin und Puppenmacherin von 1903 bis 1990, unter anderem in Freiburg.

Mick Jagger, Brigitte Bardot, Marylin Monroe, Salvador Dalí – sie alle wurden von Marta Kuhn-Weber als Puppe verewigt und sind – zusammen mit 33 weiteren Puppen, Grafiken, Fotografien, Selbstporträts und Gedichten – nun bis 21. September in Freiburg zu sehen. Alte Film- und Fernsehbeiträge, Musik sowie zeitgenössische, teils KI-generierte Foto- und Videoarbeiten ergänzen die Schau.
Eine der beiden Kuratorinnen, Museumsleiterin Christine Litz, stieß vor vier Jahren eher zufällig auf eine Publikation der Kunsthochschule Karlsruhe aus den 1920er-Jahren mit Werken von Kuhn-Weber. Auf ihrer Spurensuche in Karlsruhe, Niedersachsen, Paris und im Süden und Westen Frankreichs trug sie 450 Werke zusammen, die das Schaffen der Künstlerin von der Studienzeit bis zu ihrem Tod nachzeichnen.
Puppen als Notlösung
In den 1950er-Jahren wohnte Kuhn-Weber mit Mann und Sohn in der Beethovenstraße in Freiburg. Ihr Mann war Filmemacher, hatte jedoch in dieser Zeit wenig Erfolg, weshalb die Familie unter prekären Umständen lebte. Material für künstlerische Arbeiten gab es nicht, sodass sich die geborene Saarbrückerin eher aus der Not heraus wieder dem Puppenmachen zuwandte. Zwanzig Jahre zuvor hatte sie so schon Trickfilme gestaltet. Die Rosshaarpolsterung der familieneigenen Sessel musste für die Füllung der Puppen herhalten.
Hier in Freiburg entstanden so die ersten der teilweise über 1,20 Meter großen Puppen, zunächst Clowns und Fabelgestalten, später auch Menschen aus dem Rotlichtmilieu, Film- und Musiksstars oder literarische Figuren. Allesamt thematisieren sie gesellschaftliche Rollenbilder, Gender und Sexualität.
Auch die Künstlerin selbst erscheint auf zahlreichen inszenierten Fotografien und gemalten Selbstporträts puppenartig. Wie eine Kunstfigur trat sie zeitweise auch im Alltag auf, mit weiß geschminktem Gesicht und blauen Lippen. „Sie lebte in ihrem Werk, mit ihrem Werk und als ihr Werk“, beschreibt Litz diese Verschmelzung von Künstlerin und Kunst. So wie sich Kuhn-Weber selbst als Figur präsentierte, so sollen ihre Puppen dennoch die Persönlichkeit des dargestellten Menschen greifbar machen.
Das gelingt auch durch die immer wieder überraschende Präsentation der kunstvoll restaurierten Puppen. Litz und ihre Co-Kuratorin Verena Faber banden dafür die Puppenspielerin Vanessa Valk und den Szenografen Jens Burde ein. Entstanden sind so nicht nur filmische Animationen der Puppen, sondern auch ein Raum im Raum, in dem die Puppen scheinbar ihr eigenes Leben leben. Durch ungleiche Fenster und Gucklöcher – mal hoch, mal niedrig, mal rund, mal eckig – können die Besucher*innen ganz unterschiedliche Szenerien erleben.
Musik damals und heute
Ein Ausstellungsraum ist der Musik gewidmet. Auf drei Bühnen präsentieren sich die Puppen von Janis Joplin, Julie Driscoll und Mick Jagger. Über Kopfhörer läuft die passende Musik, und Musikinteressierte können über QR-Code gleich auf eine Marta-Spotify-Playlist zugreifen. Diese Vermischung von Kunst und Realität, von Vergangenheit und Gegenwart geht allerdings noch einen Schritt weiter. Der Künstler Boris Eldagsen verwandelt gedanklich auch Taylor Swift in eine Kuhn-Weber-Puppe und kreiert ein KI-generiertes Musikvideo, in dem „Jick Magger und Sailor Twift“ den Song „Unsatisfied“ performen.
Beim Gang durch die Ausstellung wird klar: Marta Kuhn-Weber war extravagant, selbstbewusst und unkonventionell. Grenzen akzeptierte sie nicht – weder in ihrem Denken noch in ihrer Kunst. Mit 13 begann sie eine Ausbildung als Steinmetzin und studierte ab 1923 als eine der wenigen Frauen an der Badischen Landeskunstschule in Karlsruhe, war Mitherausgeberin der satirischen, linken Künstlerzeitschrift ZAKPO und gründete ein Trickfilmatelier. Nach Stationen in Berlin, Freiburg, Basel und dem Elsass lebte sie seit Mitte der 1960er-Jahre bis zu ihrem Tod in ihrer Wahlheimat Paris, wo sie erfolgreich eine eigene Galerie betrieb und Ausstellungen hatte.
Ein bisschen Marta spielen und kreativ werden können Besucher*innen, indem sie eine Blankopuppe mit Augen, Mund, Haaren und Accessoires versehen und ein Foto davon an einer Pinnwand oder in den sozialen Medien hinterlassen.
Infos, auch zum umfangreichen Begleitprogramm, unter www.museen.freiburg.de/mnk.
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 884, am 29. März 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!