Kicken mit unrunden Bällen

Ausstellung „Spielfeld. Sport und Kunst“ im Museum für Neue Kunst

Vier Personen versuchen mit Hindernissen auf der Platte, Tischtennis zu spielen
Nach neuen Regeln: Wenn Hindernisse auf der Tischtennisplatte stehen oder Bälle nicht rund sind, stoßen Gewohnheiten schnell an ihre Grenzen – und öffnen die Chance für neue Sicht- und Herangehensweisen. (Foto: B. Strauss)

Eine ganz und gar ungewöhnliche Ausstellung ist seit voriger Woche im Museum für Neue Kunst zu sehen. Wobei die Worte „Ausstellung“ und „sehen“ ein bisschen in die Irre führen. Denn bei „Spielfeld. Sport und Kunst“ geht es vor allem ums Ausprobieren und Hinterfragen.

Das Projekt entstand in Kooperation mit den Vereinen Benefit und Ring Freiburg, die gemeinsam mit dem Museum Wege zu mehr Teilhabe entwickeln. Die Schirmherrschaft hat Sportclub-Trainerlegende Christian Streich übernommen und zu vielen Kunstwerken Audiokommentare beigesteuert, die über QR-Codes in der Ausstellung abgerufen werden können.

Bewegung als Thema

(Foto: B. Strauss)

Das Kuratorinnenteam um Museumsleiterin Christine Litz steht sinnbildlich für eine ganz wesentliche Komponente von Sport – das Miteinander. In diesem Fall hat das Miteinander für eine sehr abwechslungsreiche und im wahrsten Sinne bewegende Ausstellung gesorgt.

Lädt zum Ausprobieren ein

Denn in jedem Raum sind die Besucher*innen gefragt, selbst Teil der Ausstellung zu werden. Beispielsweise bei „PINGPINPOOLPONG (or how I learned to laugh at failure)“, einer Installation von Basim Magdy: Auf einer Tischtennisplatte machen variabel einsetzbare Hindernisse die Flugbahn des Balles unkontrollierbar. Vier Schläger liegen bereit und fordern dazu auf, neue Spielregeln zu finden – und am besten gemeinsam über die zwangsläufig passierenden Fehler zu lachen.

Das Eckige im Runden

Irritation rufen auch die fast eckigen Bälle aus Mario* Sinnhofers Arbeit „VFB versus BALL“ hervor. Handelt es sich hierbei um Sportgeräte oder künstlerische Objekte? Oder beides? Sinnhofers Bälle werden inzwischen auch von Profivereinen für das Training verwendet, denn das ungewohnte Roll- und Sprungverhalten ist herausfordernd.

Fragezeichen verursacht auch das von der Konzeptkünstlerin Yoko Ono 1966 geschaffene Schachspiel, in dem alles komplett Weiß gehalten ist: Schachbrett, Figuren, Tisch und Stühle: „Play It By Trust“ lenkt den Blick auf Vertrauen, Erinnerung und die gemeinsame Herausforderung – Schwarz-Weiß-Denken ist hier jedenfalls fehl am Platz.

Insgesamt 17 internationale Künstler*innen hinterfragen in teils raumgreifenden Werken soziale, kulturelle und gesellschaftliche Dimensionen des Sports. Als Massenphänomen verbindet er Menschen und stiftet Identität. Gleichzeitig sind Zugangshürden allgegenwärtig. Welche Erwartungen, Vorstellungen und Vorurteile prägen unseren Blick? Was bedeuten Hindernisse und Verletzlichkeit im Sport? Welche Rolle spielen Gewinnen und Verlieren? Die Ausstellung spürt diesen und weiteren Fragen nach und erprobt neue Formen des Zusammenspiels: Was geschieht, wenn man Regeln verändert oder völlig neu denkt? Funktionen und Formen von Sportgeräten abwandelt? Oder Sport vom Leistungsgedanken befreit? 

Mehr als Museum

Ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt die Ausstellung. Schnupperkurse von Benefit, die sich zum Teil auch an Rollstuhlfahrer*innen richten, geben die Möglichkeit, wöchentlich eine andere Sportart zu erproben – von Line Dance über Capoeira bis hin zu Pilates. Der Künstler Georg Winter bietet einen Bewegungs- und Trainingsworkshop zur „Annemarie-Methode“ an, der den Umgang mit Barrieren praktisch erlebbar macht. Digitale Künstler­*innen­gespräche mit Thenjiwe Niki Nkosi und Guido van der Werve vertiefen inhaltliche Fragen der Ausstellung. Ein Poetry Slam zum Thema „Höher, schneller, weiter?“ übersetzt sportliche Narrative in poetische Formen. Auch für kleine Sport- und Kunstfans heißt es bei Familienveranstaltungen: kicken, werfen, jonglieren und mutig Regeln hinterfragen.

Alle aktuellen Veranstaltungen und Tickets gibt es unter www.museen.freiburg.de/mnk/sonderausstellungen-mnk.

Öffnungszeiten:
  • Di – So 10 – 17 Uhr,
  • Do bis 19 Uhr.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 910 vom 9. Mai 2026. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 12. Mai 2026