Endlose Küste und einsame Strände

Licht und Landschaft: Das Augustinermuseum präsentiert Werke des Impressionismus aus der Normandie

Zwei Frauen stehen vor einem Gemälde
Mal ruhige, mal aufgewühlte See, mal ­Küste, mal Hinterland – die Ausstellung zeigt ganz unterschiedliche Facetten der Normandie, wie etwa Claude Monets „Temps calme, Fécamp“. Mirja Straub und Jutta Götzmann (v. l.) haben sie für das Augustinermuseum adaptiert. (Foto: Seeger / Stadt Freiburg)
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Mal ruhige, mal aufgewühlte See, mal ­Küste, mal Hinterland – die Ausstellung zeigt ganz unterschiedliche Facetten der Normandie, wie etwa Gustave Courbets „Seestück, stürmisches Wetter“. (Foto: Région Normandie, P. Merret)
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Mal ruhige, mal aufgewühlte See, mal ­Küste, mal Hinterland – die Ausstellung zeigt ganz unterschiedliche Facetten der Normandie, wie etwa „Der Garten in Amfreville“ von Vuillard Edouard. (Foto: Région Normandie, P. Merret)

Schroffe Felsen, lange Strände oder ­flirrende Lichtreflexe auf der Seine – für die Maler*innen des 19. Jahrhunderts bot die Normandie mit ihren Naturschauspielen eine Fülle an Motiven. Wie sie diese auf die Leinwand gebannt haben, zeigt das Augustinermuseum in seiner neuen Ausstellung „Licht und Landschaft: Impressionisten in der Normandie“.

Zu sehen sind 72 Werke von 35 Künstlern und einer Künstlerin, darunter Pierre Bonnard, Gustave Courbet, Claude Monet und Berthe Morisot. Die Ausstellung basiert auf der Sammlung „Peindre en Normandie“ (Malen in der Normandie) und legt den Fokus auf Frankreich im 19. Jahrhundert – geprägt von Industrialisierung, Urbanisierung und technischem Fortschritt. Der Ausbau der Eisenbahn und die Eröffnung der Strecke von Paris nach Le Havre 1847 machten es den Künstler*innen leicht, in die Normandie zu reisen.

Natur als Motiv

Inspiriert von englischer Landschaftsmalerei entdeckten sie die Natur als eigenständiges Motiv. „Hier dient die Landschaft nicht nur als Kulisse, sondern sie wird für sich genutzt“, erklärt Mirja Straub,  Co-Kuratorin am Augustinermuseum. Sie hat die Ausstellung zusammen mit Museumsdirektorin Jutta Götzmann und mit Unterstützung der Volontärin Camilla Brantl für Freiburg adaptiert.

Dank Erfindungen wie Malkästen, Farbtuben und klappbaren Staffeleien war es möglich, „en plein air“ zu malen, also unter freiem Himmel. „Allerdings mussten sie schnell malen, da das Wetter in der Normandie sehr schnell wechselt“, so Götzmann. So findet sich auf einem Werk der Fingerabdruck des Künstlers, der seine Leinwand wohl eilig wieder einpacken musste, auf einem anderen entdeckt man bei genauem Hinsehen Sandkörner in den Wellen – atmosphärische Momentaufnahmen, die typisch sind für den Impressionismus.

Die Ausstellung zeigt die Normandie als Inspirationsquelle – etwa das Landgut Saint-Siméon bei Honfleur, das als Treffpunkt für Kreative diente. Unter Apfelbäumen diskutierten Künstler wie Corot, Boudin, Jongkind und der junge Monet ihre Ideen, Skizzen und Techniken. Rund 30 Kunstschaffende machten dort Station und legten den Grundstein für den Impressionismus in der Normandie.

Beliebtes Urlaubsziel

Ab Mitte des Jahrhunderts wurde die normannische Küste zum Urlaubsziel für Menschen aus der Stadt. Fischerdörfer verwandelten sich durch Hotels, Badeanstalten und neue Gäste in lebhafte Seebäder – eine Entwicklung, die auch Eingang in die Kunst fand. So hielt Eugène le Poittevin eine Gruppe Badender in dem beliebten Urlaubsort Étretat fest – ein Motiv, das damals auch als Postkarte vertrieben wurde. 

Viele Impressionist*innen gingen dem touristischen Trubel jedoch aus dem Weg und suchten die stille, unberührte Natur. So malte Claude Monet bewusst in der Nebensaison und fing mit mehreren Leinwänden das wechselnde Licht ein. Sein Prinzip der „solitude“ (Einsamkeit) prägte die Motive – flüchtige Stimmungen wurden draußen skizziert und im Atelier weiterentwickelt. Gleichzeitig wandten sich viele Künstler*innen dem einfachen Leben an der Küste zu. Fischer, Muschelsammler oder Marktfrauen wurden zum Sinnbild einer naturverbundenen Lebensweise. Boudin, Daubigny oder Jongkind hielten diese Szenen in atmosphärischen Bildern fest: stille Figuren vor endloser Küste, einsame Strände und das tägliche Leben am Meer.

Licht, Wasser, Bewegung

Die Seine, Bindeglied zwischen Paris und der Normandie, wurde zu einem weiteren Schlüsselmotiv. Zwischen Rouen und Le Havre entdeckten Künstler*innen das Spiel von Licht, Wasser und Bewegung. Einige, wie Monet oder Daubigny, arbeiteten sogar vom Boot aus – um die flirrenden Reflexe des Flusses direkt vom Wasser aus einzufangen.

Auch das normannische Hinterland inspirierte viele, und die sanft gewellte Landschaft mit Ackerbau, Viehzucht und Fachwerkhöfen fand ihren Weg auf die Leinwand. Auch diese Werke sind Teil der von Alain Tapié kuratierten und in den 1990er-Jahren in Caen gegründeten Sammlung. Zu sehen war sie bereits in Italien, Südkorea, den USA und in Münster – jetzt gastiert sie bis 30. November im Augustinermuseum.

Augustinermuseum, Di – So, 10 – 17 Uhr, Fr, 10 – 19 Uhr, Eintritt: 8 Euro/ermäßigt 6 Euro, unter 27 J. frei. Termine und Infos unter www.museen.freiburg.de/am.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 889 vom 7. Juni 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 16. Juni 2025