Ein vertrautes Netzwerk schaffen

Das Mentorinnen-Programm geht in die nächste Runde

Mehrere Frauen stehen im Kreis und geben sich die Hände
Zusammen kommt man weiter: Sandra Pfeifer und Olena Schneider (v. r.) von der Kontaktstelle organisieren neben fachlichen Vorträgen auch lockere Kennenlern-Veranstaltungen. (Foto: Kontaktstelle Frau und Beruf Freiburg)

Eine berufliche Perspektive zu entwickeln, die zu den eigenen Interessen und Qualifikationen passt, ist für viele Frauen mit Migrationserfahrung herausfordernd. Seit zehn Jahren bekommen sie dabei Unterstützung vom Mentorinnen-Programm der Kontaktstelle Frau und Beruf Freiburg – Südlicher Oberrhein. Für die nächste Runde können sich Interessierte jetzt anmelden.

Neu auf dem deutschen Arbeitsmarkt?

Wer neu auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist, der fehlt es häufig an Orientierung. Welche Qualifikationen sind gefragt? Und wie läuft ein Bewerbungsverfahren ab? Hinzu kommen strukturelle Benachteiligungen: Frauen mit Einwanderungsgeschichte erleben Diskriminierung nicht nur aufgrund ihres Geschlechts, sondern auch wegen Herkunft, Aussehen oder Religion. 

Mit einem starken beruflichen Netzwerk ist es leichter, diese Hürden zu überwinden. „Das fehlt vielen Migrantinnen häufig“, erklärt Olena Schneider von der Kontaktstelle. Dort ist das Mentorinnen-Programm angesiedelt, das genau daran ansetzt: In Tandems bringt es Frauen mit Einwanderungsgeschichte, die auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen, mit berufserfahrenen Frauen aus der Region zusammen. Beide vereinbaren zu Beginn, welche Ziele die Mentee – also die Frau mit Einwanderungsgeschichte – erreichen möchte und wie die Mentorin sie dabei unterstützen kann. In den folgenden neun Monaten besprechen sie regelmäßig, wie sie die gesetzten Ziele umsetzen können.

Start im März

Unterstützung erhalten sie dabei von Olena Schneider und Sandra Pfeifer, die das Programm koordinieren. „Es ist gut zu wissen, dass man sich schnell und unkompliziert bei uns melden kann“, erklärt Schneider im Gespräch mit dem Amtsblatt. „Das ist sehr wertvoll für die Teilnehmerinnen.“ Ein weiterer Baustein sind die Netzwerkveranstaltungen: Bei Workshops, Vorträgen oder Ausflügen lernen sich die 24 Mentorinnen und Mentees auch untereinander kennen. „Uns ist es wichtig, einen Raum zu schaffen, in dem ein vertrautes Netzwerk entstehen kann“, sagt sie.

Obwohl die nächste Runde erst im kommenden März startet, informieren die Mitarbeiterinnen der Kontaktstelle schon jetzt interessierte Mentorinnen und Mentees und bilden Tandems. Alle Frauen mit Migrationserfahrung, die in Deutschland beruflich ankommen möchten, können Mentee werden. Dabei kann es um die Suche nach einer geeigneten Arbeitsstelle oder um Aus- und Weiterbildungen gehen. Mentorin kann werden, wer in Deutschland Berufserfahrung hat und diese teilen möchte.

Und wie bringt man ein passendes Tandem zusammen? „Wir orientieren uns an den fachlichen Zielen und der persönlichen Situation der Mentee“, erzählt Schneider. „Entscheidend ist das Gesamtpaket.“ Neben Branche und Berufserfahrung spielen auch die Lebenssituation und die Persönlichkeit eine Rolle.

Interesse am Austausch

Wichtig ist beiderseitiges Interesse am Austausch: Mentorinnen sollten Freude daran haben, ihre Erfahrungen weiterzugeben, Mentees ein hohes Interesse an ihrer beruflichen Weiterentwicklung mitbringen. Anders als in der klassischen Berufsberatung steht  weniger die reine Information als der persönliche Kontakt im Mittelpunkt: Die Mentees geben die Richtung vor, die Mentorinnen begleiten sie, teilen ihren Erfahrungsschatz und bieten ein offenes Ohr. 

Das hilft, auch schwierige Phasen zu meistern. „Migrantinnen auf Jobsuche brauchen einen langen Atem“, sagt Schneider. Allein aufgrund der Sprachbarriere sei der Weg zur passenden Stelle oft lang. Viele Mentees berichten am Ende der Programmlaufzeit von einem gestärkten Selbstbewusstsein, erzählt die Fachfrau. Mentorinnen profitierten von einem wertvollen Perspektivwechsel: Sie lernen nicht nur andere Lebensumstände kennen, sondern reflektieren häufig auch sich und ihre Karriere.

Unternehmen werden noch mehr eingebunden

Ein Ziel für das nächste Jahr ist es, Unternehmen noch mehr einzubinden. Diese können das Programm unterstützen, indem sie Einblicke in den Arbeitsalltag ermöglichen, zum Beispiel durch Hospitationen oder Praktika. Zusätzlich können sie eigene Mitarbeiterinnen als Mentorinnen vorschlagen. „Für die Mentees ist es enorm wichtig, den Berufsalltag kennenzulernen und mit Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen“, sagt Schneider. So kann ein Netzwerk entstehen, das Frauen mit Einwanderungsgeschichte den beruflichen Einstieg erleichtert.

Das Mentorinnen-Programm führen alle Kontaktstellen in Baden-Württemberg durch. Es wird vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus gefördert und ist von der Deutschen Gesellschaft für Mentoring zertifiziert.

Weitere Infos unter www.frauundberuf-bw.de/kontaktstelle-frau-und-beruf-freiburg.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 899 vom 22. November 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 21. November 2025