Quartier "Westlich der Merzhauser Straße"

Freie Gehwege in der Unterwiehre

Drei Männer stehen vor einem Wohngebäude an einer Kurve.
Raphael Buob (AG fGiQ), Axel Scherwinski (GuT) und Ingo Heckwolf (Quartiersarbeit, v. l.) haben gemeinsam viele Verbesserungen im Quartier erreicht.

Was möglich ist, wenn engagierte Bürger*innen und Stadtverwaltung an einem Strang ziehen, ist beispielhaft in der südlichen Unterwiehre zu sehen. Hier hat die AG „freie Gehwege im Quartier“ viele Vorschläge gemacht, die vom Garten- und Tiefbauamt aufgegriffen wurden.

Zugeparkte Kreuzungen und Gehwege? Haarsträubende Ausweichmanöver auf die Fahrbahn? Slalomläufe mit Kinderwagen und Rollator? All das gehört im Quartier "Westlich der Merzhauser Straße" (weitgehend) der Vergangenheit an. Jetzt halten Markierungen und Fahrradbügel die Kreuzungen frei, Einbahnstraßen und klar geregeltes Parken auf nur noch einer Straßenseite sorgen für freie Wege und sichere Straßenquerungen ohne Sichtbehinderungen.

Wie es zu diesen Verbesserungen gekommen ist, erzählen AG-Mitglied Raphael Buob, Axel Scherwinski vom Garten- und Tiefbauamt (GuT) und Ingo Heckwolf von der Quartiersarbeit Unterwiehre bei einem Rundgang vor Ort. Vor allem für ältere oder gehbehinderte Menschen und Kinder sei die Situation früher sehr problematisch gewesen, berichtet Buob. Zugeparkte Gehwege und Kreuzungen hätten das Durchkommen schwer gemacht und ein erhebliches Sicherheitsrisiko dargestellt. Statt sich über die "untätige Stadtverwaltung" zu ärgern, ergriff er im Zusammenspiel mit weiteren Bewohner*innen, unterstützt von der Quartiersarbeit im Stadtteil, die ­Initiative, und gemeinsam gründeten sie die AG "freie Gehwege im Quartier", kurz: fGiQ.

"Das machen wir"

In unzähligen Sitzungen haben sie die bestehende Situation analysiert und Ideen zur Verbesserung entwickelt. Wie schnell manche davon umgesetzt wurden, bereitet Ingo Heckwolf heute noch eine Gänsehaut: "Als wir bei einer Begehung mit dem GuT aufgezeigt haben, warum wir uns eine Einbahnstraße in der Matthias-Erzberger-Straße wünschen, hat Axel Scherwinski einfach gesagt: Okay, das machen wir!" 

Das konstruktive Vorgehen hat dafür gesorgt, dass auf beiden Seiten das Vertrauen gewachsen ist, dass die einen (die AG fGiQ) keine utopischen Forderungen stellen, und die anderen (das GuT) zuhören und umsetzen, was möglich ist. Quartiersarbeiter Ingo Heckwolf hofft, dass dieses Beispiel Schule macht, denn: "Auch in anderen Stadtteilen stehen viele Veränderungen an." Heckwolf ist fest davon überzeugt, dass bessere Lösungen gefunden werden und hinterher mehr Zufriedenheit herrscht, wenn alle Beteiligten mit ins Boot geholt werden.

Zumindest "Westlich der Merzhauser Straße" hat das auf jeden Fall geklappt, auch wenn noch ein paar Punkte auf der Wunschliste offen sind. Abgesenkte Bordsteine an den Kreuzungen gibt es bislang nur an der Einmündung der Matthias-Erzberger-Straße in die Weddigenstraße. "Das haben wir auf dem Schirm", sagt dazu Verkehrsplaner Axel Scherwinski, er bittet aber um Geduld: "Das geht nicht eben mal so." Ein solcher Umbau ist mit erheblichem Bauaufwand und damit auch Kosten verbunden.

Manchmal reicht es aber auch, ein zusätzliches Schild oder einen Poller aufzustellen, zum Beispiel am Akazienweg. Beim Vor-Ort-Termin parkt hier ein Kleinwagen, der keine Sichtbehinderung darstellt. Ganz oft, so Anwohner Raphael Buob, stehen hier aber auch größere Pkw oder Wohnmobile. Erlaubt ist das nicht – und künftig nicht mehr möglich: Das GuT wird hier demnächst Fahrradbügel installieren, wie Scherwinski erklärt.

Dass mit der Umgestaltung im Quartier viele Parkplätze weggefallen sind, hat für erstaunlich wenig Widerstand gesorgt – wobei der Begriff "Parkplatz" ohnehin in vielen Fällen nicht zutraf. Das Gehwegparken war in den meisten Fällen schon immer illegal, wurde jedoch geduldet. Das ist nach einer Gesetzesänderung jetzt nicht mehr der Fall. Dennoch gab es wenig Ärger. "Viele haben auf der Straße geparkt, obwohl sie einen Tiefgaragenstellplatz hatten", glaubt Heckwolf. Wahrscheinlich haben auch viele Touristen und Pendler den innenstadtnahen Stadtteil zum Parken genutzt, so seine Beobachtung. "Heute sehen wir deutlich weniger Fahrzeuge mit auswärtigen Kennzeichen."

Noch nicht richtig gut klappt dagegen die Wegführung für die Radfahrer*innen; die wählen vielfach die Route durch den verkehrsberuhigten Teil der Langemarckstraße, manche von ihnen preschen mit hoher Geschwindigkeit durch und klingeln Kinder zur Seite – dabei gilt hier Schrittgeschwindigkeit. Deswegen hat das GuT Schilder aufgestellt, die den Radler*innen den Weg weisen – noch halten sich aber nicht alle dran.

Aber was nicht ist, kann ja noch werden, und zumindest "Westlich der Merzhauser Straße" ist klar: Es wird weder an den engagierten Bewohner­*innen noch an der Stadtverwaltung scheitern!

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 892 vom 26. Juli 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 30. Juli 2025