Im Mittelpunkt: Neubaugebiet Niedermatten, Steinriedareal und der Glasfaserausbau

„In Waltershofen tut sich was“

Blick auf Waltershofen
Große Pläne: 240 Wohnungen sollen im Neubaugebiet Niedermatten entstehen. Frisch gemacht wird zudem das Areal rund um die Steinriedhalle (Bild unten).

Zum zweiten Mal ­machte Oberbürgermeister Martin Horn mit seiner Gesprächsreihe „OB vor Ort“ in der Steinriedhalle in Waltershofen halt. Rund 120 Bürger*innen kamen zum Bürgerdialog am 8. Oktober und wollten vor allem wissen, wie es mit dem Neubaugebiet Niedermatten vorangeht, wo der Glasfaserausbau bleibt und warum der Radweg nach Gottenheim auf sich warten lässt.

Steinriedhalle in Waltershofen

Ohne Paukenschlag, dafür mit Blasmusik läutete der Musikverein Waltershofen den Abend ein. Unter der Leitung von Dirigentin Linda Hochfeld sorgten die Musiker*innen mit flotten Märschen für Aufbruchstimmung, an die auch Ortsvorsteherin Petra Zimmermann in ihrem Grußwort anknüpfte. Denn seit dem ersten „OB vor Ort“ im Jahr 2019 habe sich einiges verändert: Inzwischen gibt es einen Supermarkt, und auf dem Kita-Neubau im Moos steht schon das Dach. „In Waltershofen tut sich was“, resümierte sie. Aber was passiert mit Projekten, um die es seit Längerem still geworden ist? Darüber wolle man an diesem Abend reden, so die Ortsvorsteherin: „Glasfaserausbau, Radweg, Niedermatten stehen auf der Agenda.“

Beherztes Engagement

Zunächst aber brachte OB Horn das hohe Engagement der Waltershofener Freiwilligen Feuerwehr zur Sprache. Bei dem Brand im Industriegebiet Hochdorf Anfang Oktober waren es auch ihre Mitglieder, die kräftig mit anpackten – bis in die frühen Morgenstunden: „Bis um 4.30 Uhr waren 14 Ehrenamtliche aus Waltershofen im Einsatz“, sagte Horn. „Es wurde beherzt geschafft, um zu verhindern, dass sich der Brand ausweitet.“ Dieser engagierte ehrenamtliche Einsatz sei keine Selbstverständlichkeit, aber unverzichtbar, so die Botschaft, die das Publikum mit heftigem Applaus unterstrich.

Neubaugebiet Niedermatten

Etwas zurückhaltender reagierte die Halle, als das Neubaugebiet Niedermatten zur Sprache kam. Grund dafür war nicht etwa der neue Entwurf, den Thomas Langer vom Stadtplanungsamt vorstellte: Im Vergleich zu Vorgängerversionen verdichtet sich der nördliche Teil des Gebiets, sodass sich die Anzahl der Wohneinheiten von rund 140 auf 240 erhöht. Vielmehr ist es die Vorgeschichte, die einigen Zuhörer*innen Sorge bereitet. Erste Überlegungen, das Gebiet im Waltershofener Norden zwischen Gottenheimer Straße und Mühlbach zu bebauen, gab es nämlich schon 2011. Ein tatsächlicher Baustart ist aber immer noch nicht in Sicht.

Ein Grund für die Verzögerung ist die Lage des Gebiets, erklärte Langer: „Die Bodenverhältnisse sind komplexer als gedacht.“ Das zeigten die Gutachten, die das Stadtplanungsamt aufgrund des höheren Grundwasserspiegels vorgezogen hat. Im Nachgang zur Ahrtal-Katastrophe im Sommer 2021 habe man zudem genauer untersuchen wollen, wie sich Starkregen auf das Gebiet auswirkt. „Beides hatte Einfluss auf die Möglichkeiten zum Hoch- und Tiefbau“, so der Stadtplaner.

Offenlage kommt 2026

Anstelle von Stillstand hat es im Hintergrund also aufwendige Planungen und Abstimmungen mit den Fachämtern gegeben. Die gute Nachricht: „Wir warten noch auf die letzten Freigaben und können dann in die Offenlage gehen“, sagte Langer. Angesichts der bisherigen Verzögerung wollten das einige aber noch mal genauer wissen: Wird es diesmal wirklich was? OB Horn antwortete mit einem „klaren Ja“: Im Vorfeld habe es fachliche Einschätzungen aus verschiedenen Richtungen gegeben, die alle eine gute Perspektive eröffnen. „Wir wollen dafür sorgen, dass es 2026 soweit ist“, so Horn.

Bei den Planungen von Anfang an mitgedacht sei auch der ÖPNV, betonte Horn auf Nachfrage. Auch genug Kita- und Schulplätze werde es geben: „Der Bedarf ist auf jeden Fall gedeckt“, so der Rathauschef. Das liegt auch an der neuen Kita, die gerade im Gebiet Im Moos entsteht. Die frei werdenden Räume der Kita „Flohkiste“, die in den Neubau zieht, soll der Jugendtreff nutzen, dessen bisheriges Gebäude dem geplanten Anbau an die Steinriedhalle weichen muss. Von dem Neubau könnten viele Vereine profitieren, erklärte Renate Spiecker, Produktmanagerin beim IMF. Auch die Räume der Freiwilligen Feuerwehr sollen in diesem Zuge saniert werden. Im Zuge der Modernisierung der Steinriedhalle soll auch die Ortsverwaltung dorthin ziehen, um Platz für die Hofackerschule zu machen und sie zu entlasten.

Die Rochade der Räumlichkeiten habe also viele Vorteile, betonte OB Horn. Weniger zuversichtlich gab er sich bei einem anderen Langzeitprojekt: Der Glasfaserausbau in Waltershofen ist immer noch nicht in greifbarer Nähe. Bisher hat sich keines der Unternehmen, die zunächst Interesse bekundet hatten, vertraglich verpflichten wollen. „Ziemlich deprimierend“ sei, dass Waltershofen sowohl die schlechteste Versorgung als auch den höchsten Bedarf an Glasfaser habe. „Wir als Stadt können aber nicht selber bauen oder beauftragen, sondern nur Kontakte vermitteln“, erklärte Horn. „Wir bleiben aber weiter dran.“

Radweg nicht in Sicht

Zum Schluss brachten mehrere Zuschauer noch den Radweg nach Gottenheim zur Sprache, den sich die Waltershofener seit Jahren wünschen. Auf der engen, kurvigen Strecke sei die Situation regelrecht gefährlich, betonte ein Mann. Ein Radweg nach Gottenheim würde nicht nur die Sicherheit erhöhen, sondern auch die klimafreundliche Anbindung Waltershofens an Stadt und Breisgaubahn deutlich verbessern. „Dem stimme ich vollkommen zu“, sagte OB Horn. „Ich habe deshalb mehrfach beim Regierungspräsidium angeklopft.“ Dort seien die Prioritäten bisher aber anders gesetzt worden. OB Horn versprach, mit Unterstützung von Ortsvorsteherin Zimmermann nochmals das Gespräch mit dem Regierungspräsidium zu suchen und auch den baden-württembergischen Verkehrsminister darauf anzusprechen.

Den Abend schloss Martin Horn mit einem Dank an die Waltershofener: „Für das Engagement, fürs Musizieren und fürs Feuerlöschen im wahrsten Sinne des Wortes.“

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 897 vom 25. Oktober 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 24. Oktober 2025