„Weingarten, mon amour“

Große Beteiligung beim Bürgergespräch

Blickrichtung: Weingarten, Hochhäuser
Freiburgs Skyline wird maßgeblich von Weingarten geprägt. 

Rund 150 Interessierte waren vor gut zwei Wochen ins Mehrgenerationenhaus in Weingarten gekommen, um Oberbürgermeister Martin Horn bei „OB vor Ort“ ihre Sorgen und Nöte vorzutragen. Bei allen Wortbeiträgen wurde aber auch deutlich: Die Menschen leben sehr gerne hier.

Den Ton der Veranstaltung hatte im wahrsten Sinne zu Beginn der Weingarten-Chor mit seinem augenzwinkernden Lied „Weingarten, mon amour“ vorgegeben. Die Zuneigung zu ihrem Stadtteil war im folgenden, über zweistündigen Austausch in fast jedem Redebeitrag zu hören, auch wenn dabei manch nerviges Problem zur Sprache kam. 

Insbesondere wild abgelegter Müll sowie der Mangel an Parkplätzen waren Themen vieler Wortmeldungen. Letzteren schrieben viele auch den zahlreichen Bauprojekten der Freiburger Stadtbau (FSB) zu, die Geschäftsführerin Magdalena Szablewska vorstellte. Aktuell entstehen an der Ecke Sulzburger und Bugginger Straße auf einem bislang unbebauten Grundstück in zwei achtgeschossigen Neubauten insgesamt 80 Wohnungen – in einem besonderen Eigentumsmodell: Sie werden an Firmen verkauft, die sie dann preisvergünstigt ihren Mitarbeitenden zur Verfügung stellen.

Das Projekt selbst war am Abend wenig umstritten, beklagt wurde aber der Wegfall von Parkplätzen, die ohnehin Mangelware seien. „Abends um fünf ist Land unter“, sagte eine Bewohnerin und erhielt dafür viel Zustimmung – auch von der FSB-Chefin. „Der Parkdruck ist hoch. Der Stadtteil ist nicht für so viele Autos konzipiert“, sagte Magdalena Szablewska. 

Der aus dem Publikum ins Spiel gebrachte Bau einer Tiefgarage sorgte für Raunen, als OB Horn die Kosten dafür nannte: 40.000 Euro müsse man je Stellplatz kalkulieren. Die Stadt müsse aber immer abwägen: „Für was wollen wir Geld ausgeben?“

Schönere Freiflächen

Eine Antwort darauf gab Charlotte Müller vom Garten- und Tiefbauamt, die präsentierte, was die Stadtverwaltung bislang zur Aufwertung der Freiflächen getan hat – und was sie noch plant: etwa die Revitalisierung des Dorfbachs von der Güterbahnlinie bis zum Binzengrün und die Umgestaltung des Platanenhains bis zum Fritz-Schieler-Platz. Dazu gab es Anfang Oktober eine erste Bürgerbeteiligung – gut 40 Anwesende hatten spontan Interesse bekundet, sich da einbringen zu wollen.

In der offenen Gesprächsrunde ging es im Anschluss unter anderem um die Müllproblematik, Anpassungen an den Klimawandel, Sicherheit im Stadtteil und Sportangebote für Jugendliche. Zum Thema Müll sagte OB Horn, dass es in der gemeinsamen Verantwortung liege, Verbesserungen zu erzielen: „Wir müssen uns gesellschaftlich dagegenstemmen, dass es noch mehr verlottert.“ 

Zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels plant die Stadt die Pflanzung zusätzlicher Bäume und zwei Trinkbrunnen. Mehr Fassaden- und Dachbegrünung wünschten sich die Sprecherinnen der „Parents for future“. Die Ideen griff Martin Horn auf: „Sie haben recht, aber wir können nicht stadtweit alle Bänke überschatten.“ Angesichts der schwierigen Haushaltslage wünschte er sich ein „realitätsnahes Tempo“.

„Viel besser als sein Ruf“

Eine Bürgerin fragte, warum einige Kriminalitätsvorfälle in der jüngeren Vergangenheit nicht öffentlich bekannt worden seien. Sebastian Wahl vom Polizeiposten Weingarten erklärte, dass die Polizei nur bei außergewöhnlichen Ereignissen oder wenn die Mitwirkung bei Fahndungen erforderlich sei, die Öffentlichkeit informiere – beides war nicht gegeben. Abgesehen davon sei der Stadtteil „viel besser als sein Ruf“. Nicht im Detail ging OB Horn auf eine drastisch vorgetragene Nachfrage zur Kriminalität am Stühlinger Kirchplatz ein. „Das ist unser Bürgergespräch. Hier geht es um Weingarten!“, wurde der Fragesteller von mehreren Anwesenden zurechtgewiesen – auch Zivilcourage hat offenbar einen festen Platz im Stadtteil. 

Zu guter Letzt brachte der Mitarbeiter eines Jugendtreffs noch ein paar Wünsche seiner Jugendlichen ein. Die Beleuchtung des Minisportfelds an der Adolf-Reichwein-Schule, einen Fußballplatz mit Kunstrasen und ein für Kinder geeignetes Basketballfeld mit niedrigeren Körben konnte der Oberbürgermeister zwar nicht zusagen, nahm die Wünsche aber mit ins Rathaus. Auch das ist ein wichtiges Anliegen der Bürgergespräche: Themen aufsammeln, die auf anderen Wegen möglicherweise nicht bei der Verwaltung ankämen.

Zum Schluss hatte Oberbürgermeister Horn noch einen Appell: Mit Blick auf das anstehende „Superwahljahr“ mit Landtags-, Oberbürgermeister- und zwei Bürgermeisterwahlen rief er dazu auf, sich „möglichst wenig im Wahlkampf zu verheddern“ und sich einzubringen: „Gestalten Sie das mit!“

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 896 vom 11. Oktober 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 10. Oktober 2025