Mehr Bedarf bei Schüler*innen
Gemeinderat will weitere Ganztagsschulen

Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt bundesweit ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen, zunächst ab Klasse 1. Jetzt hat die Verwaltung dem Gemeinderat vorgestellt, wie sie diesen Anspruch erfüllen will – und wie der derzeitige Stand ist.
Die gute Nachricht vorweg: Durch den kontinuierlichen Ausbau der Schulkindbetreuung in den vergangenen Jahren bestehen an allen 30 öffentlichen Grundschulen grundsätzlich geeignete Strukturen, den Rechtsanspruch zu gewährleisten. Allerdings ist es aufgrund des Fachkräftemangels schon jetzt nicht möglich, alle Nachfragen umfassend zu befriedigen. Aktuell gibt es insgesamt 4665 Betreuungsplätze; damit steht rund 80 Prozent der Schulkinder an den öffentlichen Grundschulen ein Betreuungsplatz zur Verfügung – nicht immer jedoch im von den Eltern gewünschten zeitlichen Umfang.
Mehr Platz und Personal
Die Verwaltung geht davon aus, dass auch zukünftig nicht alle Kinder den vollen Umfang der Ganztagsbetreuung ausnutzen werden. Dennoch wird bis zum Schuljahr 2029/2030 ein Ausbaubedarf von 500 bis 800 Plätzen prognostiziert, allerdings sehr unterschiedlich über das Stadtgebiet verteilt.
Den größten Bedarf gibt es voraussichtlich an der Hebelschule im Stühlinger, da in deren Einzugsgebiet mit Metzgergrün und Kleineschholz viel neuer Wohnraum für Familien entsteht. Immerhin: Als ehemalige Volks- und spätere Werkrealschule sind dort die räumlichen Voraussetzungen vergleichsweise gut. Die Schaffung weiterer Betreuungsplätze erfordert aber überall zusätzliches Personal und an einigen Standorten auch Erweiterungen oder zumindest Optimierungen der heutigen Raumnutzungen und -zuschnitte.
Neben dem ohnehin notwendigen Ausbau der Schulkind- und Ferienbetreuung sieht der Gemeinderat genau wie die Verwaltung die Umwandlung heutiger Halbtags- zu Ganztagsschulen als wichtiges Instrument – nicht nur zur Erfüllung des Rechtsanspruchs, sondern auch aus pädagogischer Sicht, wie Grünen-Stadträtin Petra Himmelspach-Haas erläuterte. Nur die gebundene Ganztagsschule erlaube es, den Tagesablauf so zu strukturieren, dass sich Lern- und Erholungsphasen abwechseln. Das eröffne "Chancen für mehr Chancengleichheit" und sorge so für mehr Bildungsgerechtigkeit. Was die räumliche Situation betrifft, wünschte sie sich kreative Lösungen, beispielsweise "Mensabusse" oder Jurten – in jedem Fall sei "gutes Mittagessen eine Voraussetzung für eine funktionierende Ganztagsschule".
Das "neue Normal"
SPD-Kollegin Viviane Sigg forderte, den "Rechtsanspruch mit Qualität" zu füllen. "Ganztagsschule braucht Räume, Menschen und Mensen" und müsse zum "neuen Normal" werden. Emriye Gül von Eine Stadt für alle sieht im Rechtsanspruch einen "bedeutenden Schritt für mehr Bildungsgerechtigkeit", aber auch große Herausforderungen für Länder und Kommunen. Sie forderte "Mut zur pragmatischen Umsetzung" und setzt dabei auf "Dialog, Partnerschaft und gemeinsame Lösungen".
Katrin Kern (CDU) betonte, wie "wichtig eine zuverlässige Betreuung für Eltern" sei, mahnte aber auch, beim Ausbau die Kosten im Blick zu behalten – ein Punkt, der auch Sascha Fiek von der FDP/BfF-Fraktion umtreibt: Der Ausbau sei eine "Herkulesaufgabe". Gleichwohl sehe seine Fraktion die Vorzüge der gebundenen Ganztagsschule.
Dem konnte sich Petra Zimmermann von den Freien Wählern nicht vorbehaltlos anschließen. Die Ortsvorsteherin Waltershofens verwies auf die schwierige Situation in den Vereinen, deren Angebote Kinder schlecht wahrnehmen könnten, wenn sie auf eine Ganztagsschule gingen. Sie forderte, ein bisschen zu differenzieren: "Gebundene Ganztagsschulen brauchen wir nicht in der ganzen Stadt."
"Haben Nachholbedarf"
Schulbürgermeisterin Christine Buchheit hielt dem entgegen, dass das Halbtagsschulsystem in Deutschland international eine Ausnahme sei. "Wir haben großen Nachholbedarf!" Außerdem gebe es Ganztagsschulen mit verschiedenen Modellen – von drei Tagen à sieben Stunden bis zu acht Stunden an fünf Tagen – die Stadtverwaltung selbst empfiehlt das Modell "vier mal acht". Klar sei aber: "Wir sind nicht am Ende der Diskussion, sondern ganz am Anfang."
Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 892 vom 26. Juli 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!