Medien für die sprachliche Bildung und Literacy

Bücher und Bilder, Spiele und Töne motivieren Sprache, Gefühle und Gedanken.​

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.

Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

Medientipp des Monats April

Spaziergang mit Hund

Ein phantastisches Lese- und Seherlebnis der besonderen Art

Seit sich Menschen Geschichten erzählen, spielt die Phantasie mit. Werden diese Geschichten gekonnt ins Bild gesetzt, wird das Wunderbare, Unwirkliche und Sonderbare sichtbar. Wie faszinierend das sein kann, präsentiert Sven Nordqvist in seinem neuen opulenten Bilderbuch „Spaziergang mit Hund“.

Buchcover: Spaziergang mit Hund
Sven Nordqvist: Spaziergang mit Hund

Der Schöpfer von Findus, Petterson und Mamma Muh zeigt, was möglich ist, wenn in detailreichen wimmeligen Bilderwelten die Phantasie regiert. Dabei fängt alles ganz real an: Ein kleiner Junge geht mit einem großen zotteligen Hund auf eine kleine Runde zum Pippimachen. Unversehens landen die Zwei an einem alten Bahnhof und besteigen einen Zug, der über senkrechte Gleise himmelwärts direkt ins Land der Phantasie einfährt. In diesem Land gibt es die verschiedensten Gegenden und verzauberte Orte wie eine abenteuerlich erbaute Burg, die vornehmlich aus Türmen besteht. Auf den Mauern des Turmlabyrinths verlaufen kühn verlegt die Gleise, und aus dem Fenster eines Turms schmeißt eine Kuh den Passagieren im Zug Karotten als Reiseproviant zu. Dermaßen gestärkt kommen alle in einem Park an, in dessen Brunnen unzählige Wasserspeier zu bestaunen sind. Vor allem aber sind hier merkwürdige, von Ziegen gezogene Longboards unterwegs, auf denen Menschen in prächtigen Rokokokostümen stehen. Im Tiergehege hockt ein rosarotes Mammut im Käfig, die Affen spielen mit einem Kind, das sie aus dem Buggy geklaut haben, und die Hühner von Petterson und Findus zelten hier. Hunderte derartiger Details zeigen eine Fülle geheimnisvoller und gedankenanregender Momente, die den Betrachter als Feuerwerk der Phantasie bestens unterhalten. In den Bildern sind auch auch reale Menschen unterwegs. Nicht selten schauen diese auf ihr Smartphone, das hin und wieder als Kamera fungiert, aber auch bereits von manch einem der phantastischen Bewohner verwendet wird. Überhaupt ist bei geneigter Betrachtung zu entdecken, dass in den Abenteuer- und Märchenwelten Sven Nordqvists ein breites Medienensemble genutzt wird.

Kind und Hund, die als roter Faden die opulenten Bildertafeln verbinden, sind nicht immer auf Anhieb auffindbar. Sind sie doch meist mitten im Gewimmel unterwegs, mal eisessend, mal sprechend mit Wesen, die den Mucklas ähneln oder reigenspielend in den grünen Hügeln des Blaubeerwaldes. Letztendlich ist die Suche nach den Zweien auch eher der Start in die Zauberwelt dieser Literatur, oder sie läuft nebenher, denn die detailreichen Szenen ziehen die Betrachter in den Sog des Schauens und Staunens. Dabei lösen die Bilder ganz unschwer und erfreulich selbstverständlich größte Lust am Erzählen aus. Das liegt an den Gestalten oder Szenen, die Sprache unterschiedlich herauslocken. Einmal ist das ein schneller Kommentar wie „Schau mal, der Leuchtturm ist aber eine Kerze“ oder „Die kenn ich, das sind die sieben Zwerge“. Ein andermal generiert ein Bildimpuls eine kleine Geschichte darüber, was die extrem angeberische Hyäne aus dem Land der Katzentiere ihren Mitkatzen erzählt, während Findus, ganz ohne grüne Hose, danebensitzt, eine Maus in den Pfoten hält und intensiv beäugt.

Für Kinder ist der Ausflug in solch phantastische Welten ein Kinderspiel, das sie aus ihrem Alltag oder ihrem eigenen Spiel zur Genüge kennen. Sie können, wie Seven Nordqvist, ihre Phantasiewelt kreieren, mitten aus dem Alltag heraus. Dieses Wegbeamen in andere Welten bis hin zum Erschaffen phantastischer Weggefährten ist Ausdruck kindlicher Phantasie. Sven Nordqvist ist in ihr zu Hause, und hat aus seiner Vorstellungskraft Figuren und Szenen geschöpft, die Kinder und der Phantasie zugeneigte Erwachsene gleichermaßen faszinieren und erfreuen. Das besonders Schöne an dieser wimmeligen Fantasy-Literatur aber ist der Moment, wenn Leser gemeinsam aus der Realität treten und in die Bilderwelten eintauchen, in denen Sprache wie von selbst dazu findet.

Anregungen für die Praxis

  • Beim dialogischen Lesen in Wimmelbildern ergeben sich unschwer Situationen, die das Kommentieren und Erzählen herausfordern. Sie öffnen die Tür zu Sprache und Geschichten, die bei jedem Kind individuell ausfallen werden.
    Als Vorfreude auf solche Erlebnisse sind im Folgenden die Stationen der bildstarken Reise zusammengefasst.
    In den einzelnen Welten lassen sich Szenen spielerisch umsetzen, weiterspinnen und in offenen Fragen auf Erfahrungen, Vorstellungen und Gedanken der Kinder beziehen.
  • Stationen, die der kleine Knirps und der große Hund auf ihrer phantastischen Reise erleben.
    - Viktorianischer Bahnhof
    - Traumlandschaft mit Baumhäusern
    - Gleislandschaft auf den Türmen einer Burg
    - Brunnen im Park
    - Tiergehege
    - Tropenhotel mit Kaffee, Musik und Eis
    - Tiere im Land der Riesen
    - Inselschiffe
    - Die Stadt der blauen Bäume und Denkmäler
    - Im Antiquitätenladen
    - Im Kinderzimmer
    - Im Tomaten- und Heidelbeergarten
    - Gefährliches Land der Burgen
    - Krocketspiel im Wunderland
    - Die Stadt der Katzen
  • Die Reise durch die Phantasiewelt beginnt und endet an der Haustür einer älteren Dame, die den Jungen und den Hund verabschiedet bzw. zurückerwartet. Auf der ersten Seite führen Spuren von Hund und Kind in die Geschichte hinein und auf der letzten hinaus.
    Wo kommen diese her, wo führen sie hin? Dazu haben Kinder Vorstellungen und Meinungen.

Sven Nordqvist: Spaziergang mit Hund.
Hamburg: Oetinger 2019, 32 Seiten | € 20,00 | ab 4

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Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Förderung von Kindertageseinrichtungen
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8409
daniela.bischler@stadt.freiburg.de

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