Medien für die sprachliche Bildung und Literacy

Bücher und Bilder, Spiele und Töne motivieren Sprache, Gefühle und Gedanken.​

Sylvia Näger bespricht für Sie Bücher, Spiele und audio-visuelle Medien, die Sie in Ihrer sprachlichen Bildungsarbeit, Sprachförderung und Literacyerziehung unterstützen.

Die monatlich erscheinenden Rezensionen bieten Ihnen eine fundierte Besprechung der ausgewählten Titel und zeigen den Bezug zur sprachlichen und literarischen Bildung auf.

Medientipp des Monats Februar

Der Wolf und die Fliege

Ein „kleines Hüngerchen“ für große Leselust

Wenn Erwachsene zusammen mit Kindern Bücher nutzen, übt das Kind ein Muster ein. Denn ein Zusammensein mit dem Buch und die Abläufe des Austauschs zwischen Bezugsperson und Kind funktionieren immer wieder gleich. Der Ablauf von Schauen und Zeigen, Lesen und Benennen wird wiederholt und festigt beim Kind die Vorstellung davon, was es bedeutet, Bücher zu lesen, und wie das vonstattengeht. Für diese frühen Leseerlebnisse braucht es also knappe und reduzierte Geschichten, die dennoch einen zündenden Funken schaffen. „Der Wolf und die Fliege“ ist eine solche und zeigt vor allen Dingen, wie spielend leicht und charmant es gelingt, im frühen Bilderbuchlesen mit minimal veränderter Wiederholung zu erzählen und dennoch große Unterhaltung zu schaffen.

Buchcover: Der Wolf und die Fliege

Antje Damm erzählt vom nimmersatten Wolf, der frisst und frisst und frisst: ein Spielzeug nach dem Anderen. Einzig einen Kaktus verschmäht er, und schlussendlich verdrückt er noch eine köstliche Fliege. Das aber hätte er lieber bleiben lassen sollen, denn die befördert mit ihrem Zappeln und Kitzeln den Apfel, die Katze, die Ente, das Auto, den Fisch und den Vogelwieder aus seinem Bauch heraus.

Da Kinder geübte Bilderleser sind, entdecken sie in deren Abfolge die plötzlichen Regungen der einzelnen zunächst unbelebten Spielzeuge. Was ist da los? Auf einmal hat die Ente den Schnabel offen, das Autolicht geht an oder der Vogel hüpft los. Diese minimalen Veränderungen sind Impuls dafür, dass das Kind erkennt, was das ewig hungrige Wölfchen als nächstes verschlingen wird. Quietschvergnügt und begeistert steuert es seine Erkenntnis beim Vorlesen begeistert bei. Vermittler und Kind lesen das Pappbuch also in trauter vergnüglicher Gemeinsamkeit, was die unbändige Lust der wiederholungswütigen kleinen Leser auf ein „Nochmal“ ins fast Unendliche steigert.

Auf mancher Doppelseite blickt das ausdrucksvolle verfressene Tier begeistert auf das Futter im Regal. Mal hängt ihm aus Freude auf den nächsten Happen die Zunge aus dem Maul, mal liegt es vollgefressen und schnarchend im Verdauungsschläfchen. Selbst grün im Gesicht oder spuckend gibt der räuberische Vierbeiner eine überzeugende Figur ab, dessen „kleines Hüngerchen“ für den Humor sorgt, den Kinder lieben und brauchen, um geneigte und überzeugte Leser zu werden. Spiel- und Lesefreude kunstvoll zu verweben und einen minimalistischen Ablauf farb- und formästhetisch ins Pappbilderbuch zu bringen, das gelingt Antje Damm und ihrem sympathischen Isegrim mit bewundernswertem Charme und brillanter Leichtigkeit.

Anregungen für die Praxis

  • Ein formelhafter Sprachgebrauch unterstützt spielerisch Sprache zu erwerben. So eignet sich dieses Bilderbuch auch bestens für den Einsatz im Bereich Deutsch als Zweitspracherwerb.

    In jeder Episode ist eine Lücke eingebaut, die von den Kindern ergänzt wird: „Einmal hatte der Wolf eine kleines Hüngerchen! Da fraß er den…“ Die Kinder ergänzen die Lücke durch das Lesen im Bild, blättern vor und zurück und entdecken - durch das im Regal fehlende Objekt -, dass der Wolf zuerst den Apfel gefressen hat. Im Speiseplan folgen: die Katze, die Ente, das Auto, der Fisch, der Vogel und die Fliege - und schon wissen die Kinder, wie die Artikel im Akkusativ lauten.
  • Im dialogischen Lesen ergeben sich unschwer Situationen, die den Gebrauch des Dativs und Genitivs herausfordern: „Vor wem hat die Katze Angst?“ „Vor dem Wolf“ - „Woran kannst du sehen, wen der Wolf als nächstes frisst?“ „An den Augen der Katze“.
  • Die Geschichte lässt sich spielerisch umsetzen, indem die erste Doppelseite kopiert wird und der Wolf und die acht Gegenstände ausgeschnitten werden.

    Die drei Ebenen des Regals werden auf ein Blatt Papier gezeichnet. Die Kinder können nun die Gegenstände in der vorgegebenen Reihenfolge der Geschichte oder in einer selbstbestimmten Abfolge ins Regal stellen, den Wolf füttern und die Geschichte selbst erzählen.

    Zusätzlich denken sich die Kinder aus, was der Wolf noch gerne fressen würde, zeichnen die Gegenstände und spielen die Geschichte nach dem bekannten Muster neu.

Antje Damm: Der Wolf und die Fliege.
Frankfurt: Moritz 2019, 22 Seiten | € 8,95 | ab 2


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Kontakt

Daniela Bischler
Trägerübergreifende Fachberaterin Sprachliche Bildung

Amt für Kinder, Jugend und Familie
Abteilung Förderung von Kindertageseinrichtungen
Europaplatz 1
79098 Freiburg

Tel. 0761 / 201 - 8431
Fax 0761 / 201 - 8409
daniela.bischler@stadt.freiburg.de


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