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Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg

Der Reinhold-Schneider-Preis ist der Kulturpreis der Stadt Freiburg und wird seit 1960 alle zwei Jahre verliehen. Der bislang ausschließlich in den drei Sparten Bildende Kunst, Literatur und Musik ausgelobte Kulturpreis der Stadt wurde 2018 erweitert um die beiden Bereiche „Fotografie/ Film/ Neue Medien“ und „Darstellende Kunst“. Ab dem Jahr 2020 vergibt die Stadt die Preise künftig in zwei Sparten parallel.

Mit dem Reinhold-Schneider-Preis werden Einzelpersonen, Institutionen oder Gruppen von Personen geehrt, die durch ihr künstlerisches Schaffen oder ihr kulturelles Engagement herausragende Leistungen erbracht haben, sich in besonderem Maße für die Kultur Freiburgs verdient gemacht haben und durch ihr Wirken oder ihre Person mit Freiburg oder der Region verbunden sind.

Über die Vergabe des Reinhold-Schneider-Preises entscheidet eine Jury aus Gemeinderäten_innen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unter Vorsitz des Oberbürgermeisters. Der mit 15.000 Euro dotierte Kulturpreis wird im Rahmen eines öffentlichen Festaktes verliehen. Zusätzlich zum Reinhold-Schneider-Preis vergibt die Stadt jeweils ein mit 6.000 Euro dotiertes Stipendium und/oder einen undotierten Ehrenpreis.

Der Kulturpreis wird in Erinnerung an den Schriftsteller Reinhold Schneider (1903–1958) verliehen, der von 1938 bis zu seinem Tod im Jahr 1958 in Freiburg lebte. Reinhold Schneider veröffentlichte über 200 Aufsätze und Bücher, darunter zahlreiche historiographische Romane. Er engagierte sich in seinen früheren literarischen Werken gegen Unterdrückung, Rassenwahn und falsch verstandene Religiosität. Im Nationalsozialismus wurden seine Bücher verboten. Trotz eines 1941 verhängten Schreibverbots veröffentlichte er noch 1944 und entging der 1945 erhobenen Anklage wegen Hochverrats nur aufgrund des Untergangs des NS-Staates. In der Nachkriegszeit widmete er sich der kulturphilosophischen Erforschung der Ursachen der NS-Barbarei und trat für eine aktive Friedenspolitik sowie gegen die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik ein. Neben zahlreichen anderen Ehrungen wurde Reinhold Schneider im Jahr 1956 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Alle Preisträger_innen auf einen Blick

2012 Musik Reinhold-Schneider-Preis Rainer Kussmaul
Förderpreis Cécile Verny Quartet
Förderpreis Günter A. Buchwald
2010 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Thomas Kitzinger
Stipendium Beatrice Adler
Stipendium Stefanie Gerhardt
2008 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Wolfgang Heidenreich
Förderpreis Martin Gülich
Ehrengabe Erika Glassen und Jens Peter Laut
2006 Musik Reinhold-Schneider-Preis Freiburger Barockorchester
Förderpreis Dieter Ilg
2004 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Peter Vogel
Stipendium Freya Richter
Stipendium Sabine Wannenmacher
2002 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Kyra Stromberg
Stipendium Annette Pehnt
Ehrengabe Helma und Bernd Hassenstein
1999 Musik Reinhold-Schneider-Preis Edith Picht-Axenfeld
Förderpreis Günter Steinke
1997 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Peter Staechelin
Stipendium Viola Keiser
Stipendium Hans Rath
1995 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Swetlana Geier
Stipendium Ragni-Maria Seidl-Gschwend
1992 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Kulturzeitschrift allmende
Stipendium Arnold Stadler
Stipendium Klaus Hoggenmüller
1990 Musik Reinhold-Schneider-Preis Experimentalstudio: Hans Peter Haller und André Richard
Stipendium Walter Mossmann
1988 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Artur Stoll
Stipendium Christine Gerstel-Naubereit
Stipendium Lotte Paepke
1986 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Walter Dirks
Förderpreis (Film) Nina Gladitz und Peter Krieg
1984 Musik Reinhold-Schneider-Preis Klaus Huber
Förderpreis Ernst Helmuth Flammer
Förderpreis Frank Michael
1982 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Karl-Heinz Scherer und Bernd Völkle
Förderpreis Susi Juvan
1980 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Peter Huchel
Förderpreis Maria Wimmer
1978 Musik Reinhold-Schneider-Preis Carl Seemann und Wolfgang Rihm
1976 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Peter Dreher
Förderpreis Rudolf Dischinger
1974 Literatur & Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Christoph Meckel
1972 Musik Reinhold-Schneider-Preis Wolfgang Fortner
1970 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Walter Schelenz
Förderpreis Jürgen Brodwolf
1968 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Kurt Heynicke
1966 Musik Reinhold-Schneider-Preis Theodor Egel
Förderpreis Dietrich von Bausznern
Förderpreis Peter Förtig
1964 Bildende Kunst Reinhold-Schneider-Preis Rudolf Riester
1962 Literatur Reinhold-Schneider-Preis Franz Schneller
1960 Musik Reinhold-Schneider-Preis Franz Philipp

2020 Literatur und Darstellende Kunst

Reinhold-Schneider-Preis: Dietmar Dath

Mit dem Reinhold-Schneider-Preis 2020 in der Sparte Literatur wird der 1970 in Rheinfelden geborene und in Schopfheim aufgewachsene Autor, Journalist und Übersetzer Dietmar Dath prämiert. Nach Abitur und Studium der Physik und Literaturwissenschaft in Freiburg war Dath von 1998 bis 2000 Chefredakteur der Musik- und Popkulturzeitschrift „Spex“. Ab 2001 bis 2007 und nach einer Phase als freier Autor ist er seit 2011 wieder FAZ-Feuilletonredakteur und Filmkritiker und wohnt in Frankfurt am Main und Freiburg. Nicht nur quantitativ, sondern auch inhaltlich und sprachlich sprengen seine Veröffentlichungen Grenzen. Über 40 Romane und Erzählungs-und Lyrikbände, Essays und Abhandlungen zu naturwissenschaftlichen, politischen, philosophischen und ästhetischen Themen wurden in verschieden Verlagen publiziert. Dath schafft es auf solitäre und staunenswerte Weise, Brücken zu schlagen zwischen populärkulturellen Themen (Disneyfilme, Netflix-Serien, Comics, Musik) und Philosophie (Marx, Hegel) und literarischen Genres („Niegeschichte. Science Fiction als Kunst-und Denkmaschine“, Matthes &Seitz, 2019).

Der Autor genießt nicht nur Kultstatus unter Science Fiction-und Fantasy-Leserinnen und -Lesern, sondern vermag es, dieses Genre so intelligent und kunstvoll auszubauen, dass sich auch eine erweiterte Leserschaft in einen Sog ziehen lässt. 2008 stand sein Roman „Die Abschaffung der Arten“ auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde als 12-teiliges Hörspiel adaptiert. Dath entwickelt darin das Zukunftsszenario einer Welt, in der Tiere das Regiment von den allmählich aussterbenden Menschen übernommen haben.

Jurybegründung

Der Autor verwebt spekulativ und phantasievoll hochtechnologische Mechanismen wie genetische Replikation und der ihr entsprechenden futuristischen Cybersprache mit der Entwicklung politischer Systeme und einem, den verschiedenen Tieren eigenen und durchaus auch musikalisch-poetischem Tonfall. Der Zugang zu seinen sehr umfänglichen Romanen ist mitunter nicht einfach, gibt man sich aber dem unerschöpflichen Fluss hin und lässt sich auf die Denk-Welten, Sprachkreationen Daths ein, entfaltet sich ein überraschendes Lektüreerlebnis. Dieses sowie die gesellschaftspolitische Relevanz von Dietmar Daths Werk, sein Vermögen, Visionen einer gerechteren und besseren Welt auf sprachmächtige Art und Weise zu imaginieren, hebt die Kulturpreis-Jury mit ihrer Entscheidung für den Reinhold-Schneider-Preisträger 2020 im Bereich Literatur hervor.

Stipendium: Stefanie Höfler

Das Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis in der Sparte Literatur vergibt die diesjährige Kulturpreis-Jury an die 1978 in Leonberg geborene Kinder-und Jugendbuchautorin Stefanie Höfler. Nach ihrem Studium der Germanistik, Anglistik und Skandinavistik in Freiburg und Dundee/Schottland ist Höfler derzeit als Theaterpädagogin und Lehrerin für die Fächer Ethik, Deutsch und Englisch an einem Gymnasium tätig und lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort bei Freudenstadt im Schwarzwald. Alle drei erschienenen Romane „Mein Sommer mit Mucks“(2015), „Tanz der Tiefseequalle“ (2017, mit dem LUCHS des Jahres ausgezeichnet) und der „Der große schwarze Vogel“ (2018) waren für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Seit April diesen Jahres liegt ihr aktueller, von Anke Kuhl illustrierter Roman „Helsin Apelsin und der Spinner“, vor. Höfler gebührt für ihre Wahl wichtiger und ernster Themen wie Mobbing, Gruppenzwang, sexuelle Belästigung, Gewalt in der Familie, Identitätsfindung oder auch Sterben und Tod höchster Respekt.

Jurybegründung

Auszeichnenswert befand die Jury aber vor allem die Differenziertheit und die Empathie und der Humor, mit der die Autorin ihren (Außenseiter)Figuren begegnet und damit Leichtigkeit und Tiefgang auf großartige Weise vereint. Mit klarer Sprache, szenisch und dialogstark erzählt sie von herausfordernden, die jungen Leserinnen und Lesern aber ansteckenden Charakteren und Geschichten. Auch andere Kunstgenres haben sich ihre literarische Texte zu eigen gemacht: So wurde beispielsweise 2019 in Freiburg als Uraufführung der für die Bühne adaptierte Roman „Tanz der Tiefseequalle" im E-Werk von Natascha Popov inszeniert.

Stipendium: Iris Wolff

Ebenfalls mit dem Stipendium in der Sparte Literatur zeichnet die Jury die Freiburger Autorin Iris Wolff aus, deren fünfter Roman „Die Unschärfe der Welt“ kurz vor der Veröffentlichung steht. Darin schreibt sie die vier vorherigen und vor allem die 2017 erschienenen und von der Kritik und einer größeren Öffentlichkeit begeistert aufgenommenen Erzählungen „So tun, als ob es regnet" mit dem ihr unverkennbaren literarischen Stil gekonnt fort. Die 1977 geborene, im Banat und Siebenbürgen aufgewachsene und 1985 nach Baden-Württemberg emigrierte Autorin hat nach ihrem Studium der Germanistik, Religionswissenschaft und Grafik/Malerei in Marburg und beruflichen Stationen als langjährige Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs Marbach und im Freiburger Kulturamt, wo sie für den Bereich Kulturelle Bildung und das Kinderliteraturfestival "Lirum Larum Lesefest" verantwortlich war, im Jahr 2018 den Schritt gewagt, gänzlich als freie Autorin zu arbeiten.

Für ihre Familiengeschichten, die sich über mehrere Generationen erstrecken und deren ihnen innewohnende Themen wie Herkunft und Erinnerung, historische Ereignisse, Brüche und Verlust von Iris Wolff atmosphärisch-eindringlich schreibend erkundet werden, erhielt sie renommierte Auszeichnungen wie den Thaddäus-Troll-Preis 2019 und den Marieluise-Fleißer-Preis 2019.

Jurybegründung

Ihre Schreibkunst ist wohltuend frei von Zugeständnissen an Trends und Moden des Literaturbetriebs. Mit dem Kulturpreis in der Kategorie Stipendium würdigt die Jury das literarische Werk der in Freiburg lebenden Schriftstellerin, ihre liebevollen Beobachtungen und ihre feine poetische und konzentriert fließende Sprache.

Ehrenpreis: Evelyn Grill

Mit dem Ehrenpreis in der Sparte Literatur würdigt die Kulturpreis-Jury das umfassende Lebenswerk der seit 1986 in Freiburg lebenden und seit drei Jahren in ihr Herkunftsland Österreich zurückgekehrten Schriftstellerin Evelyn Grill. Die 1942 geborene Autorin studierte Jura in Linz und publizierte ab 1980 als freie Schriftstellerin in Literaturzeitschriften und im Rundfunk. Sie war langjähriges aktives Mitglied des Literatur Forum Südwest, dem Trägerverein des Literaturhaus Freiburg.

Jurybegründung

In ihren Romanen und Erzählungen verschränken sich Familienbiografien und scharfsinnig beschriebene Figurenkonstellationen immer auch mit der Beschäftigung gesellschaftlicher Fragen zu autoritären Strukturen, Geschlechterverhältnissen oder Ausgrenzung. Grill erzählt sprachgewandt und oftmals von schwarzem Humor durchzogen, aber immer voller Respekt ihren Figuren gegenüber.

Reinhold-Schneider-Preis: Graham Smith und Maria Pires

Mit ihrer Entscheidung, dem seit vielen Jahren künstlerisch zusammenarbeitenden Paar Graham Smith und Maria Pires den erstmals in der Sparte "Darstellende Kunst" zugesprochenen Kulturpreis zu verleihen, setzt die neben dem Vorsitzenden aus sechs gemeinderätlichen Mitgliedern und acht externen Expertinnen und Experten konstituierte Jury ein Zeichen für den Tanz.
Der gebürtige Amerikaner Graham Smith und die Portugiesin Maria Pires haben nach ihrem Tanzstudium diverse Stationen in internationalen Tanzcompagnien durchlaufen, ehe sie in den 90er-Jahren in Deutschland und der Schweiz an unterschiedlichen Theatern mit Regisseuren und Choreographen wie Joachim Schlömer, Volker Hesse, Tom Schneider oder Sebastian Nübling zusammenarbeiteten. Pires ist seit 2006 regelmäßig auf der Bühne des Theater Freiburg zu sehen, Smith zählt zu den Mitgründern der unter der Intendanz von Barbara Mundel entstandenen ehemaligen Tanzkooperation pvc Freiburg-Heidelberg und leitet seit der Spielzeit 2012/13 den Bereich Tanz in der Sparte Junges Theater.

Jurybegründung

Die Jury würdigt insbesondere das Engagement der beiden Tänzer und Choreographen in ihrer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Stadtteile und Herkünfte. Der kreative Blick von Smith und Pires ist im besten Sinne stadtumfassend weit und inkludierend, divers und zugleich persönlich. Ihre vorbildliche kulturelle Bildungsarbeit verdankt sich der exzellenten künstlerischen Qualität des konzeptionell eng kooperierenden Künstlerpaares.

Unvergessen bleiben für das Freiburger Publikum das Ergebnis der zweiten Projektphase von „Learning by Moving“, des auf zwei Jahre angelegten Tanz und Schule-Projekts unter der künstlerischen Leitung von Graham Smith: „Hesch Affekte?“, ein 2014 mit über 70 Schülerinnen und Schülern der Vigelius-Grundschule auf der große Theaterbühne aufgeführtes Barockopernprojekt. Oder der „Petruschka/ Sacre du printemps“-Doppelabend 2018. Aber auch die bereits vor über zehn Jahren unter anderen von Graham Smith kuratierte ehemalige Kneipe Finkenschlag als 'Außenspielstätte' des Theaters im Stadtteil Haslach, Treffpunkt und kreative Keimzelle für, von und mit Bürgerinnen und Bürgern sowie und Kunstschaffenden und das Stadtraumprojekt „Die andere Seite“, in dem Formen des Zusammenlebens und des Stadtbaus in der Stadt von morgen untersucht wurden, sind noch in wacher Erinnerung.

Eine herausgehobene Bedeutung kommt dem von Smith und Pires geleiteten hochambitionierten Laientanz-Ensemble School of Life and Dance (SoLD) zu, mit dem sie in mittlerweile vier Tanzgruppen (Sprossen: 7-11 Jahre), Setzlinge (11-14 Jahre), Originals (14-25 Jahre) und SoLD Gold (ab 50 Jahre) regelmäßige Trainings absolvieren und Präsentationen erarbeiten. Die beiden Tänzer und Choreographen legen nicht nur Wert auf zeitgenössische Tanz- und Körpertechniken, sondern machen die Teilnehmenden auch mit Improvisation, Komposition, Film- und Kameraarbeit vertraut. Selbstwahrnehmung und der Transfer auf andere Lebensbereiche -diese Wirkung und was zusammen mit Menschen, die vielleicht noch gar nie mit Theater und Tanz in Berührung gekommen sind, ans Licht geholt wird, strahlt auf teils sehr zahlenstarken und gruppenübergreifenden Bühnenproduktionen auch auf ein breites Publikum aus und ist sehr sehenswert und begeisternd.

Mit ihrer kontinuierlichen Suche nach ungewöhnlichen Wegen, genreübergreifenden Kooperationen sowie neuen Produktionsformen für Themen, die die Gesellschaft betreffen, allem voran aber mit ihren künstlerisch Umsetzungen leisten Graham Smith und Maria Pires einen unermesslichen Wert für die Förderung des Tanzes und des Publikumsnachwuchses.

Stipendium: Theater der Immoralisten

Das Stipendium zum Reinhold-Schneider Preis geht an das freie Theater der Immoralisten. Hervorgegangen aus einer studentischen Theatergruppe und nach einer Phase als Wanderensemble hatte der künstlerische Leiter, Geschäftsführer und Regisseur Manuel Kreitmeier zusammen mit seinem Ko-Intendanten, dem Komponisten, Musiker und Schauspieler Florian Wetter, im Jahr 2010 die Courage, eine eigene Theaterspielstätte aufzubauen. Seit nun schon zehn Jahren im Stühlinger Gewerbe-Hof an der Ferdinand-Weiß-Straße beheimatet, ist das Theater der Immoralisten mit seinem um die 12 Schauspielerinnen und Schauspieler starken Ensemble fest in der Freiburger freien Theaterlandschaft etabliert und lockt auf eine unnachahmliche Art und stets aufs Neue ein Publikum aller Alters- und Bildungsgruppen zu ihren Vorstellungen. Die sehr filmisch inszenierten Plakatankündigungen haben bereits Sammlerwert und in atemberaubendem Tempo werden bis zu vier Premieren jährlich präsentiert sowie ein beim Publikum beliebter sommerlicher Höhepunkt mit dem OpenAir-Stück im charmanten Innenhof.

Jurybegründung

Besonders hervorheben möchte die Kulturpreis-Jury die mutige Besonderheit des Theaters, nicht nur große Stoffe der Weltliteratur („Schuld und Sühne“, „Das Bildnis des Dorian Gray“, oder „Der Bau“) auf ungewöhnliche Art zu inszenieren, sondern sich mit eigenen Stückentwicklungen der Multitalente Kreitmeier und Wetter und mit oft eigens komponierter Originalmusik, die live in den Vorstellungen gespielt wird, zu profilieren. Ihre Trilogie zum Ersten Weltkrieg oder „Stammheim“ haben diese eigene Form des Geschichtstheaters eindrücklich vermittelt. Die Arbeiten der Immoralisten sind politisch motiviert und aufklärerisch, und dennoch bringen sie ihre Stücke auf höchst unterhaltsame Art auf die Bühne, ohne dabei beliebig oder gefällig zu sein.

Stipendium: Vanessa Valk und Jens Burde

Ebenso mit dem Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis prämiert wird das Künstlerpaar Vanessa Falk und Jens Burde. Die 1974 in Hamburg geborene Vanessa Valk hat ihr Studium an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst/Figurentheater absolviert und war von 2006 bis 2011 als Schauspielerin, Figurenspielerin und -bauerin mit eigener Werkstatt am Freiburger Theater engagiert. In der künstlerischen Allianz mit ihrem Partner Jens Burde sind die beiden ein unschlagbar gutes, sich gegenseitig inspirierendes Team. Jahrgang 1974, hat Burde in München Illustration und in Hamburg Industriedesign studiert. Beide erhielten renommierte Kunst-und Innovationspreise und werden neben ihren Eigenproduktionen auch bundesweit für Ausstattungs-, Produktions-und Figurenbauan verschiedenen Theatern und Shows oder für die Umsetzungen von interaktiven Mitmach-Projekten, Raumgestaltungen und Szenographien für Ausstellungen beauftragt (in Freiburger Literaturhaus waren zum Beispiel zu sehen: „Pop up Gautschätä“, „Poesie im Weltformat“ und „Museum der Langsamkeit“). Bei der Barockoper „Hesch Affekte?“ visualisierten der Bühnenbildner Jens Burde und die Puppenspezialistin Vanessa Valk mit den Schülerinnen und Schülern sehr phantasievoll deren ganz eigene barocke Gefühls- und Theaterwelt.

Jurybegründung

Die Jury würdigt insbesondere ihre interdisziplinären und installativen Performances, die sowohl in gigantischen Kreationen im öffentlichen Raum wie auch in sehr intimen Ein-Frau-Stücken seine Zuschauerinnen und Zuschauer sofort gefangennehmen und emotional berühren. Ob es um die künstlerische Forschung und Bearbeitung der Themen Sterben und Tod, Natur und Umwelt, um soziokulturelle Stadtteilprojekte oder wissenschaftliche Experimente und medizinische Errungenschaften geht: Valk und Burde machen mit ihren künstlerischen Arbeiten einen Kosmos erlebbar, der nicht zuletzt durch seine Materialität sehr nachhaltige, sinnliche und poetische Wirkung entfaltet.

Ehrenpreis: Renate Obermaier und Heinz Spagl

Auch der Ehrenpreis in der Sparte Darstellende Kunst geht an ein Künstler-Duo: die der Stadt Freiburg schon so lange die Treue haltenden und aus der hiesigen Kulturlandschaft nicht wegzudenkenden Renate Obermaier und Heinzl Spagl. Die Schauspieler prägten über Jahrzehnte mit ihrer Spiel-und Experimentierfreude, ihrer präzisen Spracharbeit und ihrer begeisternden und berührenden Schauspielkunst die künstlerische Praxis des Kinder-und Jugendtheaters im Marienbad mit und trugen maßgeblich zu seinem Erfolg und zur bundesweiten Beachtung bei.

Anderen künstlerischen Genres wie Musik, Literatur, Performance stets eng verbunden, entstehen solo, zu zweit oder in unzähligen Kooperationen mit Kunstschaffenden, Musikerinnenund Musikern, Regisseurinnen und Regisseuren, Kultur- und Gesellschaftswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern Bühnenprogramme, deren Spektrum von einer musikalischen Lesung zu Michail Ossorgins „Eine Straße in Moskau“ im Rahmen der Russischen Kulturtage Freiburg 2019 bis hin zu einem eigens für die Freiburger Veranstaltung zum weltweiten Aktionstag der Städte gegen die Todesstrafe am 30.11.2018 zusammengestellten literarisch-politischen Programm reichen.

Mit der Gründung ihres HörFlüge Audioverlags 2013 haben Obermaier und Spagl mit selbst produzierten Hörbüchern für Kinder und für Erwachsene ein weiteres Spielfeld szenischer Lesungen eröffnet. Bisher erschienen sind unter anderem „Rebellen“ von Wolfgang Schorlau, „Der Rabe Alfons“ von Erwin Moser und das erzählte, sehr bewegende Lebens-Schicksal des in einem syrischen Flüchtlingslager geborenen Palästinensers Mohammed Jabur „Bleiben ist keines –nirgendwo“, begleitet von einem begnadeten Musiktrio.

Kunst und deren Vermittlung gelingt Renate Obermaier und Heinzl Spagl auf profunde Weise, den Blick, Ohr und Herz ihres Publikums weit öffnend.

Jury

Laut der vom Gemeinderat am 20. Februar 2018 beschlossenen Satzung besteht die Jury aus dem Oberbürgermeister, dem Kulturbürgermeister, sechs Mitgliedern des Gemeinderates und acht Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens.

  • Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (Vorsitz in Vertretung des Oberbürgermeisters Horn)

Stadträtinnen und Stadträte

  • Stadträtin Pia Federer
    Bündnis 90/Die GRÜNEN
  • Stadtrat Michael Moos
    Fraktionsgemeinschaft Eine Stadt für alle
  • Stadtrat Atai Keller
    Fraktionsgemeinschaft SPD / Kulturliste
  • Stadträtin Dr. Carolin Jenkner
    CDU-Fraktion
  • Stadtrat Sergio Schmidt
    Fraktionsgemeinschaft JUPI
  • Stadträtin Claudia Feierling
    Fraktionsgemeinschaft Freie Demokraten / Bürger für Freiburg

Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens

Literatur:

  • Martin Bruch
    Seit 2014 Leiter des Literaturbüros Freiburg, 2017 Gründung und Leitung des Literaturhauses Freiburg. Zuvor tätig als Referent in der Zentrale des Goethe-Instituts und im Frankfurter Verlag weissbooks.
  • Annette Pehnt
    Mehrfach ausgezeichnete freie Autorin von Romanen, Erzählungen und Kinderbüchern. Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis 2002. Seit 2018: Professur für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus am Literaturinstitut der Stiftung Universität Hildesheim.
  • Susanne Schmid
    Studium der Germanistik und Skandinavistik in Freiburg und Roskilde. Seit 1993 Buchhändlerin und Mitinhaberin der jos fritz Buchhandlung.
  • Bettina Schulte
    Seit 1998 Kulturredakteurin der Badischen Zeitung. Zahlreiche Moderations- und Jury-Tätigkeiten (u.a. beim Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg und bei diversen Literaturpreisen). Leitet zusammen mit Dr. Heinrich Bosse und Prof. Dr. Rolf G. Renner die Reihe „Literarische Neuerscheinungen“ im Studium Generale der Universität Freiburg

Darstellende Kunst:

  • Peter Hermanns
    Freischaffender Schauspieler, Regisseur und Bühnenautor. Gastengagements an verschiedenen deutschen Bühnen; Regiearbeiten u.a. am Wall-grabentheater, Zelttheater Compagnia Buffo, Theater Radix, Festspiele Breisach sowie für zahlreiche Kleinkunst- und Kabarettprogramme. In Freiburg regelmäßige Auftritte mit der TheaterWerkstatt (Duo Denker/Hermanns) und den Sprechkonzerten „Hermanns und Schroeder“ und „Ost-Westlicher Diwan“ (mit Ahmed Abdelali).
  • Marion Klötzer
    Studium der Literaturwissenschaften, Kunstgeschichte und Soziologie in Hamburg und Freiburg. Theater-und Literaturkritikerin für diverse Tageszeitungen und Fachmagazine, in Freiburg mit dem Schwerpunkt freie Szene sowie Kinder-und Jugendkultur u.a. für die Badische Zeitung, Kulturjoker, f79. Neben drei Kindersachbüchern schrieb sie die Abenteuer um den Schuhdetektiv Heinz Schlapp als Bilderbuch, Theaterstück und WDR-Hörspiel.
  • Emma-Louise Jordan
    Studierte Klassischen Tanz in London. Nach zahlreichen europaweiten Engagements bei namhaften Kompagnien kam sie 1999 mit Amanda Miller und dem Ballettensemble „Pretty Ugly“ ans Theater Freiburg. Seit 2004 als freie Pädagogin, Regisseurin und Choreografin am Theater Freiburg und am Badischen Staatstheater Karlsruhe tätig. Verschiedene Integrationsprojekte unter Mitwirkung behinderter und nicht-behinderter Jugendlicher. Seit 2008 Dozentin für Tanz, Improvisation und Körperarbeit an der Hochschule für Musik Freiburg.
  • Nic* Reitzenstein
    Ausgebildete Schauspieler_in, bis 2014 am Theater Freiburg engagiert. 2016 gründet sie_er zusammen mit der Freiburger Literaturwissenschaftler_in Jenny Warnecke das queere Theaterkollektiv RaumZeit. Neben eigenen Stückproduktionen in Freiburg und auf überregionalen Festivals, in denen es schwerpunktmäßig um die Sichtbarkeit und Anerkennung von Transmenschen und im allgemeinen um mehr Diversität in der darstellenden Kunst geht, gibt sie_er Theater- und Hörspielworkshops an Schulen.

Festakt

Der ursprünglich für vergangenes Jahr vorgesehene und wegen des Pandemie-Lockdowns abgesagte Festakt zur Verleihung des Reinhold-Schneider-Preises wird nun nachgeholt: Oberbürgermeister Martin Horn übergibt die Preise in den beiden zur Verleihung anstehenden Sparten "Literatur" und "Darstellende Kunst" im Rahmen eines feierlichen Abends am Sonntag, 21. November 2021 um 19.30 Uhr im Theater Freiburg.
Ab dem 8. November sind online und an der Theaterkasse kostenlose Eintrittskarten verfügbar. Der Besuch der Veranstaltung ist nur mit 2 G (vollständig geimpfte oder nachweislich genesene Personen) möglich.

Der biennal zur Verleihung ausgelobte Kulturpreis der Stadt Freiburg öffnet im 60. Jahr seines Bestehens ein neues Kapitel. Der bislang ausschließlich in den drei Sparten "Bildende Kunst", "Literatur" und "Musik" vergebene Kulturpreis der Stadt wird erweitert um die beiden Bereiche "Fotografie, Film, Neue Medien“ und "Darstellende Kunst“. Ab dem Jahr 2020 vergibt die Stadt die Preise künftig immer in zwei Sparten parallel - dieses Jahr im turnusgemäß zur Verleihung anstehenden Bereich „Literatur“ und in der neu hinzugekommenen Sparte „Darstellende Kunst“.

Der Autor und Journalist Dietmar Datherhält den mit 15.000 Euro dotierten Kulturpreis der Stadt Freiburg in der Sparte "Literatur". Das Tänzer- und Choreographen-Duo Graham Smith und Maria Pires werden mit dem erstmals in der Sparte "Darstellende Kunst" verliehenen Reinhold-Schneider-Preis ausgezeichnet.

Das mit 6.000 Euro pro Sparte dotierte Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis wird jeweils zu gleichen Teilen von 3.000 Euro vergeben: Für „Darstellende Kunst“ an das Theater der Immoralisten und an das Künstlerpaar Vanessa Valk und Jens Burde. In der Sparte "Literatur" werden die Autorinnen Stefanie Höfler und Iris Wolff mit einem Stipendium prämiert.

Die zwei undotierten Ehrenpreise erhalten als Würdigung für ihr bisheriges Lebenswerk in der Sparte "Darstellende Kunst" die Schauspieler Renate Obermaier und Heinz Spagl. Der Ehrenpreis "Literatur" wird der Schriftstellerin Evelyn Grill zugesprochen.

 

2018 Musik

Reinhold-Schneider-Preis: ensemble recherche

ensemble recherche (Foto: Albert Josef Schmidt)

Mit dem Reinhold-Schneider-Preis würdigt die unter Vorsitz von Ersten Bürgermeister Ulrich von Kirchbach tagende Jury aus Mitgliedern des Gemeinderates und Kunstexpertinnen und -experten das ensemble recherche.

Jurybegründung

Urkunde

Seit 33 Jahren widmen sich die Mitglieder des ensemble recherche dem Neuen und Unbekannten und schreiben tatkräftig die Musikgeschichte fort. Sie stellen ihre enorme Musikalität und ihr außergewöhnliches Können in den Dienst der musikalischen Forschung und brachten mehr als 600 Uraufführungen in die Welt. Seine ausgiebigen internationalen Erfahrungen über alle Kontinente hinweg bringt das ensemble recherche nach Freiburg zurück, um sie dort in verschiedenen Formaten mit den Menschen zu teilen und in die Ausbildung des Nachwuchses einfließen zu lassen. Mit dem Reinhold-Schneider-Preis ehrt die Stadt Freiburg das herausragende künstlerische Schaffen des Ensembles, insbesondere aber seine mutigen und wertvollen Impulse für die zeitgenössische Musik.

Laudatio

Prof. Lennart Dohms
Dirigent und Dozent, Hochschule der Künste, Bern

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Stipendium: Ralf Schmid

Ralf Schmid (Foto: Albert Josef Schmidt)

Das Stipendium zum Reinhold Schneider-Preis hat die Jury diesmal geteilt. Den einen Teil erhält Ralf Schmid.

Jurybegründung

Urkunde

Ralf Schmid überschreitet als Musiker Grenzen − zwischen Mensch und Maschine, analoger und digitaler Technik, Klassik, Jazz und elektronischer Musik. Mit seinem Projekt Pyanook macht der Komponist und Pianist Klänge erlebbar. Datenhandschuhe dienen ihm dabei als Eingabeinstrument. Mit einer Software stellt er eine künstliche Umwelt (Augmented Reality) her, die er in Echtzeit verändern kann. So macht er Hörbares sichtbar und Sichtbares hörbar. Mit dem Reinhold-Schneider- Preis würdigt die Stadt Freiburg Ralf Schmids Projekt Pyanook für seine hymnisch-kraftvollen Eigenkompositionen und ihre synästhetische Visualisierung.

Laudatio

Angelika Kellhammer
Kulturjournalistin und Filmautorin, München

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Stipendium: Bar

BAR (Foto: Albert Josef Schmidt)

Das zweite Stipendium wird der Freibuger Band BAR verliehen.

Jurybegründung

Urkunde

Seit über 20 Jahren sind die vier Musiker von BAR in der Freiburger Musikszene unterwegs. Bis 2014 unter dem Namen „Liquid Laughter Lounge Quartet“ bekannt, lässt sich ihre Musik genrebezogen kaum einordnen. Bluesig, düster, flirrend, melancholisch, rockig, theatralisch: Das alles sind der Sänger Jens Teichmann, Gitarrist Oliver Maier, Markus Heinzel am Kontrabass und Jeremy Dhôme am Schlagzeug. Sie haben einen Stil jenseits des Mainstreams kreiert, der in Freiburg und weit über die Stadtgrenzen hinaus einzigartig ist. Ihr Sound scheint gleichermaßen zeitlos und aus der Zeit gefallen. Mit dem Reinhold-Schneider-Preis würdigt die Stadt Freiburg ihre unverwechselbare und einfallsreiche Musik und ihren hochgeschätzten Beitrag für die hiesige Musiklandschaft.

Laudatio

Kristina Jung, Musikerin und Ingo Leistner,
Ritchie Records/ Flight 13 Records, Freiburg

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Jury

Nach der vom Gemeinderat am 23. Oktober 2001 beschlossenen Satzung besteht die Jury aus dem Oberbürgermeister, dem Kulturbürgermeister, fünf Mitgliedern des Gemeinderates und sechs Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens.

  • Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon (Vorsitz und Stimme übertragen an EBM von Kirchbach)​
  • Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (Vorsitz)

Stadträtinnen und Stadträte

  • Stadträtin Pia Federer
    Bündnis 90/Die GRÜNEN
  • Stadträtin Dr. Carolin Jenkner
    CDU-Fraktion
  • Stadträtin Türkan Karakurt
    SPD-Fraktion
  • Stadtrat Atai Keller
    Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen
  • Stadtrat Prof. Klaus-Dieter RückauerFraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/ Für Freiburg

Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens

  • Bernhard Amelung
    Redakteur der Badischen Zeitung, Schwerpunkte: Pop- und Clubkultur, Freizeit- und Veranstaltungsportal bz-ticket.de, Onlinemagazin fudder.de
  • Prof. Carola Bauckholt
    Komponistin, Verlegerin und Intermedia-Künstlerin
  • Hae-Kyung Jung
    Kantorin/Organistin an der Christuskirche Freiburg und Bezirkskantorin des Stadtkirchenbezirks
  • Prof. Camille Savage-Kroll
    Professorin für Elementare Musikpädagogik und Rhythmik an der Hochschule für Musik Freiburg
  • Reinhard Stephan
    Mitgründer und ehemaliger Geschäftsführer der Freiburger Jazz- und Rockschulen (JRS), Mitgründer der HKDM. Mitglied der Freiburger Band Tabasco
  • Cécile Verny
    Frontsängerin des Cécile Verny Quartets, Reinhold-Schneider-Preisträgerin 2012

Festakt

Die Verleihung des Reinhold-Schneider-Preises 2018 in der Sparte Musik fand am 15. November im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses am Münsterplatz statt. Die Preise wurden durch Oberbürgermeister Martin Horn übergeben.

Mit dem diesjährigen Kulturpreis zeichnet die Stadt Freiburg das 1985 gegründete und seither hier ansässige ensemble recherche aus. Der Reinhold-Schneider-Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Das Stipendium in Höhe von 6.000 Euro geht zu gleichen Teilen an den Jazzpianisten Ralf Schmid sowie an die Freiburger Band BAR.

2016 Bildende Kunst

Reinhold-Schneider-Preis: Susi Javan

Susi Juvan (Foto: Albert Josef Schmidt)

Mit dem Reinhold-Schneider-Preis würdigt die unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dieter Salomon tagende Jury aus dem Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, Mitgliedern des Gemeinderates und Kunstexpertinnen und -experten das malerische Werk Susi Juvans.

1950 in Ebersbach geboren, studierte Susi Juvan von 1972 bis 1978 bei Professor Peter Dreher an der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Künste Karlsruhe. Bereits 1982 wurde ihr Frühwerk mit dem Reinhold-Schneider-Förderpreis ausgezeichnet, seitdem folgten zahlreiche Stipendien, Auszeichnungen und Ausstellungen im In- und Ausland. Juvan lebt und arbeitet in Freiburg.

Jurybegründung

Unberechenbar, impulsiv und zweifelnd, schauend und getrieben, übersetzt Susi Juvan ihr Erleben in Malerei. Im kompromisslosen Ringen mit dem Bild, immer mit dem Scheitern an ihrer Seite, schafft sie sich in ihre Sujets hinein, die sich in diesem Prozess aufzulösen scheinen, bis die Farbmaterie über die Gegenständlichkeit triumphiert. Dabei gibt es keine Hierarchie von Farbe und Form, keine Rücksicht auf ein allgemeingültiges ästhetisches Empfinden. Susi Juvan malt die Suche selbst.

Laudatio

Martin R. Dean
Der Weg zu einem Bild

Stipendium: Andreas von Ow

Andreas von Ow (Foto: Albert Josef Schmidt)

Mit dem Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis zeichnet die unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dieter Salomon tagende Jury aus dem Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, Mitgliedern des Gemeinderates und Kunstexpertinnen und -experten den 1981 in Freiburg geborenen und seit einiger Zeit in Berlin lebenden Andreas von Ow aus.Im Alltag oder an den Orten seiner Ausstellungen kondensiert von Ow aus Beeren, Kräutern, Bohrstaub oder Kehricht authentische Malsubstanz, aus der er, ebenso wie in Videos und Installationen, konzentrierte poetische Setzungen erschafft. Der Künstler studierte von 2006 bis 2012 an der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste unter anderem bei Professor Günter Umberg und als Meisterschüler bei Professorin Tatjana Doll.Für sein junges Werk erhielt er bereits mehrere Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt 2015 den Kunstpreis der Freiburger van Look-Stiftung. Von Ow war in seiner Freiburger Zeit wichtiger und sehr engagierter Impulsgeber für die junge Freiburger Kunstszene, unter anderem als Gründer des Off-Spaces plan b.

Jurybegründung

Seine Malerei hat die lapidare Konzentrationskraft der Radikalen Malerei. Doch schreibt Andreas von Ow der Farbe eine Bildlegende. Er entnimmt, womit er malt, der Umwelt, dem eigenen Lebensumfeld. Staub, Ziegelstaub, Früchte, Gemüse … Mit den gefundenen, eigenhändig aufbereiteten Stoffen erschließt sich eine ganz unprätentiös poetische Weltoffenheit. Und nichts anderes sucht und findet Andreas von Ow auch im Bildfluss seiner Videos. Dem Sichtbaren zeichnet der Künstler mit allem eine diskrete Hommage.

Laudatio

Thomas Schlereth
Mit den Farben auf dem Weg

Ehrengabe: Helga Marten

Helga Marten (Foto: Albert Josef Schmidt)

Mit der Ehrengabe zum Reinhold-Schneider-Preis würdigt die unter Vorsitz von Oberbürgermeister Dieter Salomon tagende Jury aus dem Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach, Mitgliedern des Gemeinderates und Kunstexpertinnen und -experten in diesem Jahr Helga Marten.Die 84-jährige Künstlerin lebt seit 1953 in Freiburg und geht noch täglich zum Malen in ihr Atelier. Von 1952 bis 1960 studierte sie Malerei an den Staatlichen Akademien der Bildenden Künste in München und Freiburg, zuletzt als Meisterschülerin von Professor Hans Meyboden an der Freiburger Außenstelle der Kunstakademie Karlsruhe.Im Zentrum ihres bisherigen malerischen und grafischen Lebenswerks stehen Porträts und Landschaften. Diese werden von Helga Marten nicht naturalistisch abgebildet, sondern sind ihr in Tradition der klassischen Moderne Anlässe für Farb-Experimente, die zwar auf die Landschaft oder den Menschen verweisen, immer aber eigene künstlerische Realitäten kreieren.

Jurybegründung

Helga Marten hat zu jeder Zeit ihrer über ein halbes Jahrhundert zurück reichenden künstlerischen Arbeit die malerische Herausforderung gesucht. Im Vertrauen auf die Tradition umfasst sie die klassischen Genres – Stillleben, Landschaften und Bildnisse. Das umfangreiche grafische Werk enthält Zeichnungen, Radierungen und Monotypien. Helga Marten komponiert, verdichtet und transponiert Motive ihrer direkten Umgebung in die zweidimensionale Bildebene. Signifikant für ihre malerische Bildsprache ist eine sublime Modifikation der alltäglichen Dingwelt durch geheimnisvolle Farbgebung in Malerei. Und so zeugen diese Bilder vom Sehen und Malen voller Dynamik und Sinnlichkeit.

Laudatio

Hans-Joachim Müller

Jury

Nach der vom Gemeinderat am 23. Oktober 2001 beschlossenen Satzung besteht die Jury aus dem Oberbürgermeister, dem Kulturbürgermeister, fünf Mitgliedern des Gemeinderates und sechs Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens.

  • Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon (Vorsitz und Stimme übertragen an EBM von Kirchbach)​
  • Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (Vorsitz)

Stadträtinnen und Stadträte

  • Stadträtin Pia Federer
    Bündnis 90/Die GRÜNEN
  • Stadträtin Dr. Carolin Jenkner
    CDU-Fraktion
  • Stadträtin Türkan Karakurt
    SPD-Fraktion
  • Stadtrat Atai Keller
    Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen
  • Stadtrat Prof. Klaus-Dieter RückauerFraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/ Für Freiburg

Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens

  • Bernhard Amelung
    Redakteur der Badischen Zeitung, Schwerpunkte: Pop- und Clubkultur, Freizeit- und Veranstaltungsportal bz-ticket.de, Onlinemagazin fudder.de
  • Prof. Carola Bauckholt
    Komponistin, Verlegerin und Intermedia-Künstlerin
  • Hae-Kyung Jung
    Kantorin/Organistin an der Christuskirche Freiburg und Bezirkskantorin des Stadtkirchenbezirks
  • Prof. Camille Savage-Kroll
    Professorin für Elementare Musikpädagogik und Rhythmik an der Hochschule für Musik Freiburg
  • Reinhard Stephan
    Mitgründer und ehemaliger Geschäftsführer der Freiburger Jazz- und Rockschulen (JRS), Mitgründer der HKDM. Mitglied der Freiburger Band Tabasco
  • Cécile Verny
    Frontsängerin des Cécile Verny Quartets, Reinhold-Schneider-Preisträgerin 2012

2014 Literatur

Reinhold-Schneider-Preis: Klaus Theweleit

Klaus Theweleit (Foto: Albert Josef Schmidt)

Mit dem Reinhold-Schneider-Preis würdigt die unter Vorsitz von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach tagende Jury aus Mitgliedern des Gemeinderats und Literaturexpertinnen und -experten das in Themen und Stil außergewöhnliche und seit Jahrzehnten international viel beachtete Werk des in Freiburg lebenden Autors.

Klaus Theweleit wurde 1942 in Ostpreußen geboren, studierte Germanistik und Anglistik in Kiel und Freiburg und war von 1969 bis 1972 als freier Mitarbeiter des Südwestfunks tätig. Theweleit lehrte am Institut für Soziologie der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Bis zu seiner Emeritierung hatte er über zehn Jahre eine Professur für Kunsttheorie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe inne und versieht derzeit wechselnde Lehraufträge in Deutschland, den USA, der Schweiz und Österreich.

Jurybegründung

Seit vierzig Jahren bereichert der Denker und Autor Klaus Theweleit mit seinen national wie international beachteten Texten zur Mentalitäts- und Kulturgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts Wissenschaft und Literatur. Sein vielfältiges und vielgestaltiges Werk nimmt immer wieder neu das Verhältnis von Macht und Geschlecht in den Blick und sprengt dabei die Grenzen der akademischen Disziplinen. Mit "Männerphantasien" schrieb Theweleit eines der wichtigsten Bücher zur Psychopathologie des Faschismus. Doch sein leidenschaftlicher Erkenntnisdrang richtet sich ebenso auf Phänomene der Popmusik oder den Fußball. In seinen Relektüren kulturgeschichtlicher Texte hat er durch Einbeziehung von Bildmedien ein ganz neues Genre hervorgebracht. Mit dem Reinhold-Schneider-Preis würdigt die Stadt Freiburg das außergewöhnliche Lebenswerk des kritischen Aufklärers Klaus Theweleit.

Laudatio

Prof. em. Dr. Wolfgang Eßbach

Prof. em. Dr. Wolfgang Eßbach
Institut für Soziologie, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Stipendium: Lisa Kränzler

Lisa Kränzler (Foto: Albert Josef Schmidt)

Mit dem Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis würdigt die unter Vorsitz von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach tagende Jury aus Mitgliedern des Gemeinderats und Literaturexpertinnen und -experten in diesem Jahr Lisa Kränzler.

Die 1983 in Ravensburg geborene Kränzler studierte Freie Kunst (Studiengang Malerei/Grafik) an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste, Außenstelle Freiburg, und war 2010/11 Meisterschülerin bei Tatjana Doll.

Neben und für ihre Malerei wurde das Schreiben immer wichtiger. Die 31-jährige Lisa Kränzler debütierte 2012 mit ihrem Roman „Export A". Mit ihrem Erstling wurde sie für den Klaus-Michael Kühne-Preis 2012 und für den Rauriser Literaturpreis 2013 nominiert. In Rückblicken und Monatagetechnik werden die Themen Erwachsenwerden, Destruktion, Exzess und Schuld anhand der Geschichte einer 16jährigen Austauschschülerin in Kanada erzählt. Beim letztjährigen Ingeborg Bachmann-Wettbewerb erhielt Kränzler den 3Sat-Preis. Ihr zweiter Roman „Nachhinein", der die Geschichte einer ungleichen Mädchenfreundschaft erzählt, bescherte Kränzler 2013 die Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse.

Jurybegründung


Lisa Kränzler erzählt mit großer Authentizität in ihrer eigenen Sprache, mit ihrem eigenen Klang, zu ihren eigenen Bildern. Parallel zu ihrer Arbeit als bildende Künstlerin hat sie zwei viel beachtete und hoch gelobte Romane veröffentlicht, ihr drittes Werk ist abgeschlossen. Ungeachtet der großen medialen Aufmerksamkeit sucht diese starke Persönlichkeit ihren Weg und hebt sich mit ihrer schonungslosen und sprachlich radikalen Erzählweise aus den Veröffentlichungen ihrer Generation heraus. Die Stadt Freiburg würdigt die Autorin Lisa Kränzler und ihren unverkennbaren Stil mit dem Stipendium zum Reinhold-Schneider-Preis.

Laudatio

Jörg Sundermeier, Verleger des Verbrecher Verlags Berlin

Jörg Sundermeier
Verleger des Verbrecher Verlags Berlin

Jury

Nach der vom Gemeinderat am 23. Oktober 2001 beschlossenen Satzung besteht die Jury aus dem Oberbürgermeister, dem Kulturbürgermeister, fünf Mitgliedern des Gemeinderates und sechs Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens.

  • Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon (vertreten durch Bürgermeister von Kirchbach)
  • Bürgermeister Ulrich von Kirchbach (Jury-Vorsitz)

Stadträtinnen und Stadträte

  • Stadträtin Pia Federer
    Fraktionsgemeinschaft Junges Freiburg/Die GRÜNEN
  • Stadträtin Dr. Ellen Breckwoldt
    CDU-Fraktion
  • Stadtrat Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Eßmann
    SPD-Fraktion
  • Stadtrat Atai Keller
    Fraktionsgemeinschaft Unabhängige Listen
  • Stadtrat Nikolaus von Gayling-Westphal
    FDP-Fraktion

Persönlichkeiten des geistigen und kulturellen Lebens

  • Dr. Martin Ebel
    Literaturredakteur des "Tages-Anzeiger" Zürich
  • Sebastian Reiß
    Leiter des Hörbüro Freiburg, Präsentation literarischer Neuerscheinungen in der Reihe „Reiß liest...“
  • Jürgen Reuß
    Autor, freier Journalist, Literatur-, Theaterkritiker und Übersetzer
  • Dr. Bettina Schulte
    Kulturredakteurin der Badischen Zeitung
  • Dr. Stefanie Stegmann
    Leiterin des Literaturbüros Freiburg von 2005-2013. Seit Januar 2014 Leiterin des Literaturhauses Stuttgart
  • PD Dr. Weertje Willms
    Dozentin für Neuere Deutsche Literatur sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Festakt

Am 10. April 2014 verlieh Oberbürgermeister Dieter Salomon im Rahmen eines Festaktes im Historischen Kaufhaus den Reinhold-Schneider-Preis der Stadt Freiburg in der Sparte Literatur an die beiden Preisträger Prof. Dr. Klaus Theweleit und Lisa Kränzler. (Fotos: Albert Josef Schmidt)

Oberbürgermeister Dieter Salomon mit dem Preisträger Klaus Theweleit, Monika Theweleit-Kubale und Hans Peter Herrmann

Kontakt

Frau Claudia Dürr

Assistenz der Amtsleitung

Telefon 0761 201-2101

Presse

Bewerbungen

Vorschläge für potentielle Preisträger_innen werden formlos über die jeweilige Experten-Jury eingebracht. Formlose Eigenbewerbungen sind möglich, aber unüblich.