69. Sitzung | 5. Februar 2026, 14 Uhr
TOP 1: Sanierung und Erweiterung des Mercure Hotel Panorama Freiburg
Wintererstraße 89 | Herdern
Bauherr*in: STARSHIP Holding, Dresden
Planverfasser*in: KRESINGS Architektur Münster, Münster
Protokoll
Das Hotel Panorama auf dem Waltersberg besteht seit 1972. In exponierter Hanglage ist das Hotel ein prägender Baustein im Stadtbild von Freiburg mit hoher städtebaulicher Wirkung. Der für die 1970er Jahre typische Massivbau mit seiner horizontal strukturierten Fassade und dem liegenden Erscheinungsbild folgt dem Hangverlauf und nimmt den Naturraum auf. Seit einem Brandereignis im Jahr 2024, das zur vollständigen Räumung und Außerbetriebnahme des Hotels führte, ist das Gebäude nun Gegenstand einer neu ausgerichteten Planung.
Der Gestaltungsbeirat zeigt sich erfreut, in einem frühen Stadium (Machbarkeitsstudie) der Entwurfsplanung eingebunden zu sein. Er würdigt die vorgelegte Planung, den Bestand des Hotels Panorama in seiner Grundsubstanz zu sanieren, in ein zeitgemäßes Gebäude zu transformieren und als Wellnesshotel zu aktivieren.
Vorgesehen ist eine Kernsanierung des Bestands auf Basis eines Low-Tech-Konzepts sowie die Nutzung von Geothermie zum Heizen und Kühlen des Gebäudes. Die Umsetzung soll grundsätzlich innerhalb des bestehenden Bebauungsplans erfolgen, wobei Überschreitungen im Bereich des Außenpools sowie der geplanten Aufstockung vorgesehen sind.
Zu den wesentlichen Maßnahmen zählen der Rückbau auskragender Betonteile, das Hinzufügen einer vorgestellten Fassadenkonstruktion, die Vergrößerung der Zimmer und damit Reduzierung der Zimmeranzahl von 86 auf 62, die Aufstockung des Gebäudes sowie die Erweiterung des Spa- und Wellnessbereichs. Zusätzlich wird geprüft, inwieweit und mit welchen Maßnahmen der Stellplatzschlüssel erhöht werden kann.
Folgende Empfehlungen werden seitens des Gestaltungsbeirats ausgesprochen:
Der Rückbau der auskragenden Terrassen, um die thermische Hülle sinnvoll um den Baukörper zu ziehen, ist nachvollziehbar. Das neue Balkongerüst verleiht dem Baukörper durch seine Leichtigkeit ein neues, angenehmes Erscheinungsbild. Der Beirat unterstützt das Vorhaben, die Stahlkonstruktion zu begrünen, empfiehlt jedoch, dies als zentrales Gestaltungsmerkmal auszuarbeiten und insbesondere mit bodengebundener Begrünung zu arbeiten. Die Farbigkeit der neuen Schicht sollte sich zurücknehmen; auf eine weiße oder sehr helle Anmutung ist aus Sicht des Beirats zu verzichten. Wichtig ist hierbei die optische Integration des Gebäudes durch Begrünung in den angrenzenden Wald.
Die Erweiterung des Spa- und Wellnessbereichs einschließlich des neuen Außenpools ist grundsätzlich nachvollziehbar. Der Außenpool ist durch seine Lage in der Gebäudemitte und die massive Brüstung in der Fernsicht sehr präsent und wird kritisch diskutiert. Empfohlen wird, einen Infinity-Pool auszubilden, auf den optisch störenden „Geländerbalken“ zu verzichten und den Randbereich des Pools insgesamt filigraner zu gestalten. Durch die Positionierung des Pools wird stark in den Freiraum eingegriffen und die Baugrenze überschritten. Aufgrund des deutlich abfallenden Geländes sind erhebliche Eingriffe in die Topographie und in den Freiraum sowie Abfangungen der neuen Bereiche erforderlich. Der Gestaltungsbeirat wünscht hierzu eine sehr präzise Darstellung der Eingriffe und der vorgesehenen Maßnahmen, die zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausreichend dargestellt sind, um eine abschließende Beurteilung vornehmen zu können. Gleiches gilt für den Geländeanschluss an die städtischen Grundstücke; hier werden fließende Übergänge ohne Versprünge im Niveau gewünscht.
Die geplante Aufstockung des Hotels stellt einen sensiblen Eingriff dar, da sie das derzeit angenehme liegende Erscheinungsbild des Gesamtbaukörpers aufhebt. Der Gestaltungsbeirat sieht dies kritisch, weist jedoch darauf hin, dass die Aufstockung erst im Zusammenspiel mit den zuvor genannten Anmerkungen und Verbesserungsvorschlägen abschließend zu beurteilt werden kann.
Darüber hinaus empfiehlt der Beirat, auch Augenmerk auf die Rückansicht mit Vorfahrt, Stellplätzen und Servicetrakten zu legen und das derzeit unattraktive Erscheinungsbild deutlich zu verbessern. Der Stellplatzbedarf ist neu zu bewerten und in engem Austausch mit der Stadt zu entwickeln. Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes sowie der Naherholungsfunktion müssen vermieden werden. Aufgrund der besonderen Lage bestehen hohe Anforderungen an Natur- und Klimaschutz. Belange wie Kaltluftströme, Regenwassermanagement und Begrünung sind zu überprüfen und eng mit der Stadt abzustimmen.
Der Gestaltungsbeirat würdigt die intensive Auseinandersetzung mit dem Bauvor-haben sowie das entgegengebrachte Vertrauen und bedankt sich für das Engagement der Bauherrschaft und des Architekturteams, an diesem sensiblen und im Stadtbild sehr präsenten Standort mit hoher Fernwirkung eine qualitätsvolle Architekturlösung zu entwickeln. Die genannten Punkte sollten in der weiteren Planung präzisiert und überarbeitet werden; eine erneute Beratung im Beirat wird empfohlen.