Drei Fragen an...

Greta Köpf, die zusammen mit Sophia Speer für ihre Zivilcourage ausgezeichnet wurde

Gruppenbild der geehrten Personen
Sie haben Menschen in einer medizinischen Notsituation oder vor Gewalt gerettet – oder davor bewahrt, sich das Leben zu nehmen. Dafür wurden jetzt Greta Köpf und Sophia Speer (3. und 4. v. l.) sowie Jochen Bienert, Uwe Sonntag und Lennart Schweigler (v. r.) vom Verein Sicheres Freiburg und der Kommunalen Kriminalprävention der Stadt geehrt. Außerdem auf dem Gruppenfoto: Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (3. v. l.), Vorstand von Sicheres Freiburg e.V. Meinrad Drumm (2. v. l.), Geschäftsführer von Sicheres Freiburg e.V. Mark Bottke (l.), Polizeivizepräsident und stellvertretender Vorsitzender des Vereins Uwe Oldenburg (4. v. r.).

An einem kalten Wintertag im Jahr 2024 hat die damals 19-jährige Greta Köpf eine junge Frau davor bewahrt, sich das Leben zu nehmen. Für ihren couragierten Einsatz wurde sie jetzt von der Stadt geehrt.

1. Was ist passiert am 11. Dezember 2024?

Portrait Greta Köpf

Auf der Brücke am Runzmattenweg habe ich eine junge Person entdeckt, die auf dem Geländer über den Gleisen saß. Auf meine Ansprache hatte sie nicht reagiert, und mir war sofort klar, dass sie sich das Leben nehmen wollte. Nach kurzem Zögern kletterte ich zu ihr und stand ihr bei, obwohl sie wollte, dass ich gehe. Als der Zug immer näher kam und sie nach vorne rutschte, hielt ich sie fest. Ich hatte große Angst, dass wir beide fallen könnten. Und weil das mit jedem Zug wieder von vorn begann, fühlte es sich an, als nehme es kein Ende. Erst als Sophia stehen blieb und zu uns kam, konnten wir zu zweit mit ihr reden und verhindern, dass sie springt, bis die Rettungskräfte eintrafen.

2. Was war für Sie am schlimmsten?

Am schlimmsten war, dass so viele Menschen an uns vorbeigegangen sind – bestimmt 50 – und niemand stehen geblieben ist oder Hilfe gerufen hat. Dieses Wegschauen, dieses „Das wird schon jemand anderes machen“, macht mich bis heute fassungslos und wütend. Zudem war ich völlig überfordert: der Lärm des Zuges, ihr Rutschen nach vorne, ihr Flehen, ich solle sie in Ruhe lassen. Es verfolgt mich bis heute.

3. Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?

Ehrlich gesagt fühle ich mich nicht wohl damit, einen Preis dafür zu erhalten, dass ein junger Mensch sein Leben beenden wollte. Ich frage mich bis heute, welches Recht ich hatte, ihr diese Entscheidung abzunehmen. Gleichzeitig verstehe ich, wie wichtig diese Auszeichnung sein kann: Sie erinnert daran, hinzuschauen. Daran, dass niemand Expert*in sein muss, um für jemanden da zu sein. Wenn der Preis bewirkt, dass mehr Menschen stehen bleiben, nachfragen und nicht vorbeigehen – dann habe ich für mich doch einen Sinn darin gefunden.

Hinschauen statt wegschauen

„Zivilcourage zeigt sich dort, wo Menschen hin- statt wegschauen“, sagte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach (siehe oben: 3. v. l.). „Sie entsteht nicht zufällig, sondern aus einer inneren Haltung heraus, und aus der Bereitschaft, im entscheidenden Moment nicht passiv zu bleiben.“ Die Auszeichnung wolle ein Zeichen setzen für eine aufmerksame Stadtgesellschaft. „Ohne Sie wäre Freiburg ärmer“, betonte Meinrad Drumm (siehe oben: 2. v. l.) vom Vorstand von Sicheres Freiburg; Geschäftsführer Mark Bottke (siehe oben: l.) führte durch den Abend. „Ihr beherzter Einsatz ist nicht selbstverständlich“, sagte Uwe Oldenburg (siehe oben: 4. v. r.), Polizeivizepräsident und stellvertretender Vorsitzender des Vereins. „Dafür braucht es Mut und Entschlossenheit, und man muss vielleicht auch über den eigenen Schatten springen. Dafür haben Sie diese Ehrung verdient.“

Mehr zur Kriminalprävention gibt es unter www.freiburg.de/kriminalpraevention. Mehr zum Verein Sicheres Freiburg e.V. unter www.sicheres-freiburg.de.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 901 vom 20. Dezember 2025. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 19. Dezember 2025