Pressemitteilung vom 25. November 2025
Weniger Müll auf Freiburgs Straßen - Pilotprojekt für Mehrwegoffensive ist gestartet
- Freiburg baut deutschlandweit einzigartigen Mehrwegverbund auf
- Angebote und Unterstützung für Bürger*innen und die Gastronomie
Nach der Entscheidung des Freiburger Gemeinderats wird zum 1. Januar in Freiburg die Verpackungssteuer eingeführt. Einwegverpackungen für Speisen und Getränke zum direkten Verzehr werden damit teurer. Parallel dazu setzt die Stadt ihre Mehrwegoffensive um. Zentraler Bestandteil ist der neue Mehrwegverbund: Freiburg baut als erste Stadt Deutschlands einen lokalen Zusammenschluss für Mehrwegverpackungen auf. Gestartet wird zunächst mit Mehrwegbechern. Ziel ist es, dass Nutzer*innen ihre Mehrwegbecher an verschiedenen Orten unkompliziert zurückgeben können. So wird keine Verpackungssteuer fällig und es landet weniger Müll auf Freiburgs Straßen.
Um die Logistik vor Jahresbeginn zu testen, ist Anfang November ein Pilotprojekt gestartet. Zehn Betriebe mit 16 Filialen beteiligen sich daran. Jeder genutzte Becher kann bei allen teilnehmenden Verkaufsstellen zurückgegeben werden und hilft dabei, die internen Abläufe zu erproben.
„Wir wollen dem Thema Müllvermeidung und Stadtsauberkeit mit der Mehrwegoffensive begegnen. Dafür gehen wir mit unserem Mehrwegverbund einen neuen Weg. Freiburg ist eine nachhaltige Stadt, die Menschen haben ein hohes Umweltbewusstsein. Wir wollen alle Beteiligten dabei unterstützen, die Mehrwegquote zu erhöhen und so für mehr Stadtsauberkeit zu sorgen. Die Mehrwegoffensive soll gemeinsam mit lokaler Wirtschaft und Gastronomie gestaltet werden, damit Mehrweg im Alltag einfacher und attraktiver funktioniert“, sagt Oberbürgermeister Martin Horn.
„Seit drei Jahren gibt es in Deutschland die Pflicht für Betriebe, auch Mehrwegalternativen anzubieten. Die Mehrwegquote ist aber leider noch immer sehr niedrig auch in Freiburg, nur rund 15 Prozent der Betriebe bieten Mehrweglösungen an. Hier wollen wir mit der Mehrwegoffensive unterstützen. Mehr Mehrweg wird sich allerdings nicht von einem Tag auf den anderen realisieren lassen. Wir brauchen Anreize, gute Angebote für die Gastronomie und die Kundinnen und Kunden sowie vermutlich etwas Geduld und Zeit“, sagt Umweltbürgermeisterin Christine Buchheit.
Der Mehrwegverbund
Der Freiburger Mehrwegverbund organisiert den gesamten Mehrwegkreislauf – von der Logistik über die Reinigung bis hin zur Pfandabrechnung. An die 16 teilnehmenden Betriebsstätten wurden bislang rund 1000 Mehrwegbecher ausgegeben. Die Kreislaufverbund Mehrweg GmbH erreichen bereits erste Nachbestellungen. Alle Freiburger Gastronomiebetriebe, Bäckereien, Metzgereien, Tankstellen und Supermärkte können ab dem 1. Januar teilnehmen.
In der Pilotierung werden derzeit die Abläufe durchgespielt, um das Modell später besser skalieren zu können. Dabei geht es um die Lieferung sauberer Becher, die Lagerung und Abholung der gebrauchten Becher sowie das zentrale Spülsystem. Danach folgen die Sortierung sowie die Auslieferung der gereinigten Becher an die Betriebe. Die Transporte während des Pilotprojekts übernimmt die Abfall- und Stadtreinigung Freiburg (ASF). Ab 2026 werden auch lokale Dienstleister eingebunden, die bereits teilnehmende Betriebsstätten ohnehin mit anderen Waren beliefern, um unnötige Fahrten zu vermeiden. Die Pfandverrechnung erfolgt durch die zentrale Verwaltung des Verbunds.
Auch für die teilnehmenden Betriebe ist die Pilotphase hilfreich. Sie bietet die Gelegenheit, das Verkaufspersonal schon vor dem 1. Januar in den neuen Abläufen zu schulen. Mit der ersten Becherlieferung erhalten die Betriebe ein Kommunikationspaket. Ein Thekenaufsteller erklärt beispielsweise in einfachen Worten den Mehrwegverbund, auf einer Seite für die Kund*innen, auf der anderen für das Verkaufspersonal. Ein Aufkleber für die Tür macht Kund*innen auf das neue Angebot aufmerksam.
Mit dem Mehrweg-Förderprogramm, das der Gemeinderat beschlossen hat, werden die Betriebe finanziell unterstützt, insbesondere dann, wenn sie sich dem Mehrwegverbund Freiburg anschließen. Denn je mehr Freiburger Unternehmen am Mehrwegverbund teilnehmen, desto praktischer wird die Nutzung der Mehrwegbecher für die Kund*innen.
Die Becher aus dem Mehrwegverbund können zwar unterschiedlich aussehen und stammen von verschiedenen Mehrweganbietenden, tragen aber alle eine einheitliche Kennzeichnung, das Zeichen des Arbeitskreis Mehrweg, das von Getränkeflaschen bekannt ist. Die Betriebe haben so weiterhin Wahlfreiheit und können einen für sie passenden Becher aus dem Angebot auswählen. Gleichzeitig profitieren die Kund*innen, die die Becher an vielen Stellen zurückgeben können – unabhängig davon, wo sie sie erhalten haben.
Kommunikation und Information
Der Mehrwegverbund ist ein Teil der Mehrwegoffensive. Zentral ist daneben auch eine größer angelegte Informationskampagne. Eine verstärkte Mehrwegnutzung funktioniert nur mit guter Kommunikation. So wird ab dieser Woche auf Plakaten für mehr Mehrweg geworben, ebenso wie auf einem Müllfahrzeug der ASF. Prominentester Werbeträger wird eine Straßenbahn sein, die künftig die Botschaft „Mehrweg passt zu Freiburg wie Fahrrad und Bächle“ in die Stadt trägt.
Zentral ist auch die Kommunikation mit den Betrieben. So fanden bereits drei Runde Tische mit Vertreter*innen aus der Gastronomie statt, Anfang 2026 sind zwei weitere Gesprächsrunden geplant. Außerdem gibt es bereits eine rege Nachfrage nach den individuellen Beratungen.
Bereits direkt nach dem Gemeinderatsbeschluss fanden Gespräche mit relevanten Stakeholdern wie der Bäckerinnung, Industrie- und Handelskammer (IHK), dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) sowie der Fleischerinnung statt. Auch wurden Gespräche mit Geschäftsführenden einzelner Freiburger Unternehmen geführt, um einen Überblick zu bekommen, was für die Mehrwegnutzung aus Sicht der lokalen Gastronomie wichtig ist.
Für Veranstaltungen in Freiburg wird gemeinsam mit der FWTM und dem Mehrwegverbund Freiburg ein Mehrwegkonzept erarbeitet. Der Freiburger Weihnachtsmarkt zum Beispiel setzt schon zum Großteil auf Mehrweg, gleichzeitig ist jede Veranstaltung besonders, mit entsprechend besonderen Anforderungen. Daher braucht es hier gute Konzepte, um Mehrweg auf Veranstaltungen auf städtischen Flächen – auch für Speiseverpackungen – zum Standard zu machen. Ob und wie Veranstaltungen dabei die lokale Mehrweglogistik des Mehrwegverbunds nutzen können, wird aktuell geprüft.
Hintergrund
Täglich werden in Freiburg rund 4,5 Tonnen Abfall in öffentlichen Abfallbehältern und in Form von wildem Müll gesammelt und entsorgt. Rund 45 Prozent des Inhalts der Mülleimer in der Freiburger Innenstadt sind Einweg-to-go-Verpackungen. Im Mai 2025 hat der Gemeinderat deshalb eine Verpackungssteuer und die Mehrwegoffensive beschlossen.
Durch die Verpackungssteuer werden Mehrwegverpackungen für viele Speisen und Getränke in der Freiburger Gastronomie im nächsten Jahr die günstigere Alternative zur Einwegverpackung sein. Der Coffee-to-go im Mehrwegbecher ist ebenfalls 50 Cent günstiger als in der Einwegvariante. Wer dann eine Mehrwegbox für Pommes oder gebratene Nudeln nutzt, spart jeweils 50 Cent Verpackungssteuer. Auch mit mitgebrachten Behältnissen kann die Verpackungssteuer gespart werden und selbst zum Einwegpizzakarton gibt es eine Mehrwegalternative. Die Mehrwegoffensive soll ohne Steuerbelastung für mehr Mehrweg sorgen.