Pressemitteilung vom 25. September 2025
Am Freitag, 26. September, jährt sich der Geburtstag von Freiburgs Ehrenbürgerin Gertrud Luckner zum 125. Mal
- Veranstaltung in der Altkatholischen Kirche
Am Freitag, 26. September, hätte Freiburgs Ehrenbürgerin Gertrud Luckner ihren 125. Geburtstag gefeiert. Gertrud Luckners Name steht wie kein zweiter in Freiburg für die Unterstützung von Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt wurden. Der Staat Israel und die Stadt Freiburg würdigten ihr Engagement mit der jeweils höchsten Auszeichnung.
Gertrud Luckner wurde 1900 in London geboren und siedelte 1907 mit ihrer Pflegefamilie nach Deutschland um. Nach Abschluss ihres Volkswirtschaftsstudiums 1930 wechselte sie zur Vorbereitung ihrer Promotion nach Freiburg. Ab 1933 wurden Mitglieder eines von ihr gegründeten privaten Diskussionszirkels von den Nazis als jüdisch verfolgt. Luckner unterstützte sie auf vielfältige Weise – ebenso wie viele andere, die um Hilfe baten.
In kurzer Zeit war aus einem Freundeskreis ein privates Hilfswerk geworden, das mit Unterstützung des Caritasverbands fortbestand, für den sie seit 1938 arbeitete. Erzbischof Conrad Gröber unterstützte Luckners Engagement durch einen offiziellen Auftrag für „Aufgaben der außerordentlichen Seelsorge“. Viele Hilfsaktionen fanden jedoch im Geheimen statt und waren mit großem persönlichem Risiko verbunden. Luckner half bei Ausreisen, organisierte Verstecke und bewahrte so zahlreiche jüdische Menschen vor der Deportation.
1943 wurde sie verhaftet und ins KZ Ravensbrück deportiert. Sie überlebte und kehrte 1945 zum Caritasverband nach Freiburg zurück. Dort baute sie die Abteilung Verfolgtenfürsorge auf, die sie bis 1969 leitete.
Für ihre Verdienste erhielt Gertrud Luckner als erste Deutsche den Titel „Gerechte unter den Völkern“, die höchste Auszeichnung des Staates Israel für Nichtjuden. 1979 verlieh ihr die Stadt Freiburg die Ehrenbürgerwürde. Außerdem ist die Gertrud-Luckner-Gewerbeschule seit 1987 nach ihr benannt. Vor dem Schulgebäude in der Kirchstraße ist ihr zu Ehren auch ein Stolperstein verlegt. Gertrud Luckner setzte sich bis ins hohe Alter für Versöhnung und Dialog zwischen den Religionen ein. Sie starb im Alter von fast 95 Jahren in einem Freiburger Pflegeheim.
Veranstaltung anlässlich des 125. Geburtstags
Anlässlich des Geburtstags findet am Freitag, 26. September eine Veranstaltung in der Altkatholischen Kirche Freiburg statt. Beginn ist um 17 Uhr, der Eintritt ist frei, es gibt keine Einlassmöglichkeit für Zuspätkommende. Spenden zugunsten der Tafel werden erbeten.
Dabei werden Texte gelesen von Else Lasker-Schüler, Mascha Kaleko, Erich Fried, Peter Huchel, Paul Celan, Gertrud Kolmar, Avraham Ben Yitzhak, Rose Ausländer, Osip Mandelstam, Nelly Sachs, Nikolaus von Halem und Georg Trakl. Außerdem wird Musik zu hören sein von Gideon Klein, Ernst Toch, Karl Amadeus Hartmann, Marvin Feinsmith und Zsigmund Schul.
Es spielen Muriel Cantoreggi (Violine), Dina Fortuna-Bollon (Cello), Wolfgang Rüdiger (Fagott). Lesen werden Markus Laibach, Gerd Heinz, Johannes Götz, Alexander Vassiliev, Bernhard Wulff, Franz Brockmeyer, Muriel Cantoreggi, Wolfgang Rüdiger. Idee, Planung und Redaktion: Dirk Nabering.
Gestaltet wird das Programm vom Bronislaw-Huberman-Forum, der Abend findet statt in Kooperation mit dem Dokumentationszentrum Nationalsozialismus der Museen Freiburg, der Gertrud-Luckner-Bibliothek sowie dem Blauen Haus Breisach.