Vorreiterkommunen ziehen Zwischenbilanz
Gemeinsam zur Klimaneutralität

Nicht nur Freiburg hat sich das Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu sein. Außer der Green City sind auch Denzlingen, Ludwigsburg und der Landkreis Calw im baden-württembergischen Förderprojekt „Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2035“. Sie hatten sich 2023 mit ihren Konzepten in einem landesweiten Wettbewerb gegen die Mitbewerber durchgesetzt.
Am 13. November 2025 trafen sich die beteiligten Kommunen, Ministerien und Verbände zum Austausch im Freiburger Waldhaus. Nach zwei Jahren ist die Zwischenbilanz durchaus positiv: Mit der finanziellen Unterstützung in Höhe von insgesamt bis zu 11,5 Millionen Euro konnten die Akteur*innen bereits eine Fülle von Klimaschutzprojekten entwickeln und umsetzen. Für alle weiteren Projekte bleibt noch Zeit bis Februar 2027. Dann endet die Förderung.
Unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel
Freiburg: Klimaquartiere, Windenergie und Ernährungsrat
Freiburg nutzt die Gelder aus dem Fördertopf unter anderem für die Klimakommunikationskampagne So weit. So gut. Klimastadt Freiburg. Sie schafft Transparenz, in dem sie sichtbar macht, was Freiburg bereits für den Klimaschutz getan hat, was geplant ist und was noch bevorsteht. Ziel ist es, die Menschen in der Stadt mitzunehmen und zu motivieren.
Ein wichtiger Schritt zur Klimaneutralität ist der Ausbau der Windkraft, die die Stadt stark vorantreibt. Um alle Bürger*innen mitzunehmen und mögliche Vorurteile gegenüber Windenergie abzubauen, wurde eine eigene Fachkampagne entworfen. Darüber hinaus organisierte die Stadt moderierte Veranstaltungen für Bürger*innen, um auch mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die Windkraft ablehnen oder kritisch sehen.
Auch das im Oktober gestartete Klimaquartier in Zähringen ist Teil der Kampagne. Wie zuvor im Stadtteil Waldsee gibt es auch hier Veranstaltungen und Beteiligungsformate, bei denen zusammen mit den Bürger*innen eine Vision für einen nachhaltigen und klimafreundlichen Stadtteil entwickelt und umgesetzt wird. Themen werden eine energieeffiziente Bauweise, der Einsatz erneuerbarer Energien, viel Grünraum und eine klimafreundliche Mobilität sein.
Ein weiterer Schwerpunkt in Freiburg liegt in der Unterstützung des Ernährungsrates Freiburg und Region und der Etablierung eines zukunftsfähigen Ernährungssystems. Der Ernährungsrat fördert die direkte Beziehung zwischen Verbraucher*innen und Erzeuger*innen in Stadt und Region. Eine Förderung erhielt die Kampagne „Iss besser – aus der Nachbarschaft. Lokal Hero“: Freiburger Restaurants und Kantinen setzten im Juli 2025 ein Aktionsgericht mit regionalen, saisonalen Zutaten auf die Karte.
Denzlingen: Mobilität, Sanierung, Solarenergie
Auch die Gemeinde Denzlingen mit rund 14.000 Einwohner*innen will mit einer Kampagne mehr Aufmerksamkeit für Klimaschutzbekommen. In Anlehnung an den als Storchenturm heißt diese „Denzlingen – wo Ideen flügge werden". Sie fördert unter anderem Alternativen zum Auto. Denzlingen bietet so kostengünstige Leihräder an und stellt ein gemeindeeigenes Lastenrad zur Verfügung. Ein Fahrradkino mit einem Klimaschutzfilm sowie ein Klimaspaziergang zur Erderhitzung und den Folgen für Denzlingen ergänzen die Angebote. Ein neues Parkraumkonzepts ist ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung CO2-Reduktion im Verkehr.
Im Rahmen des Projekts hat Denzlingen außerdem analysiert, wie Freiflächen für Photovoltaik genutzt werden können. Das Ergebnis: Es gibt zu wenig Photovoltaikpotenzial auf Denzlinger Parkplätzen. Deswegen hat nun die Bürgerenergiegenossenschaft inahe dem Schwimmbad eine bislang ungenutzte Fläche gepachtet und will darauf eine Anlage errichten.
Ludwigsburg: Solar-Checks, Wärmeatlas und Klimaschutz in Unternehmen
Ludwigsburg mit rund 93.000 Einwohner*innen sorgt mit einem kostenfreien Solar-Check, einer ehrenamtlichen Solarberatung und Solarparties für mehr Aufmerksamkeit und Interesse an Solarstrom. Ein weiteres Projekt der Stadt ist ein kostenfreies Thermografie-Tool. Mit ihm können Bürger*innen als Startpunkt für eine energetische Sanierung Wärmebilder ihres Hauses machen.
Auch Offensive „Wir Energiewender“ unterstützt energetische Gebäudesanierungen. Hier kommen Energieberater*innen direkt ins Haus. Darüber hinaus fördert Ludwigsburg mit Netzwerkveranstaltungen die Verankerung von mehr Klimaschutz in Unternehmen.
Landkreis Calw: Gemeinsam aktiv für mehr Klimaschutz
Der Landkreis Calw umfasst 25 Städte und Gemeinden. Im Rahmen eines Innovationsfonds unterstützt der Landkreis 19 Klimaschutzprojekte in seinen Gemeinden finanziell. In einer Gemeinde wurden Lastenrädern für die Bürger*innen und E-Fahrzeugen für den Bauhof angeschafft, in anderen gab es Machbarkeitsstudien zur Wärmeversorgung durch Geothermie. Auch die Übernahme und Aufrüstung einer bestehenden Photovoltaik-Anlage auf einer Sporthalle wurde gefördert.
Außerdem finanziert der Landkreis aus den Geldern des Förderprojekts eine Social-Media-Kampagne für mehr Nachwuchs im Handwerk. Diese zielt vor allem auf Berufe, die für Klimaschutzprojekte gesucht werden. Flankiert wird die Kampagne von einer Klima-Challenge, bei der im September 2025 sechs Schulklassen in handwerklichen Spielen gegeneinander antraten.
Profitieren können auch andere
Damit andere von den Ergebnissen profitieren können, achtete das Umweltministerium als Geldgeber darauf, Konzepte von Kommunen verschiedener Größe auszuwählen. So lassen sich die Erfahrungen und Erfolge von Denzlingen, Freiburg, Ludwigsburg und dem Landkreis Calw übertragen und können als Inspiration dienen.
Koordiniert wird das Förderprojekt von der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg. Weitere Informationen zum Gesamtprojekt finden sich auf www.kea-bw.de/kommunaler-klimaschutz/angebote/kommunenwettbewerb.