Drei Fragen an...

Leonie Werle zum Gedenkraum im Doku­mentationszentrum Nationalsozialismus (DZNS)

Gedenkwand mit vielen Namen

Der Gedenkraum im DZNS erinnert an Freiburger­*innen, die zwischen 1933 und 1945 verfolgt wurden. Dank intensiver Forschungsarbeiten können nun rund 170 Namen ergänzt werden – ab Dienstag, 16. Juni, sind sie zu sehen. Für die Recherchen ist Leonie Werle zuständig.

Porträt von Leonie Werle

1. Woher stammen die Informationen zu den Menschen, deren Namen jetzt neu aufgenommen wurden?

Die meisten biografischen Daten stammen aus dem Staatsarchiv hier in Freiburg und dem Bundesarchiv in Berlin. Weitere wichtige Quellen sind die zahlreichen digitalen Datenbanken, beispielsweise von Yad Vashem oder von Stolpersteinprojekten oder NS-Gedenkstätten. Eine neuere Quelle ist die Datenbank der Leopoldina zu den Opfern medizinischer Experimente im Nationalsozialismus.

2. Was sind die größten Herausforderungen bei der Recherche?

Die Herausforderung besteht vor allem darin, bei der großen Menge an Aktenbeständen und den zahlreichen online aufbereiteten Informationen den Überblick zu behalten. Schwierig sind unterschiedliche Schreibweisen von Namen oder abweichende Geburtsdaten. Oft ist unklar, ob es sich tatsächlich um dieselbe Person handelt. Auch bei Datenbankrecherchen ist die korrekte Schreibweise entscheidend: Schon ein falscher Buchstabe kann dazu führen, dass eine Person nicht gefunden wird.

3. Gibt es ein Schicksal, das sie besonders berührt hat?

Ich habe mich in den letzten Monaten unter anderem intensiv mit den „Krankenmorden“ beschäftigt. Diese Schicksale berühren mich immer wieder besonders. Neben den einzelnen Lebensgeschichten bewegt mich vor allem die Art und Weise, wie verächtlich über die Menschen in den Patient­*innenakten geschrieben wurde. Die Betroffenen hatten in der Regel keinerlei Möglichkeit, sich gegen diese Maßnahmen zu wehren. Und auch zahlreiche dokumentierte Versuche von Angehörigen, ihre Familienmitglieder aus den Kliniken nach Hause zu holen, scheiterten.

Am Dienstag, 16. Juni, findet dazu auch ein Thementag statt. Mehr dazu hier.

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 912 vom 13. Juni 2026. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 12. Juni 2026