70. Sitzung | 26. März 2026, 14 Uhr
TOP 1: Sanierung und Aufstockung des "Kleinen Hauses", Theater Freiburg
(öffentliche Erstvorstellung)
Bertoldstr. 46 | Altstadt
Bauherr*in: Stadt Freiburg, Gebäudemanagement Freiburg
Planverfasser*in: ARGE: Spiecker Sautter Lauer Dipl.-Ing. Architekten, Freiburg | FABRE SPELLER, Bamberg, Paris, Clermont-Ferrand
Protokoll
Im Fokus der Beratung steht die umfassende Modernisierung des Spielbetriebs und der Bühnentechnik sowie die barrierefreie Erschließung des Kleinen Hauses. Der Gestaltungsbeirat würdigt die Weiterentwicklung der Planung, die auf einer intensiven und differenzierten Auseinandersetzung mit der bestehenden Bausubstanz basiert.
Das Theater stellt einen der bedeutendsten Stadtbausteine Freiburgs dar und bedarf daher besonderer Aufmerksamkeit.
Die Aufstockung von Chorsaals und Kleinen Hauses ist in ihrer Volumetrie, Setzung sowie in der grundsätzlichen Ausformulierung nachvollziehbar. Die Maßnahme mit dem Ziel, einen zeitgemäßen Theaterraum zu schaffen, wird ausdrücklich als sinnvoll erachtet.
Besonders anerkennenswert ist die Abstraktion der Fassade, die den Gedanken eines Theater-Vorhangs aufgreift. Die in der Sitzung vom Juli 2025 gegebenen Hinweise zur Aufnahme der Trauflinien in die neue Fassadengestaltung wurden sorgfältig berücksichtigt. Im Detail zeigen sich jedoch unterschiedliche Ausformulierungen: Während die Fassadengestaltung im Bereich der Aufstockung des Kleinen Hauses sehr filigraner wirkt, erscheint die des Chorsaals vergleichsweise kräftiger gestaltet.
Die filigranere Ausführung wird dabei eindeutig bevorzugt.
Der Umgang mit der Fuge zwischen Kleinem Haus und Werkstätten überzeugt noch nicht. In der vorgelegten Fassade vermittelt das auskragende Vordach den Eindruck eines zusätzlichen Theaterzugangs.
Zwar ist der Hintergrund - ein wettergeschützter Transport von Bühnenkulissen - nachvollziehbar und wird inhaltlich anerkannt, dennoch wird empfohlen, die neue Fassade konsequent bis zum Boden zu führen. Das Anlieferungstor ließe sich dabei in die Fassadengestaltung und könnte im geöffneten Zustand die gewünschte Überdachung gewährleisten. Auf diese Weise würde zugleich vermieden, dass das Vordach dauerhaft in den öffentlichen Raum auskragt.
Die Ecksituation am Zugang zum Kleinen Haus bedarf einer klareren Definition, insbesondere im Hinblick auf die Barrierefreiheit sowie die damit verbundenen topografischen Anforderungen.
Insgesamt lässt sich aus Sicht des Beirats den vorgelegten Plänen bislang noch kein durchgängig einheitliches Gesamtbild eindeutig entnehmen. Die Präsentation wirkt stellenweise wie eine Zusammenstellung einzelner Bausteine, wobei die übergeordnete Planungsidee noch nicht in allen Teilen klar hervortritt. Dies wird insbesondere in den Ansichten zur Sedanstraße deutlich.
Der Gestaltungsbeirat wünscht sich daher eine präzisere und zusammenhängendere Fassadendarstellung, die die geplanten Eingriffe nachvollziehbar und im Kontext des Gesamtentwurfs erkennbar macht.
Darüber hinaus wäre eine vertiefte Darstellung der Fassadenansicht sowie der vorgesehenen Materialität hilfreich. Es wird empfohlen, eine Detailplanung im Maßstab 1:20 (Schnitt/Ansicht), möglichst auch mit Varianten, vorzulegen, um eine fundierte Grundlage für die weitere Diskussion zu schaffen. Weiterhin empfiehlt der Beirat die Erstellung eines Mock-ups im Maßstab 1:1, um die geplante Umsetzung zu überprüfen und auch der Öffentlichkeit die intensive Auseinandersetzung mit dem Projekt anschaulich zu vermitteln.
Der Gestaltungsbeirat dankt dem Planungsteam für die Präsentation der Weiterentwicklung. Angesichts der Bedeutung der Bauaufgabe bittet der Gestaltungsbeirat um eine erneute Vorstellung des Projekts, sobald die Fassaden-planung weiter präzisiert und vertieft sowie die Außenraumgestaltung weiter ausgearbeitet ist.