Lehener Straße / Fehrenbachallee

Kreuzung im Stühlinger wird barrierefreier

Drei Personen mit Blinden-Gehstock überqueren Bahnschienen auf der Fehrenbachallee
Wie gefährlich die Kreuzung zwischen Lehener Straße und Fehrenbachallee für Menschen mit Sehbehinderung sein kann, zeigen Daniela Schmid, Hendruck Schmitt-Nagel und Mischa Knebel (v.l.n.r.).

Die Kreuzung Lehener Straße / Fehrenbachallee wird derzeit barrierefrei umgebaut. Warum das notwendig ist und was die Baustelle für Vekehrs­teil­nehmer­*innen bedeutet, zeigte sich bei einem Vor-Ort-Termin.

Bauen in zwei Abschnitten

Die Fehrenbachallee ist derzeit an der Kreuzung zur Lehener Straße gesperrt, um sie grundlegend umzubauen und barrierefrei zu gestalten. Umleitungen sind ausgeschildert, nur Fußgänger*innen können die Straße passieren. Die Straßenbahnen fahren regulär weiter.

Im zweiten Bauabschnitt ist dann die Lehener Straße gesperrt und die Fehrenbachallee frei. Die Bauarbeiten dauern voraussichtlich bis Ende Dezember. Die Kosten für Umbau und Sanierung liegen bei 722.000 Euro und werden vom Land gefördert.

Tastbare Orientierungshilfen fehlen

Warum es mehrere Monate eine Baustelle gibt, hat gute Gründe. Einer davon: Barrierefreiheit. An dieser Kreuzung im Stühlinger wird klar, welche Gefahren auf mobilitätseingeschränkte und sehbehinderte Menschen lauern. Wer von Norden aus der Lehener Straße kommt und über die Kreuzung möchte, muss nicht nur Straßenbahnschienen, sondern danach noch zwei Fahrspuren passieren.

Wer sich hier als sehbehinderter Mensch mit einem Langstock orientieren möchte, stößt auf der rechten Seite nicht gegen eine tastbare Orientierungshilfe – wie etwa eine Bordsteinkante –, sondern nur auf Laub. Darauf folgt ein Zäunchen, um das der Stock geführt werden muss. Danach signalisiert nichts, dass der Straßenbahnübergang beginnt, denn Fußweg und Gleise sind auf gleicher Höhe. Ein akustisches Signal gibt es auch nicht. Und sind die beiden Gleise unfallfrei überstanden, ist erst die Hälfte der Kreuzung geschafft.

Verschiedene Verkehrsteilnehmende mitdenken

Bei einem städtischen Pressetermin vor Baubeginn zeigt Mischa Knebel, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden, was für Gefahren auf Menschen mit eingeschränkter Sicht lauern. Den eben beschriebenen Weg läuft er mit Begleitung entlang. „Es ist schon vieles gemacht worden“, sagt er zum aktuellen Status der Barrierefreiheit in Freiburg. Allerdings gebe es noch genügend Orte, die nach wie vor Hindernisse bieten. Knebel bekommt Rückmeldungen von Betroffenen, die auf dem Arbeitsweg Schwierigkeiten haben, teilweise direkt vor der Haustür.

Vor Ort zeigt Hendrik Schmitt-Nagel vom Garten- und Tiefbauamt, wie die Stadt solche Kreuzungen zugänglicher für so viele Menschen wie möglich macht. Wichtig ist, dass „aus Sicht der verschiedenen Gruppen von Verkehrsteilnehmenden gedacht“ wird, sagt der Verkehrsplaner. Und vor allem wird mit diesen Gruppen gesprochen, das bestätigen sowohl Knebel als auch Daniela Schmid, Vorsitzende des städtischen Beirats für Menschen mit Behinderung, die ebenfalls beim Termin mit dabei ist.

Bodenplatten helfen bei der Orientierung

Was das konkret für die Lehener Straße / Fehrenbachallee heißt: weiße Bodenplatten mit Noppen, Quer- und Längsstreifen. Wer mit dem Stock über die Noppen fährt oder drauftritt, erfährt: Jetzt muss man aufpassen, es kommt zum Beispiel eine Kreuzung. Danach zeigen Längsstreifen an, in welche Richtung man die Straße überqueren kann. Querstreifen, gegen die der Langstock stößt, deuten darauf hin, dass gleich die Fahrbahn kommt. Die Platten helfen auf dreierlei Weise:

  • taktil: beim Drüberfahren und -laufen spürt man sie
  • akustisch: durch unterschiedliche Klopfgeräusche von Asphalt und Bodenplatte
  • visuell: die Platten haben einen hohen Kontrast zum restlichen Fußweg.

So helfen sie sehbehinderten Menschen, die sich – anders als blinde Verkehrs­teil­nehmer­*innen – nicht mit dem Langstock orientieren, wegen ihres eingeschränkten Sehvermögens aber besonders auf starke Hell-Dunkel-Kontraste angewiesen sind.

Ampeln mit Taster und akustischen Signalen

Ein Teil der Kreuzung, der fast fertig ist, zeigt, was den anderen noch fehlt. Dazu gehören unter anderem breitere Verkehrsinseln (2,5 Meter breit), auf null abgesenkte Bordsteine und ein Knopf unter dem Taster der Fußgängerampel. Erfühlt man ihn, bietet er noch zusätzliche Infos – etwa, ob eine Verkehrsinsel auf dem Weg auf die andere Straßenseite ist.

Was bei dieser und allen anderen Ampeln auf der Kreuzung noch dazukommt: akustische Signale. Ein tiefes Klacken zum Orten der Ampel, ein höheres, schnelles Piepen, wenn sie grün anzeigt.

Barrierefreiheit kommt allen zugute

Vor einer anderen Querung wird der Radverkehr von der Kreuzung auf den Bürgersteig geführt, der Radweg soll mit der Sanierung auf die Fahrbahn verlegt werden. Ein Grund: Menschen mit eingeschränkter Sicht könnten von links kommende Radfahrer*innen zu spät sehen und angefahren werden, ein vermeintlich sicherer Schritt nach vorne kann schon für einen Unfall reichen.

Bei Barrierefreiheit könnte man zuerst an Menschen mit Behinderungen denken. Doch im Endeffekt helfen die Umbauten viel mehr Leuten. Breitere Verkehrsinseln schützen auch Eltern mit Kinderwagen, abgesenkte Bordsteine erleichtern mobilitätseingeschränkten Menschen den Weg auf die andere Seite. Und getrennte Rad- und Fußwege bringen generell weniger Tempo auf die Bürgersteige.

Es ist schon vieles gemacht worden – hier wird noch ein weiterer Schritt gegangen. (ast)

Dieser Artikel erschien im Amtsblatt Nr. 918 vom 26. September 2026. Wer auf dem Laufenden bleiben will, wird alle zwei Wochen per Newsletter über das neue Amtsblatt informiert. Jetzt anmelden!

Veröffentlicht am 25. September 2026